Morgenröte in der Mulberry Lane (eBook)
460 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-2853-6 (ISBN)
Frischer Wind in der Mulberry Lane.
London 1958: Die Schrecken des Krieges verblassen und das Leben in der Mulberry Lane geht weiter. Peggys Zwillinge sind nun Teenager und planen schon ihr Leben nach der Schulzeit. Vor allem die zielstrebige Faye überrascht ihre Mutter mit neuen Plänen.
Maureen, Shirleys Tochter, hat ihr Medizinstudium mittlerweile abgeschlossen und kehrt in die Mulberry Lane zurück. Endlich kann sie ihren Traum verwirklichen und als Ärztin den Ärmsten helfen. Doch inmitten all der Arbeit tritt auf einmal die Liebe in ihr Leben.
Janet hingegen ist alles andere als glücklich. Sie liebt ihren Mann Ryan, aber sie sehnt sich nach einem neuen Lebensinhalt. So ist das Leben auch nach den Kriegswirren turbulent in der Mulberry Lane und wird immer mehr von der neuen Generation geprägt.
Liebe, Tod und Hoffnung - Das Schicksal der Mulberry Lane in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die große London-Saga für alle Fans von Donna Douglas, Katharina Fuchs und Ulrike Renk. Alle Titel der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.
Rosie Clarke ist eine englische Autorin, die bereits seit vielen Jahren Romane schreibt. Sie lebt in Cambridgeshire, ist glücklich verheiratet und liebt das Leben mit ihrem Mann. Wenn sie nicht gerade faszinierende Geschichten über starke Frauen schreibt, dann verbringt sie ihre Zeit gerne in Marbella und genießt das gute Essen und die spanische Sonne. Allerdings hält sie es dort nie allzu lange aus, denn das Schreiben neuer Romane ist ihre größte Leidenschaft.
Kapitel 1
Juni 1958
Als Peggy Ronoscki an diesem sonnenhellen Junimorgen in die Bar des Pig & Whistle kam, blitzte und blinkte alles und es duftete nach der von Mrs. Mags verwendeten Lavendelpolitur. Auf ihre neue Putzfrau war Verlass, und deren Tochter Julie machte sich hinter dem Tresen ebenfalls sehr gut. Sowohl das Pig & Whistle als auch die Pension florierten, und ihrem Mann Able und Tom Barton ging die Arbeit ebenfalls niemals aus. Zwar hätte Able mit der Baufirma der beiden Männer gern noch größere Aufträge an Land gezogen, doch auch wenn die Langsamkeit und Vorsicht seines Freundes und Geschäftspartners ihn hier und da frustrierten, wusste er, dass er sich blind auf ihn verlassen konnte und wie groß Toms Anteil am Erfolg des Unternehmens war. Und Peggy selbst war froh, dass Tom die Dinge immer gründlich abwog, weil ihr Mann sich manchmal blind in irgendwelche Abenteuer stürzte, auch wenn ihm als dem geborenen Geschäftsmann mit den meisten Unternehmungen, die er in Angriff nahm, Erfolg beschieden war.
Tom Barton stammte aus dem East End, und schon lange ehe er und Able ihre Baufirma gegründet hatten, hatte Peggy ihn ins Herz geschlossen, weil er zuverlässig, hilfsbereit und stets freundlich war. Bereits als junger Bursche hatte er sich viele handwerkliche Fähigkeiten angeeignet und war jedes Mal gern eingesprungen, wenn es irgendwo etwas zu reparieren gab.
Able war damals bei ihr im Pig & Whistle aufgetaucht, als er als amerikanischer Soldat mit seinem vorgesetzten General in London stationiert gewesen war. Da Peggy sich zu der Zeit schon von ihrem ersten Ehemann Laurie entfremdet hatte, hatte sie sich gegen ihren Willen in den attraktiven Burschen, der ein wenig jünger war als sie, verliebt. Dann waren 1942 ihre Zwillinge geboren, um die sie sich allein gekümmert hatte, bis er vor Kriegsende 1945 zu ihr heimgekommen war. Er hatte einen Arm, jedoch nichts von seinem Elan und seiner Zuversicht verloren. Obwohl Peggys erster Mann, nachdem er ihrer besten Freundin Maureen während eines Messerangriffs beigestanden und sich dabei eine schwere Stichverletzung zugezogen hatte, sicher nicht verdient hatte, danach an Tuberkulose zu sterben, war sie nach ihrem Trauerjahr frei gewesen, um mit dem Mann, dem ihre ganze Liebe galt, den Bund der Ehe einzugehen.
Nach ihrer Hochzeit waren sie und Able mit den Kindern an die Südküste gezogen, aber obwohl das kleine Restaurant am Meer, das sie betrieben hatten, ein Erfolg gewesen war, waren sie am Ende unter anderem ihrer Tochter Fay zuliebe doch nach London heimgekehrt. Das Mädchen hatte es sich in den Kopf gesetzt, als Eiskunstläuferin zu reüssieren, und nachdem Pip, ihr Ältester, ihr kleines Haus in Devon hatte übernehmen wollen, weil er in der Nähe eine gute Stelle in der Flugzeugindustrie bekommen hatte, führte sie das Pig & Whistle, das sie ihm und ihrer Schwiegertochter überlassen hatte, wieder selbst.
Die Dinge hatten sich auf eine Art gefügt, mit der sie alle glücklich waren, ging es Peggy durch den Kopf, selbst wenn sie mittlerweile Falten um die Augen hatte und auch nicht mehr ganz so schlank wie früher war. Zwar sagte Able, dass er sie genau so lieben würde, wie sie wäre, aber sie hasste den Gedanken, dass sie plötzlich wie ein Hefekuchen auseinandergehen könnte wie so viele Frauen in den Wechseljahren. Inzwischen war sie Ende fünfzig, jedoch kerngesund und voller Energie. Sie kochte noch genauso gern wie früher, und obwohl sie wusste, dass die Leute die Gerichte, die sie schon seit Jahren von ihr vorgesetzt bekamen, ganz besonders liebten, hörte sie nie auf, mit neuen Zutaten zu experimentieren.
Sie griff nach einem Glas mit einem winzig kleinen Fleck und rieb mit einem Tuch daran herum. Sie hasste es, wenn Gläser nicht ganz sauber waren, und anscheinend hatte ihre Putzfrau diesen einen kleinen Fleck beim Spülen übersehen. Der Rest der Gläser und des Tresens aber waren makellos, und Peggy wollte gerade in die Küche gehen, als die Tür aufflog und ihre beste Freundin auf der Bildfläche erschien. Sie hatte einen roten Kopf und war so aufgeregt, dass Peggy sofort wusste, dass etwas geschehen war.
»Es geht um Gordon«, stieß Maureen mit atemloser Stimme aus. »Beim Aufstehen heute früh hatte er Schmerzen in der Brust, und dann ist er mir auf einmal mitten in der Küche umgefallen. Ich habe sofort einen Krankenwagen gerufen, und sie haben ihn auf direktem Weg ins Krankenhaus gebracht.«
»O nein.« Peggy nahm ihre Freundin tröstend in den Arm. »Aber warum bist du nicht mitgefahren?«
»Sie wollten mich nicht mitnehmen. Sie haben gesagt, ich wäre nur im Weg. Und dazu musste ich noch Gordy in die Schule bringen und den Laden aufmachen. Sie haben gesagt, dass es das Beste wäre, später nachzukommen, denn jetzt würde ich dort sowieso nur rumsitzen und Däumchen drehen, während die Ärzte nach ihm sehen. Er muss geröntgt werden.« Sie unterdrückte einen Schluchzer, doch ihr traten Tränen in die Augen. »Er war bewusstlos, also habe ich ihn bloß geküsst und ihm gesagt, ich käme nach. Ich habe Gordy bei der Schule abgesetzt und bin nun auf dem Weg ins Krankenhaus. Ich wollte dir nur sagen, dass ich heute früh nicht kommen kann.«
Ihr Mann betrieb den Lebensmittelladen an der Ecke, der Maureen von ihrer Großmutter hinterlassen worden war. Er hatte ihn erweitert und das Sortiment vergrößert, während seine Frau mit Peggy für das kleine Café backte, das unweit des Pig & Whistle lag.
»Natürlich nicht«, stimmte ihr Peggy zu. »Und wie kommst du ins Krankenhaus?«
»Mit Gordons Wagen. Meinen Lieferwagen kann ich nicht benutzen, weil damit die Ware ausgeliefert werden muss.«
Peggy wusste, dass Maureen den großen Daimler, den ihr Mann gebraucht erstanden hatte, eigentlich nicht gern fuhr. Er lenkte sich viel schwerer als der kleine Lieferwagen, den sie für gewöhnlich nutzte, aber wenn ihr Angestellter ihn fürs Ausfahren der Lebensmittel brauchte, blieb ihr keine andere Wahl.
Seit Gordon für den Laden neben dem ursprünglichen auch noch das alte Wollgeschäft von Mrs. Tandy nutzte, war dort immer Hochbetrieb. Er arbeitete dort von acht Uhr in der Früh bis nach halb sieben abends, und am Sonntagmorgen machte er die Inventur und füllte die Regale auf. Die Lieferfahrten übernahm ein junger Künstler namens James, der allein von seiner Malerei nicht leben konnte und für die paar Shilling, die er wöchentlich dazuverdiente, und das Essen, das Maureen ihm häufig brachte, dankbar war.
»Nun fahr schon«, drängte Peggy, als sie Maureens unglückliche Miene sah. »Ich habe jede Menge Hilfe, und ich komme hier allein zurecht. Gib mir Bescheid, wie es aussieht, wenn du kannst – und denk dran, ich bin immer für dich da.«
Die Freundin nickte, aber für ein Lächeln war sie viel zu angespannt. »Ich melde mich bei dir.«
Sie rannte eilig wieder los, und seufzend sah ihr Peggy hinterher. Mit der Launenhaftigkeit des Schicksals kannte sie sich aus. Sie hatte großes Mitgefühl mit ihrer Freundin, denn sie wusste noch zu gut, wie sie getrauert hatte, als ihr lieber Able jahrelang während des Kriegs verschollen gewesen war.
Auch Maureen hatte schon sehr viel im Leben durchgemacht. Ihr Vater war ein ziemlicher Tyrann gewesen, und als junges Mädchen war sie dann auf einen Schwerenöter hereingefallen, der sie hatte sitzen lassen, als sie von ihm schwanger war. Dann aber hatte Gordon sie gebeten, seine Frau zu werden, und sie hatte sich mit ihrem Mann, dessen Tochter Shirley und ihrem kleinen Sohn, der von ihrem Verflossenen Rory war, ein gutes Leben aufgebaut. Es hatte ausgesehen, als ob ihr Schicksal sich gewandelt hätte, bis der junge Robin an den Windpocken gestorben war. Zum Glück waren sie und Gordon danach mit zwei Söhnen gesegnet worden, ihrem lieben Gordy, der mit seinen vierzehn Jahren noch zur Schule ging, und ihrem Jüngsten Matty. Außerdem war Shirley, Tochter aus der ersten Ehe ihres Mannes, als Assistenzärztin an einem Krankenhaus in Durham angestellt. Die Freundin käme also sicher mit dem neuerlichen Schicksalsschlag zurecht, doch Peggy hasste es, sie abermals so unglücklich zu sehen.
*
Kopfschüttelnd trat Peggy durch die Küchentür. Sie hätte heute Morgen alle Hände voll zu tun. Schließlich müsste sie ganz alleine all die Kuchen für das kleine Café backen, das sie mit Maureen, einer Angestellten und gelegentlicher Unterstützung durch Tom Bartons Frau Rose betrieb. Daneben hätte sie sich auch noch um das Bed & Breakfast, das sie führte, kümmern wollen, obwohl sie dort zum Glück genügend Unterstützung hatte und im Grunde nur das Abendessen für die Gäste, die dort essen wollten, machen müsste, weil die junge Frau, die ihr dort half, den Rest der Arbeit auch alleine hinbekam.
»Ich kann auch gern das Frühstück für die Leute machen, und Sie können morgens später kommen, wenn Sie wollen«, hatte Pearl ihr angeboten und hinzugefügt: »Ich weiß schließlich, wie Sie es haben wollen, und mithilfe meiner Mum und meiner Tochter kriege ich das sicher hin.«
Peggy krempelte die Ärmel hoch und fing mit Sandkuchen und Zitronentörtchen an, bevor es mit Madeleines und Apfelkuchen weiterging. Kaum hatte sie den letzten Schwung im Ofen, als Rose Barton in der Tür erschien.
»Ich bin so schnell es ging gekommen«, meinte sie. »Ich wusste, dass du Hilfe brauchen würdest, als mir Tom erzählt hat, dass Maureen zu ihrem Mann ins Krankenhaus gefahren ist.«
»Ich brauche für die Wirtschaft noch zwei Käse-Zwiebel-Tartes und einen großen Shepherd’s Pie«, erklärte Peggy ihr. »Könntest du schon einmal mit dem Pie beginnen?«
...| Erscheint lt. Verlag | 29.11.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die große Mulberry Lane Saga | Die große Mulberry Lane Saga |
| Übersetzer | Uta Hege |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | A New Dawn on Mulberry Lane |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Carmen Korn • Die Wunderfrauen • Donna Douglas • Eva Völler • Familie • Frauen als Täter • Katharina Fuchs • Krieg • Liebe • London • Michaela Jary • Mulberry Lane • Soldaten • Stefanie Gregg • Stephanie Schuster • Susanne Abel • Tod • Zweiter Weltkrieg |
| ISBN-10 | 3-8412-2853-4 / 3841228534 |
| ISBN-13 | 978-3-8412-2853-6 / 9783841228536 |
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