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Handymensionen (eBook)

Ich bin Suki
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
344 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-34991-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Handymensionen -  Kännie Meier
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Die sechzehnjährige Halb-Araberin Suki findet ihr Leben an sich in Ordnung, wäre da nicht die emotionsgeladene Scheidung ihrer Eltern. In der Schule ist es auch nicht besser, da Mitschülerinnen, die sich stolz 'Girl's Club' nennen, ihr nur zu gerne das Leben schwer machen. Zudem scheint sie ihr Schwarm und Mitschüler Ryan, Sänger und Gitarrist der Band Jumpers, gar nicht wahrzunehmen. Nur ihre beste Freundin Emilia ist ein Lichtblick. Auf dem Weg zur Schule prallt Suki beinahe mit einem Auto zusammen: Der Fahrer ist mehr auf das Handy als auf das Fahren konzentriert. Im letzten Moment reißt Suki das Lenkrad ihres Rollers zur Seite und stürzt. Obwohl sie Glück im Unglück hat, hat es dieser Sturz in sich: Unter einem parkenden Auto findet sie ein überaus teures Handy. Doch das Ding ist völlig unbrauchbar, denn bis auf ein paar bunte Buttons und eine App zum Chatten bietet es keine weiteren Funktionen an. Also hinterlässt Suki im Chat eine Nachricht, um den Besitzer des Geräts herauszufinden. Als der Girl's Club so richtig bitchy ist, erhält Suki schließlich eine Antwort mit der Einladung, Freundschaft zu schließen. Anfangs zwar äußerst skeptisch, akzeptiert Suki aber und lässt sich auf eine Reise in die Handymensionen ein. #Sketchby #Handymensionen #everybody'sdarlingbitch #mobfie #WeViddy #Mopicloo #froggyface

Kännie Meier arbeitet in der Software-Branche und liebt Bücher, schon von Kindesbeinen an. Da das Leben die schönsten Geschichten schreibt und die lustigsten Anekdoten liefert, lohnt es sich, diese auch mal in Form von Büchern, dem persönlichen Kopfkino, festzuhalten. Und das macht Kännie Meier auch am liebsten in seiner Freizeit: lesen (ja, auch oft genug viel zu viel fernsehen), Kopfkino, schreiben und lachen.

Kännie Meier arbeitet in der Software-Branche und liebt Bücher, schon von Kindesbeinen an. Da das Leben die schönsten Geschichten schreibt und die lustigsten Anekdoten liefert, lohnt es sich, diese auch mal in Form von Büchern, dem persönlichen Kopfkino, festzuhalten. Und das macht Kännie Meier auch am liebsten in seiner Freizeit: lesen (ja, auch oft genug viel zu viel fernsehen), Kopfkino, schreiben und lachen.

Das nutzlose Handy

„Aaaaaaah“, singt der Schmalzsänger des englischen Liedes, erklärt mit leidenschaftlichen Worten die wahre Liebe und durchbricht damit meinen Schlaf. Nicht, dass mir das nicht recht wäre! Denn von Coolfränk zu träumen, der mir die Mathearbeit genau mit diesen Worten leidenschaftlich erläutert – bezogen natürlich nicht auf mich, sondern auf die Genialität der gestellten Aufgaben – ist alles, nur nicht die Liebe des Lebens. Doch nachdem ich mühsam die Augen aufgeschlagen habe, höre ich nicht nur den Sänger die nächste Zeile aus dem Herzen sülzen, sondern auch meine Mutter enthusiastisch dazu mitsingen. Das Lied ist an sich in Ordnung, recht gefühlvoll, aber Hanna könnte zur Unterstützung meiner Seelenharmonie auch mal nur das Radio anstellen. Außerdem ist das Lied schon so alt, wie ich finde. Würde sie wenigstens moderne Balladen in der Endlosschleife laufen lassen, wäre mein Leben in der Hinsicht etwas besser.

Ich setze mich auf, fahre mir mit den Händen über die Augen und durch die verstrubbelten Haare, bevor ich gähnend aufstehe und ins Bad wanke. Vor dem Spiegel angekommen, verklingen soeben die letzten Zeilen des Liedes. Dennoch bleibe ich skeptisch, denn gestern war ich prompt darauf hereingefallen.

„Dam, dam, dam“, höre ich da die ersten Klänge, „Life is strange“, singt der Schmusesänger sanft. Endlosschleife. Ich verdrehe die Augen, stimme aber insgeheim mit ihm überein: Das Leben ist tatsächlich manchmal echt seltsam. Mit einer Bürste kämme ich mir die Haare und betrachte mich im Spiegel. Zwar kenne ich mein Spiegelbild seit der Geburt, aber manchmal ist mir, als blickte mir ein fremder Mensch entgegen. Ich erkenne die Haarfarbe, die Augen und die Nase, aber es gelingt mir nicht, mich selbst zu beschreiben. Außer, dass ich gerne zeichne, fällt mir üblicherweise nicht mehr ein, weshalb ich mich bei Selbstbeschreibungen an äußerliche Merkmale halte. Ich habe die langen, künstlerischen Finger meiner Mutter geerbt, die Haar- und Augenfarbe vom Vater und die langen, glatten Haare von wem auch immer. Meine Nase mag ich nicht so sehr und meine Lippen könnten schöner sein. Oft genug beneide ich Mädchen mit vollen Lippen, doch da ich panisch auf Blut und Spritzen reagiere, würde ich niemals etwas daran machen lassen. Abgesehen davon würde Hanna mich enterben, finge ich mit Schönheitsoperationen an. Meine Mutter ist der festen Überzeugung, jeder noch so geformte Körper ließe sich mit liebevollen Gedanken schönschleimen. Als ich vierzehn war, hatte ich mal zaghaft angedacht, eine Diät zur Reduzierung einer Speckrolle zu beginnen. Da hatte ich die Rechnung aber ohne Hanna gemacht, die mir in tagelangen Monologen vorrechnete, wie viel Energie der Körper allein im Ruhezustand benötigte. Also gab ich jeglichen Gedanken an eine verringerte Nahrungsaufnahme auf. Stattdessen schleppte mich der sport- und gesundheitsbewusste Moaz auf eine tägliche Joggingrunde. Nach gut einem Monat gab ich schließlich vor, nun genau meine Lieblingsfigur erreicht zu haben, um wenigstens sonntags wieder ausschlafen zu dürfen.

Nachdem ich geduscht, mir die Zähne geputzt und mich angezogen habe, gehe ich hinunter. Zu meiner Überraschung finde ich Hanna nicht in der Küche vor, sondern im Wohnzimmer beim Fensterputzen. Bestens gelaunt pfeift sie zur Endlosschleife. Ich betrachte sie einen Moment stirnrunzelnd, wende mich der Stereoanlage zu und drehe unauffällig die Lautstärke etwas herunter. Dann geselle ich mich zu Leon in die Küche.

„Morgen, Leon“, sage ich. Statt den Gruß zu erwidern, schlürft er mir essend entgegen.

„Ist Baba wieder nicht da?“, frage ich ihn und befülle ebenfalls eine Schale mit Müsli und Milch.

„Nö“, antwortet Leon bloß. In dem Moment, in dem ich den ersten, vollen Esslöffel zum Mund führe, nimmt er sein Glas Orangensaft und gießt den Inhalt in meine Schale.

„Was soll das denn?“, schnauze ich ihn an, doch er lacht sich nur schlapp.

„Hört auf zu streiten“, höre ich meine Mutter sagen, die soeben das letzte Wohnzimmerfenster blank gewienert hat und stolz ihr Werk betrachtet.

„Musste er unbedingt in diese Familie reinkarnieren?“, frage ich deutlich genervt. Momentan interessiere ich mich für alles, was nur ansatzweise mystisch ist, darunter auch die Wiedergeburt.

Mit dem Putzeimer in der Hand betritt meine Mutter den Küchenbereich. Tief durchatmend entleert sie das Schmutzwasser in der Spüle.

„Vertragt euch. Du kannst dir neues Frühstück nehmen, Suki“, erwidert sie.

„Hätte ich auch ohne Erlaubnis gemacht“, antworte ich, stehe auf, gieße den Inhalt der Schale in die Spüle und entsorge den Rest aus dem Sieb in den Mülleimer. Normalerweise bin ich nicht so übel gelaunt, aber da meine Eltern seit einiger Zeit häufig streiten, fühle ich mich hier nicht mehr so wohl. Ganz im Gegensatz zu Hanna, die extrem gut gelaunt und dauerputzend durch das Haus rennt, seitdem das Thema Scheidung offen geäußert wurde, als habe sie insgeheim darauf gehofft. Moaz hingegen flüchtet lieber und arbeitet länger. Leon zeigt kaum, ob er traurig oder wütend ist und ich hänge hauptsächlich in meinem Zimmer ab. So ist es bei uns.

„Ich fahre zur Schule“, sage ich, nehme eine Banane aus der Obstschale und mache mich auf, das Haus zu verlassen. Ich hole meine Schultasche, ziehe eine Jeansjacke über den Sommerhoodie und rücke die Kapuze zurecht. Danach schlüpfe ich in die Lieblingssneakers, nehme den Rollerhelm von der Garderobe und trete vor die Tür. Mein schwarzer Motorroller, Berta, wartet schon auf mich. Ich habe den Führerschein seit ein paar Monaten und liebe es, selbst zu fahren. Sogar der Schulweg wird dadurch zum Spaß. Ich besitze einen schwarzen Retrohelm mit kleinem Visier, so einen, der halb offen ist, und genieße es, wenn mir der Fahrtwind über das Gesicht streicht. Nur im Winter benutze ich einen geschlossenen Helm, damit meine Nase nicht abfriert.

Klar, mit dem Sommerhelm lächele ich freiwillig nicht, wer will auch schon zahlreiche Fliegen zwischen den Zähnen kleben haben, trotzdem gibt mir der Roller unheimlich viel. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich auf den Bus angewiesen war oder noch schlimmer Fahrrad fahren musste. Jawohl, Freiheit ist das Zauberwort. Mir macht es nichts aus, dass Berta schon alt ist. Ich habe dieses Herzstück von Moaz geerbt, er hat sie jahrelang hingebungsvoll gepflegt und sie läuft einwandfrei. Ich glaube an das Schicksal: Am Tag meiner bestandenen Führerscheinprüfung klärte ich Baba darüber auf, dass nicht er Berta damals kaufte, sondern sie ihn; aber nur, weil sie an mich vererbt werden wollte, worüber er lachte und mir mit einem Augenzwinkern feierlich den Schlüssel hinhielt. Allerdings fiel es ihm schwerer, sie an mich abzugeben, als gedacht. Denn obwohl ich beherzt nach dem Schlüssel griff, hielt er diesen fest und ich musste kurz mit ihm darum ringen.

Nun sitze ich auf Berta und wir beide fahren zur Schule. Die Sonne scheint so strahlend, mein Herz hüpft und ich gebe Gas. Vor einer engen Kurve in einer Wohngegend kommt mir auf einmal ein Auto entgegen und schneidet die Fahrbahn, weshalb ich soweit wie möglich nach rechts ausschwenke. Obgleich es sehr schnell geht, erhasche ich trotzdem einen Blick auf den Fahrer: Er lenkt mit einer Hand und blickt nach unten auf die andere Hand, als hielte er dort während des Fahrens ein Handy. Das Auto schießt an mir vorbei.

Mir bleibt kaum Zeit, Luft zu holen, als ich auch schon auf ein Auto zuschieße, das unmittelbar nach der Kurve geparkt wurde. Im Reflex bremse ich und reiße den Lenker zur Seite. Nur einen Wimpernschlag später realisiere ich, was passiert ist: Ich habe mich mit Berta hingelegt. Sie liegt röhrend auf der Seite und ich liege mitten auf dem Asphalt. Langsam setze ich mich auf und ziehe den Helm ab. Gedämpfte Motorengeräusche dringen in meine Ohren, die nur wenige Sekunden zuvor aus Schock jegliche Geräusche ausblendeten. Das Vorderrad eines Motorrads hält neben mir. Aufgrund des Sturzes fühle ich mich wie benebelt und starre nur ungläubig darauf.

„Ist dir was passiert?“, höre ich eine Stimme. Auch das noch, denke ich und werfe erst dann einen Blick hoch zum Motorradfahrer. Ich schüttele den Kopf. Ryan steigt vom Motorrad, stellt es ab und zieht den Helm aus. Dann beugt er sich zu mir herunter und hält mir die Hand hin. Einen Augenblick zögere ich, bevor ich sie annehme. Ob er den Unfall brühwarm in der Schule herumerzählen wird?, frage ich mich kurz. Er zieht mich nach oben.

„Hast du dir das Kennzeichen gemerkt?“, will er wissen, geht zu Berta hinüber und schaltet sie aus.

„Nein, ging alles viel zu schnell“, erwidere ich und klopfe mir den Schmutz von der Jeans. Dabei bemerke ich, dass sie durch den Sturz ein Loch...

Erscheint lt. Verlag 10.10.2022
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Kinder- / Jugendbuch Jugendbücher ab 12 Jahre
Schlagworte Freundschaft • Handy • Jugend • Liebe • Mädchen
ISBN-10 3-347-34991-1 / 3347349911
ISBN-13 978-3-347-34991-9 / 9783347349919
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