GRÜN IST NICHT NUR EINE FARBE
Wilhelm Hotes wurde am 29. Dezember 1944 in Oldenburg (Niedersachsen) geboren. Aufgewachsen in Oldenburg, absolvierte er nach dem Realschulabschluss eine Lehre als Speditions- und Außenhandelskaufmann. Im April 1968 übersiedelte er nach Hamburg und trat in einen japanischen Konzern ein. Nebenbei studierte er im Fernstudium Betriebswirtschaft. Von 1995 bis zu seiner Pensionierung 2005 war er Geschäftsführer der Europazentrale des Konzerns. 2005 übersiedelte er von Hamburg nach Wolfsbach, wo er sich intensiv seinen Hobbys wie Segeln (Obmann des Wolfsbacher Segelvereins), Tennis, Schwimmen, klassischer Musik sowie dem Schreiben von Kurzgeschichten widmet.
Wolfsbach, 28. Januar Die Prügelei zwischen Günter Hoflehner und Werner Hinterberger verbreitete sich in Wolfsbach wie ein Lauffeuer. Dabei konnte man ja wirklich nicht von einer echten Prügelei sprechen, ein einziger gezielter Schlag hatte den Hinterberger im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bretter geschickt. Einige Bewohner hatten Mitleid mit ihm und verfluchten den Hoflehner innerlich, andere wiederum zeigten offen ihre Schadenfreude. Werner Hinterberger erfreute sich weder bei den meisten Landwirten noch bei vielen anderen Bewohnern Wolfsbachs besonderer Beliebtheit. Es war bekannt, dass er mit Glyphosat nicht besonders vorsichtig umging und außerdem ab und zu sogar am Sonntag noch Gülle auf die Felder kippte, obwohl dies seitens der Gemeinde untersagt war. Aber das kümmerte ihn herzlich wenig, und wenn Bürgermeister Obertaler ihn darauf ansprach, reagierte er meist aggressiv. Auch Regina Meissner war die Schlägerei zu Ohren gekommen und auch, dass Hermann Hartig an jenem Abend zugegen gewesen war. Daher rief sie ihn an und fragte ihn, ob er am Abend Zeit habe, um mit ihr essen zu gehen. Sie würde ihn in die Gaststätte Ott in Seitenstetten einladen, ihr Spesenbudget würde das noch gerade erlauben. Hermann willigte ein, zumal seine Lena noch immer in Wien weilte. Pünktlich um 18 Uhr holte Regina ihn ab und sie fuhren mit ihrem kleinen Dienstwagen nach Seitenstetten. Das Gasthaus Ott fiel immer wieder durch seine kreativen Dekorationen zu den verschiedenen Jahreszeiten auf. Sie nahmen im Nichtraucherzimmer Platz und ließen sich die ziemlich umfangreiche Speisekarte geben. Regina entschied sich für einen Mostviertler Surbraten, ein Geheimtipp des Hauses, Hermann wählte eine Jägerpfanne. Dazu genehmigten sich beide einen gespritzten Most. Regina wusste zwar von ihrem Chef, dass die Polizeikontrollen in dieser Gegend eher human ausfielen, aber sie wollte das nicht besonders ausreizen. Das Essen war, wie immer beim Ott, reichlich und sehr schmackhaft. Nachdem beide mit Mühe die überproportionalen Portionen erfolgreich verdrückt hatten, eröffnete Regina das Gespräch. „Hermann, ich habe gehört, dass du Zeuge dieser Wirtshausprügelei beim Zatl warst. Kannst du mir das erzählen, damit ich mir ein Bild machen und eventuellen, weiterführenden Taten entgegenwirken kann?“ „Ach Regina, da mach dir mal nicht zu viele Gedanken. Der Hinterberger, den du ja auch schon kennengelernt hast, hatte mindestens einen zu viel hinter die Birne gekippt und ist ausfällig geworden.“ „Wie, und da hat ihn der Günter Hoflehner gleich so verprügelt, dass der dabei einen Zahn verloren hat?“ „Na ja, ein bisschen mehr war schon dran. Der Hinterberger hat ihn mehr oder weniger als Schmarotzer dargestellt, der sich beim Hirschgruber durchfrisst und es mit dessen Ehefrau Maria treibt. Entschuldige den Ausdruck, aber so ist das gewesen. Dann wollte der Hirschgruber auf den Hinterberger los, aber der Hoflehner hat ihn davon abgehalten und den Hinterberger mit einem gezielten Kinnhaken ins Reich der Träume geschickt. Und danach war dann auch Ruhe im Hause Zatl.“ „Der gute Hoflehner scheint mir aber ziemlich impulsiv zu agieren. Musste er denn gleich so zuschlagen?“ „Ich weiß nicht einmal, ob der Schlag so hart war, aber der Hinterberger war stockbesoffen, und dann kann man natürlich auch nicht so viel einstecken. Vergiss bitte nicht, der Hoflehner ist ein junger Bursche, der steht voll im Saft. „Okay, das kann ich alles irgendwie unter einen Hut bringen. Was mich allerdings stutzig macht, ist die Behauptung des Hinterberger, der Hoflehner würde es mit der Frau Hirschgruber treiben. Glaubst du, dass da etwas dran ist?“ „Das weiß ich nicht, dazu kann ich auch wenig sagen. Natürlich sind Gerüchte aus ihrer Vergangenheit im Umlauf. Sie war ja lange Krankenschwester in Amstetten und hat erst vor vier Jahren ihren Job aufgegeben, um ihrem Mann und ihrem Sohn bei der Bewirtschaftung des Bauernhofes zur Hand zu gehen. Angeblich soll sie ein ziemlich heißer Feger gewesen sein, zumindest haben das einige Ärzte behauptet. Aber es wird viel gequatscht, und gerade Männer, die selten zum Zuge kommen, verbreiten dann solche Gerüchte.“ „Ja, ich glaube, da hast du wohl recht. Ich kann mir beim besten Willen auch nicht vorstellen, dass der Hoflehner es mit der Frau seines Freundes treibt. Die beiden sind doch gut befreundet, und der Hoflehner ist doch ein intelligenter Mensch, oder?“ „Ich kann mir das auch nicht vorstellen. Aber wenn du Näheres über Maria Hirschgruber erfahren willst, dann frag doch den Sohn deines Chefs. Der ist Oberarzt in Amstetten und weiß vielleicht mehr. Natürlich unterliegt er in vielen Dingen der Schweigepflicht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass er dir einiges erzählen kann.“ Regina nickte zustimmend. Dann tranken die beiden noch ein Achtel Grünen Veltliner aus dem Kamptal und machten sich auf den Heimweg. Ob sich die beiden bei der Beurteilung der Maria Hirschgruber nicht doch vielleicht irrten?
| Erscheinungsdatum | 31.10.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Raxendorf |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 150 x 210 mm |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Beziehung • Dorf • Landwirtschaft • Polizei • Umweltschutz • Wolfsbach |
| ISBN-10 | 3-903259-41-1 / 3903259411 |
| ISBN-13 | 978-3-903259-41-6 / 9783903259416 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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