Orelia wurde wegen Spionage verhaftet, doch die Quartaner machen ihr ein Angebot, das nicht nur ihr Leben, sondern die gesamte Galaxis retten könnte. Arran muss eine bittere Trennung verarbeiten und flüchtet sich in die Arme eines anderen Jungen, doch sein Herz gehört nach wie vor seinem Ex. Cormack, der unter falschem Namen an der Akademie ist, dachte, er hätte alle getäuscht - bis sein Geheimnis auffliegt und plötzlich alles auf dem Spiel steht. Und Vesper ist auf dem besten Wege, eine der genialsten Offizierinnen aller Zeiten zu werden, bis sie eine Verschwörung entdeckt, die alles, woran sie je geglaubt hat, infrage stellt.
Kass Morgan studierte Literaturwissenschaft an der Brown University und in Oxford. Derzeit lebt sie als Lektorin und freie Autorin in Brooklyn. Noch vor Erscheinen ihres ersten Buches, 'Die 100', konnte sie bereits die Rechte der Serienverfilmung verkaufen. 'Die 100' schaffte es auf Anhieb auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, und auch mit den Folgebänden der Serie, 'Die 100 - Tag 21', 'Die 100 - Die Heimkehr' und 'Die 100 - Rebellion', knüpfte Kass Morgan an ihren sensationellen Erfolg an.
1
Orelia
Orelia lag rücklings auf der schmalen, harten Pritsche – dem einzigen Möbelstück in der winzigen Zelle. Die Schwerkraft war anders eingestellt als in der restlichen Akademie. Sie war so drückend, dass Orelia kaum den Arm heben konnte, um sich an der Nase zu kratzen, geschweige denn einen Fluchtversuch zu unternehmen. Stehen war unmöglich, und selbst das Sitzen war so mühsam, dass sie es nur ein paar Minuten am Stück schaffte. Sie glaubte zu spüren, wie viel Mühe es ihrem Herzen bereitete, Blut durch ihren schweren, unbeweglichen Körper zu pumpen.
Seit sie am Vortag von den Wachen verhaftet und aus Zafirs Büro geschleift worden war, hatte niemand mehr mit ihr gesprochen. Sie war sich nicht einmal sicher, was genau man ihr vorwarf. Hatte die Quatra-Flotte herausgefunden, dass sie ein Geist war? Oder war sie nur misstrauisch, weil Orelia ihr Wissen über das Wechselspektrum der Geister dazu genutzt hatte, gemeinsam mit ihren Staffelkameraden das Schiff zu zerstören, das zur Akademie unterwegs gewesen war? Wenn Ersteres zutraf, würden Orelias mühevolle Atemzüge ganz sicher ihre letzten sein. Die besten Geheimdienstoffiziere der Flotte würden sie foltern und verhören, vielleicht sogar Zafir persönlich. Orelia erschauderte bei der Vorstellung, dass der Mann, der ihr Herz höher hatte schlagen lassen, möglicherweise teilnahmslos beobachten würde, wie sie sich vor Schmerzen wand.
Sie schloss die Augen und zwang ihre überlastete Lunge zu ein paar tiefen Atemzügen, um gegen die Panik anzukämpfen, die sich wie Giftgas in ihr ausbreitete. Sie hatte sich ihr ganzes Leben auf diesen Einsatz vorbereitet und war trotz der immensen Gefahr erfolgreich gewesen. Sie hatte es geschafft, die Quatra-Flottenakademie zu infiltrieren, ihren streng geheimen Standort zu triangulieren und die entsprechenden Koordinaten an ihre Führungsoffizierin auf Sylvan zu übermitteln. Dank Orelia hatten die Sylvaner endlich den Angriff durchführen können, den sie jahrelang geplant hatten – einen vernichtenden Schlag gegen das Herzstück des quatranischen Militärs, die Quatra-Flottenakademie. Im entscheidenden Moment hatte Orelia jedoch kalte Füße bekommen, weil sie nicht mit ansehen konnte, wie die Sylvaner die ersten echten Freunde umbrachten, die sie je gehabt hatte. Und so hatte sie den herzzerreißenden Entschluss gefasst, die Attacke zu sabotieren. Sie hatte ihren Staffelkameraden erklärt, dass sie die Kommunikationssysteme des sylvanischen Schiffs zerstören konnten, indem sie einen gerichteten Energieimpuls mit verschiedenen Frequenzen darauf abfeuerten. Der Plan war aufgegangen, doch der Erfolg hatte einen verheerenden Preis gehabt: Alle Sylvaner auf dem Schlachtschiff waren umgekommen, und die Quatraner hatten sich argwöhnisch gefragt, woher Orelia so viel über Geistertechnologie wusste.
Die Tür glitt zischend auf, und Orelia zuckte zusammen. Ihr Kopf fühlte sich zu schwer an, um ihn zu bewegen, und so blieb sie angespannt und reglos liegen.
»Hallo, Orelia«, sagte eine vertraute tiefe Stimme. Sie schaffte es, den Kopf gerade so weit zu wenden, dass sie Zafir und Admiralin Haze im Eingang stehen sah.
»Können Sie sich bitte aufsetzen?« Zafir drückte auf seinen Link, und das Gewicht, das Orelia auf der Pritsche fixierte, verschwand. Sie bewegte vorsichtig die Finger und krümmte ein paarmal die Zehen, ehe sie sich auf die Seite rollte und sich in eine sitzende Position hochzustemmen versuchte. Bei ihrer Ankunft in der Akademie war sie so fit gewesen wie noch nie zuvor und hatte seither jeden Tag hart trainiert, um diese ausgezeichnete körperliche Verfassung beizubehalten. Doch während der langen Stunden in der Zelle hatten sich ihre Muskeln so sehr verkrampft, dass selbst dieser kleine Kraftakt eine große Herausforderung war.
Sie warf einen kurzen Blick zu Zafir, der die Zelle betrat und sie mit undurchdringlicher Miene musterte. Noch vor wenigen Tagen wäre es ihr ganz normal vorgekommen, wenn er die Hand ausgestreckt und ihr hochgeholfen hätte. Orelia glaubte noch immer ein Echo der Wärme zu spüren, die seine letzte Berührung in ihrem Körper hinterlassen hatte. Doch jetzt sah Zafir teilnahmslos zu, wie sie sich mühsam aufrappelte und gegen die Wand lehnte.
Orelia wusste nicht, weshalb seine Leidenschaftslosigkeit sie so überraschte. Obwohl sie beide ungefähr gleich alt waren, war Zafir einer der fähigsten Spionageabwehr-Offiziere der Quatra-Flotte. Wie Orelia war auch er dazu ausgebildet worden, unter allen Umständen professionell zu bleiben, selbst wenn er das Mädchen verhörte, das ihn im Ozean-Simulator geküsst hatte. Oder – eine weitere Welle der Furcht spülte über sie hinweg – hatte er etwa ihr Geheimnis von Anfang an gekannt und nur so getan, als fühlte er sich zu ihr hingezogen, um an sie heranzukommen? Hätte er den Blick, mit dem er sie in jener Nacht betrachtet hatte, wirklich vortäuschen können? Und die innige Zärtlichkeit, mit der er ihren Kuss erwidert hatte?
»Was soll das? Wieso bin ich hier? Da muss irgendein Irrtum vorliegen …« Es fiel ihr nicht schwer, verwirrt und verängstigt zu klingen statt schuldbewusst und verängstigt.
»Sie können sich das Getue sparen«, sagte Admiralin Haze. »Nennen Sie uns Ihren Namen.«
»Orelia.«
»Ihren echten Namen.«
»Das ist mein echter Name.« Und das war die Wahrheit. Die Sylvaner hatten es nicht für nötig gehalten, sich einen Decknamen für sie auszudenken. Soweit sie wussten, hatten die Quatraner noch nie einen sogenannten Geist gesehen, und sie verfügten ganz sicher nicht über eine Liste ihrer Geheimagenten.
Admiralin Haze bedachte Orelia mit einem finsteren Blick, dann nickte sie Zafir knapp zu. Die angedeutete Geste jagte Orelia einen unheilvollen Schauer über den Rücken. Wie oft hatte Haze ihren Spionageabwehrexperten und Vernehmungsspezialisten wohl schon angewiesen, einem widerspenstigen Gesprächspartner wichtige Informationen abzutrotzen?
»Woher wussten Sie von dem Wechselspektrum?«, fragte Zafir erstaunlich ungerührt, als befänden sie sich wieder in seinem Klassenzimmer und nicht in einer Hochsicherheitsgefängniszelle.
»Das habe ich Ihnen doch schon gesagt. Das war ein Glückstreffer.«
Admiralin Haze zog eine noch grimmigere Miene und verschränkte die Arme vor der Brust, doch Zafir hob lediglich eine Augenbraue. »Sie verfügen über einen beeindruckend analytischen Verstand, Orelia. Ich bezweifle, dass Sie sich jemals auf reine Vermutungen verlassen.« Er klang eher amüsiert als anklagend, doch das machte die Situation nur noch beängstigender. Es spielte keine Rolle, dass es um ihr Leben ging. Für ihn war das nur ein Spiel. Es ist alles nur ein Spiel.
»Das stimmt«, sagte Orelia. »Wir haben vieles ausprobiert, aber nichts hat funktioniert. Das Wechselspektrum erschien mir zwar wenig wahrscheinlich, aber es war einen Versuch wert.«
»Wir wissen, dass Sie diese verschlüsselte Botschaft mit den Koordinaten abgeschickt haben«, sagte Admiral Haze, ohne Zafirs warnenden Blick zu beachten. Offenbar hatten sie sich auf eine andere Taktik verständigt. »Die Überwachungskameras haben Sie gefilmt, während Sie sich in gesperrten Bereichen herumtrieben. Sie waren für den Angriff verantwortlich. Also spionieren Sie entweder für die Geister, oder …« Sie verstummte und runzelte die Stirn, als wäre die Alternative zu verstörend, um sie in Worte zu fassen.
»Oder Sie sind ein Geist«, fuhr Zafir ruhig fort.
Dank jahrelanger Übung gelang es Orelia, trotz ihres wild pochenden Herzens ruhig zu sprechen und zu atmen. »Ein Geist?«, wiederholte sie so ungläubig wie möglich.
»Das reicht«, blaffte Admiralin Haze. »Wir haben genügend Beweise, um Sie für den Rest Ihres Lebens auf Chetire einzusperren. Wenn Sie es überhaupt bis dorthin schaffen. Die Quatra-Föderation weiß, dass wir eine Spionin erwischt haben, die das gesamte Sonnensystem in Gefahr gebracht hat, und wir sind dazu befugt, mit allen notwendigen Mitteln Informationen aus Ihnen herauszupressen. Wenn Sie sich weigern, die Wahrheit zu sagen, wird Lieutenant Prateek zu weniger angenehmen Methoden greifen müssen.«
Orelia suchte in Zafirs Gesicht verzweifelt nach einem Zeichen von Mitgefühl, irgendeinem Hinweis, dass er alles in seiner Macht Stehende tun würde, um sie zu beschützen. Doch sein Gesichtsausdruck blieb gewohnt undurchschaubar.
Sie war darauf trainiert worden, einem Verhör zu widerstehen. Das war der beängstigendste und zermürbendste Teil ihrer intensiven Vorbereitungen gewesen, aber sie hatte gelernt, ruhig zu bleiben und Schmerzen zu ertragen. Die hier wird nie zusammenbrechen, hatte ihr schroffer Ausbilder zu Generalin Greet gesagt, während Orelia zusammengesunken auf einem Stuhl saß und heftig nach Atem rang, nachdem er ihr eine Weile den Sauerstoff entzogen hatte. Schon bald würde sie herausfinden, ob er recht gehabt hatte.
»Ich glaube nicht, dass das nötig sein wird, Admiralin«, sagte Zafir und sah Orelia an. Statt des sadistischen Funkelns, das sie in den Augen eines Verhörexperten erwartete, lag in seinem Blick eher Staunen. »Sie ist bestimmt ein Geist.«
»Das ist lächerlich«, erwiderte Orelia rasch. Diese Tatsache würde sie unter gar keinen Umständen zugeben. Es war immer noch besser, eines schrecklichen und gewaltsamen Todes zu sterben, als ihr gesamtes Volk zu gefährden.
Zafirs Miene verhärtete sich. Er griff in seine Jacke und holte einen Gegenstand aus Metall hervor, den Orelia nicht identifizieren konnte. »Na gut. Wenn Sie nicht mit uns...
| Erscheint lt. Verlag | 10.8.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Light Years | Light Years |
| Übersetzer | Urban Hofstetter |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Supernova - Light Years Book 2 |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | 2022 • Abenteuer • action • Alien • Die 100 • diezukunft.de • eBooks • Freundschaft • Große Gefühle • Liebe • Neuerscheinung • Romantik • Serien • Space Opera • Weltraumabenteuer |
| ISBN-10 | 3-641-28783-9 / 3641287839 |
| ISBN-13 | 978-3-641-28783-2 / 9783641287832 |
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