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Teufelstod (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 2. Auflage
384 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-2763-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Teufelstod - Sabrina Qunaj
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Damian ist auf die Erde zurückgekehrt. Jedoch nicht als Schutzengel, sondern als Mensch. Zunächst ist Emily überglücklich, ihn wiederzuhaben, aber bald merkt sie, dass der Sohn des Teufels sich verändert hat - und außerdem überhaupt nicht mit dem Dasein als Sterblicher zurechtkommt. ...



Sabrina Qunaj wuchs in einer Kleinstadt in der Steiermark auf. Nach der Matura an der Handelsakademie arbeitete sie in einem internationalen College ehe sie das Schreiben zum Beruf machte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Steiermark und hat bereits mehrere erfolgreiche historische Romane veröffentlicht. 

Träume


Das Blut tropfte von seinen Armen und fiel zischend hinab in die Flammen. Er saß auf einer Art Riesenrad, wie man es in Vergnügungsparks fand, nur dass es mit Spaß wenig zu tun hatte. Der untere Teil des Rads verschwand in einem Meer aus Feuer.

Der Sitz schaukelte quietschend in dem sengend heißen Sturm hin und her, als müsse auch noch das Gehör gefoltert werden, um ja keinen einzigen der fünf Sinne auszulassen. Beinahe hatte Damian den höchsten Punkt der Umdrehung erreicht, doch er fürchtete nicht die Gefahr hinabzustürzen. Seine Unterarme waren mit Eisenbolzen durchschlagen und fesselten ihn an die Lehnen, was jede Bewegung unmöglich machte. Um den Hals trug er einen stachelbesetzten Ring, der ihn in aufrechter Position hielt – die Stacheln führten nach innen und bohrten sich tief ins Fleisch, sodass jeder Atemzug eine Qual war. Erst wenn sich das Rad wieder herabsenkte, würde es aber wirklich unangenehm werden. Er wusste es. Er hatte es mehr als einmal erlebt. Alle Passagiere, die unterhalb von ihm saßen, machten diese Erfahrung in ebendiesem Moment, und ihre Schreie übertönten selbst das ohrenbetäubende Tosen und Krachen des Feuers.

Damian kannte den Schmerz, er wurde nicht zum ersten Mal durch die Flammenhölle geschickt, denn schließlich drehte sich das Rad unaufhörlich weiter, auf und ab, rundherum. Doch das Wissen, dass er nicht an den Schmerzen sterben würde, machte alles nur noch schlimmer. So würde er die Ewigkeit verbringen, und das war wohl noch gnädig. Auf diesem Spielplatz der Hölle gab es noch andere Dinge, die sich irgendein kranker Gott noch vor Luzifers Zeiten ausgedacht hatte und die von Damians Vater wohl nur generalüberholt worden waren. Sie alle waren mindestens genauso schlimm wie dieses Feuerrad. Schon als Kind war er hier gewesen – nach dem Tod seiner Mutter, damit ihr himmlischer Einfluss von ihm abgewaschen werde. Er hatte gewusst, was ihn hier erwartete. Die ganze Zeit während seines Falls in die Feuerhölle hatte er es gewusst. Er hatte Emily in die Augen geblickt, und die Angst war zu einer Nebensächlichkeit geworden. Wie sehr er sich getäuscht hatte.

»Hast du genug?«, fragte eine süß säuselnde Stimme neben ihm. »Du musst nur ein Wort sagen, und ich mache alldem ein Ende.«

Damian konnte den Kopf nicht drehen, doch er wusste auch ohne ihr Gesicht zu sehen, dass es seine Schwester war. Jene, die er einst selbst hierher, in den Tartaros, gesandt hatte, um sein Geheimnis vor Emily zu verbergen. Nur mit dem Unterschied, dass sie jetzt mit Emilys Stimme sprach. Eine zusätzliche Strafe. Vermutlich hatte sie auch ihr äußeres Erscheinungsbild verändert, und so hatten die Eisendornen in seinem Hals zumindest etwas Gutes. Da er sie nicht sehen konnte, musste er sich nicht auch noch mit dem Anblick des Menschen quälen, den er verloren hatte. Emily.

»Hau ab«, zischte er mühsam. Seine Kehle blutete, und er widerstand nur schwer dem Würgereiz. Das salzige Blut sammelte sich in seinem Mund, aber er wusste aus Erfahrung, welche Schmerzen es hervorrief, sich in diesem Zustand zu übergeben.

»Flehe um Vergebung«, fuhr seine Schwester mit ihrer Beschwörung fort. Das Rad hatte mittlerweile den höchsten Punkt erreicht. »Er wird dich zurückholen, genauso wie mich. Komm endlich zur Vernunft!«

Damian schwieg. Kein Wort war es wert, noch mehr zu leiden, denn er würde ohnehin nicht nachgeben. Was auch immer der Tartaros aus ihm machen würde, es war besser, als das Ebenbild seines Vaters zu werden. Niemals würde Luzifer erneut Gelegenheit bekommen, ihn auf irgendeine Weise zu formen oder zu beeinflussen. Damian war zwar Luzifers Sohn, doch in ihm floss auch das Blut eines Schutzengels. Die Abstammung des Himmels in ihm war nur schwach ausgeprägt und wurde vom wütenden Tosen der satanischen Herkunft unterdrückt – und trotzdem war sie da. Irgendwo.

»Der Dämon ist in dir, Damian. Kämpfe nicht dagegen an. Wir sind schließlich eine Familie.«

Zwei weitere Verdammte verschwanden im Feuer unter ihm. Es würde nicht mehr lange dauern, und egal wie sehr er nach außen hin seine tapfere Miene aufrechterhielt, in seinem Inneren weinte er bereits vor Angst. Es spielte keine Rolle, dass er göttliches Blut in sich hatte, die Schmerzen waren dieselben. Daran würde er sich nie gewöhnen, egal wie oft er noch mit dem Rad hinabfuhr.

»Wem willst du etwas beweisen, hm? Diesem Mädchen? Sie ist zurück in ihrer Welt und hat dich längst vergessen. Was soll das alles hier? Du könntest niemals in die Dimension der Sterblichen, und wenn du wirklich mit ihr zusammen sein willst, dann bitte Vater darum.«

Die nächste Gondel tauchte ein ins Feuer.

»Akzeptiere dein wahres Ich, und dann hol das Mädchen zu dir. Hier ist der einzige Ort, an dem du sie haben kannst. Ich verstehe zwar nicht, was du an ihr findest, aber wenn du sie unbedingt behalten willst, bitte. Du musst bloß aufhören, so stur zu sein.«

Die Hitze strich über seine Haut. Damian biss die Zähne zusammen und versuchte, die Worte seiner Schwester zu ignorieren. Mit jedem Mal wurden sie verlockender. Mit jeder Umdrehung des Rads klangen sie logischer. Mit jeder Umdrehung verfluchte er sein Herz aufs Neue, das ihm verbot, Emily einfach in die Hölle zu führen, um mit ihr die Ewigkeit an diesem Ort der Dunkelheit zu verbringen. Mit jeder Umdrehung verfluchte er Emily aufs Neue, da sie in ihm so etwas wie ein Gewissen geweckt hatte. Es könnte alles so einfach sein.

»Nun.« Seine Schwester richtete sich neben ihm auf. »Viel Spaß, Damian. Wir sehen uns auf dem Weg nach oben wieder.«

Das Schließen der Augen nützte nichts, das letzte Mal Luftholen ließ nur die Hitze in seine geschundene Kehle. Das Feuer umschloss ihn und schluckte seine Schreie ebenso wie seinen Körper.

***

»Damian!«

Die Flammen wollten nicht weichen, leckten immer noch über seinen Körper, drangen in ihn und verzehrten ihn. Die Grelle vor seinen geschlossenen Lidern stach in seine Augen, sein eigener Schrei drohte ihm den Kopf zerspringen zu lassen. Jemand berührte ihn, packte ihn an den Schultern, doch es fühlte sich an, als brächen seine Knochen unter dem Griff.

»Verdammt, Alter!«

Er kannte diese Stimme, konnte sie jedoch nicht zuordnen. Sie war neu, bedeutete Veränderung. Alles war anders. Sein Atmen, sein Herzschlag. Es tat weh, so weh.

»Hey, jetzt beruhig dich! Du hast geträumt! Schon wieder«, fügte die Stimme hörbar genervt hinzu, und endlich ließ der Schmerz wie eine zurückweichende Welle von ihm ab. Seine Lunge pumpte immer noch verzweifelt um jedes bisschen Sauerstoff und sein Herz raste. Dennoch schaffte er es endlich, die Lider zu öffnen.

Das Licht blendete, rührte aber nicht vom Feuer, sondern von einer Stehlampe neben der Couch. Am Boden lagen ein umgestoßener Holztisch und einige Gläser. Der Fernseher neben dem erkalteten Kamin flackerte grau vor sich hin. Das Gesicht eines jungen Mannes schob sich in sein Blickfeld. Verschlafene und rot geränderte Augen sahen ihn hinter den zerzausten Strähnen eines blonden Schopfes hervor an. Der Griff um seine Schultern löste sich, und allmählich kehrte seine Erinnerung zurück. Damian fiel wieder ein, wo er war und wer sich hier vor ihm befand.

»Will«, brachte er krächzend hervor, als müsse er sich selbst die Antwort geben und beweisen, dass er wirklich zurück war.

Sein Gegenüber atmete auf und strich sich das halblange Haar zurück. »So langsam fängt das an zu nerven«, meinte er und griff hinter sich, um den Couchtisch wieder aufzustellen. »Wieder ein Traum?«

Damian kniff die Augen zusammen und versuchte die Bilder und Gefühle von sich fernzuhalten, sie auszusperren, damit sie niemals wiederkämen. »Oder eine Botschaft«, sagte er mit heiserer Stimme und nahm dankbar das Glas Wasser entgegen, das Will ihm reichte. Er hatte gelernt, dass ihm die Kühle in der Kehle guttat und seinen Körper neu belebte. Seinen menschlichen Körper. »Vielleicht auch Erinnerungen.« Er atmete tief ein. »Ein Traum?«

Zu träumen war eine neue Erfahrung für ihn. Einen Teil seines Selbst in eine andere Ebene gleiten zu lassen, auch wenn das Unterbewusstsein direkt mit dieser Dimension verbunden war, machte ihm eine höllische Angst. Träume bedeuteten nichts Gutes, und er konnte nicht verstehen, wie die Menschen damit leben konnten. Er wusste, dass auch Emily von Träumen geplagt geworden war – von Erinnerungen an ihre verstorbene Freundin. Erst jetzt begriff er wirklich, was sie durchgemacht haben musste, bevor er damit begonnen hatte, sie zu treffen, wenn sie schlief. Diese Momente, in denen er sie zu sich geführt hatte, schienen ihm hunderte Leben entfernt; seine erwachenden Gefühle in einer Wiese aus Gänseblümchen, die all seine Pläne und Absichten über den Haufen geworfen hatten.

»Willst du darüber reden?« Will ließ sich neben ihn auf die Couch fallen und trank selbst etwas Wasser. »Das geht jede Nacht so. Ich finde das echt unheimlich.«

Damian ließ sich zurücksinken und sah sich im Wohnzimmer von Wills Haus um. Es gab keinen anderen Ort, an den er gehen konnte, und niemanden, den er in dieser Dimension kannte. Bis auf Will. Und Emily.

Sein Blick blieb an der gläsernen Außenwand hängen. Draußen war es noch stockdunkel, doch mitten im Winter sagte das nichts aus. Der Morgen mochte näher sein, als er ahnte. Ein paar Stunden musste er wohl noch ausharren, ehe endlich das tröstende Sonnenlicht den Schnee erleuchtete und er die Nacht endgültig überstanden hatte. Bis dahin konnte er sich jedoch Besseres vorstellen,...

Erscheint lt. Verlag 16.11.2021
Reihe/Serie Emily & Damian
Emily & Damian
Emily & Damian
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Engel • Liebe • Schutzengel • Sterblichkeit • Teufel
ISBN-10 3-8412-2763-5 / 3841227635
ISBN-13 978-3-8412-2763-8 / 9783841227638
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