Ich zeichne mit dem Finger eine Tür auf die Wand
Leipziger Literaturverlag
978-3-86660-283-0 (ISBN)
Gui Minhai: geb. 1964 in der ostchinesischen Stadt Ningbo (südlich von Shanghai), mit 17 Jahren Umzug nach Peking, Studium der Geschichte, erste Gedichte, 1988 Auslandssemester in Göteborg, 1989 nach dem Massaker auf dem Tiananmen unbefristete Aufenthaltserlaubnis in Schweden, seit 1992 schwedischer Staatsbürger, 2004 Umzug nach Deutschland, 2006 Mitglied des Independent Chinese PEN Centre und Kampf für Meinungsfreiheit in der VR China, 2012 Gründung des Verlags Mighty Current Media in Hongkong, der sich auf die Politik der KPCh und auf das Privatleben führender Politiker spezialisierte, 2014 Kauf der Buchhandlung Mighty Current, wurde am 17. Oktober 2015 von seinem Feriendomizil in Thailand in die VR China verschleppt, 2017 aus dem Gefängnis entlassen, am 20. Januar 2018 gemeinsam mit zwei Mitarbeitern des schwedischen Konsulats im Zug auf dem Weg zur schwedischen Botschaft nach Peking, von zehn Beamten in Zivil verhaftet, am 10. Februar eine erzwungene Pressekonferenz, in der er sagte, dass er die schwedische Staatsbürgerschaft ablegen wolle - das war das letzte Mal, dass Gui Minhai in der Öffentlichkeit gesehen wurde.Karin Betz: hat in Frankfurt am Main, Chengdu und Tokio Sinologie, Philosophie und Politik studiert, ist Übersetzerin chinesischer und englischer Literatur, daneben auch Rezensentin, Moderatorin und Dozentin. Im Wintersemester 2021/22 wurde ihr die August-Wilhelm-von-Schlegel Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin verliehen.
Heldentum Als ich klein war, zog ich ein niedliches Küken auf In meinen Jugendjahren legte es ein Ei Hielt man das Ei gegen das Sonnenlicht Sah man den runden Eidotter in der Schale Ich nahm das Ei überallhin mit Zeichnete mit gelber Eidotterfarbe viele Bilder Wenn ich erschöpft unter dem Mondlicht kauerte Träumte ich eidotterrunde Träume Erst als ein paar Lederstiefel das Ei zertrampelten Begriff ich, wie zerbrechlich meine Schale ist Einsam und hilflos lag der Eidotter am Boden Unablässig floss das Eiweiß, wie Tränen Voller Scham kauerte sich das splitternackte Ei Nach der Zerstörung seiner Schale in sich zusammen Enthüllte brav den genetischen Code des Eis Gab zu, in Wahrheit ein Entenei zu sein Am Rand der heißen Bratpfanne fristete es sein Dasein Weil es noch einen Funken Demut in sich trug Wurde es nach dem Braten zu einem fetten Spiegelei Und bewahrte sich die Idee des Heldentods
| Erscheinungsdatum | 28.02.2022 |
|---|---|
| Nachwort | Kai Strittmatter |
| Übersetzer | Karin Betz |
| Vorwort | Angela Gui |
| Verlagsort | Leipzig |
| Sprache | chinesisch; deutsch |
| Maße | 150 x 150 mm |
| Gewicht | 170 g |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | China • Meinungsfreiheit • Zensur |
| ISBN-10 | 3-86660-283-9 / 3866602839 |
| ISBN-13 | 978-3-86660-283-0 / 9783866602830 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
aus dem Bereich