Unterwegs ins Paradies (eBook)
270 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-50258-1 (ISBN)
Petra Bürger, Jahrgang 1953, studierte Photographie und Journalismus in Dortmund und Hamburg. Als Photojournalistin arbeitete sie lange im Ruhrgebiet. In den 1990ern hatte sie viele Ausstellungen mit ihren poetischen Schwarz-Weiß Photographien (Bundesverband Bildender Künstler). Heute arbeitet sie als freie Photographin und Autorin und lebt ihre Lebenskunst mit ihrem Van Megy.
Petra Bürger, Jahrgang 1953, studierte Photographie und Journalismus in Dortmund und Hamburg. Als Photojournalistin arbeitete sie lange im Ruhrgebiet. In den 1990ern hatte sie viele Ausstellungen mit ihren poetischen Schwarz-Weiß Photographien (Bundesverband Bildender Künstler). Heute arbeitet sie als freie Photographin und Autorin und lebt ihre Lebenskunst mit ihrem Van Megy.
Pferdesprache mit Eskara
Heute eine Pferdestunde mit Eskara zusammen. Sie ist eine weiße Stute.
Michl geht mit uns ins Round-Pen. Das ist ein runder, eingezäunter Platz, auf dem mit dem Pferd auf einer Kreisbahn gearbeitet wird. Ein Test, inwieweit mir die Pferdesprache schon gelingt.
Es geht so: ich stehe in der Mitte in diesem Round-Pen und Eskara ist da. Ich soll ihr einfach über die Präsenz meiner Körpersprache ver- mitteln, dass sie lostraben soll. Ein- zweimal geht es auch ganz leicht, weil ich sehr konzentriert bin und beim dritten Mal tut sie es einfach nicht, wendet sich ab von mir und frisst erstmal Gras. Dann hole ich mir wieder ihre Aufmerksamkeit, indem ich mit der Zunge schnalze. Sie geht auch und ich halte wieder eine ganz bestimmte Position zu ihr ein. Wenn ich im inneren Kreis schneller gehe, fällt sie sogar in Galopp und das sieht wirklich sehr schön aus und ich muss vor Freude lachen. Das allerdings ist für sie ein Zeichen von Entspannung, so- dass sie gleich langsamer wird und wenn ich nicht anders kann, als in dieser Freude zu bleiben, dann ‚nutzt sie das aus‘. Mir erscheint sie schelmisch und äußerst liebenswert, wie sie da zu mir in die Mitte kommt und gestreichelt und geklopft werden will, als Zeichen dafür, dass sie alles richtig gemacht hat. Hat sie ja auch, nur ich kann die Pferdesprache eben noch nicht richtig.
Michl sagt, sie kommen dann gerne zu dir in die Mitte, wenn da eine Ruhe ist. Ja und das merke ich, dass das auch so ist. Und dennoch ist es für mich ein sehr beglückender Moment, wenn ich merke, wie gerne sie mein Umbekümmertsein ‚ausnutzt‘. Sie kann ja ihre Sprache und hat viel Übung darin, sich auf immer wieder andere Menschen einzu- stellen.
Aus der Zeit gefallen
Die zielgerichtete Konzentriertheit beizubehalten, ist dann leicht, wenn die Verbindung zueinander aufrechterhalten bleibt. Und diese Momente der Verbundenheit scheinen mir das gleiche zu sein, wie aus der Zeit gefallen, buchstäblich! Als würde ich getragen, so fühlt sich das an.
So langsam weiß ich, was gemeint ist, wenn gesagt wird, Pferde seien Grenzgänger zwischen den Welten. Sie seien sowohl im Himmel als auch auf der Erde zuhause, im Materiellen und im energetischen Frei- raum – permanent gleichzeitig.
Wenn nun über die Verbindung mit den Pferden zu lernen sein kann, den Himmel auf Erden zu erfahren, so sollte es doch auch zwischen Menschen möglich sein. Ich ahne, dass das der besonderen Verbin- dung, Verbindlichkeit und Bindung von Liebenden vorbehalten ist.
Zuerst einmal soll ich wissen, was ich will, und zwar jetzt und hier. Und wenn ich möchte, dass Eskara trabt, weil das jetzt hier für das Ge- lände am besten ist, dann denke ich zuerst – der Verstand braucht das Denksignal – jetzt Traben! Und ich spüre, auch mein Körper bremst innerlich ab und DAS versteht Eskara.
Jetzt bin ich gerade am Zug. Wir sind im Rondell und ich ‚gebe den Ton an‘, meint: ich mache den Vorschlag und Eskara, weil sie sich mir zugewandt fühlt, will auf meinen Vorschlag eingehen. Sie startet im Aussenkreis des Rondells zu traben und ich gehe aktiv mit in meinem inneren Kreis.
Es ist, als lehnte sie sich bei mir an und ich lehne dagegen, sodass wir freiwillig gemeinsam einen Rhythmus finden.
Neuerdings weiß ich: Das ist auch beim Freien Tango so.
Eskara erscheint
Ich kenn mich aus, hole das blaue Seilhalfter für über die Nase und das Seil mit Karabinerhaken aus dem Stall und wir gehen rüber zur Sommerweide am Bach, um Eskara zu holen.
Dort angekommen, sind alle da – außer Eskara. Wir schauen uns um, weit und breit keine Eskara – ah, da ganz unten am Bach bewegen sich Zweige.
Eskara erscheint,
wie Elfenbein schimmernd,
im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne.
Kommt sie auf uns zu? Nein, sie schwenkt zur Seite aus, in Richtung der anderen Pferde. Mich scheint sie gar nicht zu sehen — Michl macht sich bei ihr bemerkbar – aber nein – zielstrebig trabt sie mitten zwischen all die anderen und beginnt in aller Seelenruhe zu Grasen.
Ich schaue zu Michl. Er erwartet, dass ich sie mir hole – oh nein, das traue ich mich nicht – immer noch habe ich großen Respekt vor ihrer, ihnen selbstverständlichen Kraft. In der Gruppe alle zusammen, ver- stärkt sich das zu enorm viel mehr. Ich bitte Michl, sie mir zu holen.
Er tut es einfach – und schon sind sie weg – äh und ich, stehe plötz- lich mittendrin – oh das kommt mir nun doch zu plötzlich, hey, ich rufe: „Michl, nehmt mich mit“, und er sagt: „Ja, komm einfach!“ Und, naja, ich will mir schnell einen Weg bahnen, und merke, alle kommen mit – alle – ich schreite kräftig aus, so als wäre das jetzt das Selbstverständlichste mit einer Herde mitzugehen und ja, ich komme bei Michl am Zaun an, den er schon geöffnet hält. Ich durch – und stehe nun allen gegenüber – der Zaunfaden dazwischen – schau sie an und denke, hä, was war denn da eben mit mir los, das ging doch nun wirklich schonmal anders.
Wir gehen zum Round-Pen. So allein mit Eskara fühle ich mich wohl – so wie wir uns kennengelernt haben, bin ich in bestimmter Erwartung: Wir, beide sensible Wesen, sanft, entspannt und voller Freude.
Im Round-Pen dann geht gar nichts. Ich weiß ja, wie es geht, ich kanns, stehe in der richtigen Position zu ihr, (volle?) Konzentration auf den Ver- bindungsfaden meiner Körperpräsenz zu ihr mit dem Auftrag, sie möge traben, rund um mich herum.
Sie geht, doch so schleppend, dass allen langweilig werden muss – ich spüre kaum noch Energie, sie geht mir immer mehr verloren. Ist sie über- haupt da, frage ich mich. Und da komme ich mir auf die Schliche. Denn, wisst ihr was? Ich bin verknallt, aber sowas von und der einzige Faden, der immer stärker zu werden scheint, ist der zu meinem Anvisierten. Und Eskara? Sie steht da, schaut mich an als sagte sie: Du bist besetzt von diesem Faden, den du immer stärker werden lässt, das mag für dich ja ganz schön sein aber du vergisst, dass das Leben, deine Lebendigkeit, NUR im jetzigen Moment stattfindet. Da du aber gar nicht hier bist, dei- nem Verstand erlaubst, die eine einzige Verbindung so festzuzurren, dass für all die Fäden des Moments die Sicht versperrt ist, na dann kann ich dich einfach nicht sehen, deine Signale verschwinden im Nirgendwo.
Ich möchte dich gerne kennenlernen, aber so bist du verschlossen und zu gedeckelt – macht keinen Spaß!
Ich begreife, gehe zu ihr, entschuldige mich für die Respektlosigkeit und lehne mich ganz sachte an sie an, fühle, wie gut es tut, mich anlehnen zu können, bedanke mich, dass sie mir ihre Irritation zeigt: Was soll ich hier, wenn du gar nicht DA bist?
Einen Tag später begreife ich erst die Tragweite dessen, was ich kapiert habe.
Warum scheitern Beziehungen?
Im Sehnen festgefahren. Wenn man dann miteinander ist, hat man das Sehnen als Sucht geübt.
Ich bin also mal wieder total verknallt und ich wollte es doch nicht mehr – dieses verknallt sein, wo alles andere aufhört, nur noch das wichtig ist, nur noch wichtig scheint, dieses Band zu halten, das Glücklichsein in jedem Moment festhalten und ja, genau DA steckt der Irrtum. Ich brauche es nicht ständig festzuhalten, um glücklich zu sein.
Wenn ich meine, ich müsste es ständig festhalten, das Glücklichsein, dann rutsche ich aus dem jetzigen Moment raus. Fühlen geht doch nur im jetzigen Moment, also gebe ich dem Verstand die Chance, mich zu bevormunden, in jedem einzelnen Moment des: Ich denke NUR an dich. Denken ist der Verstand, und zwar allein. Das ist so anstrengend, dass, wenn man es dann nicht mehr gehalten kriegt, man zumindest schlech- te Laune hat. Und warum? Weil man in vielen Momenten nicht lebendig war. In den Momenten, in welchen man den Verstand hat regieren las- sen. Die sind nicht wahr!!!
Und was sind wahre Momente? Wahre Momente entstehen aus bewuss- ten Entscheidungen. Die Entscheidung, eine Stunde mit Eskara zusam- men zu verbringen und dann auch mit ihr zu sein. Erst dann macht es Spaß, und zwar beiden. Erst dann ist das eine lebendige Verbindung. Ohne die Entscheidung dafür ist es Ablenkung, Mittel zum Zweck, um die Zeit zu verbringen, bis man wieder mit dem Geliebten zusammen sein kann.
Und was ist dann, wenn es soweit ist?
Wenn ich jetzt so viele Momente nicht lebendig gelebt habe, bin ich aus der Übung und die Zeit mit dem Geliebten kann ich dann auch nicht genießen, denn die Zeit ist vom Verstand vollgepackt mit all den Er- wartungen des vollkommenen Zusammenseins – und schon ist es nicht mehr wahr.
Und weißt du, was wahr ist?
Jeder Moment in dem ich präsent bin.
Was wahr ist, bleibt
Willst du festhalten,
zerreißt das zarte Band,
denn es besteht aus Angst.
Bist du im Moment,
kannst du wahrnehmen,
dass alle noch so feinen Fäden als Verbindungen alle gleichzeitig vor- handen sind, denn, was wahr ist, bleibt.
Alles andere ist nie gewesen, also gibts auch nichts zu bleiben.
Die...
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2021 |
|---|---|
| Illustrationen | Petra Bürger |
| Mitarbeit |
Cover Design: Michael Faulhaber Sonstige Mitarbeit: Anna-Maria Ostrovski, Annette Bökkerink |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Anthologien |
| Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Anders als bisher sein • anders werden • Auflebender Autist • Autorität anerkennen • Autorität haben • Erlösendes Weinen • Gleichgewicht halten • Glückliches Lachen • Heilende Berührung zulassen • Heilendes Glück • Hier und jetzt • In Partnerschaft Glück ertragen • Inspirationsinput zum Selbstschreiben • Inspirierendes Schreibprojekt • Konstruktiv-visionär schreiben • Körperhaltung spüren • Kristallisationspunkt von Verschiedenheit • Leben als Kunst verstehen • Mit Lyrik ehrlich werden • Mit Poesie ehrlich sein • Natürliche Erbfolge • Pferdebäuerin sein • Pferde Buch • Pferde gesund bewegen • Pferde Gnadenhof • Pferde Haltung • Pferde Hintergrund • Pferde können uns spiegeln • Pferdeliebe • Pferde lieben • Pferde Spiegel • Pferde Spiegel erkennen • Pferde spiegeln Menschen • Pferdesprache lernen • Pferdestall offen • Pferde und Äpfel • Pferdeverhalten erkennen • Pferde verstehen • Redestabrunde • Reflektion mit Pferden • Respekt vor Energien • Schreiben als heilendes Glück • traumatisierte Menschen • Ursprungsgewissen ist anders • Ursprungskönnen • Ursprungswissen erahnen • Ursprungswissen leben • Verantwortung für sich beibehalten |
| ISBN-10 | 3-347-50258-2 / 3347502582 |
| ISBN-13 | 978-3-347-50258-1 / 9783347502581 |
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