Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Machtergreifung -  Ferdinand Schwanenburg

Machtergreifung (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
450 Seiten
Europa Verlag GmbH & Co. KG
978-3-95890-316-6 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Seit der Flüchtlingskrise ist sie wieder da, die Angst der Deutschen: Angst vor Überfremdung, vor Terroranschlägen und zunehmender Kriminalität, vor wirtschaftlicher Benachteiligung und Verarmung. In der Bevölkerung wächst der Unmut. In dieser angespannten Lage sieht Friedrich Sehlings seine Chance: Er träumt davon, wieder einen Führerstaat zu errichten ... Als einige Honoratioren die rechte Deutschlandpartei gründen, tritt Sehlings der Partei bei. Schnell macht er sich zu einem unverzichtbaren Organisator der neuen Rechten, während er seine wahren Ziele im Verborgenen hält. Er schleust Spione in die Partei ein. Sein Netzwerk funktioniert, seine Truppen stehen. Er spielt die Parteigrößen gegeneinander aus und räumt jeden aus dem Weg, der seiner Mission gefährlich werden könnte. Als die Partei schließlich immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung findet, sieht er seine Zeit gekommen: Geschickt sorgt er für Chaos und Unruhe auf Deutschlands Straßen und schmiedet einen perfiden Plan, um die Macht im Land endgültig an sich zu reißen ...

Ferdinand Schwanenburg ist das Pseudonym eines deutschen Politik- und Kommunikationsberaters, der bereits für viele Politiker großer Parteien gearbeitet hat. Er war Journalist, Pressesprecher und Rüstungslobbyist und ist Reserveoffizier der Bundeswehr. Er hat tief hinter die Kulissen des Politikbetriebs und der Medienindustrie geblickt und kennt die Mechanismen der Macht. Von 2015 bis 2017 hat er für verschiedene AfD-Fraktionen gearbeitet. Heute warnt er vor den Gefahren, die von der AfD für Deutschland und unsere Demokratie ausgehen.

Ferdinand Schwanenburg ist das Pseudonym eines deutschen Politik- und Kommunikationsberaters, der bereits für viele Politiker großer Parteien gearbeitet hat. Er war Journalist, Pressesprecher und Rüstungslobbyist und ist Reserveoffizier der Bundeswehr. Er hat tief hinter die Kulissen des Politikbetriebs und der Medienindustrie geblickt und kennt die Mechanismen der Macht. Von 2015 bis 2017 hat er für verschiedene AfD-Fraktionen gearbeitet. Heute warnt er vor den Gefahren, die von der AfD für Deutschland und unsere Demokratie ausgehen.

KAPITEL 1


»Der redet doch genau wie Hitler«, sagte Vater Sehlings ziemlich laut und aufgebracht zu seinem Sohn Friedrich. »Dass solche Nazis im deutschen Fernsehen wieder reden dürfen, als sei nichts gewesen, ist ein Skandal. Das haben wir nur dir und deinen Spießgesellen zu verdanken, dass Hitler mit all seinen unsäglichen Taten wieder gesellschaftsfähig wird.«

Friedrich Sehlings blickte seinen Vater erstaunt an. Seit Jahren hatte er den Namen des Führers nicht mehr in seiner Gegenwart erwähnt. Im Fernsehen lief die Sonntagabend-Talkshow, das Wort hatte ein leicht schwitzender älterer Herr mit Gartenzwergkrawatte und anthrazitfarbenem Trachtenjanker.

»Hör dir das doch mal an, Friedrich, der redet genauso wirres Zeug wie du!« Der Vater kam immer mehr in Rage.

Den Sohn wiederum machten diese Worte stolz. Den Führer wieder gesellschaftsfähig gemacht zu haben, das war auch sein persönliches Verdienst. Wenigstens etwas hatte er erreicht! Doch auch das konnte die tiefe Enttäuschung nicht vertreiben, die er in diesem Moment verspürte. Mit dem heutigen Tag drohte seine Mission zu scheitern. Das dämmerte Friedrich Sehlings, als er den verbraucht wirkenden Alten mit der Gartenzwergkrawatte auf dem Bildschirm sah. Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen! Dieses Mal hätte es wirklich klappen können mit der Machtergreifung. Der Alte war die perfekte bürgerliche Fassade.

Dr. Adalbert Hausding, der gerade in der Sonntagabend-Talkshow über die Hitlerzeit redete, war der große Held der Deutschlandpartei. Er hatte sie gegründet, sie von Erfolg zu Erfolg getragen – und sie drei Jahre zuvor mit einem sensationellen Wahlergebnis von 13 Prozent in den Bundestag geführt. Seitdem war er nicht nur der Vorsitzende der Partei, sondern auch Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Von Beginn an wollte Friedrich Sehlings unbedingt dazugehören, er wollte dabei sein, wenn es in Deutschland endlich wieder einen Führer gab. Doch seit dem heutigen Tag standen das Deutsche Herz, der völkische Flügel der Partei, und ihre Nachwuchsorganisation, die Jungdeutschen, unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes – ein schwerer Rückschlag im Kampf um die Macht.

Der Sohn sagte nichts und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Alten mit der Gartenzwergkrawatte zu: »Die deutsche Geschichte umfasst mehr als zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft. Und auch diese dunkle Zeit hatte ihre lichten Momente. Unter den Soldaten des Dritten Reiches waren viele Helden. Viele Deutsche denken so. Erkennen Sie das doch endlich an!«

Die letzten Worte waren an den Verteidigungsminister der Christpartei und den Chef der Ökopartei gerichtet. Mit ihnen zusammen saß Hausding im Talkshow-Studio. Die beiden galten als die kommenden Männer in Deutschland.

»So ein Nazi, so ein elender Nazi! Und diesen Fernseh-Fritzen geht es doch nur um die Quote«, schimpfte der Vater.

Friedrich Sehlings blickte auf seinen Vater. Dann streifte sein Blick die weiße Bibliothekswand in der hellen, geräumigen Münchner Altbauwohnung mit den hohen Decken, in der sein Vater seit fast fünfzig Jahren lebte und in der er selber groß geworden war. Dort standen sie, Buchrücken an Buchrücken. Der ganze in Literatur gegossene Antifaschismus Nachkriegsdeutschlands: Günther Grass, Heinrich Böll, Max Frisch, Wolfgang Borchert, Bertolt Brecht und wie sie alle hießen.

Friedrichs Mutter war promovierte Literaturwissenschaftlerin und Gründungsmitglied der Ökopartei. Sie arbeitete in einem Münchner Verlag und veranstaltete in seinem Elternhaus regelmäßig Salons, bei denen allerlei Künstler zu Gast waren und Literaten aus ihren neuesten Werken vortrugen. Friedrich selber hatte lange Klavierunterricht, und auf ausdrückliche Anordnung der Mutter hatte er den Kanon jener antifaschistischen Literatur durchzuarbeiten, die dort im Regal stand. Wie verhasst war ihm das alles! Wie verhasst waren ihm die bleichen, verweichlichten Intellektuellen, die seine Mutter mit nach Hause brachte, die nicht zu ihrem Mann- und Deutschsein stehen wollten.

Die Mutter war schon vor Jahren gestorben. Seitdem besuchte Friedrich Sehlings seinen bald achtzigjährigen Vater einmal im Monat, immer sonntags. Es war ein Ritual. Sie hatten es auch dann beibehalten, als der Sohn einer der mächtigsten und einflussreichsten Männer der Deutschlandpartei geworden war.

Zum Abschluss des Tages mit Sonntagsbraten im Biergarten und anschließendem Parkspaziergang saßen Vater und Sohn stumm vor dem Fernseher und schauten sich die Polit-Talkshow des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus Hamburg an. Zwischen ihnen galt eine unausgesprochene Abmachung: Sie redeten nicht mehr über Politik. Zu unterschiedlich waren ihre Weltanschauungen.

Friedrich Sehlings’ Vater war in seiner Studienzeit beim Sozialistischen Studentenbund SDS. Er war 1968 an Ort und Stelle, als es darum ging, in Berlin gegen den Schah zu protestieren. Später hat er sich dann zusammen mit seiner Frau bei der Ökopartei engagiert. Früher erzählte der Vater oft von seinen wilden Jahren in der Hoffnung, seinen Sohn von der Überlegenheit der sozialistischen Idee überzeugen zu können. Doch irgendwann hatte der Vater es aufgegeben. Zu oft hatte ihm sein Sohn das Wort »Lebenslüge« entgegengeschleudert.

Nach seinem Studienabschluss war der Vater nach München zurückgegangen, fing bei einem örtlichen Unternehmen an und diente sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hoch. So wuchs Friedrich Sehlings in einem wohlbehüteten Elternhaus auf, versehen mit den Wohlstandsattributen eines bildungsbürgerlichen Lebens der Siebziger- und Achtzigerjahre. Er war der einzige Sohn, ein spät geborenes Wunschkind. Die Beziehung zu seinen Eltern war spannungsgeladen, mit seinem Großvater verstand er sich dagegen gut. Der lebte noch lange im Haus der Familie. Während des Kriegs war er bei der SS, bis zu seinem Tod hatte er niemals ein böses Wort über den Führer verloren. Und seinen alten SS-Dolch hatte er dem Enkel vermacht.

Nach seinem Abitur wollte Friedrich Sehlings einfach nur weg. Weg aus der geistigen Enge des Elternhauses, weg aus den verhassten grün-alternativen Künstlerkreisen seiner Mutter, weg aus der spießigen bayerischen Metropole. Er wollte Abenteuer erleben. Die ostdeutsche Provinz empfing ihn mit offenen Armen. Er kaufte sich mitten auf dem Land ein halbverfallenes kleines Bahnwärterhäuschen. Dort bekam der Dolch des Großvaters einen Ehrenplatz auf seinem Schreibtisch: ein mahnendes Relikt eines anderen, stolzen Deutschlands.

Ihren jahrelangen Komment, nicht mehr über Politik zu sprechen, hatte der Vater jetzt gebrochen. Vieles war in Deutschland in den letzten Jahren in die Brüche gegangen. Die Flüchtlingskrise hatte das Land verändert. Aber sie war nur der Anlass, nicht die Ursache. Die Zustände in Deutschland hatten die Menschen zornig werden lassen. Friedrich Sehlings hatte den Mentalitätswandel schon früh gespürt. Plötzlich wurde über Themen offen geredet, die jahrzehntelang ein Tabu waren.

Da war sie wieder: die große Angst. Jenes weite Spektrum von Ängsten, das die Deutschen bereits nach dem Ersten Weltkrieg beherrschte und sie Zuflucht bei einem charismatischen Führer nehmen ließ. Im Deutschland des Kalten Krieges war die große Angst vorübergehend unterdrückt, war ruhiggestellt. Jetzt brach sie sich wieder Bahn, und zwar in ihrer zerstörerischen Form, als Gesellschaft des Zorns. Eine solche Chance würde es so schnell nicht wieder geben. Das erkannte Friedrich Sehlings damals auf Anhieb.

In der Talkshow war jetzt der Bundesvorsitzende der Ökopartei an der Reihe. Steif saß der Mann in seinem Nadelstreifen-Dreiteiler im schwarzen Edelstahlsessel. Sein Haar war bereits vollständig ergraut, er war Anfang sechzig. In den Umfragen gewann seine Partei von Woche zu Woche in der Wählergunst. Nichts wünschte er sich sehnlicher, als Bundeskanzler zu werden, der erste grüne Regierungschef in Deutschland. Es wäre die Krönung seines Lebenswerkes, rund vierzig Jahre nach der Gründung der Partei, bei der er von Beginn an dabei war.

Der ergraute Politiker hob mahnend den Zeigefinger und begann zu dozieren: »Es gibt in unserem Land außer ein paar Wirrköpfen wie Ihnen, Herr Dr. Hausding, niemanden, der heute noch die Verbrechen der Wehrmacht und des Dritten Reiches verherrlicht. Sie werden gnadenlos scheitern. Niemand wird Sie wählen. Eigentlich brauchen wir uns mit Ihnen gar nicht zu beschäftigen.«

In das gleiche Horn wie der altgediente Politiker der Ökopartei stieß der junge Verteidigungsminister. Der kommende Star der Christpartei setzte ebenfalls alles daran, der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Er war Mitte dreißig, wirkte immer jugendlich-lässig, trug nie Krawatte und hatte ein Diplom als Umwelt-Ingenieur. Nach einer kurzen Zeit als Umweltminister hatte ihn die Kanzlerin auf den wichtigen Posten des Verteidigungsministers befördert. Zusammen mit...

Erscheint lt. Verlag 12.4.2021
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte AfD • Alternative für Deutschland • Betrug • Deutschland • Deutschlandpartei • Erpressung • Führer • Führerstaat • Intrigen • Macht • Machtübernahme • Nationalismus • Partei • Politik • Politiker • Propaganda • rechte Gesinnung • Rechtsradikal • Rechtsruck • Straßenkampf • umschwung • Wahlen
ISBN-10 3-95890-316-9 / 3958903169
ISBN-13 978-3-95890-316-6 / 9783958903166
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich