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In einer Welt, gleich nebenan (eBook)

eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
320 Seiten
Hybrid Verlag
978-3-96741-031-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

In einer Welt, gleich nebenan -  Liliana Wildling
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Kyra führt ein angenehmes Leben, bis ein mysteriöser Meteoritenschauer alles verändert. Die daraus resultierende Naturkatastrophe fegt die Sicherheit der modernen Zivilisation im Handumdrehen weg und das Recht des Stärkeren wird zum einzigen Gesetz. Sie begibt sich auf eine gefährliche Reise. Isoliert und ohne Zukunftsperspektive kämpft sie sich durch die unerbittliche Natur. Das Schicksal führt die junge Frau zu Tim und Christian, deren Lebenswege enger an ihren eigenen geknüpft sind, als sie ahnt.

Angaben zur Person: Liliana Wildling öffnete ihre Augen zum ersten Mal an einem Sonntagmorgen 1979 in Steyr/Oberösterreich. Sie schreibt leidenschaftlich gerne in den Genres Fantasy, Mystery und Sci-Fi (solange sich die Geschichte auf der Erde zuträgt und ohne Aliens auskommt). Dieser Roman ist das zweite Buch, das sie im Hybrid Verlag veröffentlicht. Die Autorin ist zudem mit einer Kurzgeschichte in der Anthologie »Vollkommenheit« und im Sammelband »Märchenhafte Momente« vertreten.

Angaben zur Person: Liliana Wildling öffnete ihre Augen zum ersten Mal an einem Sonntagmorgen 1979 in Steyr/Oberösterreich. Sie schreibt leidenschaftlich gerne in den Genres Fantasy, Mystery und Sci-Fi (solange sich die Geschichte auf der Erde zuträgt und ohne Aliens auskommt). Dieser Roman ist das zweite Buch, das sie im Hybrid Verlag veröffentlicht. Die Autorin ist zudem mit einer Kurzgeschichte in der Anthologie »Vollkommenheit« und im Sammelband »Märchenhafte Momente« vertreten.

 

 

Meteoriten


~ Kyra ~


 

Mein Spiegelbild zeigte mir die Auswirkungen des langen, nassen Winters. Meine blasse Haut ließ mich ungesund aussehen, trotz regelmäßigen Sports an der frischen Luft und ausgewogener Ernährung. Meine schwarzen Locken hingen stumpf und spannungslos herab.

Seufzend zuckte ich die Schultern und ging zur Haustür. Im Briefkasten lag sicher schon die sehnsüchtig erwartete Karte meiner Mutter.

Die massive Holztür schwang mit lautem Knarzen auf. Die goldenen Strahlen der kräftiger werdenden Märzsonne trafen mein Gesicht. An der Türschwelle verharrte ich einen Moment und genoss die angenehme Wärme auf meiner Haut. Der helle Schein hob im Nu meine Laune. Meine verkrampften Schultern senkten sich und die Anspannung, derer ich mir jetzt erst bewusst wurde, fiel von mir ab. Mit geschlossenen Augen setzte ich mich auf die Stufen vor dem Haus und ließ Helligkeit und Wärme auf mich wirken. Geistesabwesend schob ich die Ärmel meines Pullovers hoch. Ich hatte den Frühling so sehr herbeigesehnt, mir an jedem Tag der kalten Jahreszeit gewünscht, ich könnte in einen Winterschlaf fallen wie manche Tiere, und erst wieder aufwachen, wenn das nasse Grau frischem Grün wich. Ein leichter Druck an meinem Arm holte mich aus meinen Gedanken. Mein Kater Max strich mit seiner Nase meine Hände entlang und stupste meinen Unterarm an. Da ich seiner Aufforderung nach Streicheleinheiten nicht sofort nachkam, machte er es sich ungefragt auf meinem Schoß bequem. Ich kraulte das seidenweiche Fell in seinem Nacken und erntete prompt ein lautes, vibrierendes Schnurren.

So hätte ich ewig verweilen können, aber die Neugier siegte. Behutsam nahm ich den Kater von meinem Schoß. Er protestierte und versenkte seine Krallen in meinen Jeans, daher setzte ich den grauen Stubentiger auf der Türschwelle ab, steuerte zielstrebig das Gartentor an und stürmte zum Briefkasten. Die Klappe sprang mir beim Öffnen regelrecht entgegen, so sehr quoll er vor Reklame über. Die vielen Zettel waren fest ineinander verkeilt. Der Postbote musste sie mit Gewalt hineingedrückt haben. Ich ging zurück zur Treppe vor dem Haus und setzte mich auf die Stufen mit dem dicken Packen. Er bestand zum Großteil aus diversen Flyern für Frühjahrsschnäppchen. Zwischen den vielen unnötigen Broschüren fand ich endlich die Karte.

Meine Mutter fertigte ihre Kunstwerke zumeist aus bunten Aquarellfarben an. Sobald sie etwas Besonderes entdeckte und folgerte, ich würde es auch toll finden, griff sie zu Pinsel und Farbe. Das war ihre Art, mich an ihren Reisen teilhaben zu lassen. Auf der Rückseite der Karte war lediglich der Ort vermerkt.

Toskana, in Liebe, deine Mutter.

Die Vorderseite zeigte einen in schwarz-weiß gehaltenen Friedhof. In Erwartung eines Strandbildes oder der Zeichnung eines blühenden Lavendelfeldes machte mich das seltsame Motiv stutzig. Die vereinzelten, farbigen Grabblumen konnten die bedrohliche Ausstrahlung der Kirche im Hintergrund nicht ausgleichen. Wenngleich ich viele Friedhöfe schön und sehenswert fand, flößte mir dieser Unbehagen ein. Das Bild mutete faszinierend und abstoßend zugleich an. Warum unterschied sich diese Karte so sehr von den bisherigen?

Erst auf den zweiten Blick entdeckte ich einen versteckten Hinweis. Meine Mutter hatte die Grabinschriften detailgetreu mit ihrem feinsten Bleistift gezeichnet, jedes Wort deutlich herausgearbeitet. Die Vornamen der Menschen, die dort ruhten, kamen mir nicht bekannt vor, allerdings trug der letzte Stein in der ersten Reihe unseren Familiennamen. Diese gruselige Entdeckung bescherte mir Gänsehaut auf den Armen.

Grübelnd begab ich mich ins Wohnzimmer und pinnte die neue Postkarte an die Holzvertäfelung hinter der Couch. Die Karten hingen mittlerweile überall, denn die anfangs ausgewählte Nische hatte sich rasch als zu klein erwiesen. Die freien Flächen an den Wänden boten kaum genug Platz für die wöchentlich eingehenden Miniaturgemälde. Mein Blick fiel auf den Kalender. Morgen jährte sich der Todestag meines Vaters. Das war Mamas Art, mich daran zu erinnern, ans Grab zu gehen, die Blumen zu erneuern und für ihn zu beten. Sein Tod lag schon ein paar Jahre zurück, doch noch immer fehlte er uns schrecklich. Er war begeisterter Motorradfahrer gewesen und hatte bei einer seiner vielen Ausfahrten eine Kurve zu eng genommen. Der entgegenkommende Laster konnte nicht rechtzeitig bremsen, und …

 

Das schrille Klingeln des Telefons riss mich aus meinen Erinnerungen. Das Display zeigte Susanna, meine beste Freundin.

»Hi, Kyra. Du glaubst ja nicht, wie toll meine Verabredung am Wochenende war. Der Mann ist genial! Nicht einer von den schmierigen Typen, die nichts im Kopf haben und nur ein braves Hausmädchen suchen, das ihnen die Wäsche macht und kocht. Er ist belesen und eloquent und charmant. Ein absoluter Traummann. Das ist jetzt der Richtige, diesmal wird es klappen.«

Den letzten Satz hatte ich schon so oft von ihr gehört, dass ich mich manchmal fragte, ob sie ihre verflossenen Traummänner nach der Trennung sofort vergaß, oder ob sie jeden ›Fehltritt‹, wie sie ihre Exfreunde im Nachhinein immer nannte, einfach verdrängte. »So wie Giovanni?«, hakte ich nach. Ihr letzter Verflossener.

Sie ignorierte meine Worte und versprach feierlich: »Diesmal werde ich nicht Aurora fragen, wie unsere gemeinsame Zukunft aussieht. Ihre letzte Weissagung war ja mal kompletter Mumpitz. Roman ist ganz anders. Der hat’s echt drauf. Ich spüre tief drinnen, dass er mich sehr glücklich machen wird. Dazu brauche ich keine Wahrsagerin.«

Ihre aufgesetzte Zuversicht entlockte mir ein Schmunzeln. Man konnte Susanna mit einem einzigen unbedachten Wort verunsichern. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder irgendwelche Karten oder Orakel um Rat fragte.

Ich sagte mit gespielter Ernsthaftigkeit: »Na, hoffentlich lässt du wirklich die Finger davon. Sonst kommt es noch so weit, dass du morgens die Runen auslegst, die dir sagen, was du anziehen sollst!«

Sie ignorierte diesen Seitenhieb und wechselte das Thema. »Du hast doch bestimmt Lust auf eine Tasse heißen, frisch aufgebrühten Kaffee? Heute ist mein freier Tag und wir haben uns schon lange nicht mehr zum Plaudern getroffen.«

»Wir haben doch eben gequatscht! Oder kommt da etwa noch mehr?«, stieß ich mit einem Lachen hervor.

Die Aussicht auf einen echten Espresso und Susannas bequemes Sofa ließ weitere, stundenlange Ausführungen zum Thema Männer unbedeutend wirken.

»Och, komm schon, ich hab auch Erdbeertorte im Kühlschrank«, säuselte sie mit zuckersüßer Stimme.

»Bin schon unterwegs.« Innerlich jauchzend legte ich auf.

Gedanklich bereits in Susannas Wohnzimmer sitzend machte ich mich schnell zurecht, warf einen letzten Blick auf die Postkarte und schüttelte mich, als könnte ich dadurch das flaue Gefühl im Magen loswerden, das sie in mir hervorrief.

 

Die schwarzhaarige Schönheit riss die Türe auf und grinste von einem Ohr zum anderen. Bei meinem Anblick verschwand die Fröhlichkeit aus ihrem Gesicht.

»Du siehst schrecklich aus. Was ist los?« Sie nahm mich in den Arm und strich mir in kleinen Kreisen über den Rücken.

Ich atmete tief durch. »Der blöde Winter und die Albträume. Außerdem kam heute eine Karte von meiner Mutter.«

Susanna führte mich zu ihrer Couch. Dankbar ließ ich mich in die dicken Kissen sinken.

»Aber du liebst die Karten deiner Mutter. Du hast dir die Wohnung damit tapeziert.« Lachend huschte meine Freundin aus dem Wohnraum, um gleich darauf wieder mit einem Tablett zurückzukehren. Eine dampfende Kanne und zwei Tassen waren darauf angerichtet. Kein Stück passte zum anderen, was Susannas gemütlichem, doch chaotischem Stil entsprach.

Ich nahm mir eine Tasse vom Tablett.

»Sie hat einen Friedhof gemalt. Schwarzweiß und düster. Sie scheint wieder eine ihrer Phasen zu haben.«

Susanna wechselte geschickt das Thema.

»Wir müssen uns unbedingt ›Bad Neighbors‹ ansehen. Heißer Tipp von Anna. Da sollen jede Menge schnuckelige Typen mitspielen.«

Meine Freundin plapperte einfach weiter und ich lauschte eine Weile ihrem Monolog.

Wir lümmelten den ganzen Nachmittag auf der Couch und plauderten über die neuesten Kinofilme, wobei ich – wie üblich – die Zeit komplett vergaß. Zum Schluss gab es ein schnelles Küsschen und eine Umarmung, ehe ich den Heimweg antrat.

 

Zu Hause angekommen, machte ich mich schnell bettfertig und ging ins Schlafzimmer. Plötzlich beschlich mich ein unheimliches Gefühl. Als wäre da jemand im Raum.

Mein Puls beschleunigte sich und die feinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf. Die Stille in meinen vier Wänden löste Beklemmung in mir aus. Das schummrige Licht und die tiefen Schatten erinnerten mich an meine Albträume.

In letzter Zeit kamen sie sehr häufig und fielen äußerst brutal aus. Ein kurzer Gedanke an die vergangene Nacht reichte aus, um mir einen eiskalten Schauer über den Rücken zu jagen. Als stünde der Verfolger von letzter Nacht direkt hinter mir. Ein hastiger Blick in den Flur zerstreute meine Befürchtung gleich wieder. Da war niemand. Natürlich nicht.

 

***

 

Am nächsten Tag erwachte ich ausgeruht und erfrischt. Von meiner abendlichen Beklemmung fehlte jede Spur. Auch die düstere Stimmung wegen der Karte meiner Mutter war verflogen. Mit zusammengekniffenen Augen stieg ich auf dem Pendlerparkplatz aus dem Auto und ärgerte mich, meine Sonnenbrille vergessen zu haben. Trotzdem setzte ich mich in der U-Bahn auf einen sonnigen Platz und schirmte mit der Handfläche blendende Sonnenstrahlen ab. Es war ein herrlicher Tag.

...

Erscheint lt. Verlag 11.4.2020
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Abenteuer • Apokalypse • Kampf • Katastrophe • Koma • Liebe • Liebesroman • Meteorit • Pflanzen • Roman • Schicksal • Science Fiction • Überleben
ISBN-10 3-96741-031-5 / 3967410315
ISBN-13 978-3-96741-031-0 / 9783967410310
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