Granit (eBook)
360 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7534-7460-1 (ISBN)
Jahrgang 59... lebt in Sachsen... studierte Geophysik, Literatur und Philosophie... war Technologe in einem Baubetrieb, Geschäftsführer einer Reisebusfirma, Inhaber einer Kleinkunstbühne... hat Erfahrung mit Ehe, Kindern, Enkeln... seit über zwanzig Jahren Broterwerb als Kabarettist.
Zirka sechs Wochen vorher
Der Lehrgang im Schloss Storkau zum Thema 'Ergonomische Gestaltung von Computer-Arbeitsplätzen' war nicht der erste, den Kommissar Lucas Lasch in den letzten Jahren besuchte. Er hatte sich förmlich zu einem Lehrgangs-Freak entwickelt. Angefangen hatte es mit drei 'Brandschutzlehrgängen'. Auch eine Polizei-Dienststelle muss schließlich einen Brandschutzbeauftragten haben, der entsprechend ausgebildet, die Dienststellenleitung in Sachen des Brandschutzes beraten und unterstützen kann. Das ist bei Polizeidienststellen so, wie es in allen Firmen, Betrieben und Institutionen des Landes ist.
Die Lehrgänge werden von der jeweiligen Berufsgenossenschaft angeboten. Erste- Hilfe-Kurse und Fahrsicherheitstraining für Berufskraftfahrer werden gefördert. Dazu gibt es an die Hundert verschiedene Seminare für alle möglichen Themen zu 'Sicherheit und Gesundheit'.
Und jedes Mal, wenn im Polizeipräsidium Leipzig ein Mitarbeiter ein Seminar besuchen muss, um sich über sicherheitsrelevante Themen zu informieren, wird Kommissar Lucas Lasch, zu dessen großer Freude, angesprochen.
So ein Lehrgang ist eben irgendwo immer auch ein bisschen ein 'Leergang'! Eine Auszeit! Nicht der alltägliche dienstliche Stress! Entspannung! Erholung! Man lernt neue Leute kennen, Leute aus verschiedenen Branchen. Auch Frauen! Und - Lucas Lasch kann das beschwören! - er kam von keinem Lehrgang dümmer zurück, als er vorher war.
Sein Chef und Freund, Hauptkommissar Marek, konnte es sich leisten, zu sagen, dass das allerdings keine Kunst sei. Mancher könne eben einfach nicht noch dümmer werden!
Zuhause, gegenüber seiner Frau, stöhnt Lucas Lasch natürlich jedes Mal ausgiebig über diese Zumutung, dass ausgerechnet er wieder zum Lehrgang müsse. Und seine Frau findet es auch die pure Gemeinheit von Seiten der Chefs ihres Mannes und beklagt ausgiebig, dass ihr Mann wieder zum Lehrgang muss.
Beide einigen sich dann stets darauf, dass man da eben durch muss - was will man machen?! - und sind heimlich beide froh, mal ein paar Tage Urlaub voneinander zu bekommen. Er von ihr! Sie von ihm!
Man ist schließlich nicht mehr im dritten, sondern bereits fünfzehnten Ehejahr.
Nach dem letzten Lehrgang zur "Ergonomischen Gestaltung von Computer-Arbeitsplätzen' hatten allerdings nicht nur Lucas Lasch und seine Frau persönlich profitiert, sondern das halbe Polizei-Präsidium. Sogar im Büro des Polizeipräsidenten hatte Lucas Lasch den Standort des Computers so verändert, dass dem Polizeipräsidenten die Augen nicht mehr so schlimm tränten, wie vorher, wenn er lange vor dem Bildschirm sitzen musste. Das brachte Lucas Lasch eine persönliches "Danke!" des großen Chefs ein. Und wenn es irgendwann um die Frage einer Beförderung gehen würde, kann sowas nicht schaden!
Jedenfalls war Lucas Lasch frohen Mutes und in der Hoffnung, wieder ein Stück schlauer zu werden, zu diesem besagten Lehrgang gefahren, der drei Tage dauern sollte und im Schloss Storkau an der Elbe stattfand. Es war im Wonnemonat Mai. Das Wetter war tatsächlich entsprechend wonnig!
Alle Lehrgänge, aller Berufsgenossenschaften finden in irgendwelchen Schlosshotels statt, was das wirtschaftliche Überleben der Schlosshotels absichert! - so der Eindruck, den Lucas Lasch gewonnen hatte. Ob Schloss Storkau, das rein touristisch gesehen, am Arsch der Welt liegt, überhaupt private Hotelgäste aufzuweisen hat, ist anzuzweifeln, spielte aber für den Erfolg des Lehrganges keine Rolle.
Auf der Webside des Hotels liest man:
'Das Schloss wurde 1912 durch den Rittmeister Freiherr von Guaita für sich und seine Familie erbaut, wobei der Bauherr auf barocke Vorbilder Wert legte. Dennoch kann es die Formen des Historismus nicht verbergen. Das Haus ist eine dreiflügelige Anlage von beeindruckender Größe, ausgeglichener Symmetrie und vornehmer Fassadengestaltung. Das Haus selbst ist ein zweigeschossiger Putzbau, der ein ausgebautes Mansardendach trägt. Augenfällig ist zur Parkseite hin im Obergeschoß der Gusseisenbalkon vor dem Mittelfenster. Schön sind die prächtige Wappenzier und die Bildhauerarbeiten anzusehen. Mit der Sichtachse des Parks bildet das Haus eine harmonische Einheit. Zur Elbe beherrscht eine große, den Balkon tragende Terrasse die Architektur. Wie schon auf der Vorderseite des Schlosses wurde auch auf der Rückseite Wert auf eine ausgewogene Fenstergestaltung gelegt.
Das Innere des Hauses ist natürlich den Gegebenheiten eines Hotels untergeordnet. Von der originalen Ausstattung sind noch ein prachtvolles hölzernes Treppengeländer, der grünweiße Marmorboden des Gartensaals und einige Wandmalereien erhalten. Zur Anlage gehören auch Pförtnerhaus und Palmenhaus, sowie das dem Schloss nachempfundene Kavaliershaus. Im Norden finden sich ein kleines Brunnenhaus, das ehemalige Schwestern-wohnheim und das Direktorenhaus. An der Elbe gelegen ist der Elbpavillon. Die letzteren Gebäude sind vom Hotel für Wohnzwecke sowie Seminare und Tagungen umgebaut worden.'
Kommissar Lucas Lasch wohnte im Kavaliershaus, das sich inmitten des Schlossparkes befindet.
Gleich nach der Anmeldung an der Rezeption erlebte er eine, ihn enthusiasmierende Überraschung. Er hatte seine Seminarunterlagen erhalten, hatte alles ausgefüllt, was an Formularen auszufüllen war, hatte seinen Schlüssel erhalten - auch den WLAN-Schlüssel! - und verließ das Rezeptionsbüro, um zur Rückseite des Gebäudes zu schlendern und von der Terrasse aus einen ersten Blick zur Elbe hin zu genießen, der ihn, wie er von einem früheren Lehrgang her wusste, dort erwarten würde..
Aber es erwarteten ihn auch zwei Blondinen, die dort an der Brüstung der Terrasse standen und kicherten.
Das oberflächliche und diskriminierende Blondinen-Klischee bedienend, dachte er:
"Kichern liegt scheinbar im Wesen von Blondinen!"
Trotzdem spürte er sofort, wie ihn eine freudige Erregung überrollte - zwei Frauen! Nicht nur blond, sondern auch gut gebaut… schlank, ohne mager zu sein… nicht mehr ganz jung… die kleinere… vielleicht ein paar Jahre jünger mit einer frechen Kurhaarfrisur… aber auch die Größere… bestes Alter… mit langen wellig Haaren bis auf die Schultern… und einer pinkfarbenen Strähne vom Scheitel nach rechts übers Ohr.
Die beiden Blondinen unterbrachen seine Analyse, indem sie sich ihm zuwandten. Die Größere sagte:
"Und Männer gibt es auch!"
Die Kleinere lachte Lucas Lasch offen ins Gesicht.
"Hallo! Wir dachten schon, es gibt bloß Mücken!"
Lucas Lasch fühlte sich ein bisschen überrumpelt. Schlagfertigkeit ist nicht immer seine hervorstechendste Stärke. Da unterliegt er oft großen Schwankungen. Und so gab er schlicht und sachlich zu bedenken, dass es Mücken eigentlich erst so richtig im Spätherbst gibt.
Die Größere schlug sich mit der flachen Hand auf ihren Oberarm, der von der ärmellosen Bluse nicht bedeckte wurde, und hatte, wie um die Aussage Lucas Laschs zu widerlegen, eine Mücke erwischt. Sie streckte ihm ihren Arm entgegen, wo die zerschmetterte Mücke im eigenen Blut klebte.
"Und was ist das?" - fragte sie triumphierend. Lucas Lasch schaute hin und sagte:
"Das ist eindeutig eine sogenannte Mai-Mücke!"
Die beiden Blondinen bogen sich vor Vergnügen. Mai-Mücken!
Die Bekanntschaft war jedenfalls erfolgreich geschlossen worden. Doch erst am zweiten Abend bot sich die Gelegenheit für Lucas Lasch, die Bekanntschaft mit den Blondinen zu vertiefen.
Unter den Teilnehmern seines Seminars waren leider keine, ihm eines intensiveren Kontaktes würdig erscheinende Personen vorhanden. Vorwiegend Männer und zwei ganz junge Damen, die er auf höchstens zwanzig schätzte, und die ihm nicht die geringste Beachtung schenkten. Auch beim geselligen Umtrunk, der am ersten Abend am Brunnenhaus stattfand - es wurde offiziell vom Chefkoch persönlich gegrillt! -, blieb er bei ihnen links liegen. Die jungen Hühner schäkerten mit zwei ebenfalls noch sehr jungen Kerlen, die aus Königswusterhausen stammten, wie er sich von der Vorstellungsrunde her erinnerte. Streifenpolizisten! Die zwei jungen Hühner… - wenn er sich nicht irrte! - …waren Bauzeichnerinnen. Aus Rostock! Genau!
Jedenfalls uninteressant! Oder besser gesagt - an ihm nicht interessiert!
Dieses Schicksal zu tragen, war Lucas Lasch gewöhnt. Im Besonderen bei den bisherigen Lehrgängen! Sobald er sich als Kriminalkommissar zu erkennen gab, flammte zwar immer ein großes allgemeines Interesse auf, das dann aber ebenso regelmäßig erlosch, wenn er keine sensationellen Fälle zum Besten gab. Und meistens gab er nicht, weil er nur selten solche Fälle erlebte, die für die anderen sensationell genug waren. Die alltäglichen Fälle, die meistens lediglich einen gewaltigen bürokratischen Aufwand erforderten, brachten keine Punkte!
Dann aber der zweite Abend während des Lehrganges - Tanz mit der Gruppe 'Ret Devils' im Elbpavillon! Einlass ab neunzehn Uhr! - verkündete ein Plakat.
Lucas Lasch hatte nach dem...
| Erscheint lt. Verlag | 23.3.2022 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Freimaurer • Humor • Leipzig • Sachsen • Völkerschlachtdenkmal |
| ISBN-10 | 3-7534-7460-6 / 3753474606 |
| ISBN-13 | 978-3-7534-7460-1 / 9783753474601 |
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