Stardust Kiss (eBook)
335 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7541-9812-4 (ISBN)
Sabrina Heilmann wurde 1991 geboren und lebt heute in einer Kleinstadt in Sachsen. In ihren lebensnahen Liebesromanen erzählt sie die außergewöhnlichen und spannenden Geschichten starker Protagonistinnen, die mutig für einen Neuanfang kämpfen. Sie begeistert seit Dezember 2014 ihre Leser*innen.
Sabrina Heilmann wurde 1991 geboren und lebt heute in einer Kleinstadt in Sachsen. In ihren lebensnahen Liebesromanen erzählt sie die außergewöhnlichen und spannenden Geschichten starker Protagonistinnen, die mutig für einen Neuanfang kämpfen. Sie begeistert seit Dezember 2014 ihre Leser*innen.
1
»Sie begriffen, dass kein Paradies existierte.«
Das Herz schlug heftig in meiner Brust, als ich panisch die Augen aufriss und im ersten Moment nicht wusste, wo ich mich befand.
Meine Augen suchten die Umgebung ab, verweilten einen Augenblick an der dunkelbraunen Holzdecke, an der ein grob gearbeiteter Kronleuchter hing. In ihm brannten vier weiße Wachskerzen und erfüllten den dunklen Raum mit schwachem Licht. Der Geruch von verbranntem Buchenholz lag in der Luft. In den Zimmerecken hoben sich die hellen Spinnweben von den Holzwänden ab.
Lächerlich, dass sich jemand Spinnenweben in sein Haus projizierte, wo es nicht einmal verdammte Spinnen in dieser Welt gibt.
Ich atmete tief durch und richtete mich auf. Mein Körper fühlte sich an, als wäre ein Zug über ihn gerollt, meine Glieder schmerzten und mein Kopf dröhnte. Stimmen rauschten in der Ferne und ich konnte nicht ausmachen, was sie sagten. Dafür wurden meine Gedanken immer lauter und klarer.
Bilder rauschten durch sie hindurch.
Ein Mann mit dunklen Haaren und einer Brille auf der Nase. Mein Mann.
Oliver.
Menschen, die mich umsorgten, sich freuten, mich wiederzusehen. Bettina. Linda. Meine Mutter.
Mein Herz pochte heftiger, Schmerz durchstach es wie ein Dolch. Ich krümmte mich zusammen, erlaubte den Empfindungen, mich einzunehmen.
Tränen sammelten sich in meinen Augen, als ich begriff, was ich gewonnen und wieder verloren hatte.
Ich fühlte Schnee, der meine Wangen bedeckte. Kälte, die mich umhüllte. Wind und Wetter. Die warmen Strahlen der Sonne. Hörte die Geräusche von Tieren. Vögel, die zwitscherten. Rehe, unter deren Füßen kleine Äste im Wald knackten.
All das gab es hier nicht. Denn diese Welt war nicht echt. Ich war tot, endgültig. Alle Menschen hier waren unwiderruflich tot. Ausgelöscht und in eine Zwischenwelt verbannt, die weder Himmel noch Hölle war.
Trostlos, farblos, grau, unscheinbar.
Immer der gleiche fade Ablauf. Seelen, die dem Leben nach dem Tod fristeten, auf der Suche nach Frieden.
Nach Liebe.
Nach Hoffnung.
Leere Hüllen, die nach einer gewissen Zeit aufgaben, weil sie begriffen, dass kein Paradies existierte.
Nur eine kalte, graue Parallelwelt.
Eine Welt ohne Wetter. Ohne Tiere.
Und ohne Glück.
Die Tränen bahnten sich den Weg über meine Wangen und ich verlor mich in dem Strudel meiner Erinnerungen. Mein menschliches Leben zog wie ein Film an mir vorbei, riss die gesamte Stärke mit sich, die ich mir mühsam aufgebaut hatte.
Der Tod meines Vaters, der Streit mit meiner Mutter.
Das Hilfsprojekt in Afrika, meine erste Nacht mit Oliver. Der Moment, in dem ich realisierte, dass er mich verlassen hatte.
Meine Rückkehr nach fünf Jahren und der Moment, in dem ich verstand, dass ich Oliver nie wiedersehen würde.
Die Diagnose: Sambia-Grippe, sofort tödlich nach wenigen Monaten.
Oliver, der mir die Nachricht überbrachte.
Ich drehte mich auf die Seite und schluchzte erstickt in eines der Kissen. Mein Herz brannte, der Verlust brachte mich wieder und wieder um, nahm den letzten Funken Lebenswille mit sich.
Ich warte am Horizont auf dich. Nur ein schwaches Flüstern.
Mein letzter Atemzug in Olivers Armen.
Ich schnappte panisch nach Luft und legte die Hände um meine Kehle. Die Bilder rauschten unaufhörlich und zerstörerisch weiter.
Mein Vater, der am Horizont auf mich wartete und mich in diese Welt führte, aus der es kein Entkommen gab. Der leere Ausdruck in den Augen der Menschen.
Personen, so verschieden, wie die Jahre, in denen sie gestorben waren.
Und Damian – seine wunderschönen grünen Augen.
Hände berührten meine Schultern und ein Stromstoß durchzuckte mich. Die Tränen versiegten, das Zittern meines Körpers hörte auf. Die Bilder verschwanden und hinterließen eine schmerzhafte Leere.
»Damian«, hauchte ich mit brüchiger Stimme. Mit Leichtigkeit zog er mich an sich, presste mich an seinen Körper und gab mir den Halt, den ich zwischen den Erinnerungen und meinem jetzigen Leben verloren hatte.
Und trotzdem sog der Strudel aus Trauer, Verzweiflung und Wut mich immer tiefer. Die Erinnerungen fraßen sich in mein Herz und vergifteten es. Hass gewann den Kampf gegen die Tränen.
»Anna, shhh«, sagte er mit ruhiger Stimme und strich mir über den Rücken.
Ich schluchzte und schnappte nach Luft. Mein menschliches Leben und alles, was ich damit verband, schnürte mir die Kehle zu. Panik breitete sich in mir aus und ich stieß Damian grob von mir. Ich sprang vom Bett auf, raufte mir die Haare und drehte unruhige Kreise im Zimmer, wie eine Löwin in Gefangenschaft.
»Ich kann das nicht«, weinte ich. »Ich kann mich nicht mehr erinnern. Nicht nach allem, was in den letzten drei Tagen geschehen ist. Ich kann nicht. Ich kann einfach nicht!«
Damian machte einen Schritt auf mich zu und packte mich an den Schultern, aber ich riss mich sofort von ihm los.
»Anna, beruhig dich.«
»Ich muss die Erinnerungen loswerden. Ich darf mich nicht erinnern. Das kann ich nicht«, schluchzte ich und kniff die Augen fest zusammen. Mein Körper erstarrte und ich ballte die Hände zu Fäusten.
»Anna, was machst du?« Damians panische Stimme drang zu mir durch, aber ich musste sie ausblenden, wenn ich erfolgreich sein wollte.
Er würde meinen Schritt nicht verstehen, aber das war mir egal. Ich wusste, dass es für mich das Beste war, wenn ich alle Erinnerungen an mein menschliches Leben an einem Ort meines Gedächtnisses verbannte, wo ich sie so schnell nicht wiederfinden würde.
Wie sollte ich mich mit dem Leben in der Zwischenwelt arrangieren, wenn ich immer noch einem anderen nachtrauerte? Wie konnte ich jemals meinen Frieden finden, wenn die Ungerechtigkeit meines Todes mich jeden Tag aufs Neue zerstörte?
Die ganzen Erinnerungen und Gefühle sollten verschwinden, ich wollte von ihnen nichts mehr wissen. Ich bündelte sie im Geist zusammen und drängte sie immer weiter zurück.
»Anna!« Damians Stimme wurde von einem Schwall kalter Luft zu mir getragen. Ich hörte das Rauschen der Blätter im Wind, hörte Grollen und die wütende Stimme der Natur – all das durfte in dieser Welt nicht existieren und trotzdem vernahm ich es.
Auch sie war mit meiner Entscheidung nicht einverstanden. Sie wollte nicht, dass ich ihre Macht dafür missbrauchte. Aber ich konnte nicht anders. Ich stellte mir vor, dass meine Erinnerungen und Gefühle schimmernde Seifenblasen waren. In Gedanken bündelte ich sie zu einer Einzigen, die der Wind mit sich trug. Sie verschwand im Nebel, bis ich sie nicht mehr sah.
Ich atmete tief durch, ließ den Druck mit der Luft aus meiner Lunge entweichen und öffnete die Augen.
Damian stand vor mir und starrte mich fassungslos an. Ich erwiderte seinen Blick, mein Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig.
»Was hast du getan?«, fragte er atemlos.
Meine Lippen verzogen sich zu einem gleichgültigen Lächeln. »Das, was ich schon hätte tun sollen, als ich das erste Mal einen Fuß in diese gottverdammte Welt gesetzt habe.«
Abwehrend verschränkte ich die Arme vor der Brust, während Damians stechend grüne Augen mich fixierten.
»Du hast dir die Erinnerungen an dein menschliches Leben genommen«, stellte er fest und wirkte dabei so betroffen, als ginge es hier um sein Leben und nicht um meines.
Ich zuckte mit den Schultern. »Und? Als ob es mir hier von Nutzen wäre. Wen interessiert schon, wer Anna Wagner wirklich war. Hier bin ich nur eine Seele wie die tausend anderen auch.«
»Pah«, schnaubte Damian. »Du bist nicht wie die tausend anderen, Anna. Das wirst du niemals sein. Denkst du, der Älteste hat dich aus Nächstenliebe für drei Tage auf die Erde geschickt? Denkst du wirklich, du durftest Oliver sehen, weil du ihn so schrecklich vermisst und man dir einen Gefallen tun wollte?«
Damian spie mir die Worte förmlich entgegen. Dass er Oliver erwähnte, löste in meinem Inneren nichts aus und zeigte mir, dass ich die Gefühle los geworden war und es funktioniert hatte.
»Es war eine Falle. Verdammt, du hast überhaupt keine Ahnung, was in dieser Welt vor sich geht. Du bist hierhergekommen und hast dich selbst bemitleidet. Du hast die Regeln gebrochen und dich in Gefahr gebracht. Du hast deinen Vater in Gefahr gebracht! Und mich auch!«
Mein Atem beschleunigte sich und mein Herz setzte eine Sekunde aus.
Mein Vater.
Was war mit ihm geschehen, nachdem Damian mich vom See weggebracht hatte?
Ich schluckte schwer, erinnerte mich an seine Verletzung und das Blut. Männer waren aus dem Wald gekommen. Sicher hatte man ihn gefangen genommen, oder gar ...
Ich brachte den Gedanken nicht zu Ende, hatte auch keine Chance dazu, denn Damian war noch nicht fertig mit mir.
»Du hast gedacht, das hier ist ein Spiel, Anna? Dass man in dieser Welt machen kann, was man will, ohne die Konsequenzen dafür zu tragen? Du hast keine Ahnung, was hier vor sich geht.«
Damian redete sich in Rage, er war wütend auf mich, dabei verstand ich überhaupt nicht warum. Ich hatte keinen Fehler gemacht, oder doch? Plötzlich fühlte ich mich furchtbar und gleichzeitig zu Unrecht angegriffen.
»Dann hättet ihr mich im Seelensee zersplittern lassen sollen!«, schrie ich zurück, angesteckt von seiner Wut, die mir entgegenschlug und die ich nicht verstand. Hätte mein Vater mich nicht rechtzeitig aus der Welt der Lebenden zurückgeholt, wäre das meine Strafe...
| Erscheint lt. Verlag | 31.8.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Leben • Mythologie • Nordische • Paranormal • Romance • Tod |
| ISBN-10 | 3-7541-9812-2 / 3754198122 |
| ISBN-13 | 978-3-7541-9812-4 / 9783754198124 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
E-Book Endkundennutzungsbedinungen des Verlages
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich