Taunuskinder (eBook)
313 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-33855-5 (ISBN)
Osvin Nöller wurde 1958 in Frankfurt am Main geboren und verbrachte seine Jugend im Vordertaunus. Er lebt seit vielen Jahren mit seiner Ehefrau in Bad Homburg. Der ehemalige Banker veröffentlichte 2018 seinen Debütroman, zu dem Monika Melzer Hadji (Taunuszeitung) schrieb: "Osvin Nöller hat mit 'Verfluchtes Taunusblut' einen empfehlens werten Kriminalroman geschrieben, der mit einer guten Handlung und viel Lokalkolorit daherkommt." 'Taunuskinder' ist nach 'Taunusgier' (2019) und 'Taunusschuld' (2020) bereits der dritte Fall der Privatdetektivin Melanie Gramberg. Mehr zu den Büchern und dem Autor erfahren Sie auf der Webseite www.osvinnoeller.de oder der Facebookseite www.facebook. de/osvinnoeller
Osvin Nöller wurde 1958 in Frankfurt am Main geboren und verbrachte seine Jugend im Vordertaunus. Er lebt seit vielen Jahren mit seiner Ehefrau in Bad Homburg. Der ehemalige Banker veröffentlichte 2018 seinen Debütroman, zu dem Monika Melzer Hadji (Taunuszeitung) schrieb: "Osvin Nöller hat mit "Verfluchtes Taunusblut" einen empfehlens werten Kriminalroman geschrieben, der mit einer guten Handlung und viel Lokalkolorit daherkommt." "Taunuskinder" ist nach "Taunusgier" (2019) und "Taunusschuld" (2020) bereits der dritte Fall der Privatdetektivin Melanie Gramberg. Mehr zu den Büchern und dem Autor erfahren Sie auf der Webseite www.osvinnoeller.de oder der Facebookseite www.facebook. de/osvinnoeller
15. Juni
Melanie schnaufte heftig, als sie den Anstieg in der Castillostraße hinter sich gebracht hatte und die Höhestraße erreichte.
Du wirst alt, Mädchen, dachte sie. Normalerweise nahm sie selbst nach zwei Stunden hartem Sportprogramm den Weg vom Jubiläumspark hinauf in die Altstadt von Bad Homburg in schnellem Lauftempo und beschleunigte sogar auf den letzten zweihundert Metern bis zu ihrer Wohnung spürbar. An diesem Freitagmorgen quälte sie sich, obwohl sie gerade erst siebzig Minuten unterwegs war.
Das lag weniger an ihrer Kondition, sondern daran, dass sie erst kurz nach Mitternacht aus Hamburg zurückgekehrt war. Sie war so aufgewühlt gewesen, dass sie ausgesprochen unruhig geschlafen hatte.
Glücklicherweise stand das Wochenende zur Erholung vor der Tür, bevor sie die Detektei am Montag wieder öffnen würde.
Als sie den Hof des Wohnhauses in der Neue Mauerstraße erreichte, in dem sich auch ihr Büro befand, blieb sie stirnrunzelnd stehen.
Im Strandkorb saßen ihr väterlicher Freund Siegfried Graf zu Biebenau und ein ihr unbekannter Mann einträchtig beisammen und schienen sich prächtig zu unterhalten. Sie sprangen wie auf Kommando auf, als sie sich ihnen näherte.
Der Fremde eilte sofort auf Melanie zu. Er war circa einen Meter achtzig groß. Zu einer dunklen Stoffhose trug er ein graues Jackett ohne Krawatte, dazu schwarze Schnürschuhe. Die braunen, kurzgeschnittenen Haare ergänzten den Eindruck, dass es sich um einen Geschäftsmann handeln musste. Melanie schätzte ihn auf Mitte dreißig, demnach war er ungefähr so alt wie sie selbst. Ihn umgab die Dunstwolke eines herben Parfüms.
„Guten Morgen, Frau Gramberg, mein Name ist René Kupperau. Ich weiß inzwischen, dass Ihre Detektei heute noch geschlossen ist, aber Ihr Assistent meinte, ich dürfte ruhig auf Sie warten.“
Melanie sah den Freund verdutzt an. Assistent? Es gelang Siggi immer wieder, sie zu überraschen. Sie schaute auf die Uhr. 9:08. Was wollte er überhaupt um diese Uhrzeit hier?
„Guten Morgen, Mel“, begrüßte Siggi sie mit sonorer Stimme und einem unschuldigen Lächeln. Er fuhr sich durch den Vollbart, der perfekt zum kantigen Gesicht mit der breiten Nase und den wallenden, schlohweißen Haaren passte. Die große, kräftige Gestalt mit einem leichten Bauchansatz verlieh ihm eine natürliche Autorität. „Herrn Kupperaus Anliegen klingt sehr interessant.“
So, so. Der Herr Oberstaatsanwalt a. D. fand es interessant. Dann handelte es sich vermutlich um eine nicht alltägliche Straftat. In solchen Fällen war Siggi stets Feuer und Flamme.
„Okay.“ Sie wandte sich dem Besucher zu. „Kommen Sie bitte mit. Graf zu Biebenau wird Ihnen sehr gerne einen Kaffee kochen und Sie unterhalten, während ich kurz unter die Dusche springe. Bin in zehn Minuten bei Ihnen.“
Melanie schloss die Haustür sowie die im Erdgeschoss befindliche Detektei auf und ließ beide eintreten. Das weiß verputzte Doppelhaus stammte aus den 1950er-Jahren. In der ersten Etage der linken Haushälfte befand sich Melanies Wohnung, darüber der nicht ausgebaute Dachboden. Eine Holztreppe führte in die einzelnen Stockwerke, wobei die Stufen teilweise etwas ausgetreten waren. Auch das Eisengeländer hätte einen neuen Anstrich verdient.
In der rechten Haushälfte befand sich die Gastwirtschaft Zum Silbernen Bein.
Siggi strahlte und raunte ihr im Vorbeigehen zu: „Du wirst es nicht bereuen.“ Selbst die Aufforderung, Kaffee zuzubereiten, schien ihn nicht zu stören.
***
Nach einer Viertelstunde betrat Melanie die Detektei, deren Räume früher eine Wohnung gewesen waren. Schon am Eingang hörte sie das Lachen aus ihrem Büro. Die beiden schienen sich prima zu verstehen. Klangen beinahe wie Freunde. Sie wusste noch nicht, was sie von dem unerwarteten Auftrag halten sollte. Einerseits konnte sie ihn gut gebrauchen, andererseits hatte sie sich auf drei freie Tage gefreut. Sie holte eine Flasche Almdudler aus der Küche und öffnete sie.
Als sie den Arbeitsraum betrat, verstummte die Unterhaltung schlagartig. Die Männer saßen am schwarzen Besprechungstisch mit vier Holzstühlen, der dem Raum zusammen mit dem wuchtigen Schreibtisch ihres Großvaters etwas Nostalgisches verliehen hätte, wären da nicht die weißen Ikea-Regale gewesen.
Vor den beiden standen Kaffeetassen, Siggi hatte sogar Kekse gefunden. Hoffentlich waren sie noch genießbar, schoss es ihr durch den Kopf.
Kupperau sah sie erwartungsvoll an. „Ich kann Ihnen gar nicht genug danken, dass Sie sich doch Zeit für mich nehmen. Bis Montag hätte ich es nicht ausgehalten. Ich bin am Ende.“
Melanie kippte erst einmal das Fenster, um die stickige Luft der vergangenen Tage hinauszulassen, und nahm einen Notizblock aus einer Schreibtischschublade.
Dann setzte sie sich an den Besprechungstisch und schenkte sich die Kräuterlimonade in das Glas ein. „Schießen Sie mal los.“
Der Gast schob einen Briefumschlag zu ihr hin. „Ich werde bedroht. Hier sind Briefe, die zunehmend aggressiver werden.“
Sie öffnete den Umschlag und legte die darin enthaltenen drei Seiten vor sich auf den Tisch.
Kupperau zeigte auf das linke Blatt. „Damit begann es vor rund sechs Monaten.“
Melanie las:
Sie nahm den daneben liegenden Brief.
Schließlich ergriff Melanie das dritte Schreiben.
Melanie sah den Besucher an. „Okay, um welches Bauvorhaben handelt es sich? Was ist die Villa Glücksmann?“
Kupperau wirkte ein wenig enttäuscht. „Haben Sie noch nie von dem seit Langem leerstehenden Villengrundstück in der Unteren Terrassenstraße gehört, das sich im Eigentum des Hochtaunuskreises befand? Ich habe das Anwesen gekauft und plane, dort eine Wohnanlage für mehrere Generationen zu errichten.“
Siggi schaltete sich ein. „Wenn ich mich recht erinnere, befinden sich da zwei Gebäude. Stehen die nicht unter Denkmalschutz? Was haben Sie damit vor?“
Der Besucher wandte sich ihm zu. „Das stimmt. Sie sind gut informiert. Woher kennen Sie das Grundstück so genau?“
Der Freund schien kurz zu überlegen und grinste breit. „Ich habe in dem einen Gebäude früher ab und zu übernachtet“, erklärte er leichthin.
Melanie traute ihren Ohren nicht. Was ritt Siggi denn jetzt?
Kupperau starrte ihn an. „Wie, Sie haben da übernachtet? Das ist doch ein seit Jahren leerstehendes und langsam verfallendes Gemäuer.“
Der Graf schaute ihn schelmisch an. „Ich habe nach meiner Zeit als Staatsanwalt fünfzehn Jahre auf der Straße gelebt. Die Villa ist vor allem im Winter ein beliebter Übernachtungsplatz für Obdachlose.“
Kupperau wirkte nun völlig verwirrt.
„Mein Assistent besitzt bisweilen einen bizarren Humor“, ergriff Melanie schnell das Wort und warf Siggi einen vernichtenden Blick zu. „Mich würde aber auch interessieren, was jemanden an Ihren Bauplänen stören könnte.“
Der Gast schien sich wieder gefangen zu haben. „Wenn ich das wüsste. Ich habe das Anwesen aufgrund seines Zustands günstig erworben und mich verpflichtet, die beiden Gebäude und das Pförtnerhäuschen originalgetreu zu restaurieren. Dafür bekam ich die Erlaubnis, ein weiteres Haus zu errichten, in dem drei Zweizimmerwohnungen geplant sind. Selbstredend wird dieses Gebäude dem Gesamtbild angepasst.“
Siggi trank einen Schluck Kaffee. „Haben Sie einen Verdacht, wer etwas dagegen haben könnte?“
„Nein, absolut nicht. Ich habe bereits die Nachbarn aufgesucht, mich vorgestellt und über meine Pläne berichtet. Ich bin überall freundlich empfangen worden.“ Er zögerte. „Sieht man von einem Herrn Reuter ab, der in der Oberen Terrassenstraße wohnt. Er hat mich übel beschimpft. Ich habe aber gehört, dass er ein hoffnungsloser Querulant sein soll.“ Kupperau blickte Melanie direkt an. „Glauben Sie, dass Sie den Absender finden können?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Werden wir sehen.“ Als sie sein Stirnrunzeln registrierte, lächelte sie. „Es sollte gelingen. Wir brauchen allerdings einen Ansatzpunkt. Wann sind die Briefe eingegangen?“
Kupperau schien mit der Antwort zufrieden zu sein. „Genau das finde ich auffällig. Der erste Wisch kam einen Tag nach einem Verhandlungstermin mit dem Kreisliegenschaftsamt. Der zweite lag am Tag des Notartermins im Briefkasten. Direkt, nachdem der Kaufvertrag beurkundet wurde. Und der letzte traf just einen Tag, nachdem ich den Bauantrag eingereicht habe, ein.“
Das klang vielversprechend, fand sie. „Na also, da haben wir doch den Ansatzpunkt. Der Schreiber scheint über Insiderkenntnisse bei der Kreisverwaltung zu verfügen. Hier könnte man beginnen. Wissen Sie, was dieser Nachbar beruflich macht?“
„Er ist bestimmt über achtzig und vermutlich Rentner“, antwortete der Besucher.
„Waren Sie bei der Polizei?“, erkundigte sich Siggi.
Kupperau nickte. „In der Saalburgstraße. Die können angeblich nichts machen. Die Bedrohung sei nicht konkret genug. Sie gehen von einem Scherz oder einem Spinner aus. Sie kennen den Reuter wohl. Ein Beamter sagte, wenn er der Briefeschreiber wäre, sei das völlig ungefährlich. Ich soll die Botschaften einfach ignorieren. Ich habe auch auf den zeitlichen Zusammenhang zu meinen Terminen hingewiesen. Das seien vermutlich Zufälle, hat der Beamte mir erklärt. Ich habe das Gefühl, es...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2021 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Melanie-Gramberg-Reihe | Melanie-Gramberg-Reihe |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Bad Homburg • Familiendrama • Melanie Gramberg • Pflegekinder • Privatdetektivin • RAF • Regionalkrimi • Rote Armee Fraktion • Taunus • Taunuskrimi |
| ISBN-10 | 3-347-33855-3 / 3347338553 |
| ISBN-13 | 978-3-347-33855-5 / 9783347338555 |
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