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Märchen und Geschichten aus Schonen (Schweden) -

Märchen und Geschichten aus Schonen (Schweden) (eBook)

Klaus-Peter Asmussen (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
164 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7534-7479-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
6,49 inkl. MwSt
(CHF 6,30)
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"Märchen und Geschichten aus Schonen (Schweden)" ist die Übersetzung einer Sammlung von Volkserzählungen, zusammengetragen von Eva Wigström. Sie enthält gut 20 Volksmärchen, eine Reihe von schwankartigen Geschichten und anektotenhafte Kurzerzählungen. Eva Wigström (1832-1901) war eine Pionierin unter den Sammlern schwedischer Folklore. Besonders lagen ihr die Volkserzählungen ihrer Heimat Schonen am Herzen. Bei uns ist sie wenig bekannt, denn ein wesentlicher Teil ihrer Märchensammlung erblickte erst hundert Jahre nach der Entstehung das Licht der Öffentlichkeit, nachdem das Manuskript im Dialektarchiv in Uppsala wiederentdeckt worden war. Obgleich sie keine Unbekannte war, hatte sie Probleme, in Schweden einen Verleger für ihre volkskundlichen Arbeiten zu finden. Die hier vorgelegte Sammlung wurde 1884 in der dialektkundlichen Zeitschrift "Svenska landsmålen" veröffentlicht und erscheint nun vermutlich zum ersten Male in deutscher Sprache.

Jäppa in Norrland2


Kirchspiel Hjärnarp, Bjäre Härad.

Es war einmal ein sehr reicher Mann, der hatte in seinem Haus einen armen Kätnerburschen aufgenommen, damit dieser ihm bei allerhand Dingen helfen sollte. Aber der reiche Mann hatte eine einzige Tochter, und als der Bursche und sie herangewachsen waren, versprachen sie sich gegenseitige Treue und gingen dann zu ihrem Vater um zu fragen, ob sie sich heiraten dürften. Er war darüber nicht wenig verärgert und antwortete höhnisch: „Ja, wenn du bei Jäppa in Norrland zu wissen bekommen kannst, wer der Weiseste und der Reichste auf der ganzen Welt ist, und dann zurückkommst und mir Bescheid davon gibst, dann sollst du meine einzige Tochter haben.“

Jäppa in Norrland war ein großer, grimmiger Riese, der weit fort am Ende der Welt in einem furchtbar großen Berg wohnte, und alle wussten, dass er keine bessere Nahrung kannte als Christenblut, so dass es den sicheren Tod bedeutete, wenn man ihm nahekam. Aber lieber als sein Leben hatte der Bursche die Tochter des reichen Mannes, und deshalb wollte er die Reise wagen.

Als er dann so weit gewandert war, dass er in ein anderes Königreich kam, da merkte er, dass alle Menschen dort so betrübt waren, und als er an den Königshof kam, um ein Nachtquartier zu erbitten, da fand er, dass dort die Traurigkeit am allergrößten war.

„Was ist los hier im Land, dass alle Menschen traurig sind?“ fragte er die Leute des Königs.

„Ach, sollen wir da nicht traurig sein! Die Prinzessin ist blind, und so jung und schön sie auch ist, niemand kann ihre Blindheit heilen. Nur Jäppa in Norrland kennt das Heilmittel.“

„Dann wird sich wohl Rat finden“, sagte der Bursche, und dann ging er am nächsten Morgen weiter. Als er in das nächste Königreich kam, herrschte dort auch Trauer, und am Königshof war die Trauer am allergrößten.

„Was fehlt hier, dass alle traurig sind?“, fragte der Bursche wieder.

„Sollen wir da nicht traurig sein!“, erwiderten die Hofleute; „die Pferde des Königs müssen jeden Tag eine halbe Meile laufen, um zu saufen, denn kein Wasser, das sie anrühren würden, findet sich näher am Schloss. Ach, ach, die schönen Pferde können nichts anderes tun als nur dreimal am Tag den langen Weg hin und zurück zu laufen. Sollen wir da nicht traurig sein! Nur Jäppa in Norrland weiß, wo die Springquelle des Schlosses zu finden ist.“

„Da findet sich wohl Rat“, sagte der Bursche, und dann ging er am anderen Morgen weiter. Als er dann ins dritte Königreich kam, war es dort kein bisschen besser. Alle trauerten und niemand lachte, und als er an den Königshof kam, da weinten alle Hofleute zum Steinerweichen. Hier war es der Baum des Königs, der keine Goldäpfel tragen wollte, und kein anderer als Jäppe in Norrland wusste, was die Ursache war.

„Dem ist wohl abzuhelfen“, sagte der Bursche und ging am Morgen darauf weiter.

Als es auf den Abend ging, kam er an einen breiten, reißenden Fluss, und es fand sich weder Brücke noch Steg darüber, und auch Fähre oder Boot war nicht zu sehen. Nur eine große, graue Gans lag am Strand.

„Setz dich auf meinen Rücken, dann trage ich dich hinüber!“,

sagte die Gans.

„Wer bist du denn, dass du ein so schweres Los tragen musst?“, fragte der Bursche. Er sah wohl, dass es sich um keine gewöhnliche Gans handelte.

„Eine verwunschene Prinzessin bin ich“, erwiderte die Gans, „und bloß Jäppa in Norrland weiß, wie ich aus der Verzauberung erlöst werden kann.“

„Dann wird sich wohl Rat finden, denn zu ihm will ich“, sagte er; und als die Gans ihn über den Strom getragen hatte, da ging er hin zum Berg des Riesen, denn der lag nicht allzu weit von dort.

Zu allem Glück war Jäppa in Norrland nicht zu Hause, als der Bursche in seinen Saal kam, sondern dort saß nur seine Haushälterin, und die war eine in den Berg entführte Christin. Sie war sehr erstaunt, als sie ihn erblickte, und sagte ihm, wenn Jäppe in Norrland ihn gewahr werde, werde er ihn sogleich verschlingen. Der Bursche erwiderte, er wisse wohl, wie groß die Gefahr sei; aber er habe den Riesen so viel zu fragen, und deshalb wolle er das Risiko eingehen, es möge biegen oder brechen.

„Wenn es so ist, kann ich dir vielleicht helfen. Aber dann musst du mir deine Fragen sagen und dich im Übrigen rein stumm und still verhalten.“ All das wollte er gerne tun.

Während sie noch so sprachen, hörten sie ein furchtbares Dröhnen im Berg. „Das ist Jäppa in Norrland, der kommt nach Hause“, sagte sie und beeilte sich, den Burschen hinter einem großen Stein zu verbergen.

Der Riese tritt ein, er beginnt zu schnuppern und zu schnüffeln und ruft dann: „Hier riecht’s nach Christenblut! Hier riecht’s nach Christenblut!“

„Ach nein, du, Väterchen, das war nur ein Vogel, der flog über den Berg mit einem Menschenknochen im Schnabel“, erwiderte die Haushälterin.

„Das kann angehen, kann angehen“, brummte der Riese und warf sich auf die Bank. „Nun will ich, dass du mich in den Schlaf laust“, sagte er.

Die Frau nahm seinen großen Kopf auf ihre Knie und begann, mit ihm zu plaudern. „Wenn man hier so alleine sitzt wie ich“, begann sie dann sachte, „kommen einem so manche Gedanken in den Sinn. Unter anderem habe ich gesessen und gegrübelt, warum die junge Prinzessin nicht ihr Augenlicht wiederbekommen kann.“

„Oho, das könnte sie wohl bekommen, wenn sie sie mit dem Morgentau unter der blühenden Linde wüschen; aber das Mittel soll niemand zu wissen bekommen. So, nun will ich mich hinlegen.“

„Ach nein, du, Väterchen, ach nein, du, Väterchen! Sag mir erst, warum die Pferde des Königs so weit laufen müssen um zu saufen“, sagte die Frau.

„Ha ha, das weiß ich, aber das soll niemand anders zu wissen bekommen. Wenn alle Pferde der Reihe nach in den Stall laufen, müssten sie nur darauf achten, auf welchen Stein des Hofes das letzte Pferd den rechten Hinterhuf hart aufsetzt, denn unter dem Stein befindet sich eine Springquelle. Aber jetzt will ich schlafen.“

„Ach nein, du, Väterchen, ach nein, du, Väterchen! Sag mir nun erst, warum der Baum des Königs keine Goldäpfel mehr trägt. Darüber habe ich auch nachgegrübelt.“

„Ha ha! Das weiß keiner außer mir, und niemand soll das zu wissen bekommen. Aber der Baum trägt deswegen keine Goldäpfel, weil im Garten des Königs ein anderer Baum steht, der sich ganz bis auf die Erde neigt, und unter dem stehen viele Kisten voll Gold. Wenn die weggenommen werden und der schiefe Baum gestützt wird, dann trägt der Baum des Königs wieder Goldäpfel. Aber nun will ich mich hinlegen und schlafen“, sagte der Riese.

„Ach nein, du, Väterchen, ach nein, du, Väterchen! Ich habe auch darüber nachgedacht und wollte gerne wissen, warum die verwunschene Prinzessin immerzu als Gans schwimmen muss und nicht freikommen kann?“, fragte die Frau wieder.

Da schlug der Riese sich auf die Schenkel und brach in ein Gelächter aus, dass der Berg bebte. „Sie könnte freikommen, wenn sie nur einen der Menschen, die sie trägt, nähme und hinunter in den Fluss schleuderte und dann sagte: ‚Nun kannst du hier ebenso lange schwimmen, wie ich es getan habe‘, dann wäre sie erlöst. Aber das weiß keiner außer mir, und darum muss sie eine Gans bleiben bis zum Jüngsten Tag. Aber jetzt will ich schlafen!“

„Ach ja, Väterchen! Ach ja, Väterchen! Sag mir nur erst, wer der Weiseste und der Reichste auf der ganzen Welt ist!“, bat die Frau

„Der Weiseste ist Gott, und der Reichste bin ich; aber wenn du jetzt noch mehr fragst, haue ich dir das Genick ab, denn jetzt will ich schlafen!“

Und dann schlief der Riese und schnarchte, dass es sich anhörte, als ob es donnerte.

Da brachte die Frau den Burschen aus dem Berg hinaus und fragte, ob er sich alle Antworten gemerkt habe. Er dankte ihr für ihre rechtschaffene Hilfe, und dann sagte sie ihm Lebewohl. Und danach ging sie wieder in den Berg zurück. Der Bursche aber lenkte seine Schritte zum Fluss.

Hier nahm die Gans ihn auf den Rücken und trug ihn ans andere Ufer, und als er dann drüben war, sagte er: „Ich soll dir von Jäppa in Norrland sagen, dass du nur einen der Menschen, die du über den Fluss trägst, ins Wasser hinunterwerfen und sagen musst: ‚Nun kannst du hier ebenso lange schwimmen, wie ich es getan habe‘, dann kommst du frei.“

Die Gans freute sich und dankte dem Burschen für die Nachricht. Er aber hatte es eilig weiterzukommen. Als er dann an den ersten Königshof kam, sagte er dem König, was getan werden müsse, damit der Baum wieder Goldäpfel trüge. Der König folgte dem Rat, und das Gold, das unter dem schiefen Baum stand, wurde ausgegraben, und der Baum erhielt eine Stütze, und sogleich trug der...

Erscheint lt. Verlag 19.5.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
ISBN-10 3-7534-7479-7 / 3753474797
ISBN-13 978-3-7534-7479-3 / 9783753474793
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