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Ker Löwen Rache -  Eduardo Esmi

Ker Löwen Rache (eBook)

Thriller

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
212 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7562-5087-5 (ISBN)
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5,99 inkl. MwSt
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Auf einer Farm in Südafrika geschieht ein unvorstellbares Verbrechen. Still verneigt sich die Natur vor den Toten. Eine Spur führt, bis in die USA. Eine andere reicht zurück bis zum Geheimdienst Jamahiriya Security Organisation von Machthaber Muammar al-Gaddafi in Libyen. Steckt die CIA oder ein anderer Geheimdienst dahinter? Der Tod geht um. Wenig später tauchen bei einer Entführung in Durban, das erste Mal Löwenmenschen auf. Bricht ein Stammeskrieg zwischen den Bantu und den Zulus aus? Erst verschwindet ein Großwildjäger in Florida, dann wird eine stadtbekannte Hure brutal überfahren und so zu Tode gebracht. Wieder tauchen in Kameras Bilder von Löwen auf. Außer Tierhaaren gibt es keine verwertbaren Spuren Handelt es sich hier um uralte afrikanische Riten? Oder nur um ein makabren Scherz mit Karnevalsmasken? Welche Rolle spielen Ex-Offizier Johannes Hartmann, Zirkusmann Frank Wiesener und der Hacker Chris Wagner hier? Sind sie in die Geschehnisse involviert? Alte Sagen erzählen, dass sich Menschen durch Metamorphose in Löwen verwandeln können. Aus der afrikanischen Mythologie weiß man, dass diese Vorfälle, Rache von Löwen sind.

Eduardo Esmi, geb. 1945 in Dänemark, Nationalität: Deutsch Lebte viele Jahre in West-Berlin. Seit 1981 in Spanien und Deutschland als freier Autor und Fotograf für etliche Verlage tätig.

Zirkus


Tief hängen die dunklen Regenwolken über der Region um München fest. Die Alpen verhindern das weiterziehen der Wolkendecke. Über dem Überwinterungsplatz des Zirkus Carlos in Unterhaching bei München geht Frank Wiesener mit einem Eimer voller Knochenreste auf einen Käfigwagen zu. Das Wetter ist genauso trist wie seine Stimmung. Der Himmel grau und es sieht nach Regen aus. Nasskalte Luft zieht von Osten über die Stadt. Er streckt seine Hand durch die Gitter, streichelt die alte Löwin. Die sich an seine Hand kuschelt. Schiebt ihr die Knochen mit wenig Fleisch durch die Gitter.

>>So, meine Kleine, das muss erst mal reichen. Morgen gibt es wieder etwas Richtiges für Dich. Versuche heute noch Fleisch für Dich zu bekommen.<<

Lustlos zieht die Löwin die Knochen zu sich hinüber, schnuppert daran und dreht sich weg.

>>Komm, du musst fressen, bist schon so dünn. Ja ich weiß es geht es dir wieder nicht gut? Aber was soll ich machen?<<

Betrachtet sie und seine Augen füllen sich mit Tränen über ihr Leid.

Traurig wendet er sich ab und geht zu seinem Wagen.

>>Verdammt, ich brauche einfach mehr Geld. Sie stirbt mir sonst noch unter den Händen weg.<<

Er verbraucht seinen gesamten Lohn, wenn er ihn erhält, für ihr Futter, aber es reicht nicht. Keine Einnahmen, kein Lohn. So ist das beim Zirkus eben. Dann schlendert er langsam auf den alten Wohnwagen von Carlos zu.

Ahnt, was der Zirkusdirektor ihm sagen will. Hört vor der Tür, wie Carlos sagt:

>>Komm rein, die Tür ist offen.<<

Schweigend lässt er sich auf einen abgenutzten Sessel fallen. Im Gesicht des Direktors steht schon das Drama geschrieben.

>>Frank, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Bist die gute Seele unseres Vereins hier und immer für den Zirkus da gewesen. Wir sind fertig, die Bank hat schon alles verpfändet und will versteigern. Die Ponys konnte ich noch auf einen Gnadenhof unterbringen. Gott sei Dank, so landen sie nicht beim Abdecker. Deine Kleine – ich weiß mir keinen Rat. Für die Zoos zu alt. Niemand nimmt so einfach eine Löwin, eine alte schon mal gar nicht. Was soll ich nur tun?<<

Carlos wendet sich ab, damit Frank nicht die Tränen sieht. Steht auf und stellt sich ans Fenster.

>>Ich werde zu meiner Tochter gehen müssen und für den Rest meines Lebens leiden - ohne den Zirkus. Wenn du den Wagen und den Käfig haben willst, ein Trecker geht auch noch. Nimm sie und gehe. Offiziell gehört alles der Bank. Allerdings weißt du genauso gut wie ich, eines Tages haben sie dich. Kannst dich nicht verstecken.

Bedenke, die Kleine ist alt und krank. Gib ihr einen sanften Tod, den hat sie sich verdient. Du siehst doch auch, wie sie leidet. Meinen letzten Dank an euch, die Kosten für den Tierarzt kann ich noch leisten. Deinen Lohn muss ich dir schuldig bleiben.<<

Die letzten Worte verschwinden in einem Nebel seiner Erinnerungen.

*

In Gedanken sieht er sich vor 14 Jahren in Rom stehen.

Städteurlaub, so nach dem Motto: alle Wege führen nach Rom. Vor dem Kolosseum auf der Piazza del Colosseo sieht er sie zum ersten Mal. Zwei junge Männer reichen Touristen ein Löwenbaby als Fotomotiv.

>>Du gutes Foto für Heimat.<<

Drücken ihm das Löwenbaby auf den Arm.

>>Jetzt du lachen.<<

Die Löwin drückt ihren kleinen Kopf mit den Puschelohren dicht an seinen Hals. Er fühlt ein „Rette mich“ zu verstehen. Spürt, dass das Tier unter Beruhigungsdrogen steht. Widerwillig gibt er sie zurück.

Verfolgt die beiden abends über die Via di Giovanni in Laterano bis Via die SS Quatto 26. Parkt rückwärts ein und schleicht sich zum Eingang. Die Nacht in Rom ist warm und laut. Musik und Stimmen hallen aus den Fenstern. Das Gebäudetor lässt sich leicht öffnen.

Durchschreitet das Haus und betritt einen Innenhof. Drei Treppenaufgänge zweigen davon ab. Welche soll er nehmen und was dann? Kein Plan, nur der Wille, das Tier zu retten. Ein leises Fauchen lässt ihn seitlich blicken. In einem Kaninchenstall liegt sie und blickt ihn traurig an. Das Vorhängeschloss ist kein Hindernis.

Nimmt sie vorsichtig aus dem Käfig, legt zur Tarnung seine Jeansjacke über sie und eilt aus dem Hof. Im Auto auf der Rückbank unter einigen Textilen versteckt, rasen sie durch Rom. Über die E35, E45; nach mehr als 10 Stunden sind sie in München. Er spricht immer wieder auf das Tier leise ein.

>>Kleine, jetzt kümmere ich mich um dich. Schauen mal, was der Tag so bringt. Frage einen Tierarzt, was du brauchst und dann suchen wir uns ein Zuhause.<<

Hier hilft ihm der Zufall. Ein Reklamefahrzeug vom Zirkus Carlos fährt vor ihm durch die Stadt. Als auf einem Supermarktparkplatz die Artisten um Publikum für die nächsten Vorstellungen werben, spricht er sie an.

Ponys zum Kinderreiten, Clowns, Artisten, die Bälle fangen, verteilen Flyer an die Kunden.

>>He ihr, braucht ihr noch Helfer bei euch? Ich suche Arbeit.<<

>>Vielleicht, frag den Chef. Wir fahren hiernach zurück; folge uns und frag ihn selbst.<<

Fährt hinter den Leuten her, vor dem Zirkusbereich fragt er nach dem Direktor.

>>Also, du willst hier arbeiten? Stell dir das bloß nicht so einfach vor! Die Arbeit ist hart, Zelt auf- und abbauen.

Reparaturen an den Wagen, Reklame laufen und dann musst du dich ja noch zu etwas nütze machen! Die Löwin reicht da nicht aus und du weißt, sie bleibt nicht ein Kätzchen, sie wird ein Raubtier. Aber gut. Bei den Vorstellungen aushelfen, am Anfang als Clown arbeiten.

Du fängst bei uns bei null an. Wir stellen dir am Anfang einen alten Wohnwagen zur Verfügung, den musst du dir aber selbst noch herrichten. Kost und Logis frei, kleiner Lohn. Unsere Umsätze teilen wir auf. Du stehst dabei aber ganz unten. Die Löwin ist ja noch klein, kann also noch bei dir im Wagen leben. Das geht aber nicht immer!

Wenn sie größer wird, kommt das Amt und verlangt einen Käfig. Einen Teil muss ich dir auch noch vom Lohn abziehen für Futter. Willst du das wirklich?<<

Er wollte.

Carlos brachte ihm viele Taschenspielertricks bei.

Taschendiebstahl war für ihn ein Kinderspiel. Er war gut, nie leichtsinnig. Denn Gefängnis hieß Trennung von der Kleinen. Auch die Kunst der Verwandlung wurde ihm beigebracht. Veränderte sich in wenigen Minuten vom Zirkushelfer zum Dompteur und zurück zum Clown.

Entwendete bei Kunden vor dem Zelteingang die Börsen oder Brieftaschen. Merkte sich die Namen, Daten wie Geburtstag und Anschrift. Entnahm aber nie Geld.

Steckte dann den Personen beim Platz zuweisen die Börsen wieder zurück. Als Magier bat er dann die Personen in die Manege und seine Kleine flüsterte ihm die Daten zu. Der Beifall war ihm immer sicher. Nahm Verbindung zu Raul auf. Raul, ein Raubtierpfleger im Zoo Hellabrunn in München, gab ihm wertvolle Tipps, wie er mit dem Löwenbaby umgehen sollte. Geschirr und eine große Transportbox wie für große Hunde. Schliefen immer zusammen im Wohnwagen. Später saß er nachts bei ihr im Käfig, zwei Kissen als Unterlage, Rücken an Rücken schliefen sie ein. Auch fuhr er abends nach der Vorstellung noch mit ihr auf die Felder, liefen zusammen, bis er total erschöpft, aber glücklich war.

*

>>Frank, hörst du mir überhaupt zu?<<

Verwirrt blickt er Carlos an.

>>Was meinst du?<<

>>Ich sagte: Gib ihr einen sanften Tod, den hat sie sich verdient. Du siehst doch auch, wie sie leidet. Meinen letzten Dank an euch, die Kosten für den Tierarzt kann ich noch leisten. Deinen Lohn muss ich dir schuldig bleiben.<<

Stille. Minutenlang herrscht Stille.

>>Kein Fremder bringt meiner Kleinen den Tod. Wenn es denn sein muss, dann mach ich das. Sie regt sich nur auf, wenn ein Fremder an den Käfig kommt. Nein, ich mach das, dies ist meine letzte Handlung hier im Zirkus.<<

*

Öffnet den Käfig, geht mit zärtlichen Worten auf sie zu, in der rechten Hand die Spritze.

>>Kleine, lass uns noch ein wenig schmusen. Ich weiß ja, dass du das magst. Schau, ich habe dir noch ein Leckerli mitgebracht.<<

Schiebt ihr einen Napf mit frischem Gehackten hin. Sie leckt daran und versucht es zu essen. Er macht kleine Bällchen und schiebt sie ihr in den Rachen. Kopf an Kopf flüstert er ihr leise Zärtlichkeiten ins Ohr. Sucht mit der Hand auf ihrer Pranke die Adern, leicht führt er die Nadel ein und drückt den Kolben hinunter. Sie zuckt nur kurz und schaut ihn an.

>>Ja, du weißt es, aber wir haben keine Wahl. Ich liebe dich, meine Kleine, und bleibe für immer bei dir.<<

Umfasst ihren Kopf mit beiden Händen, und lehnt seinen dagegen. Erst als kein Atemzug mehr von ihr kommt, erhebt er sich, streichelt ein letztes Mal ihren noch warmen Körper und geht weinend zu seinem Wohnwagen.

>> Verflucht sollt ihr sein, ihr Habgierigen, ihr...

Erscheint lt. Verlag 4.4.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-7562-5087-3 / 3756250873
ISBN-13 978-3-7562-5087-5 / 9783756250875
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