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Eichenbetts Ungemach -  Richard Weidenbach

Eichenbetts Ungemach (eBook)

Kriminalroman
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
552 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7543-8669-9 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
10,99 inkl. MwSt
(CHF 10,70)
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Der Streifenpolizist Heinrich Eichenbett ist der normale Teil der ansonsten bemerkenswert exzentrischen Familie Professor Dr. Dr. Eichenbett. Aufgrund eines Missverständnisses wird er zu seinem Entsetzen für sechs Monate als Verbindungsbeamter deutschsprachiger Touristen an der Adria, im Ferienort Lignano eingesetzt. Neben der Lösung vieler interkultureller Missverständnisse, findet sich Heinrich Eichenbett inmitten einer mysteriösen Umfallserie innerhalb von Lignano wieder. Der Kriminalroman lässt die Leser hinter die Kulissen eines typischen Ferienorts des beliebten "Adriagrills" blicken. Er vermittelt überraschende Einblicke in die historisch gewachsenen Strukturen und Hierarchien sowie Konflikte des von wenigen Einheimischen ganzjährig bewohnten, völlig auf die Tourismusindustrie ausgerichteten Ortes.

Der Autor lebt in der Nähe von München. Er selbst ist in zwei unterschiedlichen Kulturen groß geworden: seine Mutter war eine promovierte Rechtsanwältin aus Italien; sein Vater Professor der Medizin in Deutschland. Der Autor lebte als kleines Kind sowohl in Deutschland wie auch in Italien mit dem Ergebnis, dass er sich keiner der beiden Kulturen so richtig zugehörig fühlt. Seit mehreren Jahrzehnten frequentiert der Autor den Ort der Handlung und hat dort durch viele tiefe Freundschaften zu den Bewohnern profunde Kenntnisse bekommen. Das Buch gibt daher reale Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen und Mechanismen der quasi in den Fünfzigern zusammengewürfelten Gesellschaft, transportiert Informationen über die Funktionsweise sowie Eigenarten eines komplett auf Tourismus ausgerichteter Ortes. Selbstverständlich wird auch die Entstehungsgeschichte inklusive deren "Schrullitäten" in dem Buch eingebettet sowie "Geheimtipps" weitergegeben - wenn es dies noch in so einem stark frequentierten Ort noch gibt.

Heinrich Eichenbetts Kindheit


Schon in der Schule war Heinrich Eichenbett unglaublich schlecht und nur mäßig beliebt gewesen.

Gut – er kam auch mit kaum vorhandenen deutschen Sprachkenntnissen in die Volksschule. Er hatte jedoch einen urdeutschen Vor- und Nachnamen und lebte in einer wirklich guten Wohngegend in einer ziemlich reichen Großstadt in Süddeutschland.

Beide Eltern waren promoviert und anfangs stolz auf ihren erstgeborenen Sohn – Heinrich Eichenbett. Beste Voraussetzungen also.

Nur war es so, dass die Ehe von Heinrich Eichenbetts Eltern von Anfang an auf einem groß angelegten Missverständnis beruhte. Beide waren mit einer großen körperlichen Attraktivität und Ausstrahlung gesegnet, beide waren mit großen Erwartungen an den jeweils anderen ausgestattet, beide waren intellektuell und beide hatten auch eine große Zukunft vor sich.

Beide besaßen allerdings ebenfalls eine bemerkenswert schlechte Menschenkenntnis und fast überhaupt keine Veranlagung zur Selbstreflexion. Stattdessen aber einen unbändigen Ehrgeiz, gepaart mit nur sehr mäßigen emphatischen Fähigkeiten.

Heinrich Eichenbetts Geburt war problemlos verlaufen, sie blieb allerdings das einzige Problemlose in seinem Leben – vor allem, wenn es um die Beziehung zu seiner Familie ging.

Dem Standesbewusstsein des Paares entsprechend zogen Heinrich Eichenbetts Eltern nach dieser ersten und ungeplanten Schwangerschaft sowie der darauf folgenden Geburt in eine – winzige – Wohnung in den Nobelvorort dieser reichen Großstadt im Süden. Winzig war die Behausung deshalb, weil Heinrich Eichenbetts frischgebackener Vater sein Faible für Porsche-Sportwagen nicht aufgeben konnte. Trotzdem fühlte sich der ebenso frischgebackene Ehemann, damals noch Dr. Lothar Eichenbett, in diesem Nobelvorort sofort wie unter seinesgleichen und damit sehr wohl.

Leider galt das nicht für seine Gattin, Federica Eichenbett, geborene Di Cassino. Mangelnde Sprachkenntnisse und ein zwanghaft mondäner Auftritt sorgten für geradezu sofortige Ablehnung bei der rural geprägten Dienstbevölkerung der Reichen und Schönen des Nobelvororts.

Und diese Dienstbevölkerung war nun einmal der erste Anlaufpunkt der jungen Mutter, um den notwendigen Bedarf an Verbrauchsmaterial für die ebensojunge Familie zu decken.

Das Kind Heinrich Eichenbett entwickelte sich zudem gar nicht gut. Es verweigerte die Nahrung, was nicht nur an den mangelnden Kochkenntnissen der immerhin in Biologie promovierten Federica Eichenbett lag. Dafür schlief es unheimlich viel, was die Mutter als einen nur gerechten Ausgleich empfand.

Der Gatte und kaum einmal Teilzeitvater war nie zuhause. Dr. Lothar Eichenbett bastelte offiziell an seiner Karriere als demnächst führender Dermatologe der Stadt. Inoffiziell holte er sich mannigfaltige Bestätigung für seine Attraktivität und Intellektualität bei seinen ihm unterstellten Ärztinnen und – als seine Attraktivität ab- und der Weingenuss zunahm – bei den ohnehin fast wehrlosen Krankenschwestern.

Die Vollzeitmutter und Teilzeitgattin Federica Eichenbett gab sich alle Mühe, den Anforderungen des Alltags gerecht zu werden. Der kleine Heinrich schlief nun fast unentwegt und so hatte sie alle Zeit, um sich auf das zukünftige Leben als Gattin des führenden Dermatologen der Stadt – und wenn man dem stets abwesenden Gatten Dr. Lothar Eichenbett folgen wollte – des Landes und der Welt vorzubereiten. Als promovierte Biologin dachte Federica Eichenbett rein rational. Es wurde eine Prioritätenliste aufgestellt und abgearbeitet. Deutsch wurde anhand der vorhandenen Telefonbücher und Werbewurfsendungen sowie von Radiosendungen gelernt, Kochen anhand von Kochbüchern, die ihr der besorgte Vater der Neumutter und -gattin per Post zugeschickt hatte. Die Hausreinigung indessen ging Federica Eichenbett zwar leicht, aber stets höchst unwillig von der Hand. Um die Erziehung musste Federica Eichenbett sich hingegen nicht kümmern. Diese schien von völlig allein zu funktionieren.

Nach einigen Monaten langweilte sich die promovierte Biologin schrecklich. Die soziale Isolation schien durch die nun vollends verärgerte Dienstbevölkerung undurchdringlich. Das stetige Demonstrieren der neuesten Mode, ihre exotischen Einkaufswünsche – Nudeln, Tomaten, Parmesan, Basilikum, ihr furchtbarer Fahrstil und der in den Augen der Dienstbevölkerung nachlässige Umgang mit Kind Heinrich taten ihre Wirkung.

Die Reichen und Schönen wollten wiederum mit den Parvenus aus der winzigen Wohnung mit dem lachhaft kleinen gebrauchten Porsche ebenfalls nichts zu tun haben.

Auch der Vater Dr. Lothar Eichenbett entzog sich weiterhin und stetig seinen Pflichten – nicht nur als Vater.

Als Heinrich wieder einmal nicht essen wollte, der Ehemann nicht greifbar und ein Besuch bei der Dienstbevölkerung zur Bedarfsdeckung gänzlich enttäuschend verlaufen war, setzte sich Federica Eichenbett, geborene Di Cassino, kurz hin und überlegte unempathisch, aber wie stets zielorientiert.

Kurz darauf waren zwei Denkmodelle entstanden.

Unter dem Eindruck dieser zwei sehr unterschiedlichen Denkmodelle ging die junge Mutter aus der klaustrophobisch kleinen Wohnung des Nobelvororts in den überraschend geräumigen Keller, um dort die Koffer zu holen. Nur für den Fall, dass Federica Eichenbett, geborene Di Cassino, sich innerhalb der nächsten Stunde für Denkmodell eins entscheiden sollte.

Als sie ihre Koffer zwischen zwei Paar brandneuen Skiern, einigen unberührten, aber extrem teuer aussehenden Golfschlägern und sehr sehr vielen neuen – aber der aktuellsten Mode nicht mehr à point folgend – abgelegten Herrenanzügen von Dr. Lothar Eichenbett fast nicht mehr fand, folgte Federica Eichenbett, geborene Di Cassino und schon nicht mehr ganz Ehefrau, dem Denkmodell eins.

Mit dem Nachtzug ging es nachhause zu den Eltern, in das wunderbare schlossartige Haus mit Gärtner, Fahrer und Küchenpersonal.

Erst nach zwei Tagen bemerkte der werdende Star am Dermatologenhimmel Dr. Lothar Eichenbett, dass die winzige Wohnung plötzlich viel größer erschien und etwas fehlte.

Nach einem weiteren Tag der Kontemplation und des stillen Genusses, die Wohnung nur für sich allein zu haben, begann Dr. Lothar Eichenbett in angemessenen Tempo die Suche nach seiner Gattin Federica Eichenbett, geborene Di Cassino und den Beweggründen für ihre ihn überraschende Absenz.

In einem – nicht überraschend – kurz geführten Telefonat bestätigten beide unabhängig voneinander und ohne Vorwürfe, aber auch ohne geringste Zweifel den damals begangenen Fundamentalirrtum. Beide konnten sich das weitere Leben mit dem anderen auf diese Weise überhaupt nicht vorstellen. Und beide waren sehr erleichtert über diese Übereinstimmung.

Und in dem irrigen Glauben, dass der damalige Reichtum der Eltern Di Cassino zweifellos auch für die Tochter Federica Eichenbett, geborene Di Cassino – nun auch mit einem sehr genügsam essenden Kind gesegnet – reichen würde, wurden eher laxe Trennungsvereinbarungen besprochen.

So genoss die immer noch frischgebackene Mutter Federica Eichenbett, geborene Di Cassino, das Leben mit Familie und Gärtner, Fahrer sowie Küchenpersonal, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass ebendieser Lebensstil nicht ganz unbeteiligt daran war, dass sie die zugegebenermaßen nicht niedrigen Ansprüche von Dr. Lothar Eichenbett im zurückliegenden Eheleben nicht überzeugend erfüllen konnte.

Federica Eichenbett, geborene Di Cassino fiel einfach in das unbeschwerte Leben im Kreise ihrer Schwestern ohne jedwede Verpflichtung zurück. Da in ihren Augen ihr absolut unproblematischer Sohn Heinrich nicht erzogen, sondern lediglich administriert werden musste, kümmerte sich fortan das Personal um Heinrich.

Federica Di Cassino lebte das absolut gleiche privilegierte Leben weiter, welches sie geführt hatte, bevor sie schwanger wurde, und neigte dazu, die Existenz ihres Sohnes Heinrich langsam aus ihrer Erinnerung zu verdrängen.

Das Kind hingegen begann sehr mäßig zu essen, und auch nur dann, wenn seine Mutter Federica Di Cassino nicht in der Nähe war, was sowieso zu einem Normalzustand wurde, und sich der kleine Heinrich daher zumindest körperlich normal entwickelte.

Denn der kleine Heinrich fing außerordentlich spät an, extrem wenig zu sprechen und sich noch weniger zu bewegen, dafür beanspruchte er allerdings mindestens 16 Stunden Schlaf pro Tag. Heinrich vergaß völlig, dass er eine Mutter hatte, und lebte sich problemlos in das Dienstpersonalsystem des Hauses ein.

Ein Kind ohne Sprache, das spurlos durch die Räume schlüpfte. Niemand konnte sich überhaupt sicher sein, ob er eine menschliche Form hatte oder nur ein formveränderndes Ektoplasma war.

Irritiert war die gesamte Familie dann doch, dass der kleine Heinrich, wenn er denn etwas länger sprach, was immer noch außerordentlich selten vorkam, nicht etwa Mama oder Papa, Opa oder Oma sagte, sondern – und nur – auf Autofahrten alle noch so exotische Automarken bei Sichtung fehlerfrei aufsagte. Ebenfalls konnte...

Erscheint lt. Verlag 9.8.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-7543-8669-7 / 3754386697
ISBN-13 978-3-7543-8669-9 / 9783754386699
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