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Wagnisse in aller Welt (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
206 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-889-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wagnisse in aller Welt - Egon Erwin Kisch
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Kisch, der rasende Reporter, in seinem Element. Durch Wüsten, nach Arabien und China und wieder zurück nach Europa führen uns 22 kleine Reportagen zum 'Mitlesen'. Null Papier Verlag

Egon Erwin Kisch (eigentlich Egon Kisch; 1885-1948) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Journalist und Reporter. Er gilt als einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Nach dem Titel eines seiner Reportagebände ist er auch als 'der Rasende Reporter' bekannt.

Egon Erwin Kisch (eigentlich Egon Kisch; 1885-1948) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Journalist und Reporter. Er gilt als einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Nach dem Titel eines seiner Reportagebände ist er auch als "der Rasende Reporter" bekannt.

Ritt durch die Wüste und über den Schott
Seine Majestät die Nickmaschine
Die Fahrt der Flößer
Auf der Reeperbahn von Rotterdam
Justiz gegen Eingeborene
Verwundung
Silvesternacht in Marseille
Käsemarkt zu Alkmaar
Chinesenstadt
Das Vermächtnis der Frau Mende
Vatikan in der Sahara
Westfront 1918 – Französische Revolution – Goethe
Der, der das Radio sieht
Die Kasbah von Algier
Protest gegen eine Verurteilung
Wer mag wohl in diesem Schlosse wohnen
Kuriositätenkabinett des Viehhofes
Städtebilder, perspektivisch verkürzt
Die tunesischen Juden von Tunis
Polizeischikanen in Sardinien
Memoiren eines Filmstatisten
Die Polizei und ihre Beute

Ritt durch die Wüste und über den Schott


Stun­den­lang be­geg­net man kei­nem Le­be­we­sen, au­ßer ei­nem sand­far­be­nen, stel­zen­den Vo­gel, der, vor Mensch und Pferd nicht er­schre­ckend, sei­nen Mo­no­log fort­setzt.

Fel­si­ger Bo­den wech­selt mit san­di­gem, man schlägt die Steig­bü­gel nach ara­bi­scher Ma­nier dem Gaul in die Flan­ken, auf dass er ga­lop­pie­re; zwar hat man nichts we­ni­ger als Eile, aber die Luft wird küh­ler, wenn sich das Tem­po er­höht.

Ein Weg ist da, ein deut­li­cher Weg, doch schwer zu sa­gen, wo­durch er sich vom üb­ri­gen Ter­rain un­ter­schei­det. Ist er an­ders als grau­braun, ist er nicht stei­nig, ist er nicht san­dig wie al­les rings­um­her, was man seit Son­nen­auf­gang durch­rit­ten hat und was man durch­rei­ten wird bis zum Son­nen­un­ter­gang? Nein, er ist durch­aus nicht an­ders, es sei denn, dass er im Sand­ge­biet et­was här­ter er­scheint als sei­ne Um­ge­bungs­flä­chen, dass im Fel­sen­ge­biet we­ni­ger Blö­cke auf ihm als ne­ben ihm lie­gen; wo er eine Fur­che über­quert (ein Rinn­sal viel­leicht in der Re­gen­zeit), stützt ein Pal­men­stamm sei­nen Rand, ein ver­san­de­ter, ver­staub­ter, halb ver­stein­ter Pal­men­stamm, wer weiß, wer ihn hier­her­brach­te.

Ge­gen Mit­tag sprengt man eine Sand­dü­ne hin­auf und sieht in der Fer­ne einen klei­nen See. Die Stra­ße durch­schnei­det ihn als Damm, Pal­men ste­hen an sei­nem Ufer und nicht weit von ih­nen das qua­dra­tisch ge­mau­er­te Grab­mal ei­nes Ma­ra­but,1 ei­nes Hei­li­gen aus Mo­ham­meds Nach­kom­men­schaft. Men­schen sin­gen, ist’s auch nur eine gut­tu­ra­le Ele­gie, sie er­frischt, so wie der An­blick des sal­zi­gen Was­sers er­frischt, ob­wohl sich kei­ne noch so klei­ne Bri­se er­hebt, von sei­ner Küh­le et­was ins Ge­sicht zu fä­cheln. Die Sän­ger sit­zen in der Pal­me­rei und ach­ten dar­auf, dass die Bäu­me ihr Was­ser­quan­tum be­kom­men, der Esel trabt im Krei­se, um es aus dem Brun­nen zu pum­pen.

Am Saum der Oase fünf­zehn Häu­ser, der Hain zählt etwa drei­hun­dert Bäu­me. Den güns­tigs­ten Fall vor­aus­ge­setzt, dass je­des Fa­mi­li­enober­haupt Be­sit­zer von Pal­men ist und je­der Baum acht­zig Kilo Dat­teln trägt von je fünf Fran­ken Kauf­wert, so er­gibt das im Durch­schnitt einen Jah­res­ver­dienst von acht­tau­send Fran­ken (etwa tau­send Reichs­mark) pro Fa­mi­lie, wo­von die Steu­er ab­ge­ht, ein Fran­ken fünf­zig pro Baum. Ziem­lich leicht ist die Ar­beit, im­mer­hin muss sie in flam­men­der Glut ge­leis­tet wer­den und ohne Un­ter­bre­chung, die Pal­me bringt (wie das afri­ka­ni­sche Mäd­chen) in ih­ren ers­ten neun Le­bens­jah­ren über­haupt kei­ne Frucht, und der ar­te­si­sche Brun­nen, vom Tug­gur­ter Schlos­ser­meis­ter Obach (aus Straß­burg) her­ge­stellt, kos­tet drei­tau­send Fran­ken.

Ver­zei­hung – aber zu sol­chen Be­rech­nun­gen ver­führt die Oase; lang rei­tet man über Sand und Stein, der kei­nen Ge­dan­ken ein­gibt, und plötz­lich sieht man sich ei­ner deut­li­chen Ver­mö­gensauf­stel­lung ge­gen­über.

Die üb­ri­gens nicht voll­stän­dig ist. Mit Dat­telnüs­sen er­nährt man das Ka­mel, aus Palm­zwei­gen wer­den Kör­be und Mat­ten ge­floch­ten, mit den dür­ren Blät­tern der Kü­chen­herd ge­heizt.

Am Rand des Seeu­fers ras­ten No­ma­den. Über­all, wo Was­ser ist oder eine Sied­lung, schla­gen Bo­he­miens der Wüs­te ihre Wan­der­stä­be in die Erde, einen grö­ße­ren in die Mit­te und zwei klei­ne­re rechts und links da­von, eine zer­fetz­te dunkle De­cke dar­über – fer­tig ist die Lau­be; nicht an­ge­bun­den wird das Maul­tier, es fühlt sich ras­sen­zu­ge­hö­rig, stam­mes­be­wusst, fällt ihm gar nicht ein, in das Dé­sert zu flie­hen, zu de­ser­tie­ren. Das Zelt ist of­fen, drei Frau­en glot­zen, alle mit Tand be­hängt und schmut­zig und in Lum­pen. Mehr als ein Dut­zend Kin­der und ein Mann. Nie­mand bet­telt – das ist das ein­zi­ge, was die Arbi Sa­ha­ra von den eu­ro­päi­schen Zi­geu­nern un­ter­schei­det, äu­ßer­lich wür­de kei­ner auf­fal­len un­ter den wan­dern­den Kes­sel­fli­ckern, Wahr­sa­ge­rin­nen, Pfer­de­händ­lern und Jahr­mark­t­akro­ba­ten in Braun. Auf der einen Sei­te der Wüs­ten­dör­fer woh­nen stän­dig und ab­ge­son­dert die Aus­sät­zi­gen, auf der an­de­ren: un­be­stän­dig und ab­ge­son­dert die mit der Le­pra der Frei­zü­gig­keit Be­haf­te­ten.

Hin­ter dem See: der Schott, eine sil­ber­glän­zend-trü­ge­ri­sche Flä­che. Der Weg, bei­der­sei­tig durch brei­te Grä­ben von ihr ge­schie­den, führt fest­ge­stampft ent­lang, doch ist die auf­re­gen­de Ju­gend­lek­tü­re von Ver­fol­gun­gen da­von­ja­gen­der Wüs­ten­räu­ber über Salz- und Sand­ge­län­de nicht ohne nach­hal­ti­gen Ein­druck ge­blie­ben, und man muss die Ge­fahr ver­kos­ten. Der Hengst scheint gleich­falls sei­nen Karl May ge­le­sen zu ha­ben, er will nicht über den Gra­ben, er bockt, ihm das Zau­ber­wort »Rih« ins Ohr zu flüs­tern oder die Sure des To­des auf­zu­sa­gen wür­de kaum et­was fruch­ten, selbst die wü­tends­ten Fer­sen­hie­be fruch­ten ja nichts, er bockt nur.

Erst die nie­der­klat­schen­de Nil­pferd­peit­sche zwingt ihn zum Sprung. Jetzt saust er mit damp­fen­den Nüs­tern, als be­fürch­te er, die Geis­ter, die da un­ten woh­nen und ihre sil­ber­grau­en Köp­fe em­por­stre­cken, könn­ten ihn an den Fes­seln pa­cken und hin­ab­zie­hen in den schlam­mi­gen Sand, den san­di­gen Schlamm. Oh­ne­hin sin­ken trotz des tol­len Ga­lopps die Pfer­de­hu­fe tief, tief in den Bo­den.

Den zwei­ten Satz über den Stra­ßen­gra­ben, den auf den si­che­ren Weg zu­rück, tut der Gaul wil­lig, es be­darf kei­nes Fer­sen­hiebs und nicht der Nil­pferd­peit­sche, noch wei­ter­hin bebt Un­ru­he un­ter dem Sat­tel, sie legt sich erst, bis das Reich der Flit­ter­ge­spens­ter auch rechts und links ver­schwun­den ist und die ver­trau­te Wüs­te­ne­be­ne wie­der be­ginnt.

Nach ei­ner Stun­de spren­gen von der Wel­le am Ho­ri­zont zwei Rei­ter her­an. Das Pferd des einen ist ein Schim­mel, pracht­voll auf­ge­zäumt, die Steig­bü­gel sind Häu­schen aus ge­trie­be­nem Sil­ber, Tur­ban und Haïk des Rei­ters aus Sei­de und der Bur­nus aus gold­be­stick­tem blau­em Stoff.

Er grüßt und fragt, wo­hin man rei­te. Denn er ist der Kaid der nächs­ten Stadt und be­sorgt, man könn­te ein In­spek­tor der Ver­wal­tung oder ein Steu­er­kon­trol­leur sein. Man ist we­der ein In­spek­tor der Ver­wal­tung noch ein Steu­er­kon­trol­leur, was der Kaid er­leich­tert hört. Er hat beim Mi­li­tär­kom­man­dan­ten zu tun, des­halb der ras­sigs­te Schim­mel­hengst und das fest­lichs­te Zaum­zeug, die Of­fi­zie­re wer­den al­les nei­disch mus­tern, die­weil sein Dai­ra das Ross vor dem Tor am Zü­gel hält. Im Üb­ri­gen wünscht er gute Rei­se, wor­auf man er­wi­dert, ihn (der sich so­wie­so be­rei­chert) möge Gott be­rei­chern, Al­lah jer­ze­kek.

Rast im Ne­ger­dorf. Die Kin­der ha­ben kaum je­mals einen Wei­ßen ge­se­hen, wie es scheint, nur sel­ten ein Pferd. Sie schrei­en ein­an­der ihre Be­mer­kun­gen über den Fremd­ling zu, un­be­küm­mert dar­um, dass man sie ver­ste­hen kön­ne – ver­steht doch nicht ein­mal ein Ara­ber die Spra­che...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Kisch bei Null Papier
Kisch bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Klassiker / Moderne Klassiker
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Amerika • Bericht • Erich Maria Remarque • Ernest Hemingways • Im Westen nichts Neues • In einem anderen Land • Journalismus • Kurt • New York • Reportage • Reporter • USA
ISBN-10 3-96281-889-8 / 3962818898
ISBN-13 978-3-96281-889-0 / 9783962818890
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