DER VERFASSER DER KEHRSEITE & VOM LEBEN DER LIEBE (eBook)
327 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7541-9005-0 (ISBN)
*1985 Thüringen.
*1985 Thüringen
VOM LEBEN DER LIEBE
EINE TRAGIKOMÖDIE IN 5 AKTEN
VON MÄANDER VISBY
PERSONEN
DIE LIEBE
--- Patrizia Bromelie
MARIA MAGDALENA
--- Herr Zeiger / Malocchio
AMOR
--- Mark Herms / Martha
LUZIFER
--- Doktor Alfred Hell / Der Rabe
GUSTAV VON ARNHEM
--- Dichter
DIENER FRANCIS
--- Hauspersonal der Bromelie
XISCA
--- Hauspersonal der Bromelie
I. AKT
I. Szene
Maria Magdalena - in einer dem Himmel ähnlichen Umgebung - sitzt am Schreibtisch und will einen Brief an Jesus Christus verfassen.
MARIA MAGDALENA
Ich denke, dass ich ihm was schreiben muss, das endlich zieht,
Wodurch, statt alle ihm, zum ersten Mal er mich bekniet.
Womöglich ein Gedicht, das keinem andren vormals gleicht
Und über alle Zeiten bis zur letzten Stunde reicht.
Nun, einen Schwenk, Klamauk vielleicht, der ihn erheitern tut.
Romantisch sollte's sein, damit die Sehnsucht wird zur Glut.
Ein Hauch von Tragik braucht's, dass sichtlich er mit Tränen ringt.
Musik bedarf es hin und wieder - traurig wie beschwingt.
Und tanzen sollte er, mit beiden Händen in der Luft,
Dabei in jede Richtung hübsch versprühen einen Duft,
Der Atem raubt, zugleich die Lungenflügel aber füllt -
Auf diesem Wege dürfte sein der Drang komplett gestillt,
An dem das Reden und das Schreiben und das Lesen hängt,
Worauf vereint sich ein Charakter aus dem Schatten drängt.
Die Liebe!
Auftritt die Liebe, zu der Musik von Scarlet - Independent Love Song.
DIE LIEBE
Seid gegrüßt, verehrte Freundin aller Leiden!
MARIA MAGDALENA
Willkommen!
DIE LIEBE
Ach, Ihr seid, wie stets, gewiss nicht zu beneiden,
Wie Ihr auf Eurem Hocker sitzend sinnt und überlegt.
MARIA MAGDALENA
Ich denke eben nach.
DIE LIEBE
Und, habt Ihr Euch heut' schon bewegt?
MARIA MAGDALENA
Nicht mit den Füßen, aber Händen.
DIE LIEBE
Und mit Eurer Hüfte?
MARIA MAGDALENA
Natürlich nicht!
DIE LIEBE
Stattdessen spitzt Ihr an zerbrochne Stifte.
Ihr rostet ein, wenn Ihr sie frühs und abends nicht bestärkt
Zu biegen und zu wenden sich.
MARIA MAGDALENA
Warum?
DIE LIEBE
Damit sie merkt
Und weiß, dass sie ein Teil von einem Frauenkörper ist.
MARIA MAGDALENA
Ich halt' es nicht für möglich, dass das eine Frau vergisst
Und je vergessen könnte, denn die Frau bleibt eine Frau.
DIE LIEBE
Ja, glaubt Ihr wirklich eine Frauenhüfte ist so schlau?!
Sie muss daran erinnert werden, und das jeden Tag,
Egal ob sie nun möchte oder nicht verkehren mag.
MARIA MAGDALENA
Das halte ich für falsch.
DIE LIEBE
Das habe ich mir schon gedacht,
Dass Ihr verriegelt habt die Tür und sie sogar bewacht,
Damit herein nicht einer tritt - nicht gänzlich oder fast -,
Der keine Absicht hat sich zu verhalten wie ein Gast.
Der kommt Euch nicht ins Haus.
MARIA MAGDALENA
Ihr aber ladet jeden ein...
DIE LIEBE
Ich lege keinen Wert auf dick, ob dünn, auf groß, ob klein,
Weil ich die Liebe bin - ich mache keinen Unterschied.
MARIA MAGDALENA
Das solltet Ihr! Jedoch dreht alles sich um dies Gebiet,
Was nicht im Ansatz Liebe fördert und zu lieben heißt.
DIE LIEBE
Was Euer altes und verzerrtes Bild von mir beweist.
MARIA MAGDALENA
Wer einmal hat sein Blut gelassen,
Der weiß nur zu genau:
Ein jeder könnt' ein Werk verfassen
Beim Auftritt dieser Frau!
Ich bin bereit mein Blut zu geben!
Es stellt sich mir so dar,
Dass jeder Stich in meinem Leben,
Allein für Liebe war!
Ich bin der Nadel treuster Kunde!
Ich dien' dem Lebenssaft!
Ich nehm' am Arm in Kauf die Wunde
Für ihre Leidenschaft!
Wer einmal wollt' ein Feuer schüren,
Der weiß nur zu genau:
Ein jeder könnt' die Glut berühren
Beim Anblick dieser Frau!
Gelehrt ist nun mein volles Wissen,
Geleert mein ganzes Blut!
Die Liebe glaubt, sie wär' gerissen,
Was immer sie auch tut.
Und niemand kann dem Pfeil entgehen,
Der auf die Herzen zielt,
Denn jeder muss sich eingestehen,
Dass auf den Pfeil er schielt.
DIE LIEBE
Ihr habt mit diesen Zeilen Euch als blindes Huhn enttarnt.
MARIA MAGDALENA
Ich habe einen Brief für Euch.
Maria Magdalena überreicht der Liebe den Brief.
DIE LIEBE
Von Gott?!
Die Liebe liest den Brief.
Ich werd' verwarnt?!
MARIA MAGDALENA
Für das, was Ihr am Ostersonntag Euch geleistet habt.
DIE LIEBE
Ach, zeigt das etwa nicht, wie hoch die Liebe ist begabt?
Ich kann den ganzen Tag verliebt sein oder mich verlieben.
MARIA MAGDALENA
Und doch ist von den vielen Lieben übrig nichts geblieben -
Nicht mal ein Fünkchen Hoffnung habt Ihr damals hinterlassen.
DIE LIEBE
Ich bin die Liebe - soll ich mich dafür denn selber hassen?
Dazu bin ich nicht fähig! Ich bin einzig die, die liebt.
MARIA MAGDALENA
Dann werdet Ihr auch keinen finden, der Euch je vergibt.
DIE LIEBE
Was hab' ich denn getan?
MARIA MAGDALENA
Anstatt zu lieben, bloß verführt.
DIE LIEBE
Ich hab' die Herzen dieser Herren voll und ganz berührt.
MARIA MAGDALENA
Und kurze Zeit darauf habt Ihr gelassen wieder los.
DIE LIEBE
Ich ließ zuerst nicht locker, aber letztlich kam der Stoß,
Durch den ich wurd' befriedigt für den schieren Augenblick,
Bis ich den nächsten an der Angel hatte für ein F...
MARIA MAGDALENA
Ich bitte um Verzeihung, aber hab' ich mich verhört?!
Das darf doch wohl nicht wahr sein!
DIE LIEBE
Ist's der Sex, der Euch empört?
Dann kann ich Euch verstehen, dass auf mich Ihr neidisch seid.
Vielleicht habt Ihr auch eines Tages die Gelegenheit,
Wenn Euch Herr Jesus Christus an die Unterhose lässt
Und Ihr Euch mit dem blanken Hintern an sein Zepter presst.
MARIA MAGDALENA
Dagegen hab' ich nichts - ich weiß sehr wohl, was heute zählt.
Doch Ihr habt falsche Zeit und falschen Ort zugleich gewählt:
Der Ostersonntag ist für Christen nicht ein Feiertag,
An dem ein jeder tun und lassen kann, so wie er's mag.
Habt Ihr gebetet jenen Tag?
DIE LIEBE
Hat Gott mich nicht gesehen?
Ich hab' gebetet viel im Liegen, aber auch im Stehen.
MARIA MAGDALENA
Doch vor dem Kreuze in der Kirche habt Ihr nicht gekniet...
DIE LIEBE
Nicht vor dem Kreuz, wie ganz gewiss der Herrgott Euch verriet.
MARIA MAGDALENA
Ihr knietet vor dem Traualtar und habt Euch nicht getraut,
Stattdessen kann man Euch getrost bezeichnen als versaut,
Als schweinisch, scheußlich, herzlos, wie auch nicht zu retten mehr.
DIE LIEBE
Drum spricht man in der Liebe und auf Straßen von Verkehr.
MARIA MAGDALENA
Ich kann erkennen keine Reue.
DIE LIEBE
Weil ich nicht bereu'.
MARIA MAGDALENA
Dann muss ich Euch verbannen.
DIE LIEBE
Ach, das wär' mir aber neu.
MARIA MAGDALENA
Es reicht dem Herrn, vor allem mir, mit Euren Eskapaden!
So wie Ihr Euch verhaltet, fügt Ihr zu dem Himmel Schaden.
Das lasse ich nicht zu!
DIE LIEBE
Und ich nicht, dass Ihr mich verbannt!
Ich hab' an Euch die schwächste aller Stellen längst erkannt:
Dort unten, zwischen Euren Beinen, was man nennt den Schritt,
Da seid Ihr sehr verwundbar und geraten aus dem Tritt.
Was haltet Ihr davon: Begleitet mich und schaut mir zu,
Wie ich's mit einem nach dem andren auf der Erde tu'.
Da könnt Ihr noch was lernen…
MARIA MAGDALENA
Nein! Das glaub' und denk' ich nicht.
Doch wenn die Erde Euch dermaßen in die Augen sticht,
Dann sei das Ziel die Erde aus dem Jahre zwanzig zehn,
Wo keine Grenzen zwischen Licht und Schatten mehr bestehn.
DIE LIEBE
Und wie, mein Fräulein, stellt Ihr's an?
MARIA MAGDALENA
Mit einem schlichten Schnips.
DIE LIEBE
Mit einem schlichten Schnips? Da lach' ich doch. Dafür fehlt's Euch an Grips!
MARIA MAGDALENA
Ich hebe meine rechte Hand.
DIE LIEBE
Wollt Ihr damit denn winken?
Ich werde gehen nirgends hin, drum lasst sie wieder sinken!
MARIA MAGDALENA
Ich halte an den Mittelfinger meinen Daumen schon.
DIE LIEBE
Streckt Euren Zeigefinger durch! Ich habe einen Sohn!
MARIA MAGDALENA
Klein Amor bleibt bei mir...
DIE LIEBE
Verdammt!
MARIA MAGDALENA
Ich werde schnipsen nun.
DIE LIEBE
Das dürft Ihr nicht!
...| Erscheint lt. Verlag | 8.4.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte |
| Schlagworte | Dichter • Gedichte • jambus • Lyrik • Metrum • Prosa • Tragikomödie |
| ISBN-10 | 3-7541-9005-9 / 3754190059 |
| ISBN-13 | 978-3-7541-9005-0 / 9783754190050 |
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