UNAUFHALTSAM (eBook)
164 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-08374-5 (ISBN)
Urs Aebersold * 1944 in Oberburg / Kanton Bern / CH 1963 Abitur in Biel/Bienne (CH) 1964 Schauspielschule in Paris und dort erster Kurzspielfilm "S" Studium an der Universität Bern Weitere Kurzspielfilme. "Promenade en Hiver", "Umleitung", "Wir sterben vor" 1967-70 Studium an der HFF München. 1974 Erster Kinospielfilm DIE FABRIKANTEN als Co-Autor, Co-Produzent und Regisseur Diverse "Tatort"-Drehbücher 1986-93 Spielfilmredaktion Bayerischer Rundfunk Ab 1994 wieder freier Autor und Regisseur.
Urs Aebersold * 1944 in Oberburg / Kanton Bern / CH 1963 Abitur in Biel/Bienne (CH) 1964 Schauspielschule in Paris und dort erster Kurzspielfilm "S" Studium an der Universität Bern Weitere Kurzspielfilme. "Promenade en Hiver", "Umleitung", "Wir sterben vor" 1967-70 Studium an der HFF München. 1974 Erster Kinospielfilm DIE FABRIKANTEN als Co-Autor, Co-Produzent und Regisseur Diverse "Tatort"-Drehbücher 1986-93 Spielfilmredaktion Bayerischer Rundfunk Ab 1994 wieder freier Autor und Regisseur.
11
Am Nachmittag betraten Huizman und Melanie das Gebäude der Pathologie und fanden das Vorzimmer leer und eine Frau am Schreibtisch des Chefbüros vor, die sich Notizen in ihrem Laptop machte. Huizman sah sich irritiert um.
"Sind wir hier richtig? Wir wollten zu Dr. Riedl…"
Mit gerunzelter Stirn hob die Frau im breiten Ledersessel den Kopf und blinzelte die Ankömmlinge aus runden, schwarzen Vogelaugen an. Sie war um die fünfzig, klein und dünn und ihr Haar vorzeitig ergraut.
"Dr. Riedl ist vor einem Monat in Rente gegangen… ich bin seine Nachfolgerin, Dr. Ruth Gerlach…"
Sie trug den weißen Arztkittel eng und zugeknöpft, an ihr wirkte er wie eine Uniform.
"… das Schild draußen wurde leider noch nicht ausgetauscht…"
Sie stand auf und kam mit steifen Schritten um den Schreibtisch herum, sie hielt sich sehr gerade.
"Kriminalhauptkommissar Huizman und Kriminalkommissarin Melzer, vermute ich…"
Sie streckte ihnen eine überraschend kräftige Hand entgegen. Das Händeschütteln fiel militärisch knapp aus.
"…und Sie kommen wegen Kevin Seibert…"
Frau Dr. Gerlach sprach es aus, als handelte es sich um einen Patienten von ihr, und ohne eine Erwiderung abzuwarten, trippelte sie wieder hinter ihren Schreibtisch zurück und scrollte noch im Stehen in ihren Notizen herum.
"Hier… da ist er… nehmen Sie doch bitte Platz…"
Sie wollte sich wieder setzen, doch Huizman hielt es für angebracht, seine zweite Wortmeldung abzugeben.
"Frau Dr. Gerlach, wir sind es gewohnt, die Ausführungen der Pathologen am Objekt anzuhören…"
Die Ärztin sah überrascht hoch.
"Wie? Oh ja, gewiß, wenn Sie es so möchten…"
Sie packte ihren Laptop, preßte ihn eng an ihren Körper und öffnete die Tür zu den Arbeitsräumen.
"Bitte folgen Sie mir…"
Melanie und Huizman sahen sich an und verdrehten die Augen.
Frau Dr. Gerlach war zu dem Metalltisch geeilt, auf dem der Leichnam von Kevin Seibert lag, schaltete die Deckenbeleuchtung ein, legte ihren Laptop auf einem Beistelltischchen mit medizinischen Geräten ab und zog behutsam das makellos weiße Laken bis auf die Fußknöchel zurück. Sie bewegte sich flink und gewandt, doch nicht nur ihren Augen, auch ihren leicht gekrümmten Händen haftete etwas Vogelartiges an. Sie wartete, bis die beiden Polizeibeamten herangetreten waren.
"Womit soll ich beginnen? Haben Sie Präferenzen?"
Huizman bemühte sich, ernst zu bleiben, und vermied einen Blickkontakt mit Melanie.
"Fangen Sie einfach an… wir werden Ihnen schon unsere Fragen stellen…"
Die Pathologin vergaß völlig ihren Laptop, preßte ihre Fingerspitzen aneinander und legte los. Sie klang ein wenig wie eine Fremdenführerin.
"Wie Sie sehen, sind an dem Opfer keinerlei äußere Verletzungen sichtbar, weder Hämatome noch Kratzspuren, weder Schnitt- noch Stichwunden durch scharfe Gegenstände oder Blessuren durch Schußwaffengebrauch…"
Nicht ohne leises Schaudern glitten Melanies Augen über den toten, wächsernen Körper, der so wirkte, als sei er aus Knetmasse geformt. Der friedliche Ausdruck kurz nach dem Tod hatte sich verändert, es war, als hätten sich die Mundwinkel nach oben zu einem wissenden, sarkastischen Grinsen verzogen.
"Was uns natürlich am meisten interessiert, ist die Todesursache… bisher war es immer Herzstillstand…"
Frau Dr. Gerlach griff jetzt doch zu ihrem Laptop, platzierte ihn auf einen fahrbaren Ständer und suchte nach ihren Einträgen.
"Stimmt, ja… auch bei Kevin Seibert…"
"Aber wodurch bewirkt?"
"Eben habe ich die Ergebnisse der Blutuntersuchung bekommen… im Labor hatten sie eine unbekannte, organische Substanz gefunden, die ich näher analysieren ließ…"
Sie sah kurz hoch, ein kleines Triumphgefühl blitzte in ihren Vogelaugen auf.
"Hat mich einige Überredungskunst gekostet…"
Rasch blickte sie wieder auf ihren Laptop.
"Sie hat Eigenschaften wie Curare, ist in winzigster Dosis wirksam und wurde bisher noch nirgends nachgewiesen…"
"Soll das heißen, sie ist für den Tod verantwortlich?"
"Mit großer Wahrscheinlichkeit…"
Jetzt war Huizmans Neugier endgültig erwacht.
"Dann lautet die große Preisfrage: Wie wurde diese Substanz verabreicht?"
Wieder diese stille Genugtuung in ihren Vogelaugen.
"Als ich vorhin sagte, der Körper weise keine Verletzungen auf, meinte ich schwere Verletzungen, wie sie konventionelle Waffen verursachen…"
"Sie machen es spannend…"
"…zwischen den Schulterblättern hingegen entdeckte ich eine kleine, relativ frische Wunde von etwa einem Zentimeter Tiefe, die von einer Hohlnadel herrühren könnte…"
"Und was macht Sie so sicher?"
"Der Wundkanal weist eine hohe Konzentration der Substanz auf, die ich untersuchen ließ…"
Blitzschnell streifte sich die Ärztin Gummihandschuhe über, rollte den Leichnam erstaunlich leicht auf die Seite und wies mit dem Zeigefinger auf den mittlerweile deutlich verfärbten Fleck. Huizman und Melanie beugten sich beinahe ehrfürchtig über die Stelle und richteten sich wieder auf. Huizman sah die Pathologin finster an.
"Haben Sie eine Erklärung, warum Dr. Riedl dieses Gift entgangen ist? Die ersten drei Opfer kamen doch vermutlich auf die gleiche Weise ums Leben…"
Die Ärztin brachte den Leichnam wieder in Rückenstellung, warf einen raschen Blick auf ihren Laptop und schüttelte den Kopf.
"Herr Dr. Riedl stieß auf dieselbe Substanz, nur schien sie ihm offenbar nicht weiter wichtig zu sein…"
"Und die Einstiche? Wie konnte er die übersehen?"
"Das Gift läßt sich auch oral verabreichen… in reiner Form ist es weitgehend farb- und geschmacklos…"
Das Schweigen der beiden Kriminalkommissare lastete schwer in dem Raum. Die Pathologin zog die Gummihandschuhe aus und klappte den Laptop zu.
"Ja, und dann gibt es noch diese Verletzung am Beckenkamm…"
Sie wandte sich wieder dem toten Körper zu und zeigte auf einen roten Fleck am Beckenrand, sorgfältig darauf bedacht, das schlaff herabhängende Glied nicht zu berühren. Melanie trat näher an den Seziertisch.
"Diese Wunde gab es bei den anderen Opfern auch, man fand aber keine plausible Erklärung…"
Die Pathologin kniff die Augen zusammen und starrte auf ihren Laptop. Ihre Stimme wurde leiser.
"Wir bewegen uns jetzt auf dem Gebiet von Spekulationen… es ist denkbar, daß an dieser Stelle Flüssigkeit entnommen wurde, die Stammzellen enthält…"
Huizman hob verwundert den Kopf und setzte zum Sprechen an, doch Melanie kam ihm zuvor.
"Soll das heißen, die Opfer wurden umgebracht, um an ihre Stammzellen zu gelangen? Das klingt ja schon fast makaber…"
"Wie gesagt, es ist nur eine Vermutung, doch die Art der Wunde deutet darauf hin…"
Frau Dr. Gerlach bedachte die beiden mit der Andeutung eines Lächelns, und als sie fortfuhr, lag eine gewisse Kühnheit in ihrer Stimme.
"…aber das herausfinden ist nun Ihre Aufgabe…"
Huizman überhörte die kleine Spitze.
"Können Sie sagen, ob der der Täter oder die Täterin Gummihandschuhe trug?"
"Die Spurensicherung geht davon aus… auf der Gürtelschnalle wurde Abrieb festgestellt… die Hose wurde wohl heruntergezogen, um an das Becken heranzukommen…"
Huizman hakte nach.
"Kann man bestimmte Merkmale erkennen oder davon eine Marke ableiten?"
Die Pathologin schüttelte bedauernd den Kopf.
"Das sind Allerweltshandschuhe, wie auch ich sie benütze…"
Melanie trat nochmal an den Leichnam heran und musterte widerwillig Zentimeter für Zentimeter, dann wandte sie sich an die Ärztin.
"Kann es sein, daß diese tödliche Substanz in dem Augenblick, in dem sie wirkt, auf der Hautoberfläche bläulich oszilliert?"
Frau Dr. Gerlach hob langsam den Kopf und streifte Melanie mit einem Blick, in dem diese so etwas wie Abwehr zu erkennen glaubte.
"Ich verstehe nicht, was Sie meinen…"
"Es gibt einen Augenzeugen, der eine Gestalt von dem Opfer weg laufen sah und behauptet, der Tote habe danach noch ein bläuliches Licht ausgestrahlt…"
Die Ärztin hielt dem Augenkontakt mit Melanie stand.
"Sind wir jetzt unter den Spiritisten?"
Melanie ließ sich nicht einschüchtern.
"Ist es zu viel verlangt, wenn wir weitere Untersuchungen erbitten?"
Die Pathologin faltete ihre Hände und sah von Melanie zu Huizman. Ihre Augen wirkten auf einmal viel größer.
"Ich bin auch Wissenschaftlerin, bei mir finden Sie immer ein offenes Ohr…"
Huizman nickte und sah sie nachdenklich an. Er hatte noch nie erlebt, daß ein Mensch in so kurzer Zeit soviel an Statur dazu gewonnen hatte. Er sah Melanie an, die...
| Erscheint lt. Verlag | 25.5.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Endzeit • Mystery • Neuer Mensch |
| ISBN-10 | 3-347-08374-1 / 3347083741 |
| ISBN-13 | 978-3-347-08374-5 / 9783347083745 |
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