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MarsAffairs (eBook)

eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
132 Seiten
tolino media (Verlag)
978-3-7394-8625-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

MarsAffairs -  Reimon Nischt
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'Geschildert wird die Marsbesiedlung Mitte des vergangenen Jahrhunderts, beginnend mit den ersten Schritten jener mutigen Pioniere bis hin zur ersten Amerikakrise, die zweifelsohne für unsere Lebensform von kaum zu überschätzender Bedeutung war. Doch die geschichtlichen Hintergründe sind schulische Pflichtlektüre und zugegebener Maßen Allgemeingut, doch mit welchem Fingerspitzengefühl historische wie fiktive Personen miteinander verwoben werden und welch interessante Wendung der selbst bis heute nicht restlos aufgeklärte Minenskandal im Foster-Gebirge nimmt, macht die Lektüre höchst lesenswert. Der Autor beweist nicht zuletzt Finesse, in dem er die historische Begebenheit im Gewand eines utopischen Romans wiedergibt.' A.P. Sallag - New Androids Magazin, Titan im Dezember 2112

Reimon Nischt absolvierte ein Ingenieurstudium und war danach als Konstrukteur, Kinomacher und freiberuflicher Fotograf tätig. Gegenwärtig arbeitet er als Softwareentwickler in einer mittelständischen Firma. Seit dem Jahr 2001 hat er das Schreiben für sich entdeckt.

Reimon Nischt absolvierte ein Ingenieurstudium und war danach als Konstrukteur, Kinomacher und freiberuflicher Fotograf tätig. Gegenwärtig arbeitet er als Softwareentwickler in einer mittelständischen Firma. Seit dem Jahr 2001 hat er das Schreiben für sich entdeckt.

2048 - Aufbruch


 

Acht Paare begaben sich auf den Weg zum Mars. Sie waren die erste Welle und in Abständen von einigen Jahren sollten weitere folgen. Mitch Bolden war einer von ihnen und lag, wie alle anderen auch, fest angeschnallt in seinem Sitz. Er konnte es kaum erwarten, das Dröhnen der Triebwerke zu hören und das anschließende Vibrieren der Rakete zu spüren, wenn sie langsam abhob.

Mitch hatte sich auf diese Augenblicke gefreut, die er dann überhaupt nicht wahrnahm, weil er mit dem dreifachen seines Körpergewichts in den Sitz gepreßt wurde, daß es ihm beinahe den Atem raubte. Kaum hatte er sich an die Beschleunigung gewöhnt, verschwand sie von einer Sekunde auf die andere und machte der Schwerelosigkeit Platz.

Die Schwerelosigkeit war eine Sache für sich, fand Mitch. Obwohl er mit den anderen einige Testflüge in den höheren Atmosphärenschichten absolviert hatte, um sich mit diesem Umstand vertraut zu machen, war es doch immer wieder verstörend, wenn einem die eigenen Organe umplaziert wurden, da sie, wie in Mitchs Fall, seit 34 Jahren ihren angestammten Platz einnahmen.

Während der achtjährigen Vorbereitungsphase hatte er seine Frau Frances kennengelernt. Sie saß neben ihm und lächelte ihn an.

Gleich würden sie an ihrem Raumschiff, der Red Planet, andocken und es in Besitz nehmen. Es würde ihr Zuhause für 114 Tage sein. Mitch hatte dem Langzeittest in der abgeschotteten Berghütte nicht viel abgewinnen können. Seine Erinnerungen an diese Zeit bestanden zu 100 Prozent aus Langeweile. Er hoffte, daß das Zusammenleben auf ihrem Schiff abwechslungsreicher verlaufen würde.

Frances machte ihm Zeichen und er gewahrte, als er aus dem Fenster sah, die Umrisse ihres Schiffes in unmittelbarer Nähe. Er bereitete sich auf den Umstieg vor.

*

Auf der Red Planet gab es für jedes Paar eine Kabine mit Bad. Ein Luxus, der ihnen zugestanden wurde, weil Rückzugsmöglichkeiten bei einer so langen Reise für mehr Ausgeglichenheit sorgen sollten.

Mitch hatte natürlich sofort an Sex gedacht, obwohl ihm klar war, daß es dabei technische Probleme gab. Neben der unschönen Tatsache, daß in der Schwerelosigkeit der Unterleib mit weniger Blut versorgt wurde, mußte man auch noch in einen Doppelschlafsack kriechen. Bisher hatte es noch kein Paar im Weltall getrieben und vielleicht würde Frances und er in die Geschichte eingehen. Jedenfalls hatte er eine Kamera für Dokumentationszwecke dabei.

Doch Sex war das Letzte, woran Mitch die nächste Zeit dachte. Er brauchte eine Woche, um sich an die Schwerelosigkeit zu gewöhnen, dennoch plagten ihn die mit diesem Zustand einhergehenden Schlafstörungen weiterhin.

Der Tagesablauf an Bord unterlag einer strengen Reglementierung. Die Teams waren in vier Schichten eingeteilt und absolvierten rund um die Uhr ihren Dienst. Als anstrengendster Programmpunkt erwies sich der Kampf gegen den Muskelabbau. Sechs Stunden am Tag abwechselnd Laufband, Fahrradergometer und Gummibänder benutzen zu müssen, gefiel Mitch ebensowenig, wie den anderen. Doch wenn sie auf dem Mars landeten ohne trainiert zu haben, würden sie nicht einmal mehr kriechen können. Er sah sich die Gangway hinunterpurzeln und rief: „Ein kleiner Fehler für einen Menschen, doch ein Riesenfehler für die Menschheit. Ende der Marsbesiedelung.“

„Schatz, mit wem sprichst du?“

„Ich übe nur für die Marslandung. Wir brauchen doch einen tollen Slogan für die Liveübertragung.“

„Ist doch ganz einfach“, sagte Frances, „Mars macht mobil und dann springst du aus dem Raumschiff.“

„Warum bin ich nicht darauf gekommen“, sagte er und lachte.

*

Mitch und Frances bildeten mit David und Amy Haller ein Team. Mitch fand, die beiden hatten genau die langweiligen Namen, die zu ihnen paßten. Frances schüttelte nur mit dem Kopf. Doch kamen alle vier gut miteinander aus.

Während der Trainingszeiten wetteiferten die Männer miteinander. Die Frauen sahen ihnen dabei zu, schauten sich gegenseitig an und lachten. Männer waren doch solche Kindsköpfe.

Rund um die Uhr wurden alle ihre Daten erfaßt und zur Erde gesendet. Täglich gab es eine Videokonferenz, während der jeder einzeln seine Probleme innerhalb weniger Minuten äußern durfte. Die meisten zuckten drei Wochen nach dem Start diesbezüglich nur mit den Schultern, doch über kurz oder lang würden Probleme auftreten.

Frances sah die Erde mit Bedauern von Tag zu Tag kleiner werden. Auf dem Mars würde sie dann nur noch ein heller Stern am Himmel sein. Das war für Frances wirklich keine neue Erkenntnis, doch es bestand ein gewaltiger Unterschied, über eine Sache zu lesen oder sie selbst zu erfahren. Ihrem Mann schien das nichts auszumachen, doch konnte sie das nicht mit Bestimmtheit sagen, da sie nie darüber gesprochen hatten. Es würde sich im Kleinen andeuten, die Entfremdung und nicht in großen Auseinandersetzungen. Sie waren noch keinen Monat unterwegs und schon machte sie sich solche Gedanken. Vielleicht war sie nur überempfindlich.

„Siehst du dir auch jeden Abend die Erde an?“, fragte sie Amy während ihrer gemeinsamen Schicht.

„Am Anfang fast stündlich, doch jetzt nicht mehr. Ich versuche, den Mars mit bloßem Auge zu finden und es gelingt mir immer besser.“

„Das sollte ich auch mal probieren.“

„Der Blick zurück wirft dich auch emotional zurück. Die Erde ist für uns Geschichte.“

„Kannst du dein bisheriges Leben einfach so abhaken?“

„Keiner von uns kann das, außer vielleicht Mitch. Der macht immer so einen gelassenen Eindruck.“

„Das stimmt, er versucht aus jeder Situation das beste zu machen. Haben du und David schon mal an Sex gedacht?“

Amy lachte nur und Frances fuhr fort: „Selbst da bleibt Mitch entspannt, wenn es nicht klappt. Er sagt dann immer, daran sieht man ganz deutlich, daß wir nicht für die Schwerelosigkeit gemacht sind.“

„Wie wahr. Uns erging es auch nicht besser. Ein Trost, der Mars hat Schwerkraft.“

„Wenn ich bis dahin noch weiß, wie das geht.“

„Das ist wie Radfahren, das verlernt man nie.“

Beide lachten.

*

Nachdem der Tagesablauf zur Routine geworden war, verlief das Leben an Bord in ruhigen Bahnen. Alle Teams leisteten Forschungsarbeit, ähnlich wie auf der internationalen Raumstation. Doch während diese im Erdorbit kreiste und der blaue Planet zum Greifen nahe schien, war die Red Planet im dunklen, planetaren Raum unterwegs.

Es kam der Tag, da hatte der Mars die sichtbare Größe der Erde übertroffen. Ein Team machte den Vorschlag, eine Party zu veranstalten und nach Rücksprache mit Mission Control wurde diese genehmigt. Frances registrierte die ausgelassene Stimmung, obwohl sie nicht glaubte, daß die zur Schau getragene Gelassenheit bei allen echt war.

„Das ist eine Party, Frances, keine Beerdigung.“

„Gegen meine Traurigkeit komme ich nicht an“, bekam Amy zu hören.

„Komm, gehen wir an die Bar. Unsere Männer sind auch dort.“

Frances folgte ihr widerwillig. Ihren Mann hatte sie den ganzen Tag vor Augen und David fast genauso lange. Da mußte sich doch etwas Interessanteres finden. Brendan Jones stand auch dort. Sie hatte sich schon einige Male mit ihm unterhalten.

„Hallo Brendan, schon eine Weile nicht mehr gesehen. Gibt es hier Verstecke, die ich nicht kenne?“

„Frances, gut siehst du aus.“

„Schmeichler, ich vermisse die Erde und bin nicht halb so neugierig auf den Mars, wie alle anderen vorgeben.“

Sie schwang ihren Arm durch die Runde.

„Du meinst, die frohe Stimmung ist nur vorgetäuscht?“

„Sollte ich die einzige Ausnahme sein? Wie fühlst du dich?“

„So wie die Planetenkonstellation, halb und halb. Doch ich möchte wieder Schwerkraft spüren und mich richtig bewegen können.“

„Ist das deine Umschreibung für Sex haben?“

„Freches Biest.“

„Das ist meine Reaktion auf fehlende Schwerkraft.“

„Was möchtest du trinken, einen Gin Tonic ohne Gin, oder Tonic pur?“

Sie sah ihm direkt in die Augen. Er hielt ihrem Blick stand.

„Vielleicht sollten wir nicht auf die Schwerkraft warten...“

„Hältst du das für eine gute Idee?“

„Die ist um Längen besser, als dieses bescheuerte Marsunternehmen.“

Sie zeigte ihm mit ihren Händen, um welche Länge es sich handelte.

*

„Gefällt dir David?“, fragte Mitch seine Frau, die konzentriert die Figuren auf dem Schachbrett betrachtete. Frances blickte auf. Ihr Mann hatte es wieder einmal geschafft, sie aus ihrer Gedankenwelt zu reißen. Er schien einen untrüglichen Instinkt entwickelt zu haben, die wenigen Augenblicke zu finden, in denen der Mars nicht ihre Gedanken bestimmte.

„Du meinst, ob er gut aussieht? Ja, schon. Doch wir haben uns bisher kaum unterhalten. Wenn er den Mund aufmacht, verliere ich sofort das Interesse. Er ist hier an Bord der größte Langweiler.“

„Und Brendan?“

„Mit dem kann man herumflachsen, der versteht Spaß, warum fragst du?“

„Du hast ihm gegenüber neulich eine zweideutige Geste gemacht. Das wirkte auf mich wie ein Fingerzeig.“

„Das war auf der Party. Da machen Leute so einige Sachen. Das wird erwartet. Ich habe geflirtet.“

„Wir sind hier nur acht Paare. Wenn einer die Grenzen überschreitet, fliegt das ganze Team auseinander. Sei vorsichtig, Frances.“

Sie nickte ihm beschwichtigend zu. Streit war das letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte.

„Ich denke, Brendan kann damit auch umgehen. Übrigens hält Amy dich für den Mann an Bord, der mit all den widrigen Umständen am...

Erscheint lt. Verlag 18.2.2020
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Androiden • Marsbesiedelung • Science-fiction
ISBN-10 3-7394-8625-2 / 3739486252
ISBN-13 978-3-7394-8625-3 / 9783739486253
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