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Adaption (eBook)

Kadett 889

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
336 Seiten
Hybrid Verlag
978-3-96741-171-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Adaption -  Sylvia Kaml
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Kadett 889, genannt Neun, gehört zur nächsten Generation, genetisch verbessert, um auf der verseuchten Erde überleben zu können. Wie alle Kadetten in der militärisch geführten Station träumt auch er von einer Zukunft in der utopischen Großen Stadt. Als ein sadistischer Offizier das Kommando übernimmt und den Kadetten das Leben zur Hölle macht, versuchen Neun und seine Freunde dem Terror zu entkommen und stoßen auf den wahren Zweck ihrer Existenz.

Sylvia Kaml ist Tierärztin und lebt mit Mann und Kindern im Ruhrgebiet. Die Liebe zu Büchern und ihre Leidenschaft zu Schreiben wurden schon in der Kindheit geweckt und lassen sie seither nicht los. Sie veröffentlichte mehrere Romane und Kurzgeschichten unterschiedlicher Genres in verschiedenen Verlagen. Ihre historische Reihe erscheint auch als Audiobook.

Sylvia Kaml ist Tierärztin und lebt mit Mann und Kindern im Ruhrgebiet. Die Liebe zu Büchern und ihre Leidenschaft zu Schreiben wurden schon in der Kindheit geweckt und lassen sie seither nicht los. Sie veröffentlichte mehrere Romane und Kurzgeschichten unterschiedlicher Genres in verschiedenen Verlagen. Ihre historische Reihe erscheint auch als Audiobook.

Erwachen

 

Neun spürte, wie er durch ein Schütteln aus dem Schlaf gerissen wurde. Blinzelnd erkannte er blonde Haare … Sieben? Was wollte der mitten in der Nacht?

»Wir haben verschlafen«, rief sein Freund ihm aufgebracht ins Gesicht. »In fünf Minuten fängt der Unterricht an! Die Schweine haben unsere Wecker manipuliert, da wette ich drauf.«

»Mist!« Der Adrenalinstoß, der durch seine Adern pulsierte, weckte Neun schlagartig. Er hatte kein Verlangen, noch einmal unangenehm aufzufallen. Der Putzdienst gestern bis spät in die Nacht hatte ihm gereicht. Er sprang aus der Koje und in die Uniform, das Duschen musste warten.

»Ich bin glücklicherweise aufgewacht, als die Tür surrte«, sagte Sieben. »Beeil dich!«

Neuns Herz raste. »Verdammt, verdammt, verdammt.« Nicht noch eine Strafarbeit. Mit zitternden Fingern schloss er die Druckknöpfe und hechtete hinter seinem Kumpel aus dem kleinen Raum. Wie vom Teufel gejagt, rannten beide den grauen Gang entlang. Ihre Schritte hallten derart parallel, dass man meinen könnte, eine Person renne über den Betonboden. Neuns Kopf glühte, seine Schläfen pochten. Schnell!

Auf dem asphaltierten Hof zum Lehrgebäude fiel sein Blick auf die Uhr über dem Eingang. 07:59:42. Die blauen Ziffern stachen ihm ins Auge, die Sekundenanzeige schritt beinahe bedrohlich voran. Sie konnten es schaffen, der Ausbildungsraum war am Anfang des Korridors.

Erschöpft erreichten sie die Tür, atmeten noch einmal durch und traten zaghaft ein. Der Ausbilder sah Sieben und ihn strafend an. Die anderen Jugendlichen saßen schon unbeweglich an ihren Tischen, doch die Computer waren noch nicht eingeschaltet. Im selben Moment, in dem sich die beiden auf dem Metallstuhl niederließen, erwachten die Bildschirme zum Leben und strahlten ihr flimmerndes Licht auf die Gesichter der Kadetten. Neun spürte die Erleichterung durch den gesamten Körper gleiten. Geschafft.

Hauptmann Jiang notierte etwas auf seinem Pad, bevor er monoton mit der Unterrichtung in Geschichte und Erdkunde begann.

Neun schwitzte noch immer, doch langsam normalisierte sich sein Herzschlag wieder. Er schaute zu Fünfundsiebzig, der schräg vor ihm saß. Dessen schadenfrohes Grinsen war regelrecht zu spüren. Neun zeigte ihm heimlich den Mittelfinger. Er bereute diese Reaktion sofort wieder, denn der Zimmergenosse zwinkerte ihm nur heiter zu. Zumindest machte das strahlende Veilchen im Gesicht des Rotschopfs einiges wieder wett.

Neun riss seinen Blick los und starrte ausdruckslos auf den Bildschirm vor sich. Dieser zeigte einen Film über den eurasischen Kontinent vor den Drohnen- und Chemiekriegen. Neun rollte innerlich die Augen. Wozu das Lernen von Städten, die es höchstwahrscheinlich gar nicht mehr gab? Kulturen, die längst Vergangenheit waren? Das alles wirkte nur frustrierend, nutzlos und einschläfernd. Wie so oft versuchte er, seine Gedanken davon abzuhalten, Fangen mit sich selbst zu spielen. Natürlich konnte man nichts verbergen, die Körperfunktionen der Kadetten wurden mit Hilfe von Kameras und des Sensors an der Uniform überwacht. Sobald sich die Augen eine Zeit nicht mehr bewegten und der Puls zu ruhig wurde, ertönte ein mahnender Alarm am Pult. Reagierte man nicht darauf, erhielt der Schüler einen leichten Stromschlag über den Sensor sowie einen Akteneintrag. Neun hatte auf der alten Station bereits einige Warntöne erhalten, doch bisher noch keinen Eintrag. Fiel es nur ihm immer so schwer? Warum erklang dieser nervende Surrton bei kaum einem anderen? Sie stammten doch alle von derselben Aufzuchtstation und waren genetisch getestet.

All das Lernen wofür? Neun hatte zuvor selten an den Worten der Ausbilder gezweifelt, doch in der letzten Zeit musste er immer öfter über sowas nachdenken. Je näher sie dem finalen Jahrgang kamen, desto mehr begann er, Dinge zu hinterfragen. War er krankhaft paranoid?

Während er noch darüber nachdachte, ertönte ein schmerzhaftes Pfeifen aus den Lautsprechern seines Bildschirms. Neun zuckte zusammen, das Geräusch fuhr ihm gefühlt bis ins Rückenmark. Hinter ihm vernahm er das spöttische Kichern von Einundachtzig und seine Ohren glühten. Er atmete tief durch und widmete sich den Fragen zum Filmbeitrag.

 

In der kurzen Pause zwischen den sechs Vormittagsstunden durfte keiner den Raum verlassen. Sieben und Neun saßen nebeneinander auf der Betonstufe, die den Bereich der Offiziere von dem der Kadetten trennte. Neun hatte sich aus dem Automaten einen Snack geholt. Die Riegel besaßen die Konsistenz von Pappe, beinhalteten aber alle nötigen Nährstoffe und stillten den Hunger. Etwas anderes gab es zwischen den Mahlzeiten nicht, auch ihre Ernährung wurde reguliert.

Sieben aß nichts, er wirkte abwesend.

Neun folgte seinem Blick und sah, dass sein Freund beobachtete, wie Fünfundsiebzig, Drei und Einundachtzig am anderen Ende des Raumes die Köpfe zusammensteckten.

»Lass die!«, sagte er. »Eine weitere Kriegsplanung führt doch zu nichts. Die haben sich gerächt und gut ist. Belassen wir es dabei.«

Sieben spannte den Kiefer an. »Du hast recht, wir schaden uns nur selbst damit.« Er straffte den Rücken. »Ist ja noch mal gut gegangen. Dank meiner überragenden Instinkte.«

Neun warf ihm einen vielsagenden Blick zu. »Danke fürs Wecken«, sagte er dennoch. »Du hast mir den Hals gerettet.«

»Denkst du, ich will hier alleine mit diesen Robotern hocken, während du schön genüsslich pennst und dann deine Strafstunden absitzt?«

Neun lächelte freudlos und biss ein weiteres Stück ab, das Gefühl im Mund, auf Gummi mit sprödem Getreidegeschmack herum zu kauen. Er betrachtete die Kadetten, die er noch kaum kannte.

»Hast du dir mal die Bezeichnungen unserer Mitschüler angeschaut?«, fragte Sieben.

»Nein.« Neun sah keinen besonderen Reiz daran zu wissen, welche Nummern vertreten waren. Die, die ihn interessierten, würde er schon kennenlernen. »Wieso fragst du sowas?«

»Weil einige hier Buchstaben haben.«

Neun runzelte die Stirn. »Wie meinst du das?«

Sieben zeigte auf ein braunhaariges Mädchen. »Die Hübsche da, die zum Fenster hinaus sieht. Sie heißt Aica. Und die Bezeichnung des großen Jungen da hinten ist 3Ca.«

»Das hast du dir alles gemerkt?«

»Nur diese beiden, wegen der ungewöhnlichen Namen. Wir haben doch die Liste mit Foto und Bezeichnung bekommen.« Er strich ein paar blonde Strähnen aus der Stirn. »Jetzt schau nicht wie ein Zug, warst du denn gar nicht neugierig?«

Neun schüttelte den Kopf und Sieben lachte.

»Du bist echt vertrödelt manchmal!«

»Gibt es noch mehr mit Buchstaben?«

»Nicht in unserer Klasse.«

Neun wandte sich wieder den Mitschülern zu. Ein Großteil der dreißig Kadetten saß am Bildschirm und wiederholte die Übungen der letzten Stunde.

Roboter! Solange er das Gefühl hatte, nicht für sich, sondern für das System zu lernen, sah er nicht ein, mehr zu ackern als verlangt. Er wusste ja nicht einmal genau, wofür er dies tat. Fragen zu stellen war nur bedingt möglich.

Die Einzigen, die außer ihnen nichts Unterrichtsbezogenes machten, waren interessanterweise genau die beiden mit den Buchstaben im Namen. Der große schmale Junge — 3Ca — saß nur da und grinste Einundsiebzig an, das neue Mädchen aus Station D. Die Streberin verunsicherte das sichtlich, denn es hielt sie vom Lernen ab, was 3Ca wiederum zu amüsieren schien. Dieser Junge mit der ausdrucksstarken Mimik war Neun auf Anhieb sympathisch.

Aica sah einfach stumm zum Fenster hinaus. Sie war Neuns Meinung nach das schönste Mädchen der Klasse. Er wollte gerade eine Andeutung zu Sieben machen, als der mahnende Gong durch die Lautsprecher hallte und sie alle auf ihre Plätze hasteten.

Sekunden später trat der Ausbilder ein und in dem Raum wurde es totenstill. Die Lehrkraft für die nächste Stunde war Leutnant Jean Sanders, das wussten sie vom Stundenplan.

Neun und Sieben warfen sich einen vielsagenden Blick zu, als sie in ihm den Mann wiedererkannten, der gestern im Foyer herumgeschrien hatte. Sein Gesichtsausdruck war heute nicht sympathischer, im Gegenteil. Starr in die graue Uniform gekleidet, das Barett verdeckte fast vollständig die kurzen blonden Haare, trat er in den Raum, das glatt rasierte Gesicht eisern auf die Schüler gerichtet. Es zeigte nicht die geringste Regung, als er sofort mit dem Unterricht begann. Auch heute hatte er die kurze Reitgerte bei sich. Neun bemerkte, wie die meisten der Kadetten zusammenzuckten, wenn er bei einer falschen Antwort damit auf das Pult hieb.

Alle Jugendlichen in dem Raum wirkten angespannt und es war wesentlich stiller als bei Jiang. Sie schienen diesen Lehrer zu fürchten. Das war ein Offizier, mit dem man sich besser nicht anlegte, mutmaßte Neun.

»Heute Morgen erhielten wir eine interessante Nachricht vom Generalcomputer«, berichtete der Leutnant gegen Ende der Stunde. »Es ist unserer Regierung gelungen, eine Verbindung zu einem der Satelliten herzustellen.«

Ein leises Raunen ging durch die Klasse, kaum ein Kadett schaffte es, diese Nachricht ohne einen emotionalen Ausbruch zu hören. Auch Neuns Augen weiteten sich. Einer der Satelliten! Man könnte endlich erfahren, wie es mit dem Rest der Menschheit steht. Die Zerstörung genauer untersuchen. Vielleicht eine Funkverbindung herstellen. Bilder! Der Gedanke ließ sein Herz schneller schlagen.

Drei oder vier Kadetten erhoben sich und warteten geduldig, bis Sanders ihnen mit einem Nicken erlaubte, zu sprechen.

»Welche Umlaufbahn hat dieser Satellit, Sir?« Das Mädchen konnte die Aufregung kaum verbergen. »Wann kann man mit Datenempfang rechnen? Sind es nur Bilder oder...

Erscheint lt. Verlag 13.10.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Genetisch • Kadett • Militär • Offizier • Psychothriller • sadistisch • Science Fiction • Terror • verseucht • Zukunft
ISBN-10 3-96741-171-0 / 3967411710
ISBN-13 978-3-96741-171-3 / 9783967411713
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