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Der Wald der Augen (eBook)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
125 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7541-8336-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Wald der Augen -  Logan Kenison
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Sie hatten die Wahl zwischen der Giftspritze oder Flucht durch das Dimensionstor. Denn sie hatten einen Mann getötet, und die Todeszelle war ihnen sicher. Sie entschieden sich für das Dimensionstor. Doch auf der anderen Seite erwartete sie -- der Wald der Augen.

Logan Kenison ist Autor von Western-, Abenteuer- und Spaceromanen. Neben seinen Western, die er mit Leidenschaft verfasst, schreibt er seit 2018 die Reihe Spacewestern.

Logan Kenison ist Autor von Western-, Abenteuer- und Spaceromanen. Neben seinen Western, die er mit Leidenschaft verfasst, schreibt er seit 2018 die Reihe Spacewestern.

 

 

Logan Kenison

 

DER WALD DER AUGEN

 

 

Prolog

 

Hast du ein Land gesehen, erdbraun und saftig, weich und von allerlei Buschwerk und Gräsern gekräuselt, wie Sektschaum; so wohlriechend, dass du dich am liebsten kopfüber hineingestürzt hättest? Dass du eintauchen wolltest in seine sanften Wellen? Dass du das Gefühl hattest, du müsstest dich in ihm begraben lassen, damit dich niemals mehr jemand von dort wegholen kann?

Ich habe solch ein Land gesehen.

Ich habe es betreten und in Besitz genommen.

Habe ein Haus gebaut und Gärten angelegt.

Habe Tiere gezüchtet und Samen ausgesät, habe geerntet und geschlachtet, Wein gekeltert und Feste gefeiert.

Dort, im saftigen Boden, habe ich meine Frau und meinen Sohn begraben.

 

 

 

Ort: Planet Erde, Konzerngelände iTRONIC Ltd.

Die Alarmsirene schickte einen durchdringenden Ton in die Halle, der in den Ohren schmerzte.

Vielleicht war der Mord entdeckt worden.

Vielleicht war einer der niedergeschlagenen Wächter zu sich gekommen.

Jedenfalls hatten sie nur noch Sekunden, bis die Sicherheitskräfte den Raum stürmen würden.

Deckenstrahler schickten weißes Licht in die Halle, in deren Wände die Rettungskapseln eingelassen waren. Der Mann und die Frau standen am Spezialcomputer und blickten sich an. Sie versteckten ihre Todesangst voreinander. Jede Sekunde konnten die Wachen erscheinen und auf sie zu schießen beginnen.

Ihr Plan war saumäßig schiefgegangen. Jetzt war alles aus.

Noch vor einer Dreiviertelstunde hatten sie im Aufenthaltsraum gemeinsam Kaffee getrunken und den Plan ein letztes Mal besprochen. Wie Kollegen hatten sie gewirkt, oder gar wie ein Liebespaar. Keinesfalls jedoch wie die Spione und Saboteure, die sie waren.

Karen Moward versuchte zu lächeln, doch es wurde nur eine gequälte Grimasse daraus. Vor nicht einmal fünfzehn Minuten hatte sie einen Mann getötet, und nun toste ein Sturm von hunderten unbekannter Gefühle in ihr – Gefühle, mit denen sie nicht gerechnet und die sie nie gekannt hatte; von denen sie nicht einmal wusste, dass sie ihrer überhaupt fähig war.

Hinzu kam, dass es für ihre Flucht nur noch einen einzigen Weg gab: Den durch das Dimensionstor. Und das bedeutete: Sie mussten die Erde verlassen und konnten nie wieder zurückkehren.

Doch wenn sie den Weg nicht antraten, würde das Wachpersonal sie in wenigen Sekunden verhaften, nämlich sofort nachdem sie die verriegelten Tore gesprengt hatten und in den Raum gestürmt waren.

Ihr »perfekter Plan« hatte sich als Blindgänger erwiesen. Karen fluchte leise in sich hinein.

Wie fühlte man sich, wenn man sein bisheriges Leben hinter sich ließ? Ihre Mutter wohnte in Hamtramck, eine Autostunde von Detroit entfernt. Samstags hatte sie sie immer besucht und den Nachmittag mit ihr verbracht. Morgen war Samstag, und es trieb ihr einen Kloß in die Kehle, als sie sich ausmalte, wie ihre Mutter vergebens auf sie warten würde. Sie hatte nicht einmal die Zeit, ihr eine Nachricht zukommen zu lassen, so überstürzt erfolgte ihre Flucht.

Auf einmal spürte wie eine große Leere in sich und war plötzlich taub gegen alle Empfindungen. Für ein paar Minuten funktionierte sie nur noch mechanisch, betätigte die Schalter und Hebel und Tasten und tat, was getan werden musste, während das Summen der Maschine anschwoll und langsam das Heulen der Alarmsirene zu übertönen begann.

Sie wusste nicht, ob es das Richtige war, was sie tat.

Doch sie wusste, dass es der einzige Weg war, der ihnen noch blieb.

Sie machte sich nichts vor. Wenn sie blieb, konnte sie gleich eine Zyanidkapsel schlucken; dann waren die Folgen immer noch weniger dramatisch, als wenn sie Owen Rattlers Leuten in die Hände fiel.

Owen Rattler war der Leiter all dessen, was iTRONICS Ltd. an Sicherheit zu bieten hatte. In zahllosen Meetings waren Prozesse definiert worden, denen sich der gesamte Konzern unterwerfen hatte müssen. Zum Wohle des Unternehmens. Zur Sicherheit vor Anschlägen und Spionage.

Jeder, der ein und aus ging, wurde durchleuchtet. Scanner durchdrangen jedes Kleidungsstück. Röntgengeräte durchleuchteten die inneren Organe. Denn wie leicht hätte man etwas verschlucken und so nach draußen schmuggeln können.

Während über zweitausend Mitarbeiter diese Maßnahmen erdulden mussten – die Alternative wäre gewesen, sich in die lange Schlange der Arbeitslosen einzureihen –, war es zwei Technikern gelungen, alle Sicherheitsmaßnahmen zu unterlaufen und die Schalt- und Baupläne für das Dimensionstor auf einen Datenstick zu speichern.

Natürlich war ihr Eindringen entdeckt worden, das war unausweichlich gewesen – doch viel zu spät. Sie hatten die Dateien bereits an den Account ihres Kontaktmanns außerhalb verschickt, und der Auftraggeber der beiden Sonntagsagenten – wahrscheinlich die Konkurrenzfirma EU-Electronics – war inzwischen im Besitz sämtlicher Pläne.

Karen konnte sich lebhaft vorstellen, wie Owen Rattler in seinem Büro umherlief und alle Flüche der Welt über sie und ihren Partner herabrief.

Doch das brachte sie nicht zum Lächeln. Nicht diesmal, wo sie selbst im Visier seiner Tiraden stand.

Der Sicherheitsmanager hatte den schlimmsten Ruf aller bei iTRONICS beschäftigten Mitarbeiter. Er war nicht nur ein Befürworter brutalster Methoden, sondern ließ sie auch gnadenlos anwenden. Nicht wenige ihrer Kollegen waren in die Bleiminen auf dem Jupitermond Io geschickt worden, wo sie unter schlimmsten Bedingungen schuften mussten, ohne Aussicht, jemals wieder von dort wegzukommen.

Dass zwei geldgierige Amateure alle Sicherheitsmaßnahmen unterlaufen und in die Heiligen Hallen des Konzerns hatten vordringen können, würde Owen Rattler dazu bewegen, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen neu festsetzen zu lassen. Von nun war würde es nie wieder so »leicht« sein, sich den Plänen und dem Dimensionstor selbst zu nähern. Wahrscheinlich würde er die Anzahl der Wachen umgehend verdoppeln, sodass ab morgen nun nicht mehr zwei, sondern vier ausgebildete Wacheinheiten jede Tür und jedes Terminal sichern würden.

Mit zwei Wachhabenden waren Karen und ihr Partner Scott Shafter fertiggeworden. Der Tod von Sicherheitschef Swank war dabei mehr oder weniger ein bedauerlicher Unfall gewesen. Der Mann war einfach im falschen Moment aufgetaucht, als nämlich bei Karen die Nerven blank lagen. Sie und Shafter waren Sekunden zuvor von zwei Wachen angegriffen worden und hatten sie mit Müh und Not niedergekämpft, als unvermittelt Swank aufgetaucht war. Der Sicherheitschef hatte auf dem Absatz kehrt gemacht. Karen wusste: Er würde den Raum verlassen, die Tür verriegeln und Großalarm auslösen.

Das hatte sie verhindern wollen. Aus der Hüfte hatte sie geschossen und gleich einen Volltreffer gelandet. Der Schuss traf Swank in die Wirbelsäule, und er war mit einem lauten Gurgeln zu Boden geschlagen, wo er seinen Geist nach minutenlangem Röcheln ausgehaucht hatte.

Verdammt! Karen durfte nicht daran denken, wie der Mann sich in seinen letzten Sekunden gequält hatte. Das würde sie sicher für den Rest ihres Lebens in Albträumen verfolgen.

Weiteres Unbehagen verursachte ihr die nahezu unbekannte Technologie des Dimensionstors, dem sie und Scott in wenigen Sekunden ihr Leben würden anvertrauen müssen.

Nicht nur Karen, auch Scott hatte kaum eine Ahnung davon. Außer einigen allgemeinen theoretischen Grundlagen wussten sie so gut wie nichts über die Wirkungsweise des Tors. Seit mehreren Minuten versuchte Scott, die Kombination einer Dimension zu finden, zu der sie fliehen konnten. Millimeter um Millimeter verschob er die Justierung, aber bei jedem Versuch leuchtete die rote Lampe auf:

INSUFFICIENT ENTRY

INSUFFICIENT ENTRY

Sie fanden einfach keine korrespondierende Dimension.

Eine neue Einstellung –

– und plötzlich leuchtete es in der Mitte der Halle auf, grell und weiß. Etwas wie das Rauschen eines Sturms setzte ein und zerrte an ihrer Kleidung, an ihrem Haar. Mit einem fauchenden Geräusch öffnete sich das Dimensionstor und manifestierte sich in einer wabernden, schillernden Oberfläche.

Wie es aussah, blieb es stabil.

Doch für wie lange?

»Schnell jetzt!«, rief Scott und lief los.

Karen rannte hinter ihm her, doch dann sah sie, wie er zögerte.

Die Anzeige der Energiebänke sank bedrohlich rasch. In wenigen Sekunden würde das Tor kollabieren, das ahnte Karen instinktiv.

Und dann traf sie die Entscheidung. Sie sprangen mitten in das unablässige Fluoreszieren hinein.

Sie hatte erwartet, dass es sich anfühlte, als spränge sie in einen Swimming Pool: Nass und kalt und erfrischend.

Nichts desgleichen war der Fall.

Es schwindelte sie leicht, und sie hatte das Gefühl, in Schwerelosigkeit zu schweben. Übelkeit stieg in ihr hoch. Sie würgte an dem Caffe Latte, den sie zuvor mit Scott in der Cafeteria getrunken hatte.

Beim Sprung hatte sie automatisch die Augen geschlossen, doch nun, neugierig und erschrocken zugleich, öffnete sie sie wieder. Um sie herum wirbelten Farben: Violett, rot, blau, weiß, schwarz. Etwas wie ein heißer Wind blies ihr ins Gesicht, und sie schmeckte einen trockenen Geruch, der ihr den Atem nahm. Sie selbst schleuderte wohl ebenso durch die Passage, wie die Farben um sie herumwirbelten. Sie fand kein unten und kein oben, keinen »festen Punkt im All«.

Und dann spukte die Röhre sie aus. Sie glitt heraus, durchbrach die Oberfläche. Sie spürte für einen Sekundenbruchteil die Spannung der Oberfläche, die sie zurückhalten wollte. Doch ihre Geschwindigkeit...

Erscheint lt. Verlag 26.1.2022
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Abenteuer • Dimensionen • Spannung
ISBN-10 3-7541-8336-2 / 3754183362
ISBN-13 978-3-7541-8336-6 / 9783754183366
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