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Fahrt in den Wahnsinn -  Martin Wandaller

Fahrt in den Wahnsinn (eBook)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
320 Seiten
TWENTYSIX CRIME (Verlag)
978-3-7407-2321-7 (ISBN)
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9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
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Der Wahnsinn reist auf vier Rädern und fordert Opfer. Und der einzige mögliche Retter für diese ist Insasse in der psychiatrischen geschlossenen Abteilung des städtischen Krankenhauses. Qual lauert gleichermaßen hinter den Pforten des Spitals wie auch auf der Straße, und die einzige Zuflucht bildet ein Meer aus rosa Wolken.

Der Autor Martin Wandaller wurde 1981 in Villach geboren, wo er nach wie vor lebt und schreibt. Eine Veröffentlichung weiterer Werke wird seinerseits angestrebt.

Kapitel 1


Manchmal führt einen das Leben schnurstracks in einer geraden Linie ohne Umwege ins Unglück. So verhielt es sich auch beim arbeitslosen Maximilian.

Im Moment lag er in seinem Krankenbett war an Händen und Füßen mit Fesseln ans Bett fixiert und wartete auf die Operation, die ihm bevorstand. Ihm wurde ein Sakraldermoid oder auch Steißbein-Fistel genannt entfernt, welches eventuell durch einen absorbierten Zwilling, während der Embrionalzeit verursacht worden sein konnte und direkt in der Arschfalte am Steißbein ihren Stammplatz hatte.

Sein Krankenbett stand bereits vor der Schleuse im Kellergeschoss des Krankenhauses, die zum Operationssaal führte, und Maximilian war nervös. Weit anreisen hatte er nicht gemusst, da er sowieso im Krankenhaus lag. Aber auf einer anderen Station, nämlich der geschlossenen Abteilung für psychisch erkrankte Menschen.

Das erklärte auch, warum er gefesselt war, selbst während er auf eine Operation wartete. Und es erklärte, warum Max, wie er von Freunden genannt wurde, seine derzeitige Situation als unglücklich bezeichnete. Er wusste nicht, was im Moment schlimmer war. Auf eine Operation zu warten oder Insasse der hiesigen Irrenanstalt zu sein. Derzeit war es wohl wichtiger, den chirurgischen Eingriff gut zu überstehen, dann konnte er sich wieder dem anderen Übel widmen.

Max würde gleich mittels Vollnarkose ins Land der absoluten Bewusstlosigkeit und Schwärze geschickt werden. Operiert zu werden war das eine, aber an der Stelle, an der dies passieren würde, war das andere. Obwohl er ein gestandener Mann von 1,85m war, hatte er Angst. Nicht vor der Vollnarkose, über diese war er froh, denn sie gewährleistete, dass er nichts vom Eingriff mitbekommen würde. Er hatte Angst vor dem Aufwachen und den Schmerzen, die er dann vielleicht haben würde. Schmerzen, auf die er gut verzichten konnte.

Würde er dann noch auf dem Rücken liegen oder sitzen können? Das Internet war sich da uneins. Die einen schrieben, dass es möglich sei, einige Minuten zu sitzen, die anderen schrieben, dass dies gänzlich unmöglich sei. Max war gespannt.

Wie gesagt er war groß, aber dennoch fühlte er sich im Moment wie ein Kind. Seine Kindheit war zwar lange her, aber auch damals hatte er oft Angst gehabt. Max hatte eigentlich brünette Haare, die er sich aber völlig abrasiert hatte, um die Sträflingssituation, in der er sich befand, zu untermalen. Er hatte braune Augen, die immer zu schmunzeln schienen, sogar jetzt in dieser Situation. Selbst wenn er Schmerzen hatte, wie es in letzter Zeit ein paar Mal der Fall gewesen war, was auch der Grund war, warum er überhaupt in der geschlossenen Abteilung gelandet war, zeugten seine Augen von seiner Gutmütigkeit und seiner fröhlichen Persönlichkeit.

Seine Gesichtszüge waren weich und passten wunderbar zu den Augen. Trotzdem wirkte er männlich, wenngleich sein Äußeres vermuten ließ, dass er der Typ Mann war, der es anstrebte, eine Familie zu gründen und nur eine Frau zu verwöhnen, und nicht die Sorte des männlichen Geschlechts war, die es darauf anlegte, so viele Frauen wie möglich zu begatten, um dann sogleich weiterzuziehen und das Leben eines Einzelgängers zu führen, wenn man so etwas überhaupt am Aussehen eines Menschen erkennen konnte.

Allmählich machte ihn das Warten krank. Er wollte den Eingriff hinter sich haben, um Gewissheit zu erlangen, wie schlimm die Schmerzen in nächster Zeit wirklich sein würden. Schlimmer als jene, die ihn hierher in die Psychiatrie gebracht hatten, konnten sie eigentlich nicht sein, aber man würde sehen.

Und dann wie bestellt war es endlich so weit. Die aus Edelstahl bestehende Schiebetüre der Schleuse öffnete sich mit einem zischenden Geräusch, und vor ihm stand ein Mensch in einem grünen, nur einmal zu gebrauchenden Wegwerfkittel gekleidet, mit Handschuhen, einem Mundschutz, der das halbe Gesicht verdeckte, und einem Haarnetz auf dem Kopf.

Max war ganz froh, dass er nur die Augen des OP-Gehilfen, um den es sich bei dem Mann wohl handelte, sehen konnte denn er befürchtete, dass dessen Mimik wohl Missfallen ausdrücken würde, weil Max gefesselt und Insasse der Klapsmühle war.

Der Mann in Grün sprach Max nun an, sagte, dass er Thomas heiße, und zumindest in dessen Stimme lag keine Verachtung gegenüber seiner derzeitigen Situation.

Der Mann, der eine fast melodische Art zu sprechen hatte, sagte:

„So, Herr Triolas! Nun sind Sie an der Reihe. Ich werde Sie nun von Ihren Fesseln befreien und würde mir wünschen, dass Sie nicht gleich über mich herfallen. Ich vertraue Ihnen und werde sie nun für die OP herrichten!“

Als Max völlig ohne Fesseln im Bett lag, rieb er sich mit den Händen erstmals die Handgelenke, die von den Fesseln wundgerieben waren. Dann sah er sich im Operationssaal um. Hier herrschte reges Treiben. Hinter ihm an der Wand waren Waschbecken befestigt, über denen Spender mit Handdesinfektionsmitteln angebracht waren, und der Operateur, um den es sich bei ihm wohl handelte, rieb sich gerade gründlichst die Hände damit ein. Neben dem Mann in Grün, der ihn hereingebracht hatte, stand nun eine ebenfalls für die Operation präparierte Frau und stellte sich bei Max als Schwester Evelin vor.

Sie wies Max an, auf den Edelstahltisch neben seinem Bett zu rutschen und sich seitlich mit angezogenen Beinen hinzulegen. Max tat wie ihm geheißen, und kaum befand er sich auf den Operationstisch, begann auch schon der OP-Gehilfe Thomas, Max´ Arme und Beine so zu lagern, dass er es möglichst bequem hatte.

Als auch das erledigt war´, kam bereits der Anästhesist und legte Max den Venenzugang. Er erklärte ihm schnell, was er nun tun würde, und dann drückte er bereits mit einer Spritze das Narkosemittel in Max´ Ader. Er wies ihn an, langsam von zehn rückwärtszuzählen, und bereits bei fünf wurde alles schwarz vor Max´ Augen.

Als er aufwachte, lag er auf dem Rücken und stellte fest, dass er zumindest zurzeit keine Schmerzen hatte. Er war verwirrt und wurde nur ganz langsam wieder Herr seiner Sinne. Im ersten Moment hatte er gedacht, er wache gerade während der Operation auf. Im nächsten Moment stellte er sich die Frage, ob er denn überhaupt operiert worden war, da er keine Schmerzen hatte.

Nicht dass ihm das leid tat, aber er hatte nun einmal mit Schlimmerem gerechnet. Im Moment befand er sich mit sechs anderen belegten Betten im Aufwachraum. Irgendwie musste die Schwester im Schwesternzimmer anhand seiner Vitalfunktionen, die wohl zu dem Computer, vor dem sie saß, übermittelt worden waren, mitbekommen haben, dass er aus der Narkose erwacht war. Denn sie schwänzelte raschen Schrittes aus dem Glashaus, in dem sie gesessen war, zu Max und hieß ihn willkommen im Land der Nichtnarkotisierten und teilte ihm mit, dass die Operation bestens verlaufen sei, und fragte ihn, ob er Schmerzen habe. Das verneinte Max, und dann sagte die Schwester zu ihm, dass er bald wieder nach oben auf die Station gebracht werden würde. Besser wäre es gewesen, wenn sie die Station als Gefängnis betitelt hätte.

Einen Moment überlegte Max, ob er sich von den Schläuchen und der Blutdruck-Manschette befreien sollte, um einfach abzuhauen, aber er verwarf diesen Gedanken sogleich wieder. Er würde sowieso schnell gefasst werden, und außerdem trug er im Moment ein Krankenhausnachthemd, das hinten offen war und freie Sicht auf seinen Allerwertesten bot. Das war kein Fluchtgewand.

Derzeit war Max einfach nur froh, dass er schmerzfrei war, und da war die Gefangenschaft, in der er sich bald wieder befinden würde, nebensächlich. Zumindest hatte er seine Gedanken, und diese waren frei und konnten nicht gefangen genommen werden. Da er nichts Besseres zu tun hatte, begann er diese schweifen zu lassen.

Wie so oft in letzter Zeit dachte er daran, warum er in die Klapsmühle verfrachtet worden war. Bis zu diesem Zeitpunkt war alles normal gewesen in Max´ Leben, aber dann entglitt dieses seiner Herrschaft.

An diesem besagten Tag vor drei Wochen war er über den Hauptplatz der Innenstadt von Villago geschlendert und hatte die Schaufenster der Geschäfte inspiziert. Und plötzlich war es geschehen. Er hatte unvermittelt unbeschreibliche Schmerzen gefühlt. Zuerst hatte er verspürt, wie man ihm mit voller Wucht in den Magen geboxt hatte, und dann war der Schmerz weitergewandert. Mal hatte er das Gefühl gehabt, sein Jochbein würde brechen, dann kam das Schlüsselbein dazu. Er wurde von einem unsichtbaren Schläger vermöbelt, den niemand sehen konnte.

Spätestens als er gespürt hatte, wie mehrere seiner Rippen brachen, hatte er begonnen zu schreien und zu toben. Er hatte sich wehren wollen, konnte dies aber nicht, da sein Angreifer nicht zu sehen war. Und so hatte er den Eindruck vermittelt, als wäre er wahnsinnig geworden. Er hatte weiterhin geschrien und getobt und hatte sich auf das Kopfsteinpflaster geworfen, wo er sich herumgewälzt hatte, als würde er in Flammen stehen.

Natürlich war er mit diesem Verhalten sofort zum Mittelpunkt der Menschen um ihn herum geworden. Manche der Passanten hatten...

Erscheint lt. Verlag 13.9.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7407-2321-1 / 3740723211
ISBN-13 978-3-7407-2321-7 / 9783740723217
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