Sephiria (eBook)
316 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7557-4453-5 (ISBN)
Corinna Michelle Struck wurde 1997 in Moers am Niederrhein geboren. Fantasy-Erzählungen interessierten sie schon sehr früh, und so begann sie bereits im Alter von 12 Jahren erste eigene Geschichten zu entwerfen. Mit der Zeit entwickelten sich die Handlungen so weit, dass daraus Sephiria entstand. Bis heute ist Corinna ihrer Leidenschaft für das Schreiben treu geblieben und denkt noch lange nicht ans Aufhören.
Heimat
Ein lauer Frühlingstag begann im Elfenreich Valisaar. Sanft flüsterte der Wind in den Wäldern, als wolle er der Welt seinen Gruß entbieten. Mit seinem milden Hauch liebkoste er das Gras, dessen feine Halme sich daraufhin vor ihm verneigten. Dann trugen seine Böen die Wolken hinfort und bereiteten so den Strahlen der aufgehenden Sonne ihren Weg. Ihr goldenes Licht erfüllte das Land - der neue Morgen kehrte ein.
Gebannt beobachtete Jaren Thane das Naturschauspiel, während er auf der Wiese vor seinem Haus lag. Er liebte den Anbruch des Tages, der stets das Erwachen des Lebens bedeutete: Tiere und Pflanzen wurden gleichermaßen munter. Sie liefen, schwirrten und krabbelten umher oder entfalteten ihre Blütenpracht. Und auch, wenn jeder neue Morgen irgendwie gleich ablief, war es für Jaren immer einzigartig. Für ihn bedeutete es Harmonie; ein Gefühl des Friedens und der Zuversicht, das er sich einmal hart erkämpft hatte. Manchmal verspürte er noch den Schmerz über all die Verluste, die er damals hatte hinnehmen müssen. Viele, die ihm nahegestanden hatten, waren vier Jahre zuvor in einem furchtbaren Krieg gefallen. Er selbst hatte überlebt, während seine engsten Vertrauten von Kalethanos, dem Gott Sephirias, genommen worden waren. Bis heute wollte der junge Mann nicht begreifen, warum das Schicksal ihm das angetan hatte.
»Träumst du schon wieder?«
Eine vertraute Stimme riss Jaren aus seinen Gedanken. Ein lächelndes Gesicht beugte sich zu ihm herunter und küsste ihn auf die Stirn. Das hübsche Antlitz gehörte Fjora, seiner Frau. Sie war kein richtiger Mensch, so wie er, sondern stammte zur Hälfte von den Din, dem Volk des Meeres, ab. Sorfal, so nannte man Ihresgleichen. In ihrer damaligen Heimat war sie geächtet worden, weil ihr Vater ein Mensch gewesen war. Jaren aber liebte sie von ganzem Herzen.
»Ich träume nicht«, erwiderte er grinsend. »Ich denke nach.«
Fjora hob erstaunt ihre Augenbrauen. »Wo liegt denn da der Unterschied?«, fragte sie belustigt. Ihr Gatte setzte eine ernste Miene auf. »Ein Traum ist nicht real. Gedanken können es schon sein.«
-»Was du nicht sagst!«, neckte seine Frau ihn lachend und legte sich zu ihm auf den Boden. Lächelnd sahen sich die beiden an und teilten einen Kuss. Dann lehnte die Sorfal ihren Kopf an Jarens Schulter und folgte seinem Blick, der sich erneut am Himmel verlor.
»Der Morgen ist schön«, bemerkte sie und streckte eine Hand nach dem Firmament aus. Hoch oben zeichneten sich die schmalen Leiber einiger Vögel ab, die durch die Luft segelten. Geschwind trugen die Böen sie umher und ließen sie im Winde tanzen.
»Wie die Drachen«, murmelte Jaren gedankenlos. Überrascht hob Fjora ihren Kopf. »Du hast schon lange nicht mehr von ihnen gesprochen«, sagte sie. Er nickte, verblüfft über sich selbst. »Das ist wohl wahr. Aber vergessen habe ich die Drachen nicht. Es ist nur schon so lange her, dass Palamyr das letzte Mal hier war. Was er wohl treibt?«
Da seufzte seine Frau traurig. Sie gestand: »Manchmal würde ich ihn und die anderen gerne noch einmal wiedersehen. Glaubst du, dass sie wohlauf sind?«
-»Da bin ich sicher. Das Himmelsvolk ist stark und zäh. Die Drachen können auf sich achtgeben. Fendred ist ihnen bestimmt ein guter Anführer.«
Etwas unwohl dachte Jaren an seine letzte Begegnung mit dem Kaiser der Drachen zurück, bei der dieser ihn im Zorn verletzt hatte. Trotzdem zweifelte er nicht an dessen Fähigkeiten als Regent.
»Erinnerst du dich noch an den Elfenkönig?«, hakte Fjora nach. Ihr Gatte nickte und erwiderte: »Wie könnte ich Yonarc denn vergessen? Er war ein wichtiger Verbündeter damals … wie es ihm wohl geht?«
Ruckartig setzte sich die Sorfal auf und strahlte ihn an. »Gehen wir ihn doch besuchen!«, schlug sie vor, doch Jaren winkte ab. »Lieber nicht. Der Weg nach Serisan ist ohnehin schon sehr weit, die Reise würde Tage dauern.«
Fjoras Miene verfinsterte sich. »Es ist nicht der Weg, der dich belastet«, sagte sie leise, »Du fürchtest die Ankunft.«
Sofort zuckte ihr Gatte unwillkürlich zusammen. »Du hast ja recht«, gab er zu, »aber gerade du müsstest am besten verstehen, warum ich Saldaar meide.«
Mitleidig musterte sie ihn. »Die Gräber deiner Freunde liegen vor den Toren, das weiß ich nur allzu gut. Aber willst du dich für immer hier vor deiner Vergangenheit verstecken?«
-»Sie waren nicht bloß Freunde«, widersprach Jaren, »sie waren meine Familie! Ich könnte es nicht noch einmal ertragen, diesen toten kalten Hügel zu sehen!«
Gekränkt drehte die Sorfal ihm den Rücken zu und schwieg lange Zeit. Irgendwann sprach sie: »Ich respektiere das, doch ich finde, dass du dich selber zu sehr vernachlässigst. Seit dem Ende des Krieges hast du nicht einmal mehr gezaubert! Du bist ein Magier, Jaren!«
Entrüstet erhob er sich. »Ich brauche diese Kräfte nicht!«, rief er aufgebracht. Sogleich hielt er inne, entsetzt über seinen eigenen lauten Ton. Fjora starrte ihn nur verwundert an. Beschämt senkte ihr Ehemann den Blick. »Tut mir leid«, sagte er kleinlaut. »Für mich war die Magie immer nur eine Waffe, um sich selbst zu verteidigen. Ich will nicht wieder kämpfen müssen, denn immer, wenn ich es tue, verliere ich jemanden.«
Jaren kniete sich vor sie und ergriff ihre beiden Hände. Wehmütig sah er ihr in die Augen. »Du bist die Einzige, die mir geblieben ist, Fjora. Ich will nicht, dass du mir auch noch genommen wirst.«
Da lächelte die Sorfal und küsste ihn erneut. Liebevoll nahm sie ihn in die Arme und drückte ihn an sich. »Wir sind untrennbar«, flüsterte sie ihm ins Ohr, »Ich würde es nicht zulassen, dass mich jemand tötet. Wer es trotzdem versucht, bekommt meine Zähne zu spüren!«
Sie löste sich von Jaren und zeigte ihm zum Beweis ihr gefletschtes Gebiss. Die Eckzähne waren etwas spitzer als die restlichen. Fjora mochte nur zur Hälfte dem Meeresvolk entsprungen sein, doch von dem betäubenden Gift konnte auch sie Gebrauch machen, wenn sie zubiss. Zeitweilen nutzte sie es sogar öfter, nicht aber um anderen Schaden zuzufügen.
Fjora war zu einer gelernten Heilkundigen geworden, seitdem sie mit Jaren in Valisaar lebte. Ein uraltes Elfenweib aus dem nahen Dorf Moosgrund hatte sie in ihr Wissen über die Medizin eingeweiht und ihr die Aufgabe übertragen, sich eines Tages anstelle ihrer um die Kranken und Verletzten zu kümmern. Die Greisin war bereits vor einiger Zeit dahingeschieden, aber ihre Elevin setzte ihr Werk wie versprochen fort. Sie kannte sich mit Kräutern aus, versorgte Wunden und linderte Krankheiten. Ihr Gift machte sie sich dann zunutze, wenn einer der Versehrten zu große Schmerzen erleiden musste. Es nahm dem Patienten die Pein und beruhigte ihn für einige Zeit, was Fjora ihre Arbeit um einiges erleichterte. Sie half anderen nur zu gerne, und die Leute zeigten sich dankbar bei ihr. Anfangs noch hatten einige der Elfen sich vor ihr gefürchtet, weil keiner von ihnen zuvor eine Meergeborene gesehen hatte, aber mit der Zeit hatten die Elfen aus Valisaar sie liebgewonnen. Fjora selbst sah sich als ein Teil ihrer Gesellschaft an, mehr noch als Jaren. Er hatte lange gebraucht, um sich einzufinden in der Normalität der Unbegabten; diejenigen, die keine Magie in sich trugen. Zwar hatte er vor der Entdeckung seiner eigenen Kräfte auch ohne die Zauberei auskommen müssen, doch war dies etwas anderes als in seinem gegenwärtigen Leben: Er schämte sich beinahe für sein Talent, denn es machte ihn seiner Meinung nach zu etwas Unnatürlichem. Er war anders und das wollte er nicht mehr sein.
Gedankenverloren spielte Jaren an dem Amulett herum, das er um den Hals trug. Es war ein kleiner blauer Anhänger aus Stein, mit einer Gravur in der Mitte. Fjora besaß dasselbe Kleinod, denn es war das Zeichen ihrer beider Zusammengehörigkeit als Mann und Frau. Die Berührung des Steins gab Jaren immer das Gefühl, nicht allein zu sein.
Die Sorfal tätschelte sanft die Wange ihres Gatten. »Hab keine Angst«, flüsterte sie ihm zu, »denn ich fürchte mich auch nicht vor unserer Zukunft. Das Band, das uns verbindet, schenkt uns Kraft. Liebe ist mächtig, Jaren, genauso wie die Magie. Vielleicht hat sogar beides denselben Ursprung, wer weiß.«
Sie erhob sich und zog dabei auch Jaren auf seine Füße.
»Ich muss jetzt gehen«, erklärte sie ihm. »In Moosgrund ist vor Kurzem ein Kind erkrankt. Zwar hat es durch mich das Schlimmste bereits überwunden, aber ich muss sichergehen, dass es ihm an nichts weiter fehlt.«
Ihr Gatte nickte verständnisvoll. »Dann will ich dich nicht weiter aufhalten«, murmelte er, während er der Sorfal dabei zusah, wie sie zum Haus ging und kurze Zeit später mit einer großen Umhängetasche zurückkehrte, in der sie Verbandsmaterialien und Kräuter aufbewahrte.
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| Erscheint lt. Verlag | 8.12.2021 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| ISBN-10 | 3-7557-4453-8 / 3755744538 |
| ISBN-13 | 978-3-7557-4453-5 / 9783755744535 |
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Größe: 942 KB
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