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BELLO JO (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
236 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-31771-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

BELLO JO -  Jo Ziegler
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Malerfürst Konrad Optenhövel residiert auf den Ruhrhöhen. In jedem Herbst bevorratet er sich im Elsass mit ausgesuchten Rieslingweinen. Auf der Rückfahrt verfährt er sich an der Grenze zu Deutschland in einer unübersichtlichen Baustelle in Oberhoffen-lès-Wissembourg, muss in einer Sackgasse wenden, durchbricht dabei einen maroden Maschendrahtzaun und sorgt zeitnah für Aufruhr in den Zwingern für Hunde in Not. Jean-Jaques Hirsinger, 'Patron Chiens Perdus, Trouvés Et À Adopter', öffnet konziliant und zielführend eine Flasche Marc Gewürztraminer, schenkt ein und beim zweiten Gläschen geht der Deal des Tages über die Bühne: Konrad berappt 100 EURO für den Zaun, behält die angebrochene Flasche des superben Destillates als Souvenir und bekommt als Zugabe JO, die Occasion im kleinsten Zwinger, in dem ein schwarzer Hund hockt, der sich schon seit drei Tagen im Hungerstreik befindet, weil sein hippes Pariser Bänker-Pärchen ihn hier herzlos entsorgte beim Umzug nach Frankfurt. JO, ehemals gegoogelt und gekauft über ebay als trendiger Frenchie und süßes Hundewelpen-Puppy ? just for fun, for a laugh, ha-ha-ha ? schnuppert hernach Pariser Luft im Parc Monceau und im möblierten Studio in einer Wohnanlage mit Hausmeister am Boulevard de Courcelles im 8ème Arrondissement. Nach einem Jahr ist er unerwartet zu einem massigen Bello von 15 Kilogramm explodiert und kann auf stylischen Partys nicht mehr punkten. Malerfürst Konrad Optenhövel betritt langsam den Drahtkäfig, kauert sich nieder, streckt seine rechte Hand aus und murmelt: 'JO, ein toller Hundename, komm her, na komm schon!' Und JO kommt langsam angekrochen auf angewinkelten Läufen, mit schleifendem Bauch auf Betonboden, in rudimentärer wölfischer Demutsgebärde. Konrad fährt ihm mit der Hand über die die Schnauze, blickt ihm in die Augen, ganz tief in die Augen, ahnt eine treue, liebevolle Hundeseele und lässt seine Worte weiter im beruhigenden Fluss auf den Hund wie eine Beschwörungsformel wirken.

Jo Ziegler Kurzvita und Bibliografie Im Ruhrgebiet 1949 geboren und dort lebend. Bildender Künstler und Autor einer großen Revier-Chronographie in drei Romanen mit dem Buchtitel Die Ruhr-Trilogie 2008 und 2010 erschienen im Schreibhaus Verlag Bochum Ab 2010 Reaktionsmitglied bei www.kulturproramm.de Ab 2013 Veröffentlichungen in der Edition Bärenklau Berlin Ab 2014 Veröffentlichungen bei Beam eBooks Köln Ab 2016 Veröffentlichungen bei BoD Norderstedt Ab 2018 Veröffentlichungen bei TWENTYSIX und bei www.tredition.de Bücher von Jo Ziegler bei https://www.amazon.de/Jo-Ziegler/e/B00MD912NU

Jo Ziegler Kurzvita und Bibliografie Im Ruhrgebiet 1949 geboren und dort lebend. Bildender Künstler und Autor einer großen Revier-Chronographie in drei Romanen mit dem Buchtitel Die Ruhr-Trilogie 2008 und 2010 erschienen im Schreibhaus Verlag Bochum Ab 2010 Reaktionsmitglied bei www.kulturproramm.de Ab 2013 Veröffentlichungen in der Edition Bärenklau Berlin Ab 2014 Veröffentlichungen bei Beam eBooks Köln Ab 2016 Veröffentlichungen bei BoD Norderstedt Ab 2018 Veröffentlichungen bei TWENTYSIX und bei www.tredition.de Bücher von Jo Ziegler bei https://www.amazon.de/Jo-Ziegler/e/B00MD912NU

2

MABOMONGO

Der Herbst kommt.

Der Herbst kommt mit Bauarbeiten, kommt mit nervenden Bauarbeiten in Form eines seitlichen ebenerdigen Hausanbaus, der weit in den Garten hineinreicht.

Da werden polierte Granitplatten als Bodenbelag vor einem Kaminofen verlegt, auf denen ich spontan den Adler mache. Aber nur das erste Mal, denn ich bin lernfähig! Und da werden außenverspiegelte Panoramafenster bis in Bodennähe eingebaut, vor denen Karnickel aufreizend posieren und herumhoppeln und mich nicht sehen können, während ich sie seibernd und zitternd vor Erregung auf der Panoramafensterlänge von langen zehn Metern verfolge. Das geschieht auf griffigen naturbelassenen Holzbohlen, denn dieser neue Anbau dient als Atelier, als Wohnung und als Ausstellungsraum.

Zur Einweihung kommen viele Zweibeiner, deren Gerüche mir neu sind. Komisch, sie bewegen sich im Kreis um einen Tannenbaum herum. Sie haben dabei in der einen Hand ein Glas und in der anderen Fingerfood. Ich folge ihnen kreisend bis mir schwindelig wird und mir bei den herabfallenden Essensresten klar wird, dass es sich um geräucherten Fisch auf weichem Brot handelt.

Wie schön, dass auch der Zweibeiner JoJo als großes grünes Oberhaupt nebst Tante Micksa mit Schwester Euphemia in Begleitung meines Sohnes Krummbein erscheinen!

Krummbein ist noch immer sauer auf seinen unsensiblen zweibeinigen Obertrampel, der ihn eine Woche lang im Hundecamp Heimaterde trainieren ließ bei Drill, Scheißfraß und stupiden Aktivitäten wie Agility und Weight Pulling und dabei permanent umgeben war von notorischen Pudeln, von Nackthunden und von kastrierten Hündinnen, kaum dass ein gesichertes Eingangstor durchschritten worden war, über dem eine eiserne Mahnung an die Gegenwart prangte:

Wahret Deutsche Art / Der Väter Geist, er lebe fort! Und am Stahlmast daneben klirrte die Fahne mit dem German Herzilein in Schwarz-Rot-Gold.

Nanu! Nana!

Was macht denn da mein Sohn gerade?

Nein, er hebt nicht sein Bein unterm Tannenbaum, doch wie aus der Pistole geschossen platziert er neben dem Stamm mehrere wohlgeformte Kotkugeln, deren dominante Geruchsverbreitung etwas länger auf sich warten lassen wird, da Tante Micksa Menthol-Zigaretten raucht und JoJo just einen Zigarrenwickel in Brand setzt.

Mein Sohn Krummbein und ich verdrücken uns diskret in Richtung der Haustür, um weitere Gäste bei ihrer Ankunft zu melden. Und tatsächlich, da kommt noch ein Zweibeiner-Pärchen mit Renate.

Ich höre, dass die Schnabels ihr Haus der aufgehenden Sonne mit Sammlerstücken ausstaffiert haben und dass wir gerne zu einem Besuch eingeladen sind, während ich schwanzwedelnd herumwusele, natürlich besonders um Granate Renate. Dabei fällt das Gastgeschenk scheppernd zu Boden und eine Maske aus Kupfer in Treibarbeit mit riesigen Augen springt mich unheimlich an.

Mein Herrchen hängt das Gebilde an den Tannenbaum, nunmehr umweht von einem Duftpotpourri der besonderen Sorte. Jedenfalls haben Tante Micksa mit Schwester Euphemia den tierischen Basisduft eruiert und uns in den Garten geschickt.

Lange bleiben wir nicht, denn das einsetzende Winterwetter lockt uns wieder vor den Kaminofen.

Wir schütteln uns kräftig und befreien uns von feinen Schneekügelchen, die ein scharfer schneidender Nordostwind zum Winterauftakt ins Fell pustet.

Anfang Januar berichtet der Deutsche Wetterdienst: So ein Tag, so arktisch kalt wie heute, den gab es lange schon nicht mehr. Beim Gassi gehen bibbere ich und hacke zügig ab.

Mitte Januar berichtet der Deutsche Wetterdienst: Seit 5: 45 Uhr wird der Vorstoß arktischer Kaltluft bis nach Süddeutschland erwartet. Zum Aufwärmen springe ich im Dreieck, wenn der Postmann klingelt.

Ende Januar berichtet der Deutsche Wetterdienst: Die ungewöhnlich scharf ausgeprägte Grenze zwischen der milden Meeresluft über dem südlichen Mitteleuropa und der extrem kalten arktischen Festlandluft über Nord- und Osteuropa schaffen zunehmende Winde mit Böen bis zu 102 km/h.

Anfang Februar berichtet der Deutsche Wetterdienst: Mit Eisregen, einhergehend mit Dauer-Schneefällen zwischen 40 und 80 cm und anhaltendem Dauerfrost bis minus 18,6 Grad ist zu rechnen, ebenso mit Schneeverwehungen.

Mein Herrchen kommentiert:

„Wohl dem, der Heimat hat – Kaminofen, Kaminofen über alles!“, während ich fiepe:

„Spiel mir das Lied vom heißen Sand im Doggy-Land!“

Mitte Februar berichtet der Deutsche Wetterdienst: Keine Wetteränderung in Sicht, während ich schniefe und denke:

JO! Was meinst denn du dazu? Schnee, Schnee, Schnee und nochmals Schnee.

Und ich höre:

„Klanghölzer werden uns erquicken. Und durch den Schnee, der leise fällt, schroten wir, schroten wir – und auf den kantig scharfen, schneeverwehten Crossroads triumphieren wir, ja, triumphieren wir. Hier, in unserem Revier.

Uuuh!

Über’s Dach fegt der Wind, der Wind, der Wind.

Das himmlische Kind.

Im Abendland, wo wir uns finden, wohl unterm Bankenschirm.

Beim Tanzen mit Schranzen im schönen Balkanrund.

Mit Griechen beim Kriechen.

Zur späten Stund.

Mit Nachtgestirn am Himmelsrund.

Dem Mond von Wanne-Eickel über Slinky Springs To Fame.

Über Gasometer, Manometer und Tetraeder als Ankerpunkte im industrialisierten Land. Gesäumt von Abraumhalden, von Hochöfen und von Kohlehalden. Wo in Reih und Glied die Schlote stehen und wo die Förderräder sich am Turm wie Geister drehen und gleichzeitig aus dem Bilde gehen. Wo Feuerbälle wabern, Lichtergarben stieben – im Wind, im Wind, im Wind…. Und wo Volltrefferstorys uns in Mark und Bein erschüttern.

Uuuh!

Ich krich Kreislauf, du krichst Kreislauf, wenn der steifgefrorene Wandersmann uns aufsucht und Speis und
Trank erbittet. Und wenn er auftaut, wenn er warm wird, wenn er seine Story schnarrt.“

„Bin dem Bilch gefolgt.

Habe eine Handvoll Getreide verzehrt.

Bin ins Pilzmycel gerutscht und habe daran gelutscht.

Hirnkino.

Pulsrennen, Windhundrennen.

Wunderbar!

Noch sind die Gedanken nackt.

Ein Schrei öffnet mein lange zugedrücktes Herz.

Aaah!

Jetzt ist meine Zeit gekommen.

Nächtens will ich mit dem Engel reden.

Dem Bengel-Engel.

Dem Luzifer.

Und meine Rede denkt sich neu.

Will die Sprache brechen.

Das Leben berühren.

Den Raben rabbeln lassen.

Die Asseln quasseln lassen.

Will Abbruchkanten.

Will Innovation.

Will Flatter über Anthraxglut.

Will Abstich an Höllenglut.

Und überhaupt…

Parabel.

Parabellum.

Bumm.

MG 14.

Stopp!

Klanghölzer sollen uns erquicken.

Masken sollen uns verzücken.

Uuuh!

Aaah!

MABOMONGO.“

Der Wandersmann geht, das Zauberwort steht.

Das Zauberwort steht, der Winter geht.

Scout Adrian setzt mein Herrchen in Brand.

Masken auf Papier beleben nun die Fensterwand.

Variationen der Signalform entstehen ständig neu, denn mein Herrchen hat wieder eine ausufernde Schaffensphase und, nachdem die Fensterfront eine geschlossene Maskenwand darstellt, sülzt Scout Adrian:

„Kunst darf gefeiert werden!“

Darauf mein Herrchen:

„Ostern soll hier meine nächste Ausstellung stattfinden und im Garten ist Auslauf für Freaks, Hunde, Kinder und Zappelfuzzis.“

Scout Adrian quirlt weiter:

„Oh ja, und unbedingt das Ostereiersuchen nicht vergessen!“

Ich höre:

Eier.

Schlimmer noch: Ostereier!

Ich schalte auf Durchzug und trolle mich. Hätte ich es nicht getan, wäre mir womöglich Scout Adrians ins Auge gefasster abgefahrener Werbegag auf die Verdauung geschlagen. So kommt die Überraschung später…

Mein Sohn Krummbein an Tante Micksa mit Schwester Euphemia und Frau Schnabel aus dem Haus der aufgehenden Sonne an Renate, dieser Granate, stehen schlagartig an einem sonnigen Frühmorgen im Hausflur.

„Haben wir schon Wasser gelassen?“, geht Schwester Euphemia dazwischen.

Nein, haben wir nicht.

„Also, ab in den Vorgarten und dann ab in eine geräumige Hundetransportbox auf der Ladefläche von Frau Schnabels Geländewagen!“

Ha!

So richtig schön kuschelig. Wir, das Trio der besonderen Sorte! Kurze Fahrt, kurzes Glück.

„Absitzen! Hopp! Hopp! Hopp!“, schrillt Tante Micksas Stimme. „Und stillgestanden! Stillgestanden zum Leinenanlegen!“

Ist es denn wahr?

Flugs klicken Koppelleinen an unseren Halsbändern ein und wir bilden ein Trio mit begrenztem Freiraum.

Warum?

Weil wir als Pulk von vier Zweibeinern und drei Vierbeinern den Verkaufsraum eines neumodischen Hunde-Shops betreten, in dem Hunde-Capes gewünscht werden, wie Frau Schnabel als Vertreterin der kompletten Zweibeiner-Fraktion kundtut.

Wuff!

Höre ich in ihren Worten einen leichten rheinischen verschwiemelten Akzent mit...

Erscheint lt. Verlag 11.5.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte informativ • Situationskomik • witzig
ISBN-10 3-347-31771-8 / 3347317718
ISBN-13 978-3-347-31771-0 / 9783347317710
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