Der steinerne Mann von Hasle (eBook)
299 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7541-9936-7 (ISBN)
Heinrich Hansjakob war ein katholischer Geistlicher, badischer Heimatschriftsteller, Historiker und Politiker. Bekannt wurde Hansjakob vor allem als Schriftsteller.
Heinrich Hansjakob war ein katholischer Geistlicher, badischer Heimatschriftsteller, Historiker und Politiker. Bekannt wurde Hansjakob vor allem als Schriftsteller.
Erster Teil
1.
Der Schwarzwald läuft nach Südosten in den großen alemannischen Gau aus, der die Baar genannt wird. Seine waldigen Berge umfangen noch diese rauhe Hochebene. Auf einem Bergkegel derselben, unweit der Quellen der Donau, erhob sich das ganze Mittelalter herauf die gewaltige Burg und Feste Fürstenberg, weithin leuchtend wie ein riesiger Adlerhorst. Sie war so groß, daß in ihren Mauern noch eine kleine Stadt gleichen Namens Schutz fand.
In dieser Burg saßen im Hochsommer des Jahres 1286 die Söhne des ersten Fürstenbergers: Friedrich, Egino, Konrad und Gebhard, um das Erbe, so der Vater ihnen zwei Jahre zuvor hinterlassen, zu teilen.
Dieser, Heinrich mit Namen, Graf von Urach und Freiburg, ein Großneffe des letzten Zähringers, hatte mit seinem Bruder Konrad die ihrem Geschlechte vom Großoheim zugefallenen zähringischen Besitzungen im Breisgau und auf dem Schwarzwald geteilt.
Konrad nahm die ersteren mit der Stadt Freiburg, Heinrich die letzteren mit den Städten Villingen und Hasela (Haslach) .
Auf der Burg Fürstenberg schlug er um das Jahr 1250 seine Residenz auf, nannte sich Graf von Urach-Fürstenberg und ward so der Stammvater der Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg.
Sie haben viel zu teilen, die genannten Söhne. So weit sie schauen von ihrer Felsburg herab – und sie überschauen die ganze Baar und den Schwarzwald bis hinüber zum Feldberg und hinab zum Kniebis – gehört alles ihnen: Dörfer, Burgen, Wald, Wunn und Waid. Nur Städte haben sie wenige – nur zwei namhafte, das größere Villingen und das kleinere Hasela drunten im Kinzigtal, wo noch viel Gut ihrer ist und manch ein Dienstmann von ihnen sitzt.
Und selbst diese zwei Städte hat man ihrem Geschlecht von Reichs wegen streitig gemacht, als der letzte Zähringer mit Tod abging. Erst 1283 hatte König Rudolf, der Habsburger, ihren Vater, seinen Vetter und Freund, aufs neue mit Villingen und Hasela belehnt, um aus dem Streit einen Ausweg zu finden.
Die Söhne hatten nach des Vaters Hinscheiden (1284) den Bürgern von Villingen, die es also verlangt, versprochen, innerhalb zweier Jahre einen von ihnen der Stadt zum Herrn zu setzen.
Heute sind sie nun auf dem Fürstenberg beisammen, um zu teilen und denen von Villingen gerecht zu werden. Es sind lauter junge Männer, die vier Grafen, der jüngste, Gebhard, kaum dem Knabenalter entwachsen. Den beiden älteren, Friedrich und Egino, hat vor vier Jahren erst König Rudolf zu Villingen den Ritterschlag erteilt. Konrad, dem Alter nach der dritte, ist in den geistlichen Stand getreten und bereits Domherr zu Konstanz.
Als Protokollführer und Ausfertiger der Teilungsurkunde ist auf Fürstenberg erschienen der alte Notar ihres Vaters, Meister Albert von Horb.
Um einen großen eichenen Tisch sitzen die Herren in der Ritterstube, ein Knappe trägt gefüllte Humpen auf, und die Tagfahrt beginnt
»Teilen«, so hub Graf Friedrich, der älteste der Brüder, an, »ist kein Geschäft, das Geschlechter groß macht. Das zähringische Erbe, so unserem Hause zufiel, wurde schon einmal geteilt, als unser Herr Vater die Herrschaft antrat, die wir heute wieder teilen sollen.
Aber es bleibt uns nichts anderes übrig. Die Gevatter Krämer, Tuchmacher und Schneider in den Städten Deutschlands tragen den Kopf hoch seit der kaiserlosen Zeit. So auch unsere Gevattern in Villingen. Wir haben vor zwei Jahren bei geschworenem Eide zugesagt, ihnen einen aus uns Vieren zum Herrn zu geben. Sie haben darüber Brief und Siegel von uns und unseren Freunden und Sippen; obenan Bischof Rudolf von Konstanz.
Also Wort halten müssen wir, ob wir wollen oder nicht, aber ohne zu teilen geht es nicht. Mich zum Herrn von Villingen zu küren und mir des Vaters ganzes Erbe zuzuteilen, verlange ich nicht und kann ich nicht verlangen, und du, Egino, würdest, so wie ich dich kenne, es auch nicht dulden.
Ich schlage deshalb zunächst vor, dich zum Herrn von Villingen zu machen. Du wirst eher fertig mit dem trotzigen Bürgervolk, als ich; du kannst auch trotzen und fährst wie ein Wetter drein, wenn's nicht geht, wie du willst.
Auch Hasela drunten an der Kinzig und die dazugehörige Herrschaft kannst du haben, Egino«, fuhr Friedrich fort. »Die von Hasela krakeelen und rumoren gern, und was die Villinger verlangen, wollen sie am Ende auch. Ich will meine Ruhe haben und von dieser Burg herab meine braven Fürstenberger und die Bauern der Baar und des mittleren Schwarzwaldes regieren. Und eine Stadt habe ich ja auch noch, Wolfa im Kinzigtal drunten, meiner Ehefrauen Udelhilt Erbe. Die von Wolfa sind friedliche Bürger und halten was auf ihre Herren. Mit denen komm' ich aus.
Du Konrad und du Gebhard, ihr kommt bei der Teilung nicht in Betracht Ihr müßt der Hausmacht ein Opfer bringen im geistlichen Stand. Konrad, du bist schon Domherr, und den Gebhard hat unsere Mutter bei seiner Geburt der Kirche gelobt Er soll drum mit dir in die Domschule nach Konstanz und ein Kleriker werden. Die zwei jüngeren Brüder des Vaters sind auch geistlichen Standes gewesen, Graf Gebhard Domherr in Straßburg und Graf Gottfried ein solcher in Konstanz. Es ist also schon von früher her geistlich Blut in unserem Geschlecht, und ihr zwei werdet wohl auch was davon geerbt haben.
Egino und ich geben jedem von euch eine Anzahl Höfe, Kirchensätze und Pfründen in unseren Herrschaften, und damit habt ihr ein Herrenleben. Auch könnt ihr, wenn ihr Glück habt, noch zu einem Bistum gelangen, und damit seid ihr viel größere Herren als Egino und ich zusammen.
So, das wär' meine Meinung«, schloß Graf Friedrich. Jetzt nahm Egino das Wort und sprach:
»Bruder Friedrich, du hast gesprochen wie ein kluger Mann. Auch ich weiß, daß das Teilen schwächt, drum soll, so weit's auf mich ankommt, zum letztenmal geteilt sein das Erbe, so die Uracher von den Zähringern erhalten. Aber diesmal muß ich meinen Teil haben. Du weißt, Bruder, ich bin mit dir zum Ritter geschlagen worden und habe ein Jahr darauf mit unserem König eine Heerfahrt gemacht nach Savoyen und mich bewährt als rechten Mann. Ein armer Ritter, ein Ritter ohne Land, ist aber nur ein halber Mann. Ich hab' kein Allod, nicht einmal die alte Burg Zindelstein im Bregtal drüben, die ich jetzt bewohne, gehört mir, sie ist unserem Gebhard bestimmt, ihm vermacht vom Onkel Götz, dem Domherrn. Meine Hausfrau ist eine Hachbergerin, die mir einiges Geld, aber kein Gut brachte. Darum bin ich sehr dafür, daß wir zwei teilen.
Du sollst aber das Vorrecht haben. Und wenn du Villingen nicht willst, nehm' ich's; aber, was in seiner Nähe im Brigtal liegt, gehört dazu. Und da du Städte nicht liebst, außer Fürstenberg, das winzige, und Wolfa, das zahme, so gib mir noch das Städtlein Vörinbach und das Bregtal bis hinab zu meinem Zindelstein.
Daß du mir auch Hasela, das lustige, – und natürlich sein Gebiet dazu – geben willst, weil dir die von Hasela zu unruhigen Geistes sind, dafür dank ich dir, Bruder, von Herzen.
Schon als Knabe war's mir die größte Freude, wenn wir in der Herbstzeit mit der Mutter von hier aus dorthin ritten und auf der dortigen Burg einige Zeit blieben. In der Kirche daselbst hab' ich auch, ein Sechzehnjähriger, die Schwertleite empfangen.
Seit dem Tode des Vaters sitze ich meist viel lieber in der schönen Zähringerburg zu Hasela , als auf dem einsamen Zindelstein, und mein junges Weib, die Verene, schwärmt für Hasela.
Hier hab' ich alles, was einem Ritter in Friedenszeiten gebührt – an den Berghalden hin einen fürtrefflichen Wein, und in den Hochwäldern scheucht das Jagdhorn den Wolf auf, den Bär, den Wisent, den Ur, den Edelhirsch und den Steinbock.
Und die Bürger dort sind mir tausendmal lieber als die patzigen Villinger, die vom Hansabund und vom schwäbischen Städtebund träumen und glauben, Villingen käme gleich nach Paris.
Die von Hasela sind zufrieden, wenn man sie ruhig räsonieren und ihren Wein trinken läßt und nicht viel Steuer von ihnen verlangt. Sie schimpfen gern über ihre Herren, aber es kommt immer aus gutem Herzen, und sie leiden nicht an Größenwahn wie die Villinger.
Der alte Minnesänger Jörg von Günterstal, der als von Freiburg her zu unserem Vater kam, wenn er in Hasela residierte, hat gerne mit den Bürgern der Stadt verkehrt, manchen Humpen mit ihnen geleert, und sie in einem Lied trefflich also gezeichnet:
›Zuo Hasela drin im Swarzwaldt hûst
Ein stamm von guoter art
Der mann ist mann und keiner zûst
Ihm ungestraft den bart
Wehren kann jedes kind sich
Zuo Hasela an der Kinzig.
Das schafft und freit, das denkt und schwazt,
Wie grad sein sinn ihm stât
Ja, wer sich baß zum trinken sazt,
Hat doch ein mul, das gât
Die maaßkrüg sind nit winzig
Zuo Hasela an der Kinzig.‹
Solche Untertanen lieb ich, wie ich auch einen guten Trunk liebe. Drum wird, wenn's nach meinem Wunsch geht, Hasela vom kommenden Verenentag an meine Residenz sein, und ich will fortan mich nennen von Fürstenberg-Hasela. Meiner Linie erstes Hausgesetz aber soll sein, daß nicht mehr geteilt wird.
So, das ist meine Meinung und meine Absicht, und wenn du, Friedrich, damit einverstanden bist, ist die Teilung gemacht«
»Ich bin's«, sprach Graf Friedrich und reichte Egino die Rechte zum Zeugnis.
»Es war zu allen Zeiten fürstlicher und gräflicher Familien Art, daß die jüngeren Söhne im Erbe zurückstehen mußten« – begann jetzt Konrad, der jugendliche Domherr von Konstanz. »Drum wollen Gebhard und ich nicht rechten. Es ist unsern zwei geistlichen Oheimen auch nicht besser ergangen. Und wenn ihr zwei uns...
| Erscheint lt. Verlag | 18.9.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Klassiker / Moderne Klassiker |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Historischer-Liebesroman • historischer-liebesroman-kindle-deutsch • Historischer-Roman-bestseller • historischer-roman-deutsch • Historischer-Roman-neuerscheinung • historischer-roman-neuerscheinung-2022 • historischer-roman-neuerscheinung-2023 • Klassiker-der-Weltliteratur • mehrbuch • mehrbuch-verlag |
| ISBN-10 | 3-7541-9936-6 / 3754199366 |
| ISBN-13 | 978-3-7541-9936-7 / 9783754199367 |
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