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Ich will (eBook)

Was wir von erfolgreichen Menschen mit Behinderung lernen können
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
384 Seiten
FinanzBuch Verlag
978-3-96092-895-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ich will -  Rainer Zitelmann
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Nach seinem Bestseller Setze dir größere Ziele! beleuchtet Zitelmann in seinem neuen Buch wieder ganz ungewöhnlich erfolgreiche Menschen - Persönlichkeiten, die trotz Behinderung geradezu Übermenschliches geleistet haben: darunter ein Blinder, der den Mount Everest bestiegen hat, ein Weltreisender, der schon vor 200 Jahren blind 400.000 Kilometer zurücklegte, ein Motivationsredner ohne Arme und Beine, eine erfolgreiche Unternehmerin im Rollstuhl, eine taubblinde Schriftstellerin und ein weltberühmter Schauspieler mit Parkinson. 20 faszinierende Porträts, die verraten, was man von diesen Erfolgsmenschen lernen kann! Saliya Kahawatte, den viele aus seinem Film Blind Date mit dem Leben kennen, schreibt im Vorwort: »Wenn Sie es mögen, betrachten Sie dieses Buch gern als eine Fundgrube menschlicher Diamanten. Wir alle wissen, dass jeder dieser seltenen Edelsteine früher einmal ein gewöhnliches Stück Kohle war, das über lange Zeit gewaltigem Druck standhielt, so seine Stabilität erhielt und erst durch gezieltes, präzises Schleifen seinen einzigartigen Glanz erreichte.«

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker und Soziologe. Er hat 25 Bücher geschrieben und herausgegeben, viele davon sind internationale Bestseller. Sein Buch »Setze dir größere Ziele!« erschien bisher in acht Auflagen und elf Sprachen. Bekannt wurde er durch zahlreiche Fernsehauftritte, Medienberichte und seine Vorträge in Europa, Asien und den USA. Er schreibt regelmäßig für Focus, DIE WELT, Neue Zürcher Zeitung und zahlreiche weitere Medien in USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Frankreich, Schweden, China und Vietnam.

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker und Soziologe. Er hat 25 Bücher geschrieben und herausgegeben, viele davon sind internationale Bestseller. Sein Buch »Setze dir größere Ziele!« erschien bisher in acht Auflagen und elf Sprachen. Bekannt wurde er durch zahlreiche Fernsehauftritte, Medienberichte und seine Vorträge in Europa, Asien und den USA. Er schreibt regelmäßig für Focus, DIE WELT, Neue Zürcher Zeitung und zahlreiche weitere Medien in USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Frankreich, Schweden, China und Vietnam.

Vorwort von Saliya Kahawatte


»Du wirst es nicht schaffen!«, erklärte mir der Schulleiter des Gymnasiums in einem sehr ernsten Tonfall, setzte sich seine Brille wieder auf und überflog noch einmal das Attest der Augenklinik, das vor ihm auf dem Tisch lag. »Mit deinem schweren Augenfehler kommst du hier nicht weiter, du musst sofort auf die Blindenschule wechseln und die Blindenschrift lernen.« Unsicher rutschte ich auf meinem Stuhl in dem kahlen, lieblos eingerichteten Direktorenbüro herum, ließ meine Blicke traurig zu Boden sinken und spürte, wie meine Mutter etwas zaghaft nach meiner rechten Hand griff. »Saliya, sei nicht traurig, du musst dich damit abfinden, dass du behindert bist und nun ein anderes Leben führen wirst.«

Ich erinnere mich noch sehr gut an diese dramatische Wendung in meinem jungen Leben, das ich davor eher sorglos und unbeschwert geführt hatte. Es war im Spätsommer des Jahres 1985, ich war 15 und gerade in die zehnte Klasse des Gymnasiums versetzt worden. Einige Wochen vor den großen Ferien wurde bei mir eine schwere Netzhautablösung diagnostiziert, die sich in einer hundertprozentigen Schwerbehinderung auswies. Der Großteil meines Sehvermögens war unwiederbringlich verlorengegangen. Seither sehe ich die Welt wie durch eine dicke Milchglasscheibe, alles ist nur noch grau und sehr verschwommen.

Ich folgte weder dem Rat der Augenärzte noch der Empfehlung der Schulbehörde – meine Entscheidung stand sehr schnell fest: »Ich will in der Welt der Sehenden bleiben und Karriere machen, koste es mich, was es wolle!« Schon nach wenigen Tagen setzte ich meinen Entschluss um und suchte fieberhaft nach einer neuen Möglichkeit, dem Unterricht irgendwie folgen zu können. »Wenn es mit deinen Augen nicht mehr geht, nimm doch deine Ohren zu Hilfe«, dachte ich mir und konzentrierte mich mit meinem Gehör voll auf die Worte des Lehrers.

Schon nach wenigen Wochen konnte ich mir sechs Stunden Gesprochenes am Stück mühelos einprägen. Nachmittags hörte ich mir den Unterrichtsstoff, den ich auf der »Mailbox« meines Langzeitgedächtnisses gespeichert hatte, erneut an und konnte meine Hausaufgaben erledigen. Da ich nicht in der Lage war, meine Ausführungen selbstständig zu kontrollieren, lasen sich meine Mutter oder meine Schwester abends noch mal alles durch, um sicherzugehen, dass ich alles richtig niedergeschrieben hatte.

Entgegen allen Befürchtungen verschlechterten sich meine Noten kaum, zur Mitte des Schuljahres trauten mir meine Lehrer den Verbleib auf dem gewöhnlichen Gymnasium zu. Mir wurde schon damals klar, dass ich meine Behinderung nur mit viel Fleiß und Disziplin ausgleichen könnte, um mit dem Unterrichtstempo schrittzuhalten. Ich erkannte früh, dass ich meine Zeit völlig anders einsetzen musste als meine Mitschüler: Während sie in die Disko gingen, ihren Führerschein machten oder ihre Freundin ausführten, saß ich allein an meinem Schreibtisch und kämpfte mich durch den immer anspruchsvoller werdenden Schulstoff.

Im Jahr 1989 schaffte ich das Abitur und war überglücklich. Ich hatte mein erstes Ziel erreicht. Leider war der Glücksmoment nur von kurzer Dauer. Einige Zeit später trennten sich meine Eltern; ich setzte alles daran, ganz schnell erwachsen zu werden. Um auf eigenen Beinen stehen zu können, bewarb ich mich auf freie Ausbildungsplätze in der Hotellerie und legte in allen Bewerbungen meine Behinderung offen. Obwohl ich gute Noten hatte, wurde ich zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen. Es war klar, dass die Arbeitgeber wegen des besonderen Kündigungsschutzes kein Interesse daran hatten, einen schwerbehinderten Jugendlichen einzustellen. Als ich das begriff, entschloss ich mich zu einem riskanten Manöver. In den folgenden Bewerbungen verschwieg ich mein Handicap und erhielt schon nach dem nächsten Vorstellungsgespräch einen Ausbildungsplatz zum Hotelfachmann in einem Fünf-Sterne-Hotel.

Wie zuvor auf dem Gymnasium, war ich fast ganz auf mich selbst gestellt. Mein einziger Verbündeter war der Wille, es irgendwie zu schaffen. Mit dem Beginn der Ausbildung begann meine »Mission Impossible«, mit getrübten Blicken machte ich mich auf die Suche nach geheimen, verborgenen Pfaden, die mich in der Welt der Sehenden ans Ziel führen würden.

Ich lernte Hunderte Artikelnummern auswendig, um die Bestellungen quasi »blind« in die Kasse einzutippen, und trainierte meinen Tastsinn, um Bestecke und Gläser korrekt auf den Tischen der Gäste platzieren zu können. Mit meinem feinen Gehör erkannte ich am Klang eines Glases, ob ich es auf Hochglanz poliert hatte, und mixte an der Bar exotische Cocktails, deren Rezepturen ich auswendig wusste und nach Gefühl in die Gläser einschenkte. Zum Glück hatte ich damals einen geheimen Helfer, ein Mit-Azubi wusste von meinem Handicap, behielt es für sich und unterstützte mich nach Leibeskräften, wenn mein Augenfehler aufzufliegen drohte. Nach dem Bestehen meiner Gesellenprüfung zog ich nach Hamburg. Wieder verschwieg ich meine Behinderung und setzte meine Laufbahn in der Luxus-Hotellerie als Stationskellner fort.

Im Sommer 1994 eröffnete ich mit meiner damaligen Freundin ein gemeinsames Restaurant. Wir fuhren die Welt auf der Schubkarre, wie man in meiner Region sagt, und lebten sehr über unsere Verhältnisse. Es war eine tolle Zeit, an die ich mich sehr gerne erinnere. Doch wieder hielt das Leben eine schmerzliche Überraschung für mich bereit: Bei mir wurde Krebs diagnostiziert. Es folgte ein Jahr voller kräftezehrender Chemotherapien und Bestrahlungen.

Nur knapp entkam ich dem Tod und kämpfte mich mühsam in meinen Arbeitsalltag zurück, der schon mit einer neuen Herausforderung auf mich wartete. Das gemeinsame Restaurant stand kurz vor dem Aus. Während meiner Abwesenheit hatten sich haushohe Außenstände bei Lieferanten und Steuerschulden angehäuft. Meine Freundin und ich schafften es nicht, den Laden wieder ins Laufen zu bringen. Wir gingen pleite und im Streit ums Geld auseinander.

Mittellos und vom Leben abgehängt, flog ich aus der Wohnung und landete auf der Straße, ich rutschte ab in eine schwere Depression. An einem kühlen, trüben Herbsttag stand ich vor einer Unterkunft für Wohnungslose und tastete gerade mit meinen Blicken den Himmel ab, als die Sonne in kräftigen Gelbtönen durch die Wolken brach. Ich spürte die angenehm warmen Strahlen auf meiner Haut, hatte plötzlich einen Geistesblitz und sprach entschlossen mit mir selbst. »Hey, erinnere dich mal an deinen Plan, es wird höchste Zeit weiterzugehen!« Wieder verschwieg ich meine Behinderung und schaffte den Einstieg in die Top-Hotellerie. Ich wurde Barkeeper, Weinkellner und eines Tages sogar Oberkellner.

Jeden Tag überforderte ich mich aufs Neue, ich führte ein Leben auf Lügen und auf tausend Splittern. Ich spielte die Rolle des Sehenden, ohne zu erkennen, dass ich schon längst keinen Durchblick mehr hatte. Mit den vielen Führungsaufgaben wurde ich zunehmend ängstlicher, immer häufiger überkamen mich heftige Selbstzweifel, die mit scharfem, gezacktem Blatt am Sockel meiner Persönlichkeit sägten.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Immer wieder betäubte ich mich mit Alkohol und Medikamenten, tagsüber putschte ich mich mit billigen Drogen auf, um meinen Aufgaben weiterhin gewachsen zu sein.

Als ich schließlich Restaurantleiter wurde, musste ich Dienstpläne schreiben, Computerkassen programmieren und die Berichtshefte der Auszubildenden kontrollieren. Dieses Mal hatte ich zu hoch gepokert, das Eis des Lügens unter meinen Füßen schmolz dahin, ich brach komplett ein. Ich verlor meinen Job, saß nur noch zu Hause, fühlte mich nutzlos und verloren. Mein Alkoholkonsum stieg ins Unermessliche, schon bald erreichte ich den Tiefpunkt meiner Suchtkarriere, ich gab mich komplett auf.

Nach zahlreichen Suizidversuchen kam ich für mehrere Monate in die geschlossene Psychiatrie und machte anschließend eine Langzeittherapie. Mir wurde klar, dass ich mein bisheriges Handeln zunächst kritisch hinterfragen müsste, bevor ich einen Neustart meines Lebens planen könnte.

An einem kalten, verregneten Märzabend trottete ich allein durch den Park hinter dem Therapiehaus und redete unentwegt mit mir selbst. Obwohl der Regen immer dichter wurde, ging ich einfach weiter, bis ich irgendwann völlig durchnässt stehenblieb, meine Fäuste in den dunklen Himmel streckte und schrie: »Du musst deine Behinderung endlich akzeptieren!« Weinend sackte ich auf einer Holzbank unter einer Laterne zusammen und starrte in eine Pfütze. Ich fasste einen Entschluss: »Dein Lügenspiel hat dich hierhergeführt, ab jetzt gehst du offen mit deinem Handicap um!«

Nach der Therapie arbeitete ich in einer Behindertenwerkstatt und besuchte die Hamburger Blindenschule, hier wurde ich mit einer Spezialsoftware am PC ausgebildet. Schon bald konnte ich selbstständig E-Mails schreiben und im Netz surfen, ich wollte raus aus...

Erscheint lt. Verlag 13.6.2021
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte Behinderung • Berühmt werden • Erfolg • FBV • Motivation • Ziele erreichen
ISBN-10 3-96092-895-5 / 3960928955
ISBN-13 978-3-96092-895-9 / 9783960928959
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