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DIE ZUKUNFT, DIE WIR HATTEN & DIE LETZTE GESCHICHTE (eBook)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
312 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7541-9197-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

DIE ZUKUNFT, DIE WIR HATTEN & DIE LETZTE GESCHICHTE -  Mäander Visby
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DIE ZUKUNFT, DIE WIR HATTEN beschreibt eine Zeitreise eines jungen Paares durch eine Auslese an der Menschheit prägendsten Liebesgeschichten, um einerseits der eigenen Romanze auf den Grund zu gehen und andererseits in Erfahrung zu bringen, ob diese noch zu retten ist. DIE LETZTE GESCHICHTE handelt von dem hochbetagten Johannes, der, nach seiner Offenbarung, in seinem Haus zwei alte Bekannte in Empfang nimmt, die jeweils aus einem ganz anderen Gedankengebäude auf die Apokalypse blicken.

*1985 Thüringen.

*1985 Thüringen.

II. AKT


In dem höchsten Tempel der Stadt Uruk:

Die Heilige Hochzeit.

Gilgamesch wird von Enkidu gewaschen.


GILGAMESCH

Ein kühles Nass und ab wischt sich der Schweiß und Dreck.

ENKIDU

Mein Herr und König, dies ist nicht der Sinn und Zweck -

Natürlich ist's von Vorteil, wenn Ihr sauber seid,

Wie jeder, der von alten Lasten sich befreit:

Von Sünden, von Gefühlen und von Staub und Sand.

Doch heute steht Ihr in der Pflicht und braucht Verstand

Für das, was Euch in Kürze schon erwarten wird.

GILGAMESCH

Ihr wisst, ich sage es nicht gern, dass Ihr Euch irrt.

Und oft mach' ich von einem Einspruch nicht Gebrauch.

Und ich gestehe: Ja, ich mache Fehler auch!

Doch was nichts taugt, das wird auf keinem Fall belohnt,

Selbst wenn man, so wie ich, auf höchster Stufe thront

Und jeden Fehler sich dadurch erlauben kann,

Weil ich Umbaba schlug und Zedern so gewann

Für mein geliebtes Volk und mein gelobtes Land,

Für das nicht nur die Blüte seiner Zeit entstand,

Auch Ruhm und Wohlstand gingen mit dem Sieg einher.

ENKIDU

Und trotzdem wird der Mensch verlangen immer mehr,

Solange es auf Erden ein Bedürfnis gibt,

Das dazu führt, dass einer noch den andren liebt,

Denn ohne Liebe stirbt die Menschheit eben aus.

GILGAMESCH

Und was, mein Freund Enkidu, lernen wir daraus?

ENKIDU

Dass nie die Menschheit ganz zu Grunde gehen wird?

GILGAMESCH

Und wieder spüre ich verstärkt, dass Ihr Euch irrt.

ENKIDU

Ich kann und will Euch folgen, ja, wenn nötig blind -

Verzeiht, doch diesmal weiß ich nicht wohin wir sind,

Wie weit es ging und ob es schon das Ende war.

GILGAMESCH

Ich sorg' sofort dafür, dass Ihr könnt sehen klar -

Noch klarer als zuvor: Wir lernen Schritt für Schritt,

Sogar die Liebe kommt, wie Ihr, nicht länger mit,

So wie im steten Einklang mit der Zeit sie ist,

Am Menschen nagt und schließlich auf ihn frisst,

Sodass, darum bewusst, wie schnell die Zeit vergeht,

Die Liebe, eines Tages, so nicht mehr besteht,

Denn Zeit braucht nicht, wie Liebe, Anspruch und Geduld,

Und niemals ist die Zeit an allem Übel Schuld,

Sodass ich letztlich glaub', nein, ich bin überzeugt,

Dass sich die Liebe schon der Zeit in Bälde beugt,

Und Liebe, wie wir kannten, wie ein Licht erlischt,

Dass stärker mit der Zeit das Leben sich vermischt.

ENKIDU

Bevor es kommt zur Hochzeit, stellt Ihr dies mir dar?

GILGAMESCH

Mein Freund, solch eine Hochzeit halt' ich jedes Jahr,

Als ein Symbol für die Belebung der Natur -

Auf dass sie sich erneuern mag -, doch an sich nur

Zu Ehren Ihr, Inanna-Ishtar.

ENKIDU

Ja, ich weiß!

Doch glaubt Ihr, dass Ihr zahlt da einen hohen Preis?

Als Mann?

GILGAMESCH

Als König könnt' ich jede haben, nicht?

Doch wie Ihr's treffend sagtet: Heut' ist's an der Pflicht!

Und dieser geh' ich nach, weil dies so Sitte ist.

ENKIDU

Weil Ihr danach Euch sehnt und das Gefühl vermisst...

GILGAMESCH

Weil es mein Volk und Land von mir verlangen tut.

ENKIDU

Ja, also lodert da in Euch kein Fünkchen Glut?

GILGAMESCH

Nein, keine Glut, kein Feuer sticht aus mir hervor -

Nicht aus dem Herz, dem Auge noch dem Mund und Ohr.

Es zündelt in mir, aber wird nicht recht entfacht,

Als wär' ich zum Entflammen einfach nicht gemacht.

ENKIDU

Bevor hindurch wir kämpften eine lange Nacht -

Hinein bis in den Morgengrauen ging die Schlacht -

Und niemand siegte...

GILGAMESCH

Oh, wie's mir noch ist bewusst.

ENKIDU

Da hattet Ihr zum Brennen aber reichlich Lust.

GILGAMESCH

Ach, meinen Lebenswandel führtet Ihr herbei.

Ihr bracht den Mann in mir mit einem Schlag entzwei,

Dass ich so denn die eine Hälfte von mir stieß -

Die schlechte Seite - und der Guten überließ

Den König recht zu führen, nun, auf dass er führt

Sein Volk auf neue Wege: Einen, der berührt

Und einen, der entschlossen seine Wirkung zeigt,

Indem er, ohne Umweg oder weit verzweigt,

Dem Ziel mit jedem Schritt uns etwas näherbringt.

ENKIDU

Ihr seid gereift zu einem König, dem's gelingt,

Denn nur der wahrlich reich gereifte Mensch regiert

Und weiß zu werten, zu entscheiden, wer verliert

Und wer gewinnt, wie wenig oder doch wie viel,

Bis er gelangt ist endlich ans gewünschte Ziel,

Von dem auch Ihr, Galan, entfernt noch immer seid.

GILGAMESCH

Nur keine Eile! Ich bin jung und habe Zeit,

Damit mein Name ein in die Geschichte geht

Und jeder mich als größten König auch versteht.

Ich werde bauen lassen müssen Tag und Nacht -

Nur so erinnert sich das Volk an meine Macht,

Wenn's golden schimmert und bis an den Äther reicht

Und kein Gebäude eins auf seine Weise gleicht,

Mit einem Fest gefeiert und zum Schutz geweiht

Wird, was sich ohne Zweifel ins Gefüge reiht,

Denn Uruk ist im Aufmarsch, und mit jedem Bau

Beweisen wir Sumerer, dass wir sind genau,

Gerissen und begabt, verwurzelt in der Kunst.

Wir spüren jede Stunde, nutzen ihre Gunst,

Erfinden, handeln und verwalten Tag für Tag

Und schätzen den, der Recht und viel zu tun vermag -

Wie Ihr, Enkidu, stets ward der Erfolgsgarant.

ENKIDU

Ihr schmeichelt mir, doch ich war's nicht, der was erfand:

Die Töpferscheibe und die Schrift mit einem Keil,

Das Siegel, das verrät den Inhalt. Ich derweil

Stand draußen, fest im Einklang bloß mit der Natur,

Als eines Tages einen Zauber ich erfuhr,

Gezielt gerichtet und verspürt am eignen Leib -

Auch wenn Ihr's mir nicht glaubt, verführte mich ein Weib.

Ich wehrte mich, so gut es ging, wie's tut ein Mann,

Doch kam ich gegen ihren süßen Klang nicht an:

So lieblich war's, wie sie gehaucht mir hat ins Ohr,

Dass ich in einem Traum bei Tage kam mir vor,

Aus dem ich zu erwachen selbst nicht fähig war,

Die Schönheit bloß erkannte, doch nicht die Gefahr,

Die hinter dieser Dirnenmaske sich verbarg -

Ein Abbild, das wohl hässlich musste sein und karg.

Ich kämpfte eine Schlacht, die erstmals ich verlor,

Denn niemand lag mir wieder, wie dies Weib, im Ohr.

GILGAMESCH

Was sagte sie zu Euch?

ENKIDU

Sie tönte: Geht hinfort!

Verlasst die Wildnis! Dies ist längst nicht mehr der Ort,

An dem Ihr, Liebster, Euch geborgen fühlen sollt!

Dann sagte ich zu ihr: Ich tue, was Ihr wollt!

Sie küsste meinen Mund. Ich wirkte wie gehemmt.

Auf einmal war mir die Natur nun völlig fremd,

Dass ich das Leben, das ich einst so reizvoll fand,

Durch diesen einen Kuss nicht wieder hab' erkannt.

Sie sagte: Geht nach Uruk, in die laute Stadt,

Wo ein Tyrann die Herrschaft über alles hat,

Der seine Macht verlogen und brutal missbraucht,

Der wie ein wildes Tier die Zähne fletscht und faucht.

Dort gehet hin und fordert ihn zum Kampf heraus,

Sodass gezügelt wird sein Herz vom Saus und Braus,

Und einmal er im Leben so zu Boden geht,

Dass er als neuer Mensch vor seinem Volke steht,

Indem er gütig ist und Gnade walten lässt

Für die, die über Jahre aus er hat gepresst,

Mit seinem Recht der ersten Nacht mit jeder Braut.

Darüber aber ist gewachsen längst das Kraut...

Ihr habt seitdem nie wieder ehrlos Euch verstrickt.

GILGAMESCH

Ich wusste es: Die Götter haben Euch geschickt,

Mich zu erretten aus der eignen kranken Haut -

Auf der sich mancher Dreck schon hatte angestaut,

Der stark verkrustet war -, mit Beulen übersät,

Aus denen böses Blut zum Vorschein kam beredt

Und maßlos strömte, gierig in die Herzen stach,

Bis ein erwähltes Herz sein langes Schweigen brach

Und beben tat, um zu erschüttern meinen Geist,

Der in sich kehrte, nun ein reines Herz beweist.

Ich danke Euch, mein Freund, dass ich gesundet bin -

Vor allem aber sauber nach dem Holzgewinn.


Enkidu bekleidet Gilgamesch mit einem Tuch.


ENKIDU

Wir haben eine Reise hinter uns gebracht,

Die wahrlich man nicht oft in einem Leben macht -

Alleine kaum, mein Herr, schon gar nicht erst zu zweit.

GILGAMESCH

Gewiss.

ENKIDU

Doch nun hält sich allein für Euch bereit:

Die Schönste aus dem Tempel wurd' herbeigeführt -

Gefällig, jung, von keinem Mann zuvor berührt.

GILGAMESCH

Ach, diese Pflichten... Müssen die denn wirklich sein?

ENKIDU

Mein Herr und König, schlaft jedoch nicht wieder ein.

GILGAMESCH

Wo bleibt mein Kuss, wie ihn die Dirne einst Euch gab?


Sie küssen sich.


ENKIDU

Ihr bringt mich eines Tages, glaub' ich, noch ins Grab...


Enkidu geht ab.


GILGAMESCH

Wie kann er sowas sagen, dass mir bricht das Herz?

Enkidu zu verlieren, wär' mein...

Erscheint lt. Verlag 14.5.2022
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Dramatik / Theater
Schlagworte Drama • Geschichte • Komödie • Liebe • Lyrik • Metrum • Religion • Romantik • Weltuntergang • Zeitreise
ISBN-10 3-7541-9197-7 / 3754191977
ISBN-13 978-3-7541-9197-2 / 9783754191972
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