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Nordwestzorn (eBook)

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(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
384 Seiten
Harpercollins (Verlag)
978-3-7499-5072-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Nordwestzorn - Svea Jensen
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Lange Sandstrände und menschliche Abgründe: Der zweite Fall für die Soko St. Peter-Ording
Der neue Fall von Kommissarin Anna Wagner entspringt dem Albtraum aller Eltern: Vor mehr als 15 Jahren verschwand ein Junge aus einem Sommercamp bei St. Peter-Ording, eine Leiche wurde nie gefunden. Im Fokus der Ermittlungen standen damals drei Männer, von denen allerdings nur der Leiter des Camps angeklagt und nach einem öffentlichkeitswirksamen Indizienprozess freigesprochen wurde. Den Verdacht, sich an dem Jungen vergangen zu haben, konnte jedoch keiner der Männer je wieder vollständig abstreifen. Als der damalige Camp-Leiter nach vielen Jahren im Ausland nach St. Peter-Ording zurückkehrt und nach kurzer Zeit spurlos verschwindet, ist der Soko schnell klar: Nur wenn sie den alten Fall lösen, haben sie vielleicht eine Chance, den Mann lebend zu bergen ...



<p>Svea Jensen ist das Pseudonym einer erfolgreichen Krimiautorin. Sie ist in Hamburg aufgewachsen und dem Norden stets treu geblieben: Nach vielen Jahren beim Norddeutschen Rundfunk lebt sie heute in Schleswig-Holstein, wo sie sich mittlerweile ganz dem Schreiben widmet. Während sie Verbrechen für ihre nächsten Bücher plottet, lässt sie sich am liebsten eine Nordseebrise um die Nase wehen.</p>

PROLOG


August 2004

Kriminalkommissar Hark Thomsen hatte sich gerade auf den Weg in die Küche gemacht, um den dritten Kaffee des Morgens zu holen, als ihm auf dem Flur sein Kollege entgegengehumpelt kam.

»Kaffee is nich, wir müssen los.«

Pieter Johannsen stand wie immer unter Strom, daran würde auch ein beim Tennis verstauchter Knöchel nichts ändern. Thomsen hatte ihm geraten, ein paar Tage kürzer zu treten, im Moment sei doch sowieso nicht viel los. Aber natürlich hatte er sich bloß eine dumme Antwort abgeholt und insgeheim geärgert, dass er so dämlich gewesen war, seinem Kollegen einen wohlgemeinten Ratschlag zu erteilen.

Ein Kriminalhauptkommissar Johannsen ließ sich doch von einer solchen Lappalie nicht außer Gefecht setzen, der käme auch noch mit dem Kopf unterm Arm zum Dienst, wenn es seiner Karriere förderlich wäre.

Wie immer häufiger in der letzten Zeit war Thomsen nach dieser Abfuhr froh gewesen, dass sein Kollege auf dem Absprung ins LKA nach Kiel war und ihre knapp einjährige Zusammenarbeit damit endlich zu einem Abschluss käme. Johannsen war nie einfach gewesen, aber seitdem er sich auf dem Karrieretrip befand, war die Arbeit mit ihm teilweise unerträglich geworden. Ja, er war hier der Dienstälteste und Erfahrenste und hatte Thomsen somit einiges voraus, was aber nun wirklich kein Grund war, ihm seine angeblichen Unzulänglichkeiten ständig unter die Nase zu reiben. Schließlich war er mit neunundzwanzig Jahren kein Frischling mehr. Kleines Ego, große Klappe, hatte eine Kollegin, die Johannsens Anwürfen stets mit stoischer Ruhe begegnete, seinerzeit gemeint. Nimm’s dir nicht zu Herzen, du bist hier im Moment der Neue, und die nimmt er sich nun mal besonders gerne zur Brust.

»Wohin geht’s?«, fragte Thomsen, als er Johannsen in das Büro folgte, das dieser mit dem Kollegen Arndt Lürssen teilte. Lürssen war vor einem Dreivierteljahr von der WaPo, der Wasserschutzpolizei, zu ihnen gewechselt, und es ging das Gerücht, dass Johannsen sich für seine Versetzung auf den höher dotierten Posten in ihrer Abteilung starkgemacht hätte. Was nach Meinung aller überhaupt nicht zu ihm passte, war er doch normalerweise nur an seinem eigenen Aufstieg interessiert. Thomsen hatte sich schon häufiger Gedanken über das Verhältnis der beiden Männer zueinander gemacht, die so gar nichts gemein zu haben schienen. Weder äußerlich noch vom Charakter her. Neben dem groß gewachsenen und durchsetzungsstarken, um nicht zu sagen rücksichtslosen, Johannsen verblasste Lürssen mit seiner schmalen Statur, dem häufig unsicheren Blick und der Eigenschaft, besonders schnell einzuknicken, geradezu. Zuerst hatte Thomsen gedacht, dass Johannsen wieder nur ein Opfer für seine Machtspielchen gesucht hatte, was wohl auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen war, aber mit der Zeit war ihm aufgefallen, dass eine Art Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Männern zu bestehen schien, dessen Basis er sich nicht erklären konnte. Obwohl erst kurz in ihrer Abteilung, war auch Lürssen schon wieder auf dem Absprung und sollte in einer Woche seinen Dienst in der Flensburger Mordkommission antreten. Thomsen war überzeugt davon, dass Johannsen bei diesem Aufstieg ebenfalls seine Finger im Spiel gehabt hatte.

»Nach St. Peter-Ording.« Johannsen griff nach seinem Handy und den Autoschlüsseln auf seinem Schreibtisch. Thomsen wartete auf eine Erklärung, was denn in St. Peter passiert sei, das den Einsatz der Kripo erforderlich mache, aber es kam keine. Verdrossenheit machte sich in ihm breit, als er Johannsen und Lürssen Richtung Ausgang folgte.

Als sie ins Freie traten, hingen tiefe Wolken über der grauen Stadt am Meer, wie Theodor Storm Husum einst in einem Gedicht beschrieben hatte; und wenn die Wettervorhersage recht behalten sollte, würde es heute noch kräftige Regenschauer geben. Die gehörten zu einem typisch norddeutschen Sommer dazu.

Thomsen versuchte es noch einmal. »Kann mir vielleicht mal jemand sagen, was in St. Peter los ist?« Er starrte auf Johannsens Rücken. Selbst in seinem lädierten Zustand setzte sein Vorgesetzter noch alles daran, dass seine beiden Kollegen nicht zu ihm aufschlossen, sondern möglichst zwei Schritte hinter ihm blieben, damit auch jedem klar wurde, wer hier der Anführer war. Thomsen hätte mühelos zu ihm aufholen können, aber dieses infantile Gebaren war nicht sein Ding.

»In einem Jugendheim wird ein Kind vermisst, das sich dort auf einer Klassenfahrt befindet«, klärte schließlich Lürssen ihn auf, der mit Johannsens Stechschritt nicht mithalten konnte.

Thomsen verlangsamte seinen Schritt. Eine Gänsehaut überzog seinen Körper, und für einen kurzen Moment begann es vor seinen Augen zu flimmern.

»Jetzt komm endlich in die Puschen!« Johannsen hatte sich umgedreht und warf ihm einen verärgerten Blick zu. »Wir haben nicht ewig Zeit.«

Thomsen holte tief Luft, um die Kontrolle über seinen rasenden Herzschlag wiederzuerlangen. Aber es wollte ihm nicht gelingen. Das wird ein Scheißtag, dachte er in plötzlicher Verzweiflung. Ich will da nicht raus.

»Hark!« Johannsen kam zu ihm zurückgehumpelt und baute sich in seiner vollen Größe von ein Meter neunzig vor ihm auf. Seine grauen Augen funkelten angriffslustig. »Was ist denn los mit dir? Brauchst du ’ne Extraeinladung?«

Thomsen riss sich zusammen, auch wenn er am liebsten davongerannt wäre und sich irgendwo versteckt hätte, wo ihn niemand finden konnte. »Nein, natürlich nicht!« Er folgte seinen Kollegen und stellte mit Erleichterung fest, dass die Bewegung seinen Körper zu entkrampfen begann.

Sie steuerten auf den Dienstwagen zu, und als Thomsen sah, was sich in dessen offen stehendem Heck befand, runzelte er die Stirn. »Hältst du das für richtig? Er ist nicht mehr im Dienst.«

Johannsen öffnete die Transportbox, woraufhin der Belgische Schäferhund heraussprang und schwanzwedelnd auf Thomsen zulief, um ihn mit einem freudigen Bellen zu begrüßen.

»Das ist doch vollkommen egal. Ich trainiere Athos noch immer in jeder freien Minute. Der Junge ist fit wie ein Turnschuh.«

Athos. Thomsen hatte sich ein Grinsen nicht verkneifen können, als er den Namen des Hundes zum ersten Mal gehört hatte, dann aber von Kollegen erfahren, dass Johannsen Alexandre Dumas verehrte und sich bestimmt einmal im Jahr die Verfilmungen seiner Werke reinzog, wobei die Musketier-Filme von Richard Lester zu seinen absoluten Favoriten zählten. Das Geständnis war der weinseligen Laune eines Betriebsfests entsprungen, im nüchternen Zustand ließ Johannsen wenig bis gar nichts über sein Privatleben verlauten.

Thomsen hockte sich hin und kraulte den Hund ausgiebig. Vor drei Monaten war der zehnjährige Athos nach acht Jahren im Polizeidienst in den Ruhestand geschickt worden. Johannsen hatte ihn während seiner Zeit als Schutzpolizist zum Fährtensuchhund ausgebildet und nach seinem Wechsel zur Kripo mitgenommen. Dies war nicht die Norm; da sich Johannsen aber nicht von seinem Hund trennen wollte, hatte er diesen Wechsel durchgesetzt. Athos’ Einsätze in den nachfolgenden Jahren waren ausschließlich bei Fällen erfolgt, in denen Johannsen ermittelte, und hatten die Kritiker schließlich verstummen lassen.

Auf der Fahrt informierte ihn Johannsen über das, was er und Lürssen bisher erfahren hatten. »Der Junge heißt Florian Berger, ist neun Jahre alt und kommt aus Hamburg. Er schläft mit zwei Mitschülern in einem Dreibettzimmer. Die haben sich zunächst nichts dabei gedacht, als er heute Morgen nicht in seinem Bett lag, weil er wohl häufig früh aufgestanden und zum Deich gegangen ist. Das Jugendheim liegt direkt dahinter im Ortsteil Dorf. Als Florian dann nicht beim Frühstück auftauchte, hat der Heimleiter seine Abwesenheit in der Polizeistation gemeldet. Die dortigen Kollegen haben daraufhin auch die Bereitschaftspolizei und eine Hundestaffel angefordert. Du kennst ja die Örtlichkeiten, allein die Absuche am Strand wird einige Zeit in Anspruch nehmen.«

Das stimmte, Thomsen kannte die Örtlichkeiten gut, da er während seiner Zugehörigkeit zur Schutzpolizei für eine Saison als Bäderdienstler in St. Peter eingesetzt gewesen war. Manchmal träumte er davon, den Job hinter sich zu lassen und seine Zelte dort aufzuschlagen. Alles zu vergessen, sich frei wie ein Vogel von einem Tag zum nächsten treiben zu lassen. Besonders in Momenten wie diesen.

Vierzig Minuten später trafen sie in der Polizeistation in St. Peter-Ording, einem eingeschossigen Doppelhaus aus rotem Backstein, das im Deichgrafenweg beheimatet war, ein. In einem ersten Gespräch mit Claas Hoyer, dem Dienststellenleiter, erfuhren sie, dass die Suche nach Florian bereits in vollem Gange war. Sie hatten sich ursprünglich als Erstes den Heimleiter und die Lehrer von Florians Klasse vornehmen wollen, aber nachdem ihnen Hoyer mitteilte, dass sich Florians Vater im Besprechungsraum aufhielt, beschlossen sie, erst einmal mit diesem zu sprechen.

»Haben wir schon gemacht«, sagte Hoyer, dessen Gesicht einen sorgenvollen Ausdruck trug. »Er hat die Vermutung geäußert, dass Florian weggelaufen ist, weil seine Frau darauf gedrungen hat, dass der Junge heute wieder mit ihnen nach Hause fährt, obwohl die Klassenfahrt noch eine weitere Woche dauert. Das wollte Florian aber nicht, und darüber ist es zum Streit zwischen ihm und seinen Eltern gekommen.«

Etwas in Hoyers Bemerkung irritierte Thomsen. »Wohnt die Familie in der Nähe, weil die Eltern schon hier sind?«, fragte er, als sie dem Dienststellenleiter zum Besprechungsraum folgten.

»Die kommen aus Hamburg, waren aber schon die ganze Zeit vor...

Erscheint lt. Verlag 25.5.2021
Reihe/Serie Ein Fall für die Soko St. Peter-Ording
Ein Fall für die Soko St. Peter-Ording
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Almstädt • ANN • Anna • Anna Wagner Hendrik Norberg • Ann Kathrin Klaasen • Autor • Belletristik • beste • Bestseller • Buch • Bücher • bücher krimi • bücher krimi thriller • CASE • cold • Cold Case • DES • Detektiv • Detektivserie • Deutsch • DIE • Dünenmord • Ehefrau • Ehemann • eisiger • Eisiger Nebel • Entführung • Erfolgsautor • Ermittlung • EVA • Eva Almstädt • Fall • Ferienlager • Frauen • Freispruch • Freundin • für • Geschenk • Geschichte • Geschichten • Hafenmord • Hendrik • kalter • Katharina • Katharina Peters • Kathrin • klaasen • klaus-peter • Klaus-Peter Wolf • Kleinstadt • Klippenmord • Kommissarin • korittki • Krimi • krimi buch • Krimi Bücher • krimi küste • Kriminalfall • Kriminalroman • Kriminalthriller • Krimi Roman • Krimiserie • Krimi Taschenbuch • krimi und thriller • Küste • Küstenkrimi • Küstenromane • Lügen • Mama • Missbrauch • Mord • Mordermittlung • mörders • Muttertag • Nebel • Noir • Norberg • Nordic • Nordlicht • nordlicht die spur des mörders • Nordsee • Nordsee Krimi • Nordwesttod • Ostfriesenhölle • Ostseeangst • Ostseegruft • Ostseelüge • Papa • peter-ording • Peters • Pia • Pia Korittki • Polizei • psychologisch • Roman • Ruprecht • Ruprecht undercover • Schiffsmord • SOKO • Soko St. Peter-Ording • Sommercamp • Spannung • Spiegel • Spur • St. • Strand • Sylter • Sylter Lügen • Taschenbuch • Thriller • thriller und krimi • Todeshaff • Todesklippe • Top • Top-Titel • und • undercover • Urlaub • Urlaub krimi • Urlaubsroman • Urlaubsromane • Urlaubsromane für Frauen • Vatertag • Vermisste • Vermisstenfall • Wagner • Wolf
ISBN-10 3-7499-5072-5 / 3749950725
ISBN-13 978-3-7499-5072-0 / 9783749950720
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