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Rosa Eulen küsst man nicht (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
228 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-30064-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Rosa Eulen küsst man nicht -  Wolf Lengwenus
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Singende Affen, spielsüchtige Schweine, ein Kater, der Rache geschworen hat und schwule Elefanten im Liebesrausch. Das sind keine Fabelwesen sondern Tiere, denen der Biologe Wolf Lengwenus begegnet ist. Der Autor nimmt uns mit auf seine Reisen durch Wälder und Savannen, lädt uns ein in sein Gartenreich an der Elbe in Südmecklenburg und erzählt von den Abenteuern seiner Kindheit auf dem Land, als die Welt noch grenzenlos und die Natur unverletzlich schien. Humorvoll, informativ und immer mit einem Blick für das Skurrile schildert er Begegnungen mit schrägen Vögeln wie dem Brotrindenrabe, dem Rollschnabelkolibri und einer Dragqueen in New York. Ein autobiografisches Buch über die Liebe zur Natur zum schmökern, schmunzeln und staunen.

Wolf Lengwenus, Diplom-Biologe, geboren 1956 in Kupfermühle bei Flensburg. Studium der Biologie mit den Fächern Zoologie, Fischereiwissenschaft und Botanik in Hamburg. Als TV-Autor realisierte er seit 1984 mehr als 300 Dokumentationen und Magazinbeiträge für den NDR und andere ARD-Anstalten. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit naturwissenschaftlichen Themen und rezensierte von 1991 bis 1999 zahlreiche Publikationen für das Bücherjournal im ERSTEN Programm der ARD und dem NDR-Fernsehen. Von 1988 bis 2017 war er in verschiedenen Positionen für die ARD-Sendereihe "Expeditionen ins Tierreich" tätig. Von 2001 bis 2017 war er außerdem als Redakteur für die NDR-Sendereihe "Länder Menschen Abenteuer" verantwortlich. Heute ist er freier Autor.

Wolf Lengwenus, Diplom-Biologe, geboren 1956 in Kupfermühle bei Flensburg. Studium der Biologie mit den Fächern Zoologie, Fischereiwissenschaft und Botanik in Hamburg. Als TV-Autor realisierte er seit 1984 mehr als 300 Dokumentationen und Magazinbeiträge für den NDR und andere ARD-Anstalten. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit naturwissenschaftlichen Themen und rezensierte von 1991 bis 1999 zahlreiche Publikationen für das Bücherjournal im ERSTEN Programm der ARD und dem NDR-Fernsehen. Von 1988 bis 2017 war er in verschiedenen Positionen für die ARD-Sendereihe "Expeditionen ins Tierreich" tätig. Von 2001 bis 2017 war er außerdem als Redakteur für die NDR-Sendereihe "Länder Menschen Abenteuer" verantwortlich. Heute ist er freier Autor.

In den Wäldern von Maine

Krisen gehören zum Leben. Auch wenn man erfolgreich ist und fast alles geschafft hat, was man sich in jungen Jahren vorgenommen hatte, kommt irgendwann der Tag, an dem man sich fragt, ob das schon alles gewesen ist. Man arbeitet vielleicht sogar in seinem Traumberuf, ist Arzt, Uniprofessor, Grafiker oder Journalist. Eigentlich ist alles in bester Ordnung, man hat eine Eigentumswohnung oder ein Haus, bekommt Anerkennung im Beruf, ist glücklich mit dem Partner. Aber irgendetwas stimmt nicht mehr. Der Grafiker hat das Gefühl sich nicht frei entfalten zu können, weil seine Auftraggeber zu konservativ sind. Der Anästhesist fühlt sich als Hilfsarbeiter und fragt sich, warum er nicht wie sein bester Freund Internist geworden ist und keine eigene Praxis aufgemacht hat. Der Uniprofessor hat soviel mit Lehre und Verwaltung zu tun, dass die Forschung viel zu kurz kommt. Und der Journalist spürt, dass er in einem Korsett eingeschnürt ist, weil Chefredakteur und Herausgeber immer nur auf die Auflage schielen und wichtige Themen nicht mehr richtig angepackt werden. Man traut sich mehr zu, doch weil man auch im kreativsten Beruf ein mehr oder minder großes Rädchen im Getriebe ist, hat sich im täglichen Ablauf Routine eingeschlichen. Man brennt noch, hat aber das Gefühl, dass man das Leben wieder mehr spüren, es neu ordnen muss. Aber wie?

Zur Ruhe kommen und über alles nachdenken, das ist der Wunsch vieler Vierzig- bis Fünfzigjähriger. Um das Leben wieder so richtig spüren zu können, muss man sein Leben entschleunigen und auf die innere Stimme hören.

Das ist schwerer als man denkt, denn sag einmal deinem Partner: „Schatz, ich muss einmal über alles in Ruhe nachdenken. Ich hab´ mir zwei Wochen Urlaub genommen und mir eine Hütte in den Alpen gemietet. Mein Handy nehm´ ich nicht mit, denn ich will in der ganzen Zeit nicht gestört werden.“ Nun, das Ende vom Lied wäre ein handfester Krach. Garantiert käme der Vorwurf, dass dies der Tiefpunkt der Beziehung sei. Es fließen Tränen, es wird mit Gegenständen geworfen, mit Trennung gedroht. Kurzum: Einmal richtig über alles nachzudenken ist verdammt schwierig, denn es braucht Zeit und man muss dafür möglichst allein sein.

Auch dem berühmten Zoologie-Professor und langjährigen Weltrekordhalter im 100 Kilometer-Lauf Bernd Heinrich erging es so. Bei seinen Studenten war er sehr beliebt, denn er hatte nicht nur ein unglaublich großes Wissen, man spürte bei seinen Vorträgen seine Begeisterung für die Natur. Selbst die kleinsten Details wusste er so gut zu präsentieren, dass es nie langweilig in den Vorlesungen wurde. Aber auch Bernd Heinrich geriet ins Getriebe. Da seine Vorlesungen und Seminare immer brechend voll waren, musste er Zusatzangebote machen. Dann trug ihm die University of Vermont als Anerkennung auch noch das Amt des Dekan an. Er war bald so sehr mit Verwaltungsarbeit eingedeckt, dass die Lehrveranstaltungen zum Selbstzweck wurden und er das Gefühl hatte, nur noch irgendetwas zu referieren. So kam es, dass er den Bezug zu dem, über das er redete, mehr und mehr verlor. Seine Vorträge kamen immer weniger aus seinem Herzen, wenn er über das Verhalten der Hummeln, den Vogelzug der nordamerikanischen Kolibris und die Wiederbewaldung Maines nach der Aufgabe Tausender von Farmen im 19. Jahrhundert sprach. Bernd Heinrich spürte bald, dass er sich immer mehr von dem entfernte, was er eigentlich wollte. Er wollte in der Natur sein, Feldforschung betreiben, Zusammenhänge begreifen, indem er jedes Detail in der Natur beobachtete und daraus seine Rückschlüsse zog. Er hatte alles erreicht, was er sich schon als Jugendlicher erträumt hatte. Doch Erfolg kann auch ein Fluch sein, denn es bedeutet, dass die Welt etwas von einem will, etwas, was man auf die Dauer vielleicht gar nicht zu geben bereit ist, weil es einen auslaugt und die Zeit zum Auftanken fehlt. „Ich hörte die Geräusche, aber die Musik hörte ich nicht mehr“, sagte Bernd Heinrich als er am Ende seiner mentalen Kräfte war.

Ich besuchte ihn zweimal in Maine. Er hatte sich mit seiner Frau tief im Wald eine einfache Blockhütte gebaut - ohne Strom- und Wasseranschluss. Das Grundstück, auf dem einst eine Farm stand, war schon vor hundert Jahren von seinen ehemaligen Besitzern verlassen worden. Es liegt im Westen von Maine am Rande des Mount Blue State Parks. Ganz in der Nähe war Bernd Heinrich aufgewachsen. Einen besseren Ort für einen abenteuerlustigen Jungen kann es nicht geben, denn dort sind die Wälder grenzenlos und es gibt keine Zäune, die Kinder einsperren. Bernd Heinrich spürte sofort ein Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit als er sich für zwei Forschungssemester mit seiner Frau in der Hütte einrichtete. Vielleicht hatten sich die beiden schon lange auseinandergelebt, es aber bislang nicht gemerkt. Sie funktionierten, aber durch den ewigen, anstrengenden Trott fehlte die Zeit für gemeinsame Erlebnisse und für notwendige Aussprachen. Beide spürten, dass ihre Liebe durch den Mühlstein des Alltäglichen zerrieben worden war. Sie hatten gehofft, in der Einsamkeit Maines wieder zusammenzufinden, längst verschüttete Gefühle neu zu beleben. Aber sie mussten feststellen, dass sie grundverschieden waren, so sehr sie sich auch viele Jahre geliebt hatten. Sie brauchte auch andere Gesellschaft als nur ihren Mann und fand keine Erfüllung darin, stundenlang das Verhalten der Tiere zu beobachten oder dem Gesang der Vögel zu lauschen. Auch an den romantischen Abenden am Lagerfeuer unter sternenklarem Himmel fand sie irgendwann keinen Gefallen mehr. Eines Tages stand ihr Entschluss fest, sie trennte sich von ihrem Mann und zog in die Zivilisation zurück. So sehr ihn die Trennung auch geschmerzt haben mag, Bernd Heinrich blühte wieder auf und spürte, dass seine verlorene Lebensfreude zurückkehrte. Er war grenzenlos neugierig auf die Welt, die ihn umgab. Stundenlang konnte er Hummeln, Käfer, Ameisen und andere Insekten beobachten, waren sie im Auge der meisten Betrachter auch noch so unscheinbar. Er führte Tagebuch und notierte selbst die kleinste Beobachtung in sein Notizblock. Abends in der Hütte zeichnete er dann detailgenau, was er am Tage gesehen hatte. Über seine Forschungsarbeiten schrieb Bernd Heinrich zahlreiche Bücher, manche erreichten in den USA so hohe Auflagen, dass sich auch ausländische Verlage für seine Werke interessierten. Die deutschen Rechte bekam der List-Verlag. Zwischen 1992 und 2003 erschienen dort sieben Bücher. Das erste hatte den Titel „Die Seele der Raben“, im Original „Ravens in Winter,“ das ich im Bücherjournal im ERSTEN Programm der ARD vorstellen durfte. Vier Jahre später besuchte ich den Autor noch einmal für einen Bericht über die deutsche Ausgabe von „A Year in the Maine Woods“ - „Ein Jahr in den Wäldern von Maine.“

Vor unserer Abreise rief mich Bernd Heinrich in Hamburg an: „Hi Wolf, läuft alles wie geplant, kommt ihr in zwei Wochen?“, fragte er. „Ja, klar“, erwiderte ich „Flüge und Mietwagen sind gebucht und es ist auch wieder Fritz dabei, alles wie vor vier Jahren.“ Wir hatten die ganze Zeit über lose Kontakt gehalten und einige Briefe gewechselt. Weil wir uns mochten, machte uns Bernd ein Angebot: „Ich hab´ den Weg zu meiner Hütte immer noch nicht befestigt, ihr müsst euer Equipment also einen ganzen Kilometer durch den Wald schleppen. Ich kenne euch Fernsehleute mittlerweile, ihr habt doch bestimmt wieder mehrere Zentner Gepäck dabei, die wollt ihr doch nicht wieder zweimal am Tag hin- und hertragen. Es wird vielleicht etwas eng, aber ihr könnt dieses Mal bei mir übernachten.“ Fritz, mein Freund und Kameramann, überschlug sich fast vor Freude als ich ihm von Bernd Heinrichs Vorschlag berichtete. Er liebte das Abenteuer und hatte zwei Jahre lang mit seiner Familie in einer Hütte in Ontario an der kanadischen Ostküste gelebt, einhundert Kilometer entfernt von der nächsten Einkaufsmöglichkeit in Fort Albany. „Ja, Wahnsinn!“, schrie er begeistert ins Telefon. „Endlich kommt mal wieder Leben in die Bude. Ich hab´ schon jahrelang keinen richtig klaren Sternenhimmel mehr gesehen. Selbst bei mir draußen in Stelle nicht, Hamburg mit seinen vielen Lichtern ist einfach zu nah. Ich freue mich wahnsinnig auf die Dreharbeiten.“ Ich informierte Bernd, dass wir sein Angebot annehmen und arbeitete sein Buch zur Vorbereitung noch einmal gründlich durch. An einem Kapitel biss ich mich fest. „WINTER-ÖKOLOGIE“: Bernd Heinrich hatte einige ausgewählte Studenten für ein zweiwöchiges, ganztägiges Blockseminar eingeladen.

Ich zitiere aus seiner Schilderung der Abschlussfeier: Heinrich, Bernd (1996): Ein Jahr in den Wäldern von Maine - Paul List Verlag in der Südwest-Verlag GmbH & Co KG, 225-226. „Mäuse muss man erst auftauen, dann abziehen und ausnehmen, dann waschen, panieren und in Olivenöl in der Kasserolle schmoren. Wollen Sie die wirklich essen? fragte Dave. Ich hatte rund 30 zubereitet. Als...

Erscheint lt. Verlag 28.5.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Sachbuch/Ratgeber Natur / Technik Naturwissenschaft
Technik
Schlagworte Biografie • Biologie • dragqueen • Freaks • Garten • Humor • Landleben • LGBT • Ökologie • Reise • Sex • Tier • Umwelt
ISBN-10 3-347-30064-5 / 3347300645
ISBN-13 978-3-347-30064-4 / 9783347300644
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