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DIE REISE NACH JERUSALEM & DER GROßE BRAND VON LONDON (eBook)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
304 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7541-9235-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

DIE REISE NACH JERUSALEM & DER GROßE BRAND VON LONDON -  Mäander Visby
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DIE REISE NACH JERUSALEM beschreibt den Ursprung des Kinderspiels auf eine tragikomische Art und Weise. Dabei ist von dieser Erstaufführung auszugehen, dass seitdem der Teilnehmerkreis niemals wieder derart gegensätzlich war. DER GROßE BRAND VON LONDON berichtet von der Feuersbrunst im September 1666 - was der Auslöser war und wer dafür zur Rechenschaft gezogen werden sollte. Und natürlich hat auch in diesem Fall der Geschichte Englands die Krone ihre Finger im Spiel.

*1985 Thüringen.

*1985 Thüringen.

I. REISE



SALLY (ordnet sechs Stühle an)

Dort, wo eine Reise ist, da ist noch nicht das Ende.

Und wo's noch kein Ende gibt, bleibt immer Zeit zur Wende.

Wo die Wende sich ergibt, wird oftmals demonstriert,

Dass auf kurzen Reisen manches Wunder schon passiert.

Aufschluss gibt das Wunder, wie der Weg geebnet war -

Große oder kleine Steine, lauern tut Gefahr.

Und wer nicht gefallen ist, dem steht es im Gesicht:

Ohne den Verlust an Kraft läuft eine Reise nicht!

DUELLANT

Jeder, der sich auf die Reise macht,

Hat genug alleine Zeit verbracht.

So begibt er sich in Hände nun,

Die wahrhaftig wissen, was sie tun.


Jeder kleine Schritt,

Birgt ein großes Ziel.

Jeder schwere Ritt,

Wird zum leichten Spiel.

Wer das Feld betritt,

Dem bedarf's nicht viel:

Etwas Mut und Stil.

Spiel' doch einfach mit!


Wurde einmal durch die Nacht gereist,

Öffnet in der Regel sich der Geist,

Der bewundert, was er Schönes sieht,

Und nicht glauben kann, was dort geschieht.


Jede schmale Spur,

Stärkt die breite Brust.

Jeder flache Schwur,

Fördert höchste Lust.

Schau nicht auf die Uhr!

Wann du springen musst,

Wird dir noch bewusst!

Trau' mir, Spielfigur!


Welch Kultur! Welch Freiheit! Welch Empfang!

Welch Genuss! Welch Freude! Welch Gesang!

Klüger hat der Geist sich nie gezeigt.

Tiefer hat das Herz sich nie verneigt.


Jeder, der aus freien Stücken bleibt,

Weiter in dem Meer aus Federn treibt,

Lässt die Sorgen sinken auf den Grund,

Atmet auf und wirkt im Kern gesund.


Jeder neue Tag,

Wahrt den alten Glanz.

Jeder herbe Schlag,

Schmeckt nach süßem Tanz.

Was ich an dir mag?

Immer alles ganz!

Und den Siegerkranz,

Den ich für dich trag'.


Mit dir gehen will ich, wenn ich geh'!

Mit dir stehen will ich, wenn ich steh'!

Mit dir liegen will ich, wenn ich lieg'!

Doch alleine siegen, wenn ich sieg'!


Jedes ferne Licht,

Scheint als nahes Glück.

Jedem Bösewicht,

Fehlt ein gutes Stück.

Wenn ich dies Gedicht

In die Hand dir drück',

Weiche nicht zurück!

Wehr' dich besser nicht!


Hab' ich mich gemacht denn nicht bekannt?

Werter Leichtsinn, ich bin der Verstand!

Ich bin der, der stets am Ende siegt,

Und nun endlich seinen Willen kriegt!


Die Mitspieler halten sich bereit.


Wenn alle Stühle richtig stehen,

Dann kann das Spiel sogleich beginnen.

Von nun an heißt es: Runden drehen!

Doch nur der Letzte wird gewinnen!

Der Preis? Der einzig wahre Glaube!

Bedenkt jedoch: Ein Spiel für Kinder

Verschreckt sehr leicht die Friedenstaube...

Musik! Vom Kopf mit dem Zylinder...


Der Duellant wirft seinen Zylinder vom Kopf, worauf Musik ertönt und die Mitspieler im Kreis um die Stühle herumlaufen.

I. Reiselied: Ellie Goulding - explosions

Mit dem abrupten Ende der Musik ist die erste Entscheidung gefallen.


Der Christ ist raus!

CHRIST

Oh Gott! Mein Gott! Wie furchtbar! Welche Schmach!

Welch Last wurd' auf da mir gebürdet? Welche zieht das nach?

Verdammt seid Ihr durch die Idee, denn es ist Teufelswerk!

Ich sage Euch und bleib' dabei: Christ liegt im Augenmerk!

Am Kreuz ist er gestorben, wenn nicht als ein rechtes Zeichen!

Nun soll für solch ein Kinderspielchen Jesus Christ nicht reichen?

Der Jud' ist schuld! Verdammter Jud'! Das Bein wurd' mir gestellt!

Oh, hoher Richter, glaubt Ihr, dass ein Christ von selber fällt?

Seht Euch nur meinen Knöchel an!

JUDE

Ihr habt Euch selbst getreten...

Ja, manchmal ist es nicht genug, ein Stündchen bloß zu beten.

Der Jude ist an allem schuld? Das könnte Euch so passen...

So lernt der feige Christ von heut' den armen Jud' zu hassen.

MOSLEM

Besonnen, Freunde! Oder sind von nun an wir Kollegen?

Ich seh' bisweilen keinen Grund sich künstlich aufzuregen,

Denn letztlich ist dies weise Spiel als Sinnbild zu begreifen.

Doch Ihr dagegen führt Euch auf wie sonst nur Weiber schleifen.

CHRIST

Wenn ich es Euch doch sage, warum glaubt Ihr mir dann nicht?

Kennt Ihr denn einen Christen, der nicht voll die Wahrheit spricht?

So hört mich an, mein Richter: Dieser Jude hat betrogen!

Er spannt nicht nur den Bogen, nein, er hat ihn überzogen!

Er droht zu brechen, einmal mehr, wenn Ihr den Juden lasst...

Die heile Welt entsteht erst dann, wenn jeder Juden hasst!

DUELLANT

Wär' ich nicht Euer Richter, hätt' ich sichtlich Freude dran,

Wie man von Gleichgesinnten rasch zu Feinden werden kann.

Als das Gesetz jedoch sag' ich: Der Fall wird untersucht!

Ich dulde nicht, dass, wer auch immer, dieses Spiel verflucht!


Der Duellant begutachtet den Fuß des Christen.


CHRIST

Ich fluche nicht, verehrter Richter, ich sag' nur, wie's ist,

Dass jeder Jude, wenn er kann, bedient sich einer List.

Drum weise ich erneut und etwas strenger darauf hin,

Dass ich betrogen wurde und nun der Geschasste bin.

SALLY

Ich habe eine Meinung und auch eine Theorie,

Gespickt mit zig Gedanken, die vernünftig sind wie nie:

Es wettert bloß der Christ, weil ihn die Niederlage plagt.

Und hätt' er nicht verloren, hätte er kein Wort gesagt.

Ich muss darauf verweisen: Nichts erhärtet den Verdacht!

Drum lasst ab von dem Juden, schließlich hat er nichts gemacht!

CHRIST

Ich glaub' es nicht, ich glaub' es nicht!

DUELLANT

Ja, das gefällt mir sehr.

SEKUNDANT

Mein Herr, Ihr seid ein Richter und schon längst kein Täter mehr!

DUELLANT

Das weiß ich ja, mein Lieber, doch nichts könnte schöner sein

Als einen Mensch zu sehen, der sich selber stellt ein Bein,

Und fällt dann wie ein Baum, der wurd' gespalten von dem Beil,

Und denkt, er wär' vom dichten Wald auf ewig noch ein Teil.

Stattdessen wurde er verbannt und wird zu Brennholz nun,

Und hat mit Ausgang dieses Spiels so gar nichts mehr zu tun.

JUDE

Oh, wahrlich guter Mann von Welt, der stets die Wahrheit spricht,

Euch steht das Amt des Richters ganz vorzüglich zu Gesicht.

Ihr löscht die bösen Flammen mit dem Wermutstropfen nur,

Und geht den Weg der Hoffnung auch allein auf weiter Flur.

Es müsst' von Eurer Sorte noch viel mehr dergleichen geben,

Die vor das Gute leben, nach dem rechten Wege streben.

CHRIST

So hat der Jude etwa Euch mit seinem Gold bestochen?

Vermutlich hat den Himmel er auf Erden Euch versprochen...

So hört: Er wird's nicht halten! Einmal bricht er jeden Schwur!

Ein Jud' legt erst die Fährte und verweht alsbald die Spur!

MOSLEM

Ich will Euch nochmals bitten, da wie Brüder Ihr schon wart:

Das feste Band könnt' reißen, bloß durch Eure üble Art,

Die Euch, als fromme Herren, in der Tat so schändlich macht,

Indem Ihr freiheraus Euch äußert, ohne viel Bedacht.

CARRIE

Ich dacht', es wär' nur ehrlich, was uns auf der Zunge liegt...

Wir sollten immer von uns geben, was uns nicht verbiegt!

SEKUNDANT

Sehr richtig, meine Teure, derart ehrlich bin ich auch.

Ich flüstre Euch die Wahrheit, wie in Frankreich ist es Brauch.

CARRIE

Den Brauch könnt Ihr Euch sparen und die Bräuche auch danach!

Ich werd' das Herz Euch brechen...

CHRIST

So wie meines eben brach.

DUELLANT

Ich kann dem Spiel, mein Fräulein, reichlich Schönes abgewinnen,

Denn einer von den dreien da ist schon nicht mehr bei Sinnen.

SALLY

Seid nicht gefüllt mit Schadenfreude, werter Duellant,

Sonst stecht Ihr Euch in Bälde noch in Eure andre Hand.

DUELLANT

Ich fühl' mich ja geschmeichelt, wenn Ihr so in Sorge seid...

SALLY

Jedoch seid Ihr zu sorgen Euch noch lange nicht bereit.

DUELLANT

Wie reizend die Geschwister sind...

CARRIE

Verschieden obendrein!

CHRIST

Teilt jemand mein Bedauern?

JUDE

Ach, so schlimm wird's schon nicht sein...

CHRIST

Der Jude weiß es besser, auch wenn er sehr wenig weiß.

Für ihn ist Glaube, Liebe, Hoffnung von geringem Preis.

Was funkelt und was glitzert, ist ihm wahrlich lieb und teuer.

Den Glauben aber, wie man sieht, vernichtet er im Feuer.

SALLY

Christ, mäßigt Euch in Wort und Tat, vom Haupte bis zur Sohle,

Und setzt Euch auf den freien Stuhl und trinkt zu Eurem Wohle!


...

Erscheint lt. Verlag 23.5.2022
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Dramatik / Theater
Schlagworte Duell • Feuer • Jerusalem • Kinderspiel • London • Lyrik • Monarchie • Reiselieder • Religion • Theater
ISBN-10 3-7541-9235-3 / 3754192353
ISBN-13 978-3-7541-9235-1 / 9783754192351
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