Perry Rhodan Neo 286: Kartell der Pilgerväter (eBook)
160 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-5486-6 (ISBN)
2.
Im Refugiental
Und wieder war es dunkel, als Perry Rhodan in der Gegenstation des Transmitters rematerialisierte. Nein – seine Augen hatten sich nur nicht sofort an das gedämpfte Licht gewöhnt, das an ihrem Zielort herrschte, stellte er fest.
»Eine Grotte!« Gayt-Coor stand nur einen Meter vor Rhodan und musterte die Umgebung.
In einiger Entfernung entdeckte Rhodan eine in hellem Blau glimmende Fläche, leicht oval geformt, mit gezackten Rändern. »Dort ist wohl der Höhlenausgang.«
Gayt-Coor wollte prompt darauf zugehen.
Aber Rhodan hielt ihn zurück. »Warte. Die anderen müssten längst eingetroffen sein.« Er wandte sich dem Transmitter zu. Soweit er es in dem schwachen Licht erkennen konnte, war der Torbogen leer.
»So gut wie neu, der Transmitter, haben sie gesagt!« Gayt-Coor machte mit den Klauen ein Geräusch wie Fingernägel, die über eine Schiefertafel gezogen werden. »Von wegen. Das Ding ist ausgefallen!«
»Das wäre eine Möglichkeit ...« Rhodan untersuchte das inaktive Hyperraumtor, versuchte ein Bedienelement zu finden. »Nichts.«
»Hätte mich auch gewundert.« Gayt-Coor ließ eine Kralle kreisen. »Das hier ist wahrscheinlich ausschließlich für die Ankunft der Pilger gedacht ...«
»Und reichlich ungewöhnlich als Empfangsort einer Paradieswelt.« Rhodan musste Hayvatschyts mentale Äußerungen ausblenden, der voller Panik Parallelen zu Veltyr zog.
Der Terraner machte eine auffordernde Handbewegung zum Höhlenausgang. »Aber es gibt nur einen Weg, um herauszufinden, wo wir tatsächlich gelandet sind.«
Der Anblick, der sich ihnen beim Verlassen der Transmitterkaverne bot, war verblüffend. Vor ihnen öffnete sich ein tief eingeschnittenes Tal, an dessen fernem Ende ein schäumender Wasserfall von einem Höhenzug wohl Hunderte Meter abwärtsstürzte. Goldenes Sonnenlicht – tatsächlich fast magisches, goldenes Sonnenlicht, stellte Rhodan fest – durchflutete die weite Kluft, deren steile Wände von ebenso goldenen Baumwipfeln fast vollständig bedeckt waren. Elegant geschwungene Terrassen und imposante Säulenbauten wuchsen aus den Hängen empor, nicht wie künstlich errichtete Bauwerke, sondern eher wie organisch gewachsene Architektur. Ein intensiver, aber nicht aufdringlicher Duft stieg Rhodan in die Nase, der an feucht dampfenden Waldboden nach einem Platzregen erinnerte.
Der yaanztronische Duft nach Glück, erkannte er. Obwohl das Tal rundum von hohen Klippen abgeriegelt war, vermittelte es nicht das Gefühl von Enge, eher von Geborgenheit.
Gayt-Coors Nackenfedern fächerten und schlossen sich. »Das soll irgendwo auf der denaturierten Stahlkugel sein, die wir von der Orbitalstation aus gesehen haben?«
Nach einem Schritt auf den weiten Kristallboden, der einem offenen Balkon gleich vom Höhleneingang aus dem Hang vorkragte, überlegte Rhodan: »Wir könnten überall sein. In einem Oberflächengebiet von Parimar, das von der Position der Raumstation aus nicht zu sehen war, in einer aufwendigen Installation im Bauch des Planeten oder auch in einem anderen Sonnensystem. Alles ist möglich. Zuverlässig beurteilen werden wir das erst können, wenn wir den Sternenhimmel sehen.«
»Es sieht so ... schön aus.« Die Gefühlsanwandlung war sehr untypisch für den Petraczer. Mit seinen nächsten Worten rückte er diesen Eindruck sofort wieder gerade. »Schön und verführerisch, wie eine fleischfressende Pflanze.«
»Du glaubst noch immer nicht an das Paradies.«
Ein abweisendes Zischeln war Antwort genug.
Sie fanden eine breite Kristalltreppe, die sich von der Plattform durch den Steilhangwald abwärtsschlängelte. Vogelartige Wesen raschelten im Geäst der goldblättrigen Bäume, gelegentlich murmelte ein Bach in der Nähe, eine sanfte, warme Brise fuhr über sie hinweg. Sie kamen an Nischen in der Talwand vorbei, die zum Verweilen einluden, an großen Lichtungen, wo bunte Insekten im Sonnenschein spielten, an kunstvoll geflochtenen Säulen, die Rhodan erst auf den zweiten Blick als großzügige Aussichtstürme erkannte.
Das ist unglaublich, äußerte Hayvatschyt fassungslos. Eine Welt ohne Gedränge, Lärm und ein Übermaß an Gerüchen ... Dies ist wahrlich das Paradies.
Rhodan war beeindruckt, wie schnell der Yaanztroner seine Befürchtungen vergessen hatte.
Es ist tatsächlich überwältigend für dich, nicht wahr?, fragte er. Ihr kennt nur Überbevölkerung und Überlebenskampf, und auf einmal findest du dich an einem solchen Ort wieder.
Hayvatschyt schwieg.
»Ich glaube immer noch nicht an die Geschichte vom Paradiesplaneten«, blieb Gayt-Coor misstrauisch. »Ich garantiere dir: Gleich verwandeln sich diese hübschen, kleinen Flatterwesen da in blutsaugende Monster.«
»Ihr Petraczer seid so negativ«, stichelte Rhodan.
Das sind Goortfrüchte!, jubelte Hayvatschyt unvermittelt. Schau dort! Der Busch! Geh hin, iss, bitte!
Auf einer Lichtung, in deren Mitte die moosüberwachsenen Steinblöcke einer verfallenen Ruine standen, glänzten weißlich blaue Früchte. Die Beeren ähnelten halb durchsichtigen Kristallkugeln.
»Iss davon, und du wirst dich in einer halben Liss in Bauchschmerzen winden. In einer bist du tot«, prophezeite Gayt-Coor, der Rhodans Blick anscheinend richtig gedeutet hatte.
Unsinn, regte sich Hayvatschyt auf. Ich erkenne Goort, wenn ich sie sehe! Ah, allein dieser Duft!
Und wenn es doch eine Falle ist?
Früher oder später müssen wir etwas essen. Und das wird etwas aus diesem Tal sein.
Zögerlich pflückte Rhodan eine der Früchte. Die Echse mochte übermäßig misstrauisch sein, aber ihre Vorsicht war sehr gut begründet. Andererseits, worin bestand die Prüfung? Wenn diese Frucht Teil davon war, war es ebenso gut möglich, dass sie gegessen wie dass sie gemieden werden musste. Es wäre also reines Glück, wofür auch immer er sich entschied. Aber eine Prüfung, die auf Glück fußte, war keine Prüfung, sondern reiner Zufall.
Rhodan nahm einen kleinen Bissen. Die Haut der Frucht erinnerte ihn an weichen Pfirsich. Seine Geschmacksnerven antworteten mit einem wahren Feuerwerk.
Ja, das ist eine Goortfrucht, ganz ohne Zweifel! Iss sie! Hayvatschyt war vor Begeisterung kaum zu bändigen.
Rhodan setzte sich auf einen großen Steinquader, sah ins Tal und nahm einen zweiten Bissen.
»Wollen wir nicht weiter?« Die Stimme seines echsenhaften Begleiters troff vor Missbilligung.
»Wir haben weder eine Ahnung, wo wir sind, noch wissen wir, welche Prüfungen auf uns warten. Und unsere Gefährten sind auch nicht da. Ich denke, es ist gut, kurz innezuhalten und zu überlegen, wie wir weiter vorgehen. Es ist wie mit dieser Frucht: Essen oder nicht essen, beides ist möglich. Bleiben oder weitergehen. Beides kann richtig sein. Ich hoffe, dass wir Hinweise darauf finden können, was unsere Aufgabe ist.«
Der Petraczer setzte sich zu ihm. Seine Klauen schnippten nervös. »Es stimmt schon. Hier ist einfach alles zu schön, bloß um sich dann doch als Falle herauszustellen.«
Rhodan ahnte, wie Gayt-Coor das meinte. Er selbst wusste, dass dieser Ort keine Falle war. Er konnte sich diese Überzeugung zwar nicht erklären, es war mehr eine Ahnung, aber eben eine, der er vertrauen konnte. Nur selten hatte er solche Gewissheit verspürt, und nie hatte sein Gefühl ihn dann getrogen. Natürlich konnte es sich trotzdem um einen besonders gewieften Trick handeln – aber das konnte er sich schlicht nicht vorstellen. Es hieß, entweder seinem Gefühl zu vertrauen oder in Paranoia abzugleiten.
»Wir müssten als Erstes unsere Freunde wiederfinden«, sagte Rhodan. »Dafür sollten wir uns ein Bild davon verschaffen, wo wir sind ... Vielleicht gibt es weitere Transmitterstationen in diesem Tal, und sie sind durch eine von denen hergekommen.«
»Das wird allerdings warten müssen. Die Sonne geht unter«, merkte Gayt-Coor an.
Hinter ihnen klaffte in der Talwand eine erkennbar künstlich geschaffene Hangöffnung, die auf Rhodan wie der Zugang eines archaischen Eiskellers wirkte, die er von der Erde kannte. Weinartige Rankengewächse hingen von dem Torbogen herab. Eine schnelle Erkundung zeigte, dass sich der überraschend große Raum dahinter als durchaus bequemes Nachtlager eignete.
Schon um zu prüfen, ob sich bei Einbruch der Nacht etwas Verdächtiges regte, blieben sie jedoch zunächst davor sitzen und beobachteten, wie die Sonne hinter dem Talsaum verschwand.
»Richtig romantisch«, sagte Rhodan scherzhaft. »Ein Dinosaurier und ein Pelzwesen mit Fledermausohren betrachten gemeinsam den Sonnenuntergang ...«
Grausig, kommentierte Hayvatschyt.
Die Dunkelheit zog nicht schnell oder bedrohlich auf. Ganz im Gegenteil: Wo sie zunahm, glommen die Kelche unzähliger Pflanzen in sanftem Gelb, Infrarot und Ultraviolett auf. Aus dem Tal des goldenen Laubes wurde, die Steilhänge von unten nach oben wandernd, ein Tal des Lichts. Eine Art bunte Glühwürmchen, glimmende Flugschlangen sowie anderes Getier vervollständigten das Bild. Eine warme, würzige Brise wehte durchs Tal.
Es kam gewiss nicht oft vor, dass Gayt-Coor sprachlos war. Erst nach einer Weile brachte er hervor: »So etwas habe ich noch nie gesehen.«
Rhodan nickte. Der Himmel über ihnen funkelte ebenfalls, da unzählige Sterne in der Schwärze sichtbar wurden. Wahrhaftig ein paradiesisches Bild.
Rhodan erwachte nach einem erholsamen Schlaf. Genau genommen war es der erholsamste Schlaf, seit sein...
| Erscheint lt. Verlag | 1.9.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Perry Rhodan Neo |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-5486-0 / 3845354860 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-5486-6 / 9783845354866 |
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