Schwermutmacher
Ulrich Horstmann „Als akademischer Putzerfisch bei den Großen – Edgar Allan Poe, Oscar Wilde, Ted Hughes, Philip Larkin, J.M. Coetzee – im Einsatz, hat Ulrich Horstmann sich doch auch selbst freizuschwimmen versucht, nach seinem Auftauchen unter den Kleist-Preisträgern (1988) aber womöglich Schuppen gelassen. Vielleicht deshalb der Zug in die dunklen Unterströmungen, dem sich die Robert Burton-Übersetzung aus dem nämlichen Jahr ebenso verdankt wie der Essayband Ansichten vom Großen Umsonst (1991) und der Versuch über ein angeschwärztes Gefühl (2012).“ – Klaus Steintal
Mit Schwermutmacher lässt der Autor, laut Klappentext, keine metadiskursiven Mitteilungen über Melancholie folgen, sondern solche „aus der Innenperspektive, die, mal Schwermut machend, mal schwer Mut machend, über die Stränge schlagend und auf Resonanz aus sind“. In den zwei etwa gleich langen Teilen des Bandes geben sich Gedichte und Aphorismen ein Stelldichein. Wobei, wie Horstmann dem Rezensenten einmal mitgeteilt hat, die Gattungsgrenzen produktionsästhetisch fließend seien: Manche der aphoristischen Entwürfe evolutioniert der Autor zu Versen – der umgekehrte Weg dagegen werde praktisch nie beschritten.
–Frank Müller, Literaturkritik
Was gewinnt der Verlierer? Einsicht in Verzichtbarkeiten. Was verliert der Gewinner? Den Vorgeschmack und die Zumutung des sich Aufraffens. * * * SELBSTBEHAUPTUNG Ein Doktern mit dem Eisenbart. Der Küster flucht, der ihn parat gehalten hat, und schließt damit das Beinhaus auf. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Der Schatten meiner selbst fällt über die Schwelle. Oder fast. „Hoppla“, sagt der Kustos, der das Sagen hat, „aber die Nachwelt, die ist nimmersatt, die will nicht Leere im Reliquienschrein. Sucht Euch Geripptes für die Lückenbüßerein.“ Und selbdritt schreiten wir die Schädelreihen ab und in den Augen- höhlen macht das Feuer schlapp, kein Glühen, Flammen, Funkenflug; und auch kein Rest von Lug und Trug verkriecht sich da. Was nun? Erweich dich doch, fleht es zum Hirn. Tu was, statt dich bis auf die Knochen zu blamieren. Noch so ein Stolperschritt. „Und stopp!“ Das Reihenende ist zum Greifen nah, der Selbstverlust Anathema. Ich bin doch Spuk, ich hab die Stirn. Die Parze hängt am seidenen Zwirn schwer durch. Das ist die Chance; ich mach mich dünn, ich fahre ein, wie gut das tut, ein Dickkopf sein.
| Erscheinungsdatum | 09.10.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 140 x 210 mm |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte |
| Schlagworte | Aphorismen • Dunkelkammerkatzenjammer • Gedichte • Innenperspektive • Melancholie • Melancholiker • Mundschutzlos • pandemisch • Poesie • schwarzen Humor • Selbstbehauptung • Trübselig |
| ISBN-10 | 3-96258-095-6 / 3962580956 |
| ISBN-13 | 978-3-96258-095-7 / 9783962580957 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
aus dem Bereich