Jack Morane (eBook)
552 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7562-6851-1 (ISBN)
Was gibt es über mich zu sagen? Ich wurde 1987 in Goslar geboren und zeigte im Alter von 9 Jahren erstes Interesse an der hohen Kunst des Schreibens. Schon zu dieser Zeit faszinierte mich das Genre des Mystery-Thrillers, obwohl ich zu dieser Zeit nicht einmal wusste, was ein Genre ist. Mit 22 nahm ich die Arbeit an meinem ersten Buch auf. Dabei handelte es sich um "Jack Morane - Das Tor zum Abyss", der erste Band einer mehrteiligen Saga. Der erste Meilenstein in meiner jungen Schriftstellerkarriere war die Veröffentlichung meines ersten Werkes bei einem kleinen Verlag. Dort durfte ich viel über Literatur und das Verlagswesen lernen. Inzwischen arbeite ich mit einem kreativen und hochmotivierten Team an neuen Projekten.
2. Kapitel
Auf nach Deyers Creek
1
Sie ließen die Lichter der Stadt hinter sich und Jack erzählte Heather die ganze Geschichte. Sie verstand es nicht so recht. Wie sollte sie auch, wenn nicht mal Jack es konnte, der anscheinend im Mittelpunkt dieses Durcheinanders stand.
»Okay, okay«, sagte sie schließlich. »Du weißt schon, wie verrückt das klingt.«
»Natürlich, aber so sieht es nun mal aus.«
»Hast du einen Plan?«
»Na ja, wir fahren nach Deyers Creek in Kanada und suchen dort nach Charlie. Er muss wissen, was los ist.«
»Warum gerade da?«, fragte Heather, die sich auf ihrem Smartphone ein paar Bilder im Internet anschaute.
»Ich habe nicht die leiseste Ahnung.« Jack dachte an eine der Notizen aus dem Büro seines Onkels:
Das Tor zum Abyss öffnet sich in der ersten Nacht
des ersten Tages der flüsternden Seelen.
»Jedenfalls«, fuhr er nach einer kurzen Denkpause fort, »das, was in Chicago gerade geschieht, ist nicht normal. Die Polizei wird auf diese Art mit dem Lincoln Side Killer nicht fertig. Charlie wusste das. Wer oder was der Kerl auch sein mag, er scheint seine Kraft von irgendwo anders zu beziehen.«
»Das ist wirklich nicht witzig, was du da sagst.«
»Siehst du mich lachen?«
Eine ganze Weile herrschte Stille zwischen ihnen.
Das Radio beschallte sie mit Klängen der aktuellen Charts, sodass beide ihren eigenen Gedanken nachhängen konnten.
Heather betrachtete die vorbeiziehenden Bäume, die sich wie Schatten von der Landschaft abhoben. »Wo sind wir eigentlich?«, fragte sie nach einiger Zeit.
Jack warf einen Blick auf das Navi-Display. »Wir müssten gleich Madison erreichen.«
Er spürte die bleierne Last seiner Lider und auch Heather wirkte erschöpft. Die Ereignisse des Tages forderten ihren Tribut. Sie brauchten beide ein wenig Ruhe. Eine halbe Stunde später verblassten die Lichter Madisons im Rückspiegel.
»Ich glaube, es reicht für heute«, stieß Jack tief gähnend aus und steuerte das nächste Motel an.
Schon aus weiter Ferne konnten sie die Leuchtreklame sehen, die wie ein Leuchtturm den Reisenden den Weg in einen sicheren Hafen wies. Heather war müde und dankbar, als Jack die Ausfahrt zum Motel nahm. Es war eine heruntergekommene Absteige, die von der Abfahrt aus gut zwei Meilen östlich entfernt vom Highway lag. Der Name Honey Moon Motel war nicht gerade das, was man unter einer seriösen Unterkunft verstand. Gelber Putz bröckelte bereits von der Außenfassade ab. Hier amüsierten sich untreue Ehemänner abseits der Ehe und nahmen zuweilen eine Geschlechtskrankheit mit nach Hause, die sie mit ihren nichts ahnenden Frauen teilen konnten.
»Was für ein Drecksloch«, brummte Heather müde.
»Willst du lieber im Auto schlafen?«, scherzte Jack.
»Gar keine so schlechte Idee«, lächelte sie.
»Okay, hier hast du die Schlüssel.« Jack warf sie seiner Partnerin schmunzelnd zu.
»Spaßvogel«, entgegnete Heather und warf ihm den Schlüssel zurück.
In der Rezeption brannte trotz der späten Stunde noch Licht.
Jack öffnete die schmutzige Eingangstür und trat, dicht gefolgt von Heather, vor den Tresen, hinter dem ein dicker, glatzköpfiger Mann in einem braunen Sessel saß und wie ein Zombie die Mattscheibe seines kleinen Fernsehers anglotzte.
»Hallo. Wir brauchen für heute Nacht ein Zimmer«, sagt Jack.
Der Dicke schien ihn nicht zu hören oder nicht hören zu wollen. Er lachte über einen sinnlosen Witz im Fernsehen, popelte in seinem Ohr und betrachtete den Klumpen Schmalz, den er von dort zutage gefördert hatte. »Ich liebe dich, Ellen DeGeneres«, raunzte er, worauf er sich erst einmal einen fettigen Hähnchenflügel genehmigte.
»Hey Sie! Sie haben Kundschaft!«, rief Jack ihm zu, doch der Dicke rührte sich nicht. Der Journalist war müde und gestresst und langsam kochte die Wut in ihm hoch, weswegen er sich nur schwer beherrschen konnte, die geballte Faust nicht auf den Tresen zu schlagen. »Hey Glatzkopf, muss ich mir erst eine Kette aus Hähnchenflügeln um den Hals hängen, damit ich Ihre Aufmerksamkeit bekomme, oder gehen Sie immer so mit Ihren Gästen um?« Der Rezeptionist, der bis eben noch gelacht hatte, stemmte seinen massigen Leib aus dem knarzenden Sessel und bäumte sich wie ein Bär vor den beiden auf.
»Jack, komm, lass uns gehen, wir können auch im Auto schlafen«, sagte Heather entnervt.
»Was wollen Sie?«, schnaubte der Dicke. Er wischte sich die schmutzigen, vor Fett triefenden Finger an seinem dreckigen Unterhemd ab.
»Ich weiß nicht. Es ist spät, das hier ist ein Motel … », begann Jack grüblerisch an die Decke starrend, während er sich am Kinn kratzte. »… ja, ich glaube, ich nehme einen doppelten Cheeseburger und eine Coke. Und ein paar Chickenwings für meine Freundin.«
Der Dicke beugte sich zu Jack vor. »Willst du mich verarschen, Kleiner?«
»Das würde mir im Traum nicht einfallen.«
»Also noch mal: Was wollen Sie?«
»Wir wollen ein Zimmer für heute Nacht. Was sollen wir sonst in einem Motel wollen?«
Für einen Augenblick funkelten sich die beiden böse an, bis der Übergewichtige sich umdrehte, einen Schlüssel vom Haken nahm und ihn auf den Tresen donnerte.
»Wir haben nur noch ein Einbettzimmer frei. Nehmen Sie’s oder lassen Sie es bleiben.«
»Wir nehmen es«, sagte Jack, der sich missgelaunt den Schlüssel schnappte.
Der feiste Glatzkopf grinste zufrieden. »Nummer 105, Mister. Viel Spaß mit der Kleinen. Nehmen Sie sie richtig ran«, grunzte er und vollführte dabei eine vulgäre Hüftbewegung.
»Tja Dickerchen, manche brauchen keine Pornos, um Spaß zu haben«, schnauzte Heather.
Der Glatzkopf zog eine Ladung Rotz die Nebenhöhlen hoch, worauf ein glucksendes Geräusch im Rachen folgte. Er schob Jack ein Klemmbrett mit einem mehrseitigen Anmeldeformular herüber. »Füllen Sie das hier aus und verschwinden Sie.«
Nachdem Jack alle Unterlagen unterzeichnet hatte, ging sein Gegenüber Seite für Seite durch. Gelangweilt schaute Jack durch die schmutzigen Fenster, bis der Kerl fertig war und ihn um sein Geld erleichterte.
»Was für ein Halsabschneider! Einhundertzwanzig Dollar für eine Nacht«, beschwerte sich Jack, nachdem er die Tür zum Anmeldebüro in die Angeln krachen ließ.
»Was erwartest du? Die berechnen hier stündlich«, grinste Heather.
Er schloss die Tür zu Zimmer 105 auf und trat zusammen mit Heather ein.
»Du musst zugeben, es hat schon einen gewissen Charme«, bemerkte Heather mit einem Anflug von Ironie in der Stimme, während sie einen benutzten String-Tanga mit weißen Krusten unters Bett kickte.
Das Zimmer war genauso, wie Jack es erwartet hatte: schmutzig und geschmacklos eingerichtet im Stil der siebziger Jahre, jedoch geräumig. Jack schloss die Zimmertür ab und ließ sich auf der abgenutzten roten Ledercouch unter dem Fenster nieder. »Das Hilton ist es zwar nicht, aber immer noch besser, als im Auto zu schlafen«, gähnte er.
»Wir hatten schon schlimmere Absteigen«, pflichtete ihm Heather bei, die es sich auf dem Bett gemütlich machte.
»Da ist was dran«, lächelte Jack und versuchte eine Stelle zu finden, an der sich keine Federn durch den Bezug in seinen Rücken bohrten.
Die Neonreklame vor dem Motel warf gelbrote Strahlen ihres unnatürlichen Lichts durch die verschmierten Fensterscheiben. Heather schlief schnell ein. Jack lag noch einige Zeit wach auf der Couch und betrachtete ein Foto von Sarah, das er stets in seiner Brieftasche bei sich trug. Es beruhigte ihn, ließ ihn an die Zeit denken, in der er sie kennengelernt hatte.
2
Die Spätsommersonne warf warme Strahlen über den Campus. Das neue Semester hatte gerade erst begonnen. Die über die Semesterferien heimgefahrenen Studenten kehrten in Scharen wieder zur Harvard Universität in Cambridge zurück. Jack war gerade auf dem Weg zu einem seiner Kurse, als ihn eine bildhübsche junge Frau ansprach.
»Kannst du mir sagen, wie ich zum Hörsaal drei komme?«
»Archäologie mit Schwerpunkt Ägyptologie?«
Sie hob überrascht den Kopf und strich eine blonde Haarsträhne aus ihrem Gesicht. »Ähm, ja.«
»Ich weiß über den Prof, dass er Ort und Zeiten für seine Vorlesungen nie ändert«, klärte Jack die verwirrt dreinblickende Erstsemestlerin auf.
»Kannst du mir sagen, wie ich da hinkomme?«
»Du gehst an der Mensa vorbei, dann nach links, am Immatrikulationsbüro nach rechts, die Treppe runter, dann wieder links und ein ganzes Stück geradeaus. Du kannst es...
| Erscheint lt. Verlag | 23.5.2022 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-7562-6851-9 / 3756268519 |
| ISBN-13 | 978-3-7562-6851-1 / 9783756268511 |
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