Lady Eleanor - zwischen Glut und Galgen (eBook)
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-0754-7 (ISBN)
König John befiehlt, dass sie wieder heiratet? Die junge Witwe Lady Eleanor Tallany ist entsetzt. Ihr Herz schlägt für ihre armen Vasallen und bestimmt nicht für Sir Hugh de Villiers, einen königstreuen Ritter! Doch sie muss sich fügen - und wird von Hughs aufmerksamen Zärtlichkeiten und galanter Leidenschaft verführt. Jeden sinnlichen Wunsch liest ihr attraktiver Ehemann ihr von den Augen ab. Aber niemals darf er ihr Geheimnis erfahren: Der berüchtigte Rebell Le Renard, der für die Rechte der Armen und gegen die Leute des Königs kämpft, der verhasste Gesetzlose, den der König am Galgen sehen möchte - ist Eleanor!
2. KAPITEL
Es war eine elende Woche gewesen, die in der Hochzeitszeremonie mündete, und am nächsten Tag um diese Zeit würde Hugh mit der ständig ausweichenden Lady Eleanor Tallany vermählt sein. Heute ritten sie zusammen durch die Wälder, die an das Landgut grenzten. Es war ein warmer Frühlingsmorgen, und zwischen den alten Laubbäumen entdeckten sie einen Teppich aus lilafarbenen Blüten.
Hugh seufzte und blickte zu Eleanor hinüber, die auf ihrem grauen Zelter saß. Sie sah hinreißend aus, wenn auch ein wenig blass, in ihrem grünen, von Silberfäden durchwirkten Wollkleid, dem cremefarbenen Schleier und dem Silberreif im Haar. Wie sie so hochmütig dreinblickte, gerade aufgerichtet und die Falten des Kleides an der Seite des Pferdes drapiert, wirkte sie wahrhaft königlich.
„Welchen Weg würdet Ihr heute Morgen vorschlagen, Lady Eleanor?“
„Welcher auch immer Euch zusagt“, antwortete sie steif, drehte dann aber den Kopf, als habe sie es sich anders überlegt, und schenkte ihm ein Lächeln, das ihre Augen jedoch nicht erreichte.
Er verdrängte seinen Frust. „Ich hätte ganz gerne Eure Meinung gehört, denn Ihr kennt diese Gegend besser als ich, aber was soll’s. Wie wäre es, wenn wir nach Norden reiten? Der Haushofmeister hat mich wissen lassen, dass es dort einen Landstrich von natürlicher Schönheit gibt, der außerdem einen herrlichen Ausblick von dem Hügel bietet.“
Sie zuckte die Schultern. „Wie Ihr wünscht.“
„Was ich wünsche, ist, dass Ihr mehr preisgebt.“
„Wovon soll ich mehr preisgeben, Sir Hugh?“
Mehr von Euch, mehr von Eurem Leben …
Er atmete tief ein. „Mehr von allem, was Euch in den Sinn kommt. Erzählt mir etwas über Tallany. Über das Land, die Dörfer, die Menschen, die hier wohnen.“
Sie drehte schnell den Kopf und schluckte, aber als sie sprach, klang ihre Stimme wieder flach und kraftlos. „Fragt Gilbert Claymore, den Haushofmeister. Er wird Euch mit allen Informationen ausstatten, die Ihr braucht. So, sollen wir jetzt mal aus den Pferden herausholen, was geht?“ Sie hob die Augenbrauen und setzte ein künstliches Lächeln auf.
Ah, schon wieder klebte dieses falsche Lächeln auf ihrem Gesicht! Hugh stöhnte innerlich. Das würde ein weiterer schlechter Tag werden; er konnte es in den Knochen spüren. Er würde so schlecht werden wie der gestrige und der Tag davor. Tatsächlich wäre er froh, wenn er die gesamte vergangene Woche gegen einen Feldzug eintauschen könnte. Er würde lieber eine schmutzige, schwierige Schlacht schlagen, als einen weiteren Tag zu ertragen, an dem er seiner Verlobten vermeintlich den Hof machen musste, bevor sie vermählt wurden.
Was vollkommen lächerlich war, denn er wusste immer noch nicht mehr über Lady Eleanor als bei ihrem ersten Zusammentreffen. Wenn überhaupt, war sie ihm da noch lebendiger und authentischer erschienen als seither.
Sie mied ihn, ignorierte ihn oder gab ihm im besten Fall knappe Antworten auf seine Fragen, so wie gerade eben, mit ganz höflicher Unterwürfigkeit.
Eleanor Tallany war jetzt sogar noch frustrierender als anfangs, als man ihn ständig hatte auf sie warten lassen. Und diese Frau sollte seine Gemahlin werden. Seine Gemahlin, um Himmels willen … Und es lag ganz offensichtlich auf der Hand, dass sein Versuch, ihr den Hof zu machen, ihr ebenso zuwider war wie die Aussicht auf eine Ehe mit ihm.
Ihr den Hof machen? Nun, das war vollkommen lachhaft.
Hugh hatte gehofft, dass er Eleanor durch sein Werben um sie etwas erweichen konnte, sodass sie ein Kennenlernen zulassen würde, aber sie nahm seine Annährungen so freundlich auf wie einen Aderlass!
Und als wäre das nicht schon schlimm genug, fühlte er sich dummerweise auch noch jedes Mal, wenn er sie erblickte, zu ihr hingezogen. Er verstand es selbst nicht. Sie verkörperte alles, was er an anderen Menschen, insbesondere an Frauen, hasste: Hochmut, Zügellosigkeit und Dreistigkeit. Aber die Anziehungskraft war jedes Mal da, wenn er sie traf. Selbst der züchtige Kuss in ihrem Gemach, der ihre Verlobung besiegeln sollte, hatte in ihm den Wunsch nach mehr ausgelöst. Und dabei hatten seine Lippen nur den Handschuh berührt, bei Gott!
Hugh hatte Eleanor beobachtet, wenn sie mit ihren Leuten zusammen war, mit ihrem Haushofmeister oder ihrer Kammerjungfer. Daher wusste er, dass sie auch offen und warmherzig sein und aufrichtig lächeln konnte. Ganz anders sah es aus, wenn sie ihn anblickte.
Verdammt … Er wollte diese Frau doch bloß besser kennenlernen, sodass sie ein gegenseitiges Verständnis, eine Art gemeinsamer Basis errichten konnten, um darauf die erzwungene Ehe aufzubauen. Und das ungeachtet der Tatsache, dass es ihn Zeit kostete, wo er doch eigentlich Le Renard und seine Bande Gesetzloser finden und festsetzen musste. Nicht, dass Hugh auch nur annähernd wusste, wo der Fuchs sich aufhielt … noch nicht.
Das musste er ihnen lassen: Die Bandenmitglieder hatten sie alle listig getäuscht. Sie hatten es geschafft, mitten in der Nacht einige der Pferde seiner Männer freizulassen; von denen sie nur wenige wieder hatten einfangen können. Und ein paar Nächte zuvor hatten sie eine Kerbe in die Versorgung mit Nahrungsmitteln geschlagen, indem sie Weizen aus der Dorfmühle gestohlen hatten, sodass zum Brotbacken nur noch wenig zur Verfügung stand. Was angesichts der Hochzeitsfeier morgen höchst peinlich war.
Das Demütigendste jedoch war die Tatsache, dass die Gesetzlosen einige von König Johns Soldaten, die mit Hugh hergereist waren, entführt hatten. Man hatte sie nicht nur an einen Baum gefesselt im Dorf vor der Burg gefunden, nein, sie waren auch noch in Frauenkleider gehüllt für alle sichtbar zur Schau gestellt worden.
Ja, es war in der Tat eine schreckliche Woche gewesen.
Er versuchte, diese grimmigen Gedanken abzuschütteln, und wandte den Kopf. „Es ist ein schöner Morgen, nicht wahr, Lady Eleanor?“
„Verzeihung, habt Ihr etwas gesagt?“
„Nein, nichts von Bedeutung.“
„Ihr müsst entschuldigen, Sir Hugh. Ich war in Gedanken vertieft.“
Mit großen Augen und in aller Unschuld erwiderte sie seinen Blick.
„Und möchtet Ihr diese Gedanken teilen, Mylady?“
„Ich dachte über die unglücklichen Umstände nach, die mit den Angriffen dieser Gesetzlosen zusammenhängen. Seid Ihr ihnen auf der Spur?“
Er ärgerte sich plötzlich über sich selbst und über seine außerordentliche Unfähigkeit, ein paar gerissene Gesetzlose zu schnappen. Eigentlich war er aber in Gedanken ganz woanders gewesen. Es geschah schließlich nicht jeden Tag, dass ein Mann kurz davorstand, eine ungewollte Ehe mit einer Frau einzugehen, die zweifelsohne die Gesellschaft einer dreibeinigen Ziege der ihres Verlobten vorzog.
„Noch nicht, aber ich werde sie fangen. Früher oder später machen sie einen Fehler, und dann werde ich bereitstehen.“
„Das ist alles so seltsam. Wir hatten früher nie solche Schwierigkeiten. Wenigstens nicht seit dem Tod meines Vaters. Es jagt mir ziemliche Angst ein zu wissen, dass sich gefährliche Gesetzlose in der Nähe aufhalten.“
Hugh warf ihr einen Seitenblick zu im Bemühen, die Absicht hinter ihren Worten zu erkennen. „Deswegen bin ich schließlich hier, Mylady, um diese Ländereien zu sichern. Ihr habt nichts zu befürchten.“
„Meinen Dank, Sir Hugh. Was würde ich sonst ohne Euch tun?“
Ihre Stimme war ausdruckslos, und das falsche Lächeln klebte wieder in ihrem Gesicht und zerrte an seinem Geduldsfaden. Er fluchte in sich hinein. Wie lange würde sie noch vortäuschen, ein höfliches, fügsames und sanftmütiges zukünftiges Eheweib zu sein? Ehrlich gesagt wäre auch ihm im Moment jede andere Gesellschaft lieber als diese äußere Hülle Eleanor Tallanys – sogar die der dreibeinigen Ziege.
Hugh war klar, dass er die Anspannung, die sich in seinem Körper aufbaute, loswerden musste. „Lady Eleanor und ich reiten alleine weiter“, sagte er zu den paar Bediensteten und zu ihrem Kammerfräulein, die sie begleitet hatten.
Die Magd, die ewig treue Brunhilde, blickte ihre Herrin fragend an. Eleanor nickte ihr kurz zu.
Dann ritten Hugh und Eleanor auf einen Fluss zu, damit die Pferde trinken konnten, und schwiegen sich wieder an. Hugh sprang ab, ging zu ihrem Zelter herüber und streckte die Arme aus, um ihr beim Absteigen zu helfen. Eleanor schüttelte jedoch ablehnend den Kopf.
Was zum Teufel …! Er schien recht zu behalten: Es würde ein weiterer elender Tag werden.
Verbittert marschierte Hugh zum Fluss und spritzte sich ein wenig Wasser ins Gesicht, nahm dann sein Gambeson ab und warf es über den Sattel. Es war bemerkenswert warm für einen Frühlingsmorgen, aber das war nicht der Grund, warum er Abkühlung suchte.
Als er sich umdrehte, sah Eleanor ihn mit teilnahmslosem Blick an und wandte sich dann ab. Er seufzte. Vielleicht rührte ihr seltsames Verhalten von ihrer Liebe zu Richard Millais her, ihrem ersten Ehemann, hatte er überlegt. Aber dann hatte sie etwas erwähnt, was ihn von dieser Idee wieder abgebracht hatte. Es passte auch nicht zu dem, was Hugh über Millais’ Hang zu Ausschweifung und Grausamkeit zu Ohren gekommen war. Aber wer wusste schon, wie er zu Frauen gestanden hatte?
Wer kannte Eleanor Tallany? Er sicher nicht. Seine einzige Erfahrung mit einer engen Beziehung zu einer Frau hatte ihm ein gebrochenes Herz und einen verletzten Stolz beschert.
Er rief sich wieder in Erinnerung, dass er das alles auch nicht gewollt hatte und Eleanors...
| Erscheint lt. Verlag | 13.12.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Historical | Historical |
| Übersetzer | Sonny Paul |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Abenteuer • Adel • arrangierte • Autor • Belletristik • beste • Buch • bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora historical • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • Deutsch • eBook • ebook liebesroman • Ehe • Ehefrau • England • Erfolgsautor • Feinde • Fiktion • Frauenroman • Freundin • für • GEHEIME • Gerechtigkeit • Geschichte • Geschichten • Gesetzloser • highlander liebesromane • Historical_Herbst_Sale23 • Historische • Historische Liebesromane • Historischer • Historisches • historisch roman • Identität • John • König • Königtum • Lady • Ladys • Leidenschaft • Liebe • liebenden • Liebesgeschichte • Liebesroman • Mama • mittelalterlich • Mittelalterlicher • mittelalterliches • Muttertag • Notorious Knights • Rebellion • Ritter • Roman • Romantische Bücher • Romanze • Top • Top-Titel • und • Vasall • verbotene • Witwe • zu |
| ISBN-10 | 3-7515-0754-X / 375150754X |
| ISBN-13 | 978-3-7515-0754-7 / 9783751507547 |
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