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Der unsterbliche Salamander (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
302 Seiten
tolino media (Verlag)
978-3-7546-4115-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der unsterbliche Salamander -  Zoe Rubaidh
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*2. Platz des tolino media Newcomerpreises 2022* Mitten in der Nacht hastet Inspektor Theodem Brigâ zu einem Tatort. Das Mordopfer wurde in einer magischen Wassersäule ertränkt. Ihm fehlen zwei Organe und auf dem Straßenpflaster stehen seltsame Zeichen aus Kreide. Für Theo und seine neue Partnerin Valerie beginnt eine aufreibende Ermittlung, die sie zu den Geheimnissen einer längst vergangenen Zeit führt. Zusammen mit dem forensischen Zauberer der Polizei und einem Historiker versuchen sie dem Täter auf die Spur zu kommen. Es wird ein Wettrennen gegen die Zeit.

Geboren an einem verschneiten Dezembermorgen, wuchs Zoe Rubaidh in einem kleinen Dorf, umringt von Wiesen und Wäldern, auf. Hier entstanden ihre ersten Geschichten. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Bonn. Sie interessiert sich für Mythologien, Geschichte, Psychologie, Heilpflanzen und Naturwissenschaften.

Geboren an einem verschneiten Dezembermorgen, wuchs Zoe Rubaidh in einem kleinen Dorf, umringt von Wiesen und Wäldern, auf. Hier entstanden ihre ersten Geschichten. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Bonn. Sie interessiert sich für Mythologien, Geschichte, Psychologie, Heilpflanzen und Naturwissenschaften.

II.

 

Der Morgen kitzelte Theo an der Nase, aber geweckt wurde er von den klappernden Geräuschen aus der Küche im Erdgeschoss. Die Tür stand wohl offen und die Akustik der Frühstücksvorbereitung drang durch das ganze Haus. Theo hob blinzelnd seinen Kopf. Ein anhängliches Blatt Papier klebte an seiner Wange, unterwarf sich der Schwerkraft und segelte zurück auf den Schreibtisch. Auf seiner Haut hinterließ es Abdrücke der schwarzen Tinte, die noch feucht gewesen war, als er nur mal kurz die Augen ausruhen wollte. Irgendwann forderte der Schlaf immer seinen Tribut.
Theo nahm das Papier und die dazugehörigen Seiten, auf denen er die ersten Überlegungen zu dem Täter oder den Tätern zusammengefasst hatte, und überflog die Zeilen:

Die Kombination von Wasser- und Hexenmagie am Tatort wirkte wie aus einem Guss. Was eher auf einen Einzeltäter hinweist. Denn Magiern fällt es schwer, sich auf die Kräfte eines Kollegen einzulassen, und sollte es ihnen doch gelingen, bedarf es einer langen und kontinuierlichen Trainingszeit, um ein halbwegs funktionierendes Zusammenspiel zu erzeugen.

 

Wenn es ein Einzeltäter war, kommen dafür zwei Gruppen infrage:
1. Hexen sowie Dimensions- und Lichtmagier, die weitere Fähigkeiten mithilfe von Magieträgern ausbilden können. (Selten)
2. Nichtmagier mit einem Zugang zu mehreren Magieträgern. (Noch seltener)

Das Problem ist:
Der Hexenkreis kann nur mit einer entsprechenden Ausbildung gezeichnet werden. Das spricht für ein Mitglied der Hexengilde.
Doch um so viel Wasser aus der Luft zu ziehen und zu einer Säule zu formen, muss ein routinierter Umgang mit einem Magieträger gegeben sein, der ausschließlich in der Universität der zauberhaften Künste vermittelt wird.
Nur gibt es zurzeit keine Person, die Mitglied in beiden Gilden ist. Also, wie konnte der Täter seine Magie so perfektionieren?‹

Hier endete Theos Ausführung; über dieser Frage war er eingeschlafen. Und er hatte noch weitere, die ihn umtrieben. Wofür brauchte der Täter eine Leber? Warum arrangierte er den Tatort auf diese Weise? Es musste unglaublich kompliziert gewesen sein, das Opfer in der Wassersäule zu halten, während er den Hexenkreis zog. Also wofür betrieb er diesen Aufwand?
Nachdenklich starrte Theo auf seine Schreibarbeit der letzten Nacht. Die Ermittlungen versprachen arbeitsintensiv zu werden. Allein schon den ersten Indizien zu folgen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Zum Glück konnte er seine anderen offenen Fälle getrost an die Kollegen abtreten. Die Auseinandersetzung zweier Feuermagier mit schweren Körperverletzungen bei unbeteiligten Dritten musste nur noch für das Gericht dokumentiert werden. Der Einbruch in die Universität der zauberhaften Künste war so gut wie aufgeklärt, da sich der Verdächtige bereits um Kopf und Kragen geredet hatte. Die zwei Fälle von Sachbeschädigung durch Magieanwendung konnten auch die Gerichtshelfer zu Ende führen.
Der einzige aufwendige Fall, um den sich Theo kümmern musste, beschäftigte sich mit magisch aufgewerteten Drogen, die vor kurzem in der Stadt aufgetaucht waren. Da der Stadtrat die Ermittlungen aber mit Interesse verfolgte, würde sein Kollege Lenhard sie sicherlich mit Freude übernehmen. Er witterte stets eine Gelegenheit, sich selbst gut in Szene zu setzen und an Prestige zu gewinnen.
Und dann könnte sich Theo gänzlich auf den Mord der letzten Nacht konzentrieren. Bei dem Gedanken keimte Unbehagen in ihm auf.
Er ging zur Waschkommode, schüttete das Wasser in die Schale und wusch sich das Gesicht. Schwierige Fälle versetzten ihn normalerweise ins Jagdfieber, diesmal überwog die Vorsicht. Die Handschrift des Täters hatte etwas an sich, vor dem er instinktiv zurückschreckte.
Natürlich stand ihm die Möglichkeit offen, die laufenden Fälle zu behalten und den neuen abzugeben, aber wenn er erst einmal anfing, sich zu drücken, wo würde das dann enden? Ängste wurden groß, sobald man sie fütterte.
Apropos füttern, der Duft von gebratenen Eiern und geröstetem Brot drang ihm in die Nase. Schnell beendete Theo die Morgenwäsche, zog sich an und streifte die Dienstmarke über seinen Kopf. Von seinem knurrenden Magen angetrieben eilte er die Treppe runter in die Küche.
Hieronÿmus stand mit einer Schürze am Eisenherd und legte ein paar Holzscheite nach. Der hochgewachsene, hagere Mann in den späten Sechzigern wies wie immer ein tadelloses Erscheinungsbild auf. Seine Kleidung war sorgsam gebügelt. Die Schuhe glänzten mit der Küche und den goldenen Manschettenknöpfen am weißen Hemd um die Wette. Bei seinen grauen Haaren rebellierte kein einziges Exemplar und die Gesichtsbehaarung bekam durch die morgendliche Rasur nicht einmal die Gelegenheit, aus der Reihe zu tanzen.
»Ich wollte dich gerade holen.« Hieronÿmus schloss die Ofenklappe und trat an die Küchenspüle heran, um sich die Hände zu waschen.
»Dein Essen ist dir zuvorgekommen«, bemerkte Theo und setzte sich an den Tisch, auf dem Hieronÿmus das Frühstück aufgetragen hatte. »Es duftet köstlich.« Seine glänzenden Augen wanderten über das gebratene Rührei, die gerösteten Weißbrotscheiben und die Käseplatte. Theo zählte zu den genussvollen Essern, was auch für die kleinen Polster an der Hüfte und dem Bauch verantwortlich war.
»Hast du einen neuen Fall?«, fragte Hieronÿmus, der gestern Nacht dem wild klopfenden Polizisten die Tür geöffnet hatte.
»Ja.« Theo legte zwei Scheiben Weißbrot auf seinen Teller, überhäufte sie mit Rührei und ließ frisch gehackte Küchenkräuter auf den weiß-gelben Berg niederrieseln.
Hieronÿmus kannte Theo gut genug, um seine Stimmlage und Mimik richtig zu deuten: Er wollte sich von den Einzelheiten des nächtlichen Einsatzes nicht den Appetit rauben lassen. Beim Schlaf war er verhandlungsbereit, beim Essen nicht. So setzte sich Hieronÿmus zu Theo an den Tisch und unterhielt sich mit ihm während des Frühstücks lediglich über Nebensächlichkeiten. Heute würde die Gärtnerin vorbeikommen, die Hieronÿmus mit seinen Marotten regelmäßig zur Verzweiflung brachte. Der schlimmste Streit zwischen ihnen brach vor einem halben Jahr aus, als sie mit dem Zollstock beweisen musste, dass die Buchsbaumhecke hinter dem Haus überall exakt gleich hoch war. Am Ende gewann Hieronÿmus’ Augenmaß.

 

Nach dem Frühstück sortierte Theo die Unterlagen der offenen Fälle. Dafür nahm er Blätter von den Wänden, ordnete die Papiere auf dem Schreibtisch und steckte sie in die Akten, die er stapelte und mit einer Kordel verschnürte. Er trug sie zusammen mit seinem Notizbuch und der Mappe des neuen Falls in den Flur, wo die Standuhr gerade fünf nach neun anzeigte. Er war spät dran. Hastig schlüpfte er in Stiefel und Mantel, stopfte sein Notizbuch in die Tasche und verließ mit den Akten unter dem Arm das Haus.
Mit schnellen Schritten eilte er durch die Stadt. Auf der Alten Minenstraße herrschte die gewohnte Betriebsamkeit. Beladene Ochsenkarren schoben sich über das Steinpflaster, sicherten den Warentransport von Gelîvron und die Arbeit der Straßenreiniger, die mit Schaufeln und abgehärteten Nasen den zukünftigen Dünger einsammelten.
Kutschen machten nur einen geringen Teil der städtischen Mobilität aus. Einige wohlbetuchte Bürger, Oberhäupter der Gilden oder Ratsmitglieder leisteten sie sich aus Gründen der Bequemlichkeit und der Privatsphäre. Auf Kosten der Schnelligkeit, denn durch die engen Seitenstraßen und das Getümmel auf den Hauptstraßen dauerte eine Fahrt mit der Kutsche in der Regel recht lange. Die meisten Menschen gingen ihren alltäglichen Beschäftigungen daher zu Fuß nach.
Wenn der Begriff ›Menschen‹ fällt, sollte immer im Hinterkopf behalten werden, dass er alle humanoiden Formen mit einschließt. Die Evolution war dank der Magie überaus einfallsreich. Nur der Homo simplex, der einfache Mensch, hatte sich ausschließlich mit genetischer Mutation aus der Ursuppe zu einer aufrechtgehenden Lebensform entwickelt. Er wies ein paar Variationen bei der Haut- und Haarpigmentierung auf, bildete ein großes Gehirn aus, dessen Kapazität er selten ausschöpfte, und machte einen Schub in die Höhe, um an die tief hängenden Früchte von Apfelbäumen heranzukommen. Das war es schon. Von dieser gemächlich durch die Zeit schlurfenden Spezies zweigten sich gelegentlich weitere humanoide Formen ab, die durch magische Mutation beeinflusst worden waren. Die menschlichen Gene hatten sich mit Mineralien, Tieren oder Pflanzen vermischt und das Erscheinungsbild nachhaltig verändert. Aber in Gelîvron galt ein einfaches Prinzip: Gleiches Herz beweist die Verwandtschaft. Natürlich im übertragenen Sinne, keiner verlangte eine anatomische Prüfung.
Damit gehörte Gelîvron zu den wenigen Städten, in denen humanoide Formen jeglicher Art unbehelligt leben konnten. Auch Magier. Das war nicht selbstverständlich. In einigen Ländern wurden sie geächtet, verfolgt und manchmal sogar umgebracht. Theo fand das absurd. Magie vererbte sich rezessiv. Das bedeutete, selbst in Familien, zu dessen Ahnen keine Magier zählten, konnte es passieren, dass ein Kind mit Fähigkeiten geboren wurde. Und dann? Wollte man in einer Welt leben, in der das eigene Kind nicht sicher war?
Die Magie – spezifischer: die verschiedenen Magieteilchen – verschmolz schon früh mit den Genen des Homo simplex’ und tauchte in allen humanoiden Spezies auf. Sie gehörte zum menschlichen Dasein, auch wenn nicht jeder sie beherrschte.
Theo erreichte den Klimperplatz, auf dem zahlreiche Buden ihre Waren feilboten, schlängelte sich durch die plappernden Massen und bog am Rathaus in die Schlupfwinkelgasse ab, eine Abkürzung zur Traggutstraße, wo das...

Erscheint lt. Verlag 1.3.2022
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Alchemie • alternative Weltgeschichte • Cosy Crime • Ermittler • Fantasy • Hexen • historisch • Humor • Inspektor • Krimi • Magie • Magische Wesen • Mordserie • Polizei • Spannung • Thriller • Vier Elemente • Whodunnit • Zauberer
ISBN-10 3-7546-4115-8 / 3754641158
ISBN-13 978-3-7546-4115-6 / 9783754641156
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