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Emilys Sehnsucht (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Aufl. 2022
528 Seiten
beHEARTBEAT (Verlag)
978-3-7517-2138-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Emilys Sehnsucht - Juliet Hall
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Was zählt, wenn nicht die Liebe?

Nachdem Joanna ihren Mann in flagranti erwischt hat, zieht sie zu ihrer Mutter und Schwester auf die Farm, auf der sie aufgewachsen ist. Dort findet sie alte Liebesbriefe von einer Emily. Aufgewühlt von den tiefen Gefühlen, die daraus sprechen, gesteht die Londoner Journalistin sich ein, dass sie schon lange nicht mehr so liebt und geliebt wird wie Emily, die unbekannte Verfasserin der Briefe. Aber wird sie den Mut finden, einen Neuanfang zu wagen?
Ein neuer Auftrag - Reisereportagen über einige europäische Städte - kommt ihr da gerade recht. Joanna beschließt, Emilys Spuren zu folgen. Sie taucht ein in die malerischen Gassen von Venedig, Lissabon und Prag und entdeckt Orte, die eine ganz eigene Magie entfalten. Die Artikel kommen gut an, sie bekommt sogar Leserbriefe - vom Fotografen Nicholas. Ob ihre wiederentdeckte Lebensfreude auch eine neue Liebe zulässt?

Eine gefühlvoll packende Geschichte - beste Urlaubslektüre mit wunderbaren Schauplätzen zum Träumen.

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.






<p>Juliet Hall unterrichtet in ihrer Heimatstadt an der Küste des britischen West Dorset Kreatives Schreiben und organisiert Literatur- und Musikfestivals. Zu ihren liebsten Reisezielen gehört Italien, wohin sie die Leser mit ihren ersten Romanen führte. Weitere Romane spielen in vielen wunderbaren Städten Europas und im exotischen Myanmar (Burma) sowie in Marokko und Kuba. <br></p>

Juliet Hall unterrichtet in ihrer Heimatstadt an der Küste des britischen West Dorset Kreatives Schreiben und organisiert Literatur- und Musikfestivals. Zu ihren liebsten Reisezielen gehört Italien, wohin sie die Leser mit ihren ersten Romanen führte. Weitere Romane spielen in vielen wunderbaren Städten Europas und im exotischen Myanmar (Burma) sowie in Marokko und Kuba.

1. Kapitel


Joanna saß auf dem verblichenen rosaroten Bettüberwurf und schaute auf den Koffer hinab, der zu ihren Füßen stand und sie vorwurfsvoll anzusehen schien. Schon gut. Sie hatte ja nicht geplant zurückzukommen, oder? Ihr ganzes Leben lang hatte sie nur vorwärtsgestrebt. Aber nun war sie wie eine Brieftaube nach Hause zurückgekehrt, als hätte sie sich nie von Mulberry Farm abgenabelt. Verdammt! Wahrscheinlich passiert so etwas, wenn das Leben einem übel mitspielt.

Mit der Hand strich sie glättend über die Tagesdecke, die nach dem künstlichen Frühlingsduft eines Weichspülers roch. Ihre Familie bewirtschaftete diesen Hof seit Generationen. Er schmiegte sich tief in die schützenden Täler und Hügel der Warren Down in Dorset, genau wie sie ihn in Erinnerung hatte. Dieses Mal unterschied sich ihre Rückkehr jedoch von all den anderen Gelegenheiten, bei denen sie in Begleitung von Martin heimgefahren war. Joanna hatte das Gefühl, wieder ein Kind zu sein. Sie streckte die Hand aus und zog den Vorhang beiseite. Draußen gab es keine Laternen; es war stockfinster.

Zu Hause. Seit sie als freie Journalistin in London lebte und arbeitete, seit vielen Jahren also, hatte sie stets etwas verächtlich auf ihr Elternhaus herabgeschaut – wie auf etwas, dem sie erfolgreich entkommen war, etwas, was zwar einen Wert besaß, dem sie jedoch entwachsen war. Trotzdem war sie nun hier. In einem Sturm lief man eben als Erstes den Heimathafen an.

Einem schrecklichen Sturm.

Joanna hörte, dass Harriet unten in der Küche umherlief, mit Töpfen klapperte und laut mit Mutter redete.

»Sie kommt gleich runter. Mach kein Theater!«

»Aber wo ist Martin?«, gab Mutter leicht quenglig zurück. »Joanna besucht uns so gut wie nie ohne Martin.«

Eine gute Frage. Joanna stand auf, legte den Laptop auf ihre alte Frisierkommode, deren weiß gestrichene Holzplatte immer noch die Spuren des grellen Make-ups ihrer Teenagerjahre trug: violetter Lidschatten, schwarzer Kajal und goldener Highlighter. In dem leicht angelaufenen Spiegel der Kommode erhaschte sie einen Blick auf sich und fuhr sich unwillkürlich mit der Hand ans Haar. Sie hatten ihren Glanz verloren, alle beide. Das Leben hatte ihnen zugesetzt. Aber die alte Joanna musste doch noch irgendwo da drin sein, oder? Trotz allem.

Mit Martin war es in dem schmalen Bett stets zu eng gewesen. Außerdem war er nicht der Typ, der einen so fest hielt, dass man nicht herausfallen konnte.

Über dem Bett hing das Bild von der Brücke. Es war immer da gewesen, und Joanna gefiel der Gedanke, dass es über sie wachte. Die Brücke stand irgendwo in Italien, vielleicht in Venedig. Das Gemälde hatte einen verschnörkelten Goldrahmen, und manchmal, wenn morgens die Sonne darauf schien, glänzte er vor der blassgelben Tapete.

Die Brücke war aus Holz und überspannte das Wasser in einem perfekten Bogen. Die Sonne stand tief an einem silberblauen Himmel, und Licht und Schatten sprenkelten das Wasser. Joanna hatte keine Ahnung, wer es gemalt hatte – die Signatur war ziemlich unleserlich –, obwohl sie meinte, es könne Emily heißen. Der Familienname begann mit einem S. Sie hätte es gern gewusst; es schien von Bedeutung zu sein. Aber eigentlich zählte nur, dass dieses Bild ihr ein Gefühl von Ruhe schenkte. Joanna war froh, dass Harriet es nicht abgehängt hatte.

Sie sollte eigentlich nach unten gehen. Zögernd zog sie die Tür hinter sich zu und schlich instinktiv vorsichtig über die Treppe. Sie wusste, welche Stufen knarrten – die vierte von unten und die zweite von oben –, und trat über sie hinweg, weil sie einfach noch ein paar Minuten allein sein wollte. Sie wollte … Eigentlich wusste sie nicht so genau, was sie wollte.

Als Joanna sich am Geländer festhielt, kam es ihr so vor, als habe sich die weiße Farbe immer schon in Blasen abgelöst und als sei das gesamte Haus in einem zeitlosen Raum erstarrt. So hatte es damals schon ausgesehen, wenn sie samstagnachts, lange nach Mitternacht, dieselbe Treppe hinaufschlich, nachdem ihr Freund Jez sie nach Hause begleitet hatte. Sie hatten stets ein entlegenes Pub auf dem Land besucht, wo man Joanna Shepherd, erst sechzehn Jahre alt, nicht kannte.

Am Fuß der Treppe warf sie einen Blick auf die alte Standuhr und flüsterte: »Eins, zwei, drei, ich komme!« Ein Spiel aus ihrer Kindheit – ihre und Harriets Version des Versteckspiels. Meistens hatte Joanna ihre Schwester nicht gefunden … Die Uhr würde gleich die volle Stunde schlagen. Perfekt. Als der Westminster-Schlag ertönte und in der Diele widerhallte, huschte Joanna lautlos aus der Haustür.

Draußen hielt sie inne und sog die Nachtluft ein. Gott, war es hier finster! Die Nacht auf dem Land war so viel dunkler als anderswo. Das war schon immer so gewesen, auch damals. Joanna wartete, bis ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten.

Jez pflegte sein Motorrad oben an der Straße abzustellen, und sie gingen dann das letzte Stück zu Fuß und knutschten ununterbrochen. Seine Hände wanderten nicht zufällig umher, sondern deckten eher systematisch jeden Quadratzentimeter ihres Körpers ab. Joanna lächelte. Sie hatten immer eine gute halbe Stunde für die hundert Meter gebraucht, und wenn sie die große Scheune erreichten, mussten sie sich stets für diese letzten verzweifelten, diamanthellen Augenblicke in den Schatten der breiten Holztür drücken, die Sinne zum Zerreißen gespannt. Blindes Tasten, schweres Atmen in seiner festen Umarmung; sein männlicher Geruch nach Motoröl, Leder und Nikotin – völlig anders als alle Gerüche auf der Farm. Berauschend!

Selbst die Erinnerung sorgte jetzt, zwanzig Jahre später, dafür, dass Joanna sich schwach fühlte. Sie presste die Handflächen gegen die Tür hinter sich und spürte die kalte Oberfläche.

»Siehst du denn nicht, was für ein Mensch er ist?«, pflegten ihre Eltern zu nörgeln.

Doch.

»Begreifst du denn nicht, dass er nur das eine will?«

Ja, ja, genau. Ahnten ihre Eltern denn nicht, dass sie es auch wollte? Sie war wie besessen von ihm; nun ja, höchstwahrscheinlich vor Begierde.

Joanna schloss die Augen und sehnte sich plötzlich danach, dieses alte Gefühl noch einmal zu erleben. Irgendwie, dachte sie, wird vielleicht alles besser, wenn ich es wieder einfange. Hinten auf Jez’ Motorrad hatte sie sich an seine Taille geklammert wie eine Klette. Ihre Haut war vom Fahrtwind taub gewesen, ihre Augen tränten, und ihr Haar flatterte im Wind. Gott, das war der Himmel! Jungs. Motorräder. Sex. Am Samstagnachmittag Tanz im Viking Café zu Songs aus der Jukebox. Aber das war Vergangenheit.

Über den seitlichen Weg ging sie zum Teich und zum Maulbeerbaum. Es war ein Wunder, dass sie sich je abgenabelt, die Uni besucht und sich so in ihr Studium gekniet hatte, dass sie gute Noten erzielte. Besonders wegen Jez mit seinen blonden Locken und sexy blauen Augen. »Wie, du willst nicht mit in den Pub, Baby? Was ist denn los mit dir?«

Los war natürlich, dass Joanna schon damals gewusst hatte, dass sie nicht hierbleiben würde. Jez und alles, wofür er stand, waren nur eine Station auf Joannas Reise. Sie hatte nicht gewusst, wo sie endete, aber sie hatte gewusst, dass diese Reise sie aus Dorset hinausführen und von Jungs wie Jez trennen würde. Für immer.

Und so war es auch gekommen. Oder?

Der Teich war umgekippt, das Wasser wie Gelee. In ihren knöchelhohen Wildlederstiefeln stapfte Joanna durch das feuchte Laub unter dem Baum und wünschte sich, sie hätte Gummistiefel angezogen. Sie war auf dem Land. Und der Maulbeerbaum, so herrlich wie immer, breitete stolz die Zweige aus. Herbst?, schien er zu sagen. Warum sollte ich etwas darum geben, wenn ich ein paar Blätter verliere? Im Frühling wachsen mir ja neue. Wenn es für den Rest von uns auch so einfach wäre!, dachte Joanna.

Harriet hatte sie mit dem Pick-up vom Bahnhof abgeholt. Sie hatte es vermieden, Joanna anzusehen, und Martin kaum erwähnt; ob aus Taktgefühl oder Gleichgültigkeit, konnte Joanna nicht einschätzen. Sie hatte keine Ahnung, was in Harriet vorging. In den alten Zeiten hatte sie so oft versucht, zu ihrer Schwester durchzudringen. Aber irgendwann hatte sie es wohl aufgegeben. Harriet war unnahbar, unerreichbar und unergründlich.

»Wir müssen uns zusammensetzen«, hatte Harriet gesagt. »Wir müssen über Mutter reden.«

Joanna hatte zugestimmt. Doch inzwischen fragte sie sich, warum sie überhaupt hier war. Sie hatte genug eigene Probleme.

»Wie geht es ihr?«, hatte sie sich auf der Autofahrt erkundigt. Als ihr Vater gestorben war, hatte ihre Mutter nicht nur den Ehemann verloren. Audrey hatte selbst immer mehr nachgelassen, sodass schließlich alle Arbeiten auf der Farm an Harriet und den Hilfskräften hängen blieben, deren Anzahl stetig abnahm. Mutter war exzentrisch geworden, seltsam.

»Ziemlich schlecht«, gab Harriet zurück und nahm eine scharfe Linkskurve, sodass Joanna gegen die Beifahrertür geschleudert wurde. »Diese Woche waren es zwei Maler und Anstreicher, jemand, der den Abfluss frei machen sollte, und ein halber Klempner.«

Joanna rieb sich den Ellbogen. Die Fahrkünste ihrer Schwester hatten sich nicht verbessert; sie nutzte das Autofahren immer noch als Abfuhr für all ihren Zorn und ihre Frustration. »Ein halber Klempner?«

»Er ist nicht vorbeigekommen, aber er hat angerufen. Drei Mal.«

»Aha.« Mutter rief Handwerker an, damit sie vorbeikamen und einen Kostenvoranschlag für sie aufstellten. Dann konnte sie ihnen Tee kochen, Kuchen vorsetzen und mit ihnen reden. Das Bedürfnis nach männlicher Aufmerksamkeit verzehrte Audrey, und sie war von ihrem Aussehen besessen. Aber leider lebte...

Erscheint lt. Verlag 25.1.2022
Reihe/Serie Die schönsten Sehnsuchtsromane von Juliet Hall
Übersetzer Barbara Röhl
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Original-Titel A Bridge in Time
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Australien • Betrug • Beziehung • Cornwall • Dorset • Drama • Ehe • Ehebruch • Eheprobleme • England • Familienroman • Farmhaus • Ferne Länder • Fernweh • Fotograf • Frauenroman • Freundschaft • Gefühle • Gegenwart • Gegenwartsliteratur • Haran • herzkino • Journalistin • Kauri • Landschaftsbild • landschaftsroman • Lebensfreude • Leserbriefe • Liebe • Liebesbrief • Liebesbriefe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Lissabon • Love and Landscape • Maori • Natur • Neuanfang • Neuseeland • Pilcher • Prag • Reise • Reiseführer • Reisen • Reisereportagen • Romantik • Sarah Lark • Schicksal • Schmöker • Selbstfindung • Südengland • Träumen • Trennung • Unterhaltung • Urlaubslektüre • Venedig • Zwischenmenschliche Beziehung
ISBN-10 3-7517-2138-X / 375172138X
ISBN-13 978-3-7517-2138-7 / 9783751721387
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