Perry Rhodan Neo 279: Leticrons Fall (eBook)
160 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-5479-8 (ISBN)
1.
Alaska Saedelaere
»Sie glauben uns nicht.«
Leticron sprach die Worte langsam und bedächtig. In ihnen schwangen weder Vorwurf noch Zorn mit. Sie hörten sich eher an, als habe er nie etwas anderes erwartet.
Der Überschwere stand mit auf dem Rücken verschränkten Armen vor dem Panoramabildschirm in der Zentrale der HETRAN-TASKAR. Leticron hatte sein Flaggschiff, eine zweitausend Meter lange Kruuse, noch während der Umrüstung auf Terchetz neu getauft. Aus der TASKAR war die HETRAN-TASKAR geworden, das Nest des Hetran. Der Begriff Hetran stammte aus dem Mehandor, genauer gesagt aus dem Par, einem Dialekt, der vor allem auf dem Planeten Paricza im Punta-Pono-System gesprochen worden war. Dort hatten zur Zeit der Methankriege die meisten der Überschweren gelebt, bevor sie von einer Kriegsflotte des Großen Imperiums ausgelöscht worden waren.
Hetran bedeutete so viel wie Unbesiegbarer und war einst der Titel des Souveräns auf Paricza gewesen. Sein Regierungsrat hatte damals den Namen Hetos getragen und sich aus sieben Hetoren zusammengesetzt.
»Natürlich nicht.« Kyunas wulstige Lippen verzogen sich zu einem bösen Grinsen. Der Lamellenverschluss ihrer rechten Augenhöhle öffnete sich mit leisen Klickgeräuschen. Alaska Saedelaere lief es eiskalt den Rücken herunter, als er den Metalltentakel mit der grün schillernden Kugel am Ende erblickte. Er zuckte wie eine zu lange eingesperrte Schlange aus der kreisförmigen Augenöffnung hervor und richtete sich auf den Bildschirm. »Ihre Arroganz und ihr impertinenter Glaube an die eigene Überlegenheit machen sie blind für die Realität«, sagte die Gon-Mekara, die seit ihrem Unfall auf Arkon II entstellt und auf diverse Körperprothesen angewiesen war. Ihrer oft hämischen Grausamkeit hatte das keinen Abbruch getan – im Gegenteil.
Leticron reagierte nicht auf den Kommentar seiner Goma. Stumm beobachtete er die dreidimensionale taktische Darstellung, die ihm die Positronik der HETRAN-TASKAR auf Basis der einlaufenden Ortungsdaten in einem großen Zusatzholo zeigte.
Die viertausend mit Transformkanonen ausgerüsteten Walzenraumer seiner Flotte waren vor wenigen Minuten in lockerer Formation und ohne jede Tarnung an den Grenzen des Arkonsystems materialisiert und hatten sofort Kurs auf Arkon I genommen. Es hatte nur Sekunden gedauert, bis der erste Funkspruch eingegangen war – keine Warnung, sondern ein direktes Ultimatum und die unmissverständliche Aufforderung, den Anflug augenblicklich abzubrechen. Leticron hatte sie ignoriert.
»Drei Flottenverbände«, meldete Maylpancer von der Konsole des Ortungsoffiziers. »Tausend, zweitausend und viertausend Kampfraumer. Alles Schwere Kreuzer und Schlachtschiffe. Zwei weitere arkonidische Großgeschwader nähern sich aus dem Zentrum des Systems. Die Kernschussweite wird bei gleichbleibender Geschwindigkeit in zwei Minuten erreicht.«
Saedelaere sah nicht auf die Bildschirme und wenigen Hologramme, sondern fixierte Leticrons Gesicht. Die Züge des Anführers der Gon-Mekara wirkten wie in gelben Marmor gemeißelt. Nur die Mundwinkel waren minimal nach oben gezogen; jemand, der nicht darauf achtete, hätte es nicht bemerkt.
Er genießt jede einzelne Sekunde, dachte der Terraner. Das ist der Tag, der Moment, auf den er so lange gewartet, für den er alles aufgegeben hat. Für den er zehntausend Jahre durch die Zeit gereist ist ...
»Die Flanken brechen aus«, sprach Maylpancer weiter. »Sie nehmen uns in die Zange.«
»Sollten wir nicht den Sperrimpuls funken?«, fragte Kyuna. Das schwache Zittern in ihrer Stimme war kein Zeichen von Sorge oder gar Furcht; da war sich Saedelaere sicher. Nein, sie freute sich auf das, was den verhassten Arkoniden bevorstand. Sie fieberte der Vergeltung mit jeder Faser ihres Seins ebenso entgegen wie ihr Kriegsherr und Bettgefährte.
»Noch nicht.« Leticron atmete tief ein und wieder aus. »Ich werde ihnen eine andere Botschaft senden«, fuhr er dann fort. »Unverschlüsselt und über alle gängigen Frequenzen.«
»Geschaltet«, bestätigte Maylpancer. »Du kannst jederzeit sprechen.«
Leticron ließ einige weitere Sekunden verstreichen. In der Außenbeobachtungsdarstellung hatten sich die drei Verbände der imperialen Abwehrflotte vereint und eine offene Kugelschale gebildet. Über Funk forderte ein gewisser Nos Gaimor die Gon-Mekara zum sofortigen Beidrehen auf und drohte im Fall einer Weigerung mit vollständiger und unbarmherziger Zerstörung. Seine auf einem Nebenbildschirm eingeblendete, drei Meter große Gestalt mit dem haarlosen Kugelkopf und den drei Augen wirkte Respekt gebietend.
Für einen Lidschlag legte sich etwas wie ein Schatten auf Leticrons Gesicht. Der Überschwere musste es als persönliche Beleidigung empfinden, dass das Imperium nicht mal einen arkonidischen Kommandeur, sondern lediglich einen Naat geschickt hatte. Die zehntausend Jahre alten Walzenraumer der Gon-Mekara waren den Verantwortlichen des Obersten Flottenkommandos vermutlich kaum mehr als ein gleichgültiges Schulterzucken wert. Sie hatten keine Ahnung, dass sie damit den größten Fehler ihres Lebens begingen.
Saedelaere schluckte; es tat weh, denn sein Mund war staubtrocken. Bei dem Gedanken daran, was sich in wenigen Augenblicken abspielen würde, drehte sich ihm der Magen um, aber er hatte keine Möglichkeit, es zu verhindern. Selbst wenn die Arkoniden in diesem Moment bedingungslos kapitulierten, würde sie das nicht vor dem Zorn des Überschweren bewahren.
»Hier spricht Leticron«, sagte der Anführer der Gon-Mekara so laut, dass der Terraner zusammenzuckte. »Erster Hetran der Milchstraße und neuer Imperator des Großen Imperiums. Ziehen Sie sich zurück, und geben Sie den Weg nach Arkon frei. Dieses System untersteht ab sofort dem Willen und Diktat der Exemplarischen Instanz der Überschweren! In Kürze erfolgen weitere Anweisungen! Widerstand und Ungehorsam werden nicht geduldet und ohne Warnung niedergeschlagen!«
Für einige Atemzüge herrschte gespannte Stille. Dann heulte ein schriller Alarm durch die HETRAN-TASKAR.
Saedelaere verspürte ein unerträgliches Jucken im Gesicht. Es kam und ging ohne erkennbares Muster. Beinahe hätte er seine Maske abgenommen, um sich zu kratzen. Erst im letzten Moment wurde ihm bewusst, dass er dadurch die in der Zentrale anwesenden Gon-Mekara mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tode verurteilt hätte.
Ich werde mich niemals an dieses Ding gewöhnen, dachte er resigniert. Und dennoch werde ich es bis ans Ende meines Lebens tragen müssen ...
»Sie haben ihre Schutzschirme auf Maximalleistung geschaltet«, meldete Maylpancer seelenruhig.
Im gleichen Moment lösten sich im Taktikholo mehrere Tausend Lichtpunkte von der gegnerischen Formation und rasten auf die Walzenraumschiffe der Gon-Mekara zu. Die Arkoniden hatten die Lust am Reden verloren und die erste Salve ihrer Raumtorpedos auf den Weg gebracht.
»Sperrimpuls senden!«, befahl Leticron.
»Sperrimpuls gesendet«, bestätigte Maylpancer sofort. Vermutlich hatte sein Finger schon länger über der entsprechenden Sensortaste seiner Positronikkonsole geschwebt.
»Angriff!« Leticron stieß das Wort hart und entschlossen hervor. Im Vergleich mit der ansonsten eher gedämpften Geräuschkulisse der Zentrale klang es wie eine Explosion.
Alaska Saedelaere schloss für einen Moment die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte sich der Weltraum in ein Meer aus Feuer und Tod verwandelt. Das große Sterben hatte begonnen – und er saß als Zuschauer auf einem Tribünenplatz.
Das All brannte! Die mörderische Glut der detonierenden Torpedos breitete sich rasend schnell aus. Gewaltige Strahlenschauer prasselten gegen die Schirme der Walzenraumer. Die HETRAN-TASKAR schüttelte sich, was in der Zentrale jedoch niemanden zu beunruhigen schien.
Saedelaere wusste, dass die arkonidischen Fernlenkgeschosse wenig mehr als eine harmlose Machtdemonstration gewesen waren, eine Art Vorspiel um des Effekts willen. Ernstlich in Gefahr bringen konnte dieser thermische Beschuss die Gon-Mekara nicht.
Die Salve der imperialen Flotte verpuffte deshalb auch weitgehend wirkungslos. Doch noch bevor die Arkoniden eine zweite – und diesmal nachdrücklichere – Angriffswelle auslösen konnten, schlugen die Überschweren zurück. Binnen Sekunden zerplatzten mehrere Dutzend imperiale Kugelraumer wie Seifenblasen. Die Geschosse, die von den Transformkanonen der Gon-Mekara abgefeuert wurden, durchdrangen aufgrund ihres aluiden Aggregatzustands mühelos jeden bekannten Schutzschirm und erzeugten bei ihrer Zündung eine gravitonische Implosion, in dessen Wirkungsbereich die Schwerkraft kurzzeitig auf Extremwerte anstieg. Ein Treffer dieser Art führte in den allermeisten Fällen zur sofortigen Zerstörung des Zielobjekts.
Saedelaere konnte sich gut vorstellen, wie die Kommandanten an Bord der imperialen Kampfschiffe die Befehle zum Gegenschlag gaben. Dass ihre Angreifer über Transformkanonen verfügten, musste sie zweifellos erschüttern. Allerdings waren auch sie selbst im Besitz dieser schrecklichen, einst von den Posbis entwickelten Waffe, und würden es den Gon-Mekara nun mit gleicher Münze heimzahlen – zumindest glaubten sie das.
Es waren die Mehandor, die über die Baupläne der Transformkanone verfügten und die mächtigen Geschütze bis vor einiger Zeit auf Archetz gefertigt und an die Arkoniden verkauft hatten. Allerdings hatten die Waffenlieferanten dabei Vorkehrungen getroffen. Es war eins der am besten gehüteten Geheimnisse der Galaktischen Händler, dass jede in ein imperiales Raumschiff eingebaute Transformkanone...
| Erscheint lt. Verlag | 26.5.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Perry Rhodan Neo |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-5479-8 / 3845354798 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-5479-8 / 9783845354798 |
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