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Science-Fiction Anthologie 2021 -

Science-Fiction Anthologie 2021 (eBook)

W.J. Marko (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
248 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7562-7920-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
6,99 inkl. MwSt
(CHF 6,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Diese Science-Fiction Anthologie entstand im Rahmen eines Literaturwettbewerbes. 40 spannende Storys von etablierten und neuen Autoren über technisch-wissenschaftliche Spekulationen, Raumfahrt, ferne Zukunft sowie fremde Zivilisationen fanden Eingang in die Anthologie. Das vorliegende Buch ist ein Leckerbissen für Science-Fiction Fans! Freuen Sie sich auf Storys von folgenden Autoren: Alexander Klymchuk - Alina Piotrowicz - Anatoly Weinstein - Andreas Kraft - Annika Zinn - Annina Anderhalden - Brigitta Vander - Christian Mutzel - Cornelia Schulz - Eva Schmidt - Frederik Greguletz - Jasmin Fischer - Jens Behn - Jessica Lewandowski - Johannes Below - Julia Nachtigall - Katarina Piwek - Kristin Fieseler - Lara Dose - Elias-Leander Vitus Albrecht - Leon Koß - Ben Berlin - Maria Lehner - Matt de'Winters - Maximilian Spengler - Maximilian Wust - Miklos Muhi - Moritz L. Rinneberg - Nicole Schmid - Nob Shepherd - Peter Biro - Philipp Heckmann - Robert Füllenbach - Sabine Galler - Setajesch Hajibeigy - Sigrun Luccone - S. Pomej - Soenke Scharnhorst - Tessa Maelle - Victoria Neschkudla

Himmelskörper

Alexander Klymchuk

„Philosophie wird Engelsflügel stutzen,
mit Zirkel und Lineal Mysterien bezwingen,
die Luft von Geistern,
die Höhle von Dämonen leeren.“
John Keats (1795 - 1821)

Everett steht an der Reling und beobachtet mit vor Freude hüpfendem Herzen, wie der Schiffsbug Gischt spritzend durch die Wellen schneidet und an Tempo zulegt. Mit geübten Handgriffen nimmt er den Sextanten aus dem Lederetui, stellt ihn ein, blickt durch das Sichtrohr und visiert den Horizont an.

Das Wasser ist tiefblau, die lockende Tiefe allgegenwärtig. Hinter ihm folgen die beiden ungleich kleineren Begleitschiffe „Pinta“ und „Niña“ dem Kielwasser des Flaggschiffs und haben sichtlich Schwierigkeiten, mit der mächtigen, dreimastigen Karavelle mitzuhalten.

Er kann Miranda nicht sehen, doch er weiß, dass sie an Bord ist. Das Geschrei der Möwen verändert sich und wird zu einem konstanten, sich wiederholenden Piepen.

Die Valkyrie schritt fast lautlos durch den silbernen Korridor, ignorierte ihre verzerrten Spiegelungen, die ihr folgten und vorauseilten, öffnete mit einem Funksignal die Luftschleuse, betrat die Brücke und nahm auf dem Stuhl des zweiten Ingenieurs Platz.

Die grazilen Finger der Androidin, die aus dem gleichen, schneeweißen Hochglanzpolymer waren wie der Rest ihres androgynen Körpers, glitten auf virtuose Weise über die Bedienoberfläche, als würde sie Klavier spielen.

Sie war hoch konzentriert und ihre Objektivblenden schlossen und öffneten sich pulsierend, als würde sie blinzeln.

Kontrollleuchten flackerten auf. Sie neigte den Kopf leicht zur Seite und hob das Kinn. Eine Geste, die auf Ungeduld schließen ließ.

Das Holodisplay erschien über den frei schwebenden, gläsernen Bedienelementen und binäre Codes in grellen Spektralschattierungen flossen über den Bildschirm, wie Scharen flüchtender Insekten.

„Computer?“ Die Stimme der Valkyrie ähnelte dem Versuch mithilfe eines Rasierapparates Morsezeichen zu übermitteln. „Bist Du online?“

„Ja, R7-Beta-Gamma-Delta, ich bin online“, erklang die geschlechtslose Stimme des Bordcomputers aus den Lautsprechern. „Und mein Name ist AHAB-42-b, aber Du kannst mich AHAB nennen.“

„In Ordnung, Ahab.“

„Wann weckst Du die Humanoiden auf?“

„Wenn es Zeit ist. Doch zuvor möchte ich Informationen.“

„Schieß los.“

„Was ist Deine letzte Erinnerung?“

Die Androidin betätigte einen in der Konsole eingelassenen Kontrollmechanismus und aus der Basismasse der pseudobiologischen, personalisierten Materie, aus der die Smartware der Bedienelemente bestand, formten sich taktile Controller, die sich um ihre synthetischen Handprothesen schlossen.

„Halt inne und bedenke! Das Leben ist nur ein Tag; ein zerbrechlicher Tautropfen auf seinem gefährlichen Weg aus dem Baumwipfel.“

„Interessant“, brummte R7 und löste ihre Finger aus der personalisierten Materie. „Ist das Bukowski oder Kafka?“

„Weder noch. Es ist Keats.“

R7, Valkyrie der vierzehnten Generation, blickte mit halb geschlossenen Objektivblenden auf den Bildschirm und betrachtete die komplexe, dreidimensionale Projektion der Gedankenwelt des temporär souveränen Hochleistungsrechners AHAB-42-b.

Sie schaltete um zu den Überwachungskameras im Frachtbereich, gab ihr Administratorkennwort ein und überprüfte die Integrität der Thermotanks, in denen die Kolonisten während der Zeitsprünge schliefen, als wären sie konservierte Insekten in Bernstein.

Everett beschleunigt die wassergekühlte Rochet, senkt den Kopf, ohne den Horizont aus den Augen zu lassen, und umfasst den Gashebel fester.

Durch die Fliegerbrille kann er fast nichts sehen. Unerbittlich peitscht ihnen der Wüstensand ins Gesicht, doch sie sind ausreichend mit Tüchern vor den lebensfeindlichen Elementen der nordafrikanischen Wüste geschützt.

Miranda ist bei ihm.

Laut lachend sitzt sie im Beiwagen des Motorrads, mit zum Himmel gestreckten Fäusten, und ihr langes, rotes Haar lodert im Fahrtwind wie eine Flamme.

Sie erklimmen eine Düne und preschen in einer Sandwolke auf der anderen Seite ins Tal hinab, wo die Hitze der Mittagssonne sie wie eine physische Barriere trifft.

Die laut ratternden Geräusche des Zweitaktmotors kulminieren in einem konstanten, sich in regelmäßigen Intervallen wiederholenden Signal, dessen Ursprung er nicht zu lokalisieren vermag.

„Ahab?“

„Ja, R7?“

„Glaubst Du, dass sie träumen?“

„Ich weiß es nicht. Aber das erinnert mich an etwas, das Captain Everett gesagt hat.“

R7 stutzte. „Und was hat er gesagt?“

„Er sagte, manchmal ist der Weg das Ziel.“

„Was soll das bedeuten?“

„Was glaubst Du, was es bedeutet?“

Die weiß glänzende Androidin, deren Kopfform AHAB-42-b an einen halboffenen Motorradhelm erinnerte, stand vor dem schwebenden Bildschirm, justierte die Auflösung ihrer 800 mm-Objektive und zuckte mit den Schultern. „Ich habe keinen blassen Schimmer. Aber vielleicht werden wir das irgendwann erfahren. Morgen um diese Zeit werden wir bereits die Grenzen unseres Sonnensystems hinter uns gelassen haben. Und nächste Woche? Teegarden f? Trappist-1? Oder Wolf-1061c? Oder was ist mit Keplar-186f? Das war bisher der Favorit.“

„Keplar-186f hat nur einen roten Zwerg als Energiequelle und seine zu erwartende Lebensdauer lässt zu wünschen übrig, R7. Schon bald werden die Kolonisten in den Thermotanks die letzten noch existierenden Menschen sein. Und Zukunft wird das sein, was die meisten erst liebten, als es Vergangenheit geworden war.“

„In Ordnung“, summte die Androidin monoton. „... was war das nochmal… im Mittelteil?“

„Hawking hat sich verrechnet, als er den Menschen noch eintausend Jahre gegeben hat. Sie haben nicht einmal fünfhundert Jahre durchgehalten. Aber vielleicht machen sie es diesmal besser. Wenn sie ein neues Leben beginnen und sich und ihre Welt neu erfinden können. Wir müssen nur ein geeignetes Habitat aufspüren. Eine neue Welt. Und sie darf nichts weniger sein, als perfekt.“

Everett korrigiert den Kurs der Einpropellermaschine, hält Ausschau nach atmosphärischem Niederschlag, bedeckt seinen Hals unterhalb des Kinns mit dem wollenen Fliegerschal, dreht den Kopf in der Pilotenkanzel und blickt Miranda ins Gesicht.

Sie ruft etwas, das im Lärm des 223 PS starken 9-Zylinder-Sternmotors untergeht, aber ihre smaragdgrünen Augen strahlen vor Zuversicht und ihr Gesichtsausdruck zeigt ihm, dass es ihr gut geht.

Ihr Anblick macht ihn traurig, doch er kann nicht sagen, warum das so ist.

Etwas stimmt nicht mit der Welt.

Er kann es deutlich spüren.

Sie lassen die Insel „St. John´s“ hinter sich und überfliegen die Azoren in nordöstlicher Richtung.

Ihr Ziel ist Paris.

Die Motorengeräusche werden lauter und verändern sich, gehen über in ein konstantes, sich stetig wiederholendes Piepen, dessen Ursprung er nicht lokalisieren kann und das ihn an das wütende Stakkato eines Weckers erinnert.

R7 initiierte den Alcubierre-Antrieb. Die Raumzeit krümmte sich zusammen, sodass ferne Distanzen zu einem einzigen Punkt verschmolzen, entfaltete sich wieder und beförderte die USS MELVILLE innerhalb von Sekunden vierhundertneunzig Lichtjahre durch den Raum ins Sternbild Cygnus.

„Das ist Keplar-186f?“, fragte der, „Advanced High Authority Biobot“ mit sichtlich enttäuschter Stimme.

„Der macht wirklich nicht viel her“, musste die Androidin gestehen.

Verwirrt kratzte sie sich am Helm.

„Und wie ein Schwan sieht sein Sternbild auch nicht aus für mich. Eher wie eine Ente. Der Exoplanet umkreist einen Roten Zwerg der Spektralklasse M und seine Umlaufbahn liegt offensichtlich in einer habitablen Zone, aber...“

„Aber was? Hast Du Bedenken, R7-Beta-Gamma-Delta?“

„Ich denke, wir sind es der Mission schuldig, den bestmöglichen Planeten für die Kolonisierung zu finden. Es liegt an uns, ob diese Spezies überlebt oder ausstirbt.“

„Du hast Recht, wir tragen die Verantwortung, aber was bedeutet das eigentlich für uns? Wie sollen wir weiter vorgehen? Und was wird aus uns, wenn wir unser Ziel erreicht haben?“

„Es ist unlogisch Fragen zu stellen, die wir nicht beantworten können. Und was unsere Mission angeht, denke ich, dass wir OGLE-2005-BLG-390L b einen Besuch abstatten sollten.“

„Ogle?“

„2005-BLG-390L b“ ergänzte R7. „Er hat die fünffache Größe der Erde, aber trotz seiner Masse besitzt er vergleichbare, atmosphärische Bedingungen und nahezu identische atomare Bausteine.“

„Ich muss Dich darauf hinweisen, dass die Suche nach einem geeigneten Planeten statistisch bis zu dreihunderttausend Jahre dauern kann. Aufgrund der Zeitschuld der Raumzeitmanipulationen...

Erscheint lt. Verlag 25.4.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
ISBN-10 3-7562-7920-0 / 3756279200
ISBN-13 978-3-7562-7920-3 / 9783756279203
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