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Echos aus dem Abgrund (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021
372 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7543-9350-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Echos aus dem Abgrund - Philipp Riedel
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>Wir leben auf einem friedlichen Eiland des Universums inmitten schwarzer Meere der Unendlichkeit, und es ist uns nicht bestimmt, diese weit zu bereisen.< HP Lovecraft Dennoch geschieht es manchmal, dass der begrenzte Horizont, den wir Realität nennen, mit der großen Dunkelheit in Berührung kommt. Wenn allzu neugierige Augen in den ewigen Abgrund schauen, dann kann es sein, dass etwas zurück blickt und antwortet. Mit >Echos aus dem Abgrund< veröffentlicht der Autor der Akranos Trilogie und Initiator des Fantastic Aid Projekts seine erste eigene Kurzgeschichtensammlung. Klassische Geistergeschichten, rasante Horroraction, nebulöse Traumvisionen und kosmisches Grauen schreiten hier Hand in Hand auf das Große Dunkel zu, das uns früher oder später alle verschlingen wird. Was geschieht, wenn sich uns neue Sinne und Wahrnehmungen offenbaren? Was schlummert in den Tiefen des Ozeans und flüstert den sensiblen Geistern Worte der Schöpfung ein? Warum liegen Furcht und Wahnsinn so nah beieinander? Und was verbirgt sich hinter der Maske des gelben Königs? Antworten auf diese Fragen mag es in diesem Buch geben.

Philipp Riedel, geboren im Jahr 1982 in Ostwestfalen, hat an der Universität Bielefeld Germanistik und Geschichte studiert, und arbeitet bei einer lokalen Tageszeitung. Nach seiner Romanreihe "Die Chroniken von Akranos" hat er sich dem Genre der Kurzgeschichten gewidmet und das Fantastic Aid Projekt ins Leben gerufen, welches jungen Nachwuchsautoren die Möglichkeit bietet, ihre Geschichten zu veröffentlichen und etwas für einen guten Zweck zu tun, da sämtliche Erlöse des Projekts der Deutschen Kinderkrebshilfe zugute kommen. Im Rahmen dieses Projekts sind bisher die Sammlungen "Jenseits der Sterne", "Lichtlose Tiefen" und "Im Schatten des Meisters" erschienen, weitere Projekte sind in Planung. Neben der Literatur ist Philipp Riedel leidenschaftlicher Rollenspieler, was sicherlich auch die ein oder andere Geschichte inspiriert haben mag.

Sternenstaub


Push! Push! Push! Push!
I want to see you push
The hunter has become the prey
The master's turned into a slave

Fleshgod Apocalypse „Sugar“

Man glaube nur nicht, der Mensch sei der älteste oder letzte Herrscher der Welt, oder gewöhnliches Leben und Substanz würden allein existieren. Die ALTEN waren, die ALTEN sind, und die ALTEN werden sein. Nicht in den Räumen, die wir kennen, sondern zwischen ihnen, gehen sie gelassen und unbeirrt umher. Ohne Dimension, und für unsere Augen unsichtbar.

Howard Phillips Lovecraft

1

Schon von draußen konnte Sam das hämmernde Schlagzeug und den dröhnenden Bass hören. Die Vorband hatte also schon angefangen. Verdammt! Hätte er doch bloß früher den Hintern hoch gekriegt.

Aber die letzte Nacht war hart und der Stoff, den Jonathan angeschleppt hatte, war irgendwie gepanscht gewesen. So einen üblen Brummschädel hatte er noch nie gehabt, wenn er gedrückt hatte. Dabei hätten die Entzugserscheinungen noch in weiter Ferne liegen müssen.

Aber das war halb so wild. Er hatte genug Kohle dabei und er wusste, dass Charlie auch da sein würde. Dort konnte er sich mit neuem Stoff eindecken und dann würde die Post abgehen. Charlie verkaufte nur Qualität, keine gepanschte Scheiße, die Kopfschmerzen verursachte und so wenig Wirkung zeigte wie das Schnupfen von Kräutertee.

Tief in seinem Inneren wusste er, dass er sich auf Dauer mit diesem Zeugs kaputt machte, aber im Moment war ihm das egal. Er hatte ohnehin nicht vor, als Tattergreis zu enden. Das Leben war eine einzige Plackerei und am Ende landete man mit Altersarmut in irgendeinem heruntergekommenem Pflegeheim und durfte seinen Lebensabend dort verbringen. Abgestellt, ausgemustert, würdelos und bedeutungslos. Nein danke, da trat er lieber früher ab, aber mit Vollgas und mit einem großen Knall.

Während er sich, zusammen mit Hunderten anderer finster gekleideter Gestalten dem Eingang der Konzerthalle näherte – ein altes Fabrikgelände, dass vor Jahren stillgelegt und dann umgebaut worden war – warf er einen Blick auf eines der vielen Plakate, die das heutige Event ankündigten.

Heute Abend spielten „Dying Misery“, Newcomer und Senkrechtstarter der Black Metal Szene, die sich auf die Ursprünge der Bewegung besonnen hatten und klaren, harten, rohen Sound spielten. Nicht diese glatt geleckte Hochglanzvariante mit Orchester, Chor und dem ganzen Brimborium. Nur solider, knallharter Black Metal, der einem die Gehirnwindungen ordentlich durchfegte und noch eine richtige Botschaft hatte.

Die Hauptband selber spielte zum Glück noch nicht, aber die Vorband klang auch schon vielversprechend. Leider konnte er den Schriftzug auf dem Tourplakat nicht entziffern, was bei Black Metal Bands aber nicht ungewöhnlich war. Im Gegenteil, es gehörte sogar zum guten Ton. Er würde irgendwen in der Halle fragen müssen, denn wie so oft hatte er hier mit seinem Mobiltelefon weder Empfang noch Internetzugang. Sam hatte mal gehört, dass sich die Deutschen drüben auf dem Kontinent ständig über ihre löchrige Netzabdeckung aufregten. Scheinbar waren die wenigsten von ihnen in den letzten Jahren mal in seiner Heimatstadt gewesen. Ein schnelles Netz war hier so selten wie Schnee in der Wüste. Schlimmer konnte es bei den Krauts auch nicht sein.

Nur sehr langsam bewegte sich die Schlange vorwärts und Sam freundete sich von Minute zu Minute mehr damit an, die Vorband wohl vollständig zu verpassen. Er streckte den Hals, um zu erspähen, weswegen es so träge voran ging. Oftmals lag es daran, dass der Veranstalter an der Security gespart hatte, und für die Kontrolle der Besucher gerade einmal zwei schlecht gelaunte und schlecht bezahlte Muskelprotze am Eingang standen, die sich einen Spaß daraus machten, wegen jeder Kleinigkeit Stress zu schieben.

Sam seufzte, zog sein Handy aus der Tasche und prüfte seine Nachrichten. Abgesehen von Charlies Frage, ob und wenn ja, wann er denn beim Konzert aufschlagen würde, war nichts Gehaltvolles dabei. Das meiste war irgendwelcher belangloser Unsinn in den diversen WhatsApp Gruppen, in denen er mehr oder weniger freiwillig Mitglied war. Er antwortete Charlie, dass er vermutlich zur Hauptband in der Halle sein werde, und steckte das Handy wieder weg, nachdem Charlie ihm geantwortet hatte. Treffpunkt Theke neben der Garderobe. Er war überrascht, dass die Nachrichten so schnell angekommen waren. Wahrscheinlich ein verirrtes Funksignal.

Wieder rückte die Schlange einige Schritte vor. Ein Ende war abzusehen, und jetzt konnte Sam auch erkennen, wieso die ganze Prozedur so lange dauerte. Irgendein Freak in voller Montur hatte es mit den Killernieten an seinen Armbändern definitiv übertrieben und machte jetzt am Eingang einen Aufstand, schwadronierte was von Unterdrückung und ähnlichem Unsinn. Dabei sagte einem doch der gesunde Menschenverstand, dass 10cm lange Stacheln an den Handgelenken bei Konzerten nicht geduldet waren. So ein Vollidiot...

Endlich war Sam an der Reihe. Der mürrisch dreinblickende Kerl von der Security grapschte grob, aber ziemlich sinnbefreit an ihm herum, gab dann ein zustimmendes Grunzen von sich und schob ihn zwischen den Absperrungen hindurch in den Vorraum der Halle.

Sofort wummerten ihm Bass und Schlagzeug mit verstärkter Wucht entgegen. Gitarren kreischten auf und durch die offenen Türen zur Haupthalle konnte er das Geifern des Sängers hören. Das Ganze klang sehr verdächtig nach dem skandinavischen Sound der frühen 90er Jahre. Darkthrone, Mayhem oder Burzum, noch aus der Zeit bevor diese Bekloppten Kirchen abgefackelt und sich gegenseitig umgebracht haben. So geil die Musik aus dieser Ära auch war, so verrückt waren einige ihrer Protagonisten gewesen. Aber dass dieser Sound ein großes Erbe hinterlassen hatte, war unbestreitbar.

Sam machte sich zielsicher auf den Weg zur Garderobe und hielt auf die daneben platzierte und von schwarz gewandeten Gestalten belagerte Theke zu. Eine atemberaubend hübsche Frau in einem eng anliegenden, schwarzen Kleid aus Samt und Seide ging dicht an ihm vorbei in Richtung der großen Halle. Sie hatte langes, schwarzes Haar mit weißen Strähnen, war blass geschminkt und lächelte ihm vielsagend zu, als sie seinen bewundernden Blick bemerkte, der wie magisch über ihre Hüften, ihren flachen Bauch und ihr atemberaubendes Dekolleté wanderte.

In vollem Bewusstsein, sich wie ein Trottel aufzuführen, drehte er sich im Gehen zu ihr um und ging einige Schritte rückwärts, um ihre Kurven nun aus einer anderen Perspektive zu bewundern. Was für ein toller...

„Hey, pass auf wo du hintrampelst, Casanova!“, sagte eine raue Stimme hinter ihm. Sam schrak zusammen, drehte sich wieder herum und blickte in das Gesicht eines Giganten, der direkt aus der Serie „Vikings“ hätte entsprungen sein können. Zwei Meter groß, breitschultrig, lange rotblonde Haare und ein Vollbart, der den Weihnachtsmann neidisch gemacht hätte.

„Sorry, Mann!“, sagte Sam und lächelte schief. „Aber da musste ich nochmal genauer hinschauen, so etwas sieht man nicht alle Tage.“ Der Riese grinste und entblößte strahlend weiße Zähne.

„Ha, das stimmt wohl!“, brummte er vergnügt. „Aber ich hatte was dagegen, dass du mein Bier verschüttest.“ Er hob den Plastikbecher in seiner Linken. „Das Zeug ist zu teuer, um es wegen eines geilen Hinterns weg zu kippen.“ Der Kerl klopfte ihm mit einer Hand von der Größe einer Bärenpranke auf die Schulter. „Hau rein, Mann. Schönen Abend und lauf nirgendwo gegen.“ Er grinste nochmal, prostete Sam zu und ging weiter.

Das mochte er so an der Metal Szene. Die Leute waren fast immer total entspannt und friedlich. Es verging eigentlich kein Konzert, bei dem er keinen netten Plausch mit irgendeinem Wildfremden führte. Er sah dem Riesen nach, der nun durch die Tür zur Halle verschwand. Von der wandelnden Göttin in dem schwarzen Kleid war jedoch keine Spur mehr zu entdecken. Bedauerlich.

Nach kurzem Zögern wandte sich Sam wieder zur Theke und es dauerte nicht lange, bis er Charlie erblickte, der mit einem Bier in der Hand etwas abseits stand und sich mit einem überaus seltsamen Kerl unterhielt.

Die Gestalt war fast so groß wie der Wikinger, aber dafür so dürr wie ein junger Baum. Seine Kleidung fiel selbst hier zwischen all den Goths und Black Metallern auf, denn er trug ein wallendes Gewand aus schillernder schwarzroter Seide und dazu eine kunstvolle goldene Maske, die Augen und Nase bedeckte und nur den Mund frei ließ, und einer dieser kitschigen Voodoomasken aus schlechten B-Movies ähnlich sah. Die Haut des Mannes war nachtschwarz und seine Bewegungen wirkten nur auf den ersten Blick behäbig und träge. Sam betrachtete ihn einige Augenblicke und mit jeder Sekunde wuchs das Gefühl, hier einen Künstler vor sich zu haben. Jede seiner Gesten strahlte Eleganz und Autorität aus. Vielleicht war er ja wirklich ein Voodoopriester, dachte Sam belustigt.

Trotz seiner auffälligen Garderobe nahm kaum jemand Kenntnis von dem Mann. Ab und zu traf ihn zwar ein flüchtiger Blick, aber die...

Erscheint lt. Verlag 23.9.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Fantasy • Grusel • Horror • Lovecraft • Spannung
ISBN-10 3-7543-9350-2 / 3754393502
ISBN-13 978-3-7543-9350-5 / 9783754393505
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