VERMÄCHTNIS (Traveler 6) (eBook)
250 Seiten
Luzifer Verlag
978-3-95835-730-3 (ISBN)
Tom Abrahams ist Mitglied der International Thriller Writer's Association. Er schreibt post-apokalyptische Thriller, Action-Abenteuer und Polit-Thriller. Tom lebt in Houston mit seiner Frau Courtney und ihren beiden Kindern.
Tom Abrahams ist Mitglied der International Thriller Writer's Association. Er schreibt post-apokalyptische Thriller, Action-Abenteuer und Polit-Thriller. Tom lebt in Houston mit seiner Frau Courtney und ihren beiden Kindern.
Kapitel 1
5. Januar 2038, 3:00 Uhr
5 Jahre und 3 Monate nach dem Ausbruch
Killeen, Texas
Lou stach die Klinge durch die Umschlagseite von L. Frank Baums Meisterwerk. Sie fädelte den abgerissenen Stoffstreifen durch die grobe Öffnung, den sie zuvor auf gleiche Weise durch den Einband eines dicken Tolstoi gezogen hatte, und verknotete die Enden.
»Das müsste passen«, sagte sie zu sich selbst. »Mein ganz persönlicher Schutzumschlag.«
Sie musste kichern, freute sich über ihre clevere Idee und ließ den Umhang aus aufgefädelten Büchern über ihren Kopf gleiten. Die dicksten Wälzer bedeckten ihre Brust. Die dünneren Bücher schützten ihre Seiten und ihren Rücken. Obwohl die Rüstung schwerer war, als sie erwartet hatte, war sie sich sicher, dass sie ihren Zweck erfüllen würde. Sie strich über den denimblauen Einband einer Erstausgabe der englischen Version von Lolita.
Die Sechzehnjährige nahm ihre Messer von der Tischplatte aus Sperrholz, an der ihr Vater so viele Tage und Nächte damit verbracht hatte, ihr die Klassiker vorzulesen. Seine Stimme hallte in ihrem Kopf wider, und sie erzählte Geschichten aus weit entfernten Ländern und noch entfernteren Zeiten, aus anderen Welten als der des postapokalyptischen Texas, in der sie lebte.
Über den weichen Teppichboden ging sie zu dem zerbrochenen Fenster mit Blick auf den kleinen Teich. Wie oft hatte sie endlos lange aus der Sicherheit der Bibliothek heraus auf das Wasser gestarrt und dabei unwillkürlich gelächelt. Jetzt rief die Aussicht nur noch einen pochenden Schmerz hervor, der tief in ihrem Bauch saß.
Lou hielt die Messer gut ausbalanciert in ihren Händen und stieg durch das Fenster, wobei sie darauf achtete, den Glassplittern auszuweichen, die auf beiden Seiten der Öffnung verstreut lagen. Kurz darauf war sie auf dem breiten Grünstreifen, der das Gebäude vom Ufer trennte und seit Langem von wild wucherndem Unkraut dominiert wurde.
Trotz des zusätzlichen Gewichts ihrer Bücherrüstung bewegte sie sich wie eine Gazelle über die offene Fläche, bis sie einen Strauch erreicht hatte. Sie kauerte sich dahinter und balancierte ihr Gewicht auf den Zehenspitzen. Ihr Puls raste, es pochte an ihren Schläfen und ihrem Hals, aber es gelang ihr, ihre Atmung zu kontrollieren. Ihr Blick konzentrierte sich im dunstigen Mondschein kurz vor der Morgendämmerung, der den Teich in ein blasses Licht tauchte.
Am Ufer befand sich das Lager der Geflohenen. Einige mochten dem Kartell angehört haben, andere vielleicht den Dwellern. Wer wusste das schon? Und wen interessierte das? Für Lou waren es die Männer, die ihrem Vater ihr Abendessen geraubt und ihn dann getötet hatten. Es waren zehn Mann, und sie würden dafür bezahlen. Jeder Einzelne würde sterben, bevor der Mond der Sonne Platz machte. Das war sie ihrem Vater schuldig.
Lou zog ihre Rüstung mit den Daumen auf ihren Schultern zurecht und nahm ihr erstes Ziel ins Visier. Die Männer hatten sich in drei Grüppchen verteilt. Das erste befand sich geradeaus zwischen ihr und dem Wasser auf der anderen Seite einer absterbenden Hecke. Das zweite war auf der linken Seite des Ufers. Das dritte befand sich auf der rechten Seite des Teiches in der Nähe der halbkreisförmigen Auffahrt, die das Grundstück mit der Straße verband. Alle Männer schliefen, soweit sie das beurteilen konnte. Es gab nicht einmal jemanden, der Wache hielt.
Lou suchte das vor ihr liegende Gelände aufmerksam ab und bewegte sich dann rasch nach links zu einem ausgetrockneten Kanal, der in der nassen Jahreszeit Regenwasser in den Teich leitete. Die Böschung ging steil nach unten, aber sie behielt ihr Gleichgewicht und eilte gebückt zum Fuß einer kleinen Brücke, die über den Kanal führte. Von ihrer Position aus konnte sie die erste Gruppe sehen. Es waren drei Männer.
Sie rieb mit den Daumen über die Griffe ihrer Messer und atmete die kühle Luft ein. Es war windstill, die Sicht war gut. Nichts würde ihre Annäherung verbergen. Sie musste schnell und präzise sein. Es gab keinen Raum für Fehler oder unnötige Bewegungen.
Lou erhob sich. Schwer hing die Bücherrüstung von ihrem Oberkörper herab, als sie sich die Böschung hinaufschob. Sie zog die Rüstung erneut zurecht und stürzte sich auf das Trio, das im bleichen Mondlicht fest schlief.
Ihre Beine wirbelten über den harten Boden, bis sie die Männer erreicht hatte. Zwei von ihnen schliefen mit identischer Körperhaltung, was sie an Mumien erinnerte. In der schmalen Lücke zwischen ihnen war niedergepresstes, taufeuchtes Gras und Unkraut. Lou zielte auf diese Lücke, und kurz bevor sie sie erreichte, ließ sie sich zu Boden sinken und glitt das letzte Stück auf ihrem Rücken.
Sie hatte genügend Schwung, um zwischen die beiden Männer zu rutschen. Gleichzeitig stieß sie beide Messer nach unten und traf jeweils knapp unterhalb des Solarplexus. Die in die Körper gerammten Messer dienten als perfekte Bremsen, und Lous Bewegung stoppte abrupt.
Beide Männer japsten nach Luft, als die Messer in sie fuhren, aber Lou riss die Klingen rasch heraus und erledigte sie, genau so, wie sie schon andere Männer vor ihnen erledigt hatte. Sie gurgelten und gaben grunzende Laute von sich. Einer von ihnen griff nach Lou, als sie sich über ihn rollte, um den dritten Mann anzugreifen. Seine raue Hand umklammerte fest ihr Handgelenk und riss sie zur Seite. Sie war nahe genug an seinem Gesicht, um die Wärme seines Atems zu spüren und den Wildfleischgeruch von gegrilltem Eichhörnchen wahrzunehmen, das am vergangenen Abend als Mahlzeit gedient hatte.
Lou befreite sich aus seinem schwächer werdenden Griff und bewegte sich auf das nächste Ziel zu. Der Mann war inzwischen aufgewacht. Er wirkte benommen und desorientiert, aber er schlief nicht länger. Er stützte sich auf den Ellenbogen nach oben und murmelte etwas von zu viel Radau, um schlafen zu können, als Lou sich wie eine Wildkatze auf ihn stürzte. Ihr Angriff riss seinen Hals nach hinten, und sein Kopf schlug auf dem harten Boden auf. Er konnte nur noch stöhnen und mit den Augenlidern flattern, bevor Lou wieder und wieder ihre Klingen in die verwundbarsten Teile seines Kopfes und Halses trieb.
Ihre Brust hob und senkte sich und ihre Lunge brannte von der kalten Luft. Sie rollte sich von dem Toten herunter und legte sich flach mit dem Rücken auf den Boden. Lou versuchte, sich auf den Mond zu konzentrieren, wieder zu sich zu finden und ihre Herzfrequenz abzusenken. Unbehaglich bewegte sie ihren Körper in der harten Bücherrüstung hin und her, die gegen ihren Rücken drückte.
Sie schloss die Augen und stellte sich ihren Vater vor. Sie sah seine Augen über den oberen Rand eines dicken Romans blicken. Sie hörte das beruhigende Rascheln des Papiers beim Umblättern der Seiten.
Er hatte ihr gesagt, dass sie dazu bereit war. Er hatte sie daran erinnert, wie sehr sie sich vorbereitet hatte. Er hatte ihr versichert, wie stolz er war auf ihre überraschende Kraft, ihre Schnelligkeit und Wendigkeit. Ihr zierlicher Körperbau und ihre geringe Größe waren entscheidende Vorteile, hatte er gesagt. Er hatte sie auch davor gewarnt, dass es schwierig sein würde, jemandem das Leben zu nehmen. Vielleicht würde die Tat selbst mit der Zeit einfacher werden, aber die emotionalen Folgen würden so schwerwiegend bleiben wie beim ersten Mal.
Lou biss sich auf die Innenseite ihrer Wange, um die Erinnerung zu vertreiben. Bewusst versuchte sie, ruhiger zu atmen. Langsam atmete sie durch die Nase ein und aus. Ein. Aus. Ein. Aus. Ein. Aus. Sechs Atemzüge geschafft. Noch vier.
Sie rollte sich auf die Seite und blickte über den Teich in Richtung Straße. An der Stelle, an der sie die vier Männer zuletzt gesehen hatte, war keine Bewegung auszumachen. Sie konnte vage Umrisse auf dem Boden erkennen. Soweit sie das von hier aus sagen konnte, schliefen sie noch. Das kurze Crescendo, das mit dem Töten der drei Männer einhergegangen war, hatte sie nicht aufgeschreckt.
Lou hob ihre Klingen vor das Gesicht und drehte sie hin und her. Sie betrachtete sie im Mondlicht und beugte sich nach vorn, um sie an der Kleidung eines Toten abzuwischen. Dann bemerkte sie zahllose Blutspritzer auf ihrer Rüstung aus Büchern und Blutflecken an ihren Händen. Mit Abwischen war hier nichts zu machen.
Tief gebückt und vornübergebeugt huschte Lou näher an das verbliebene Quartett heran. Sie hielt sich hinter dem Rand des Kanals, bis sie eine gedrungene Eiche fand, die ihr etwa dreißig Yards von den Männern entfernt Deckung bot. Ihre dunklen, amorphen Formen schmiegten sich an den Boden am Rand des Teichs. Zum ersten Mal sah sie die niedrig brennende Glut eines allmählich erlöschenden Lagerfeuers. Orangerotes Glühen pulsierte im Inneren des Haufens aus fast vollständig verbrannten Stöcken und Zweigen. Über dem Feuer lag auf zwei Astgabeln ein längerer Stock, der als Spieß diente. Dort hatten sie ihr Abendessen zubereitet. Dort hatten sie das Wild gegrillt, das ihr Vater gejagt und gefangen hatte. Erneut stieg der inzwischen so vertraute Ansturm schwelender Wut in Lous Buch nach oben und breitete sich aus. Ihre Muskeln spannten sich an, ihre Zähne bissen aufeinander, ihre Hände griffen die Messer fester. Von Wut überwältigt stieß sie sich mit einem Fuß vom Boden ab, sprang hinter dem Baum hervor und stürmte auf die Männer zu. In vollem Sprint bewegte sie ihre Arme, sodass die Klingen an ihren Seiten auf und ab schwangen. Heftig schlenkernd schlug die Bücherrüstung gegen ihren Körper. Als sie das offene Areal zum Lagerplatz fast überquert hatte, erreichte sie ihre Höchstgeschwindigkeit. Nur Sekunden später war sie über ihnen.
Sie hieb und stach mit beiden Messern nach den Männern,...
| Erscheint lt. Verlag | 2.4.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Traveler | Traveler |
| Übersetzer | Reimund Gerstäcker |
| Verlagsort | Ayios Georgios |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Abenteuer • Action Abenteuer • Action Bücher • action fantasy • action kostenlos • action militär • action thriller • Actionthriller • Action-Thriller • action thriller deutsch • Amerika • Apocalypse • Apokalypse • apokalypse buch • apokalypse bücher • Audible • Bestseller • Bestsellerliste Spiegel • Blackout • Buch • Bucher • Bücher • bücher neuerscheinungen • Clive Cussler • Crime • Drama • Dystopie • dystopie Bücher • dystopie erwachsene • dystopie romane • dystopiethriller • Dystopie Thriller • eBook • eBooks • Endzeit • endzeit Bücher • Endzeitthriller • Endzeit Thriller • englische Bücher • Fantasy • fantasy buch • fantasybücher • Fantasy Bücher • fantasy deutsch • Fantasy Romane • Fantasythriller • Fantasy Thriller • Grusel • grusel für erwachsene • grusel kostenlos • Gruselromane • Horror • Horror Bücher • horror deutsch • horror deutsch kindle • horror kostenlos • horror thriller • Horrorthriller • isbn nummer • Kindle • kindle bücher • kindle ebook • Liebe • Lucifer • Luzifer • luzifer verlag • luziferverlag • militäraction • Monster • Neuerscheinung • Neuerscheinungen • New York • New York Times • ny times • Pandemie • Post mortem • Pulp • Rache • Reise • Roadtrip • Roman • Science-fiction • Sciencefiction • science fiction bücher • science fiction deutsch • science fiction kindle • science fiction kostenlos • science fiction thriller • SciFi • Sommer • sommerlich • Spannung • Suspense • Terror • Thriller • thriller amerika • Thriller Bestseller • Thriller Buch • Thriller kindle • Thriller Neuerscheinungen • undercover • Urlaubskrimi • Urlaubslektüre • USA • Vergeltung • Verlag • Weltuntergang |
| ISBN-10 | 3-95835-730-X / 395835730X |
| ISBN-13 | 978-3-95835-730-3 / 9783958357303 |
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