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Wolfssünde (eBook)

Robert Hartmanns zweiter Fall: Ein schrecklicher Fund, eine tödliche Botschaft, ein gefährliches Geheimnis...
eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
413 Seiten
tolino media (Verlag)
978-3-7394-4176-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wolfssünde -  Moritz Hirche
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Ein schrecklicher Fund, eine tödliche Botschaft, ein gefährliches Geheimnis... BKA-Zielfahnder Robert Hartmann auf der Jagd nach der Wahrheit: Südlich von Berlin, in Brandenburg... Im Nebel einer Herbstnacht versucht eine junge Försterin, ein neu angesiedeltes Wolfsrudel zu beobachten. Dabei trifft sie tief im Wald auf eine verwirrte Frau, die sie zu einem grausigen Fund führt: Die schrecklich zugerichteten Leichen dreier Menschen, die offenbar von den Raubtieren getötet wurden. Die Forstbeamtin steht vor einem Rätsel. Die örtliche Polizei scheint ratlos. Das Bundeskriminalamt wird gebeten, Licht ins Dunkel der Ereignisse zu bringen. Denn die Toten hinterließen eine seltsame Botschaft, die niemand zu deuten vermag... Robert Hartmann, der als Zielfahnder mit einer heiklen internationalen Ermittlung befasst ist, wird nach Deutschland zurückbeordert, um die mysteriösen Todesfälle zu untersuchen. Schnell entwickelt sich der Fall zu einer gefährlichen Jagd, die Hartmanns eigene Sünden ebenso an die Oberfläche bringt wie die finstere Vergangenheit des Waldes. Die Bedrohung kommt näher und sie ist persönlicher, als Hartmann ahnt. Doch niemand außer den Wölfen scheint ihm dabei helfen zu wollen, das tödliche Geheimnis zu lüften...

Moritz Hirche, geboren 1980 in Berlin, veröffentlichte 2014 sein Debüt "Todesfährte", den ersten Teil der Thriller-Trilogie um den BKA-Zielfahnder Robert Hartmann. Der zweite Band, "Wolfssünde", wurde 2019 als ebook-Bestseller ausgezeichnet. "Aussätzig", der dritte und letzte Teil der Reihe folgte im Jahr 2020. Seinen bisher größten Erfolg konnte der Autor mit dem ebenfalls als ebook-Bestseller ausgezeichneten History-Thriller "Die Physikerin" erreichen.

Moritz Hirche, geboren 1980 in Berlin, veröffentlichte 2014 sein Debüt "Todesfährte", den ersten Teil der Thriller-Trilogie um den BKA-Zielfahnder Robert Hartmann. Der zweite Band, "Wolfssünde", wurde 2019 als ebook-Bestseller ausgezeichnet. "Aussätzig", der dritte und letzte Teil der Reihe folgte im Jahr 2020. Seinen bisher größten Erfolg konnte der Autor mit dem ebenfalls als ebook-Bestseller ausgezeichneten History-Thriller "Die Physikerin" erreichen.

I



Im finsteren Wald



morituri non cognant 

(lat.: die Todgeweihten sind ahnungslos)




Landstraße 74, zwischen Wünsdorf und Töpchin


Das knurrige Motorengeräusch verebbte. Wie immer ließ sie den betagten, grünen Mercedes-Geländewagen vor der alten Schranke stehen. Vor Jahrzehnten musste sie einmal rot-weiß gestreift gewesen sein. Jetzt bedeckte Grünspan die Reste der Farbe, die noch nicht abgeblättert war. Der Schlagbaum versperrte den Zugang zu einem der verwilderten Forstwege, die das riesige Areal durchzogen wie blutleere Adern einen toten Körper. 

Das Blechschild, das sich an den rostigen Schlagbaum klammerte, wirkte hingegen noch recht neu: 

Naturschutzgebiet 

 (ehemaliges militärisches Übungsgelände)

Von dieser Fläche gehen erhebliche Gefahren für Leben und Gesundheit aus.   


Darunter stand noch irgendetwas Unheilvolles von alter Munition, Explosionsstoffen, Chemikalien, einsturzgefährdeten Bauwerken und unterirdischen Anlagen.  


Hinter der Schranke begann hügeliger, lichter Kiefernwald, gelegentlich durchsetzt von Eichen, Birken und Erlen. Letzte Sonnenstrahlen fielen durch die Stämme auf den bemoosten Boden. 

Julia Singer öffnete die Heckklappe, hinter der Cheetah geduldig wartete. Die große Hündin sprang heraus, schnupperte halbherzig, entfernte sich aber nicht vom Auto. Singer schulterte den kleinen Rucksack, der außer einer digitalen Nikon-Kamera eine Wasserflasche und einige nützliche Utensilien enthielt. Dann band sie in einer uneitlen Bewegung die brünetten Haare zum Pferdeschwanz. Zuletzt steckte sie den Revolver in das Holster am Gürtel. Nur für alle Fälle. Ein gut gepflegter 38er von Smith & Wesson. Beileibe kein High-Tech, aber zuverlässig. Für eine Försterin erfüllte er seinen Zweck. Ein Gewehr nahm sie, wie meistens, nicht mit. Ohnehin war das einzige, das sie zu schießen gedachte, Fotos. 

Der Weg, der sie tiefer in den Wald führte, war bald kaum noch als solcher zu erkennen. Eine Wildnis, mitten in Brandenburg. Über dreihundert Hektar Sumpf, Sand, Wiese und Wald. Nein, es war mehr als eine Wildnis. Ein vergessener, ein verbotener Ort. Seit 1994 die letzten sowjetischen Streitkräfte abgezogen waren, hatte man das riesige Areal sich selbst überlassen. Gebäude verfielen, Bunker wurden allmählich überwuchert. Erst ein paar Jahre später war halbherzig damit begonnen worden, zumindest die gefährlichsten Altlasten zu beseitigen. Offen herumliegende Granaten oder Ähnliches waren seitdem nicht mehr zu befürchten. Anschließend wurde das Sperrgebiet offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt.  

Doch alle Dinge, vor denen das Schild warnte, waren noch da. 

Dort, wo niemand hinsah. 


Als zuständige Forstbeamtin war Julia Singer für den erfreulichen Teil dieser Entwicklung zuständig. Die Natur hatte das Terrain zurückerobert, soweit es ihr nicht schon vorher gehörte. Eine reichhaltige Flora und Fauna gedieh allerorten. Seltene Arten hatten hier ein ungestörtes Refugium gefunden. Darunter auch eine große, räuberische Spezies, deren Auftauchen nicht bei allen Begeisterung hervorrief. 

Cheetah trottete ohne Leine neben Singer her, ließ sich auch von einer Eidechse nicht ablenken, die neben ihr durch trockenes Laub raschelte. Nach etwa drei Kilometern verjüngte sich der Weg zu einem schmalen Pfad. Er führte einen Hügel hinauf. Ein Schutthaufen zwischen den Kiefern war von Gras und Flechten überwuchert. Unweit davon wuchsen wilde Heidelbeeren. 

Wenige Minuten später passierte die Försterin ein kleines Gebäude. Auf dem Dach fehlten die meisten Ziegel. Es war verlassen. Wie alles andere hier. Warum hatte man es einst  gebaut? An einer Mauer waren die Reste einer kyrillischen Aufschrift zu erahnen.  

Von hier aus war ihr Ziel nicht mehr weit. In einer Senke lichtete sich der Wald. Sie nahm Cheetah an die Leine. Ab jetzt durften sie keine Geräusche mehr verursachen und keine Spuren hinterlassen. Allmählich begann die Dämmerung.  Jagdzeit. Der kleine Hochstand am Waldrand, den sie kürzlich mit zwei Forstarbeitern errichtet hatte, bot gerade soviel Platz, dass sie es mit dem Hund ein paar Stunden darauf aushalten konnte. Singer legte Fernglas und Fotoapparat neben sich. Sie schraubte das Objektiv für Nachtaufnahmen auf und machte einige Probeaufnahmen von der Stelle auf dem Hügel, an der sie die Köder ausgelegt hatte. Cheetah saß neben ihr auf einer kleinen Decke. Wieder einmal hatte Singer festgestellt, dass es kein einfaches Unterfangen war, einen ausgewachsenen Rhodesian-Ridgeback auf einen Hochstand zu hieven. Es musste lächerlich ausgesehen haben. Aber wen interessierte das schon? In einem Umkreis von mindestens fünfzehn Kilometern um sie war kein Mensch. Davon war zumindest auszugehen. Verzichten wollte sie weder auf Cheetahs scharfe Sinne noch auf ihre Gesellschaft. Unten bleiben konnte sie auch nicht. Es war zu gefährlich. Denn die, auf die Singer wartete, würden die Hündin töten, falls sie sie witterten. Man hätte es ihnen nicht vorwerfen können. Sie waren es gewohnt, um das Überleben ihres Rudels zu kämpfen. In ihrer Welt gab es keinen Napf mit frischem Fleisch am Morgen und keine warme Decke am Abend. 

Canis Lupus war zurück. Ja, es gab wieder Wölfe in Brandenburg.  

Hundertzweiundfünfzig Jahre, nachdem ein Gutsherr stolz verkündet hatte, das letzte Exemplar in dieser Gegend erschossen zu haben. Die Menschen registrierten es mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination. Von Begeisterung bis Abscheu war alles darunter. Wie so oft lagen Liebe und Hass dicht beieinander. Die Aussicht, dass es in den Wäldern wieder ein großes Raubtier gab, polarisierte besonders die Bevölkerung in den angrenzenden Dörfern. 

Als Försterin sah Julia Singer es als ihre Aufgabe an, für den Wolf zu werben. Zur friedlichen Koexistenz zwischen Mensch und Tier beizutragen. Es handelte sich aus ihrer Sicht dabei eher um ein emotionales Problem. Der Wolf wollte im Normalfall mit Menschen nichts zu tun haben und nahm rechtzeitig Reißaus. Zumindest, solange man ihn nicht in die Enge trieb. Es würde alles kein Problem sein, wenn man dem Ärger aus dem Weg ging. 

Dass sie an diesem Abend bewusst die Nähe der Raubtiere suchte, war Teil dieser Mission. Ziel war es, möglichst viele Fotos des Rudels aufzunehmen. Wer war der Leitwolf, wie viele weibliche Tiere gab es? Waren womöglich schon Welpen geboren worden? Abgesehen vom wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn konnten gelungene Aufnahmen eine  Menge zum positiven Image des Wolfs beitragen. Vielleicht gelang es ihr sogar, ein Muttertier mit ihren Welpen zu fotografieren. Ein Anblick, der kaum weniger anrührte, als ein tapsiger  Wurf junger Hunde. 

Soviel zur Theorie, dachte Singer. Sie mochte Tiere. Eigentlich sogar lieber als Menschen. Dennoch beschlich sie ein mulmiges Gefühl, während sie zusah, wie die Dämmerung in Dunkelheit überging. Wer sich im Wald nicht auskannte, wurde regelrecht von der Nacht  überrascht. Cheetahs dunkle Augen starrten wachsam umher, die Ohren waren aufgerichtet. 

Singer trank einen Schluck Wasser, hielt dann jedoch inne. Der Drang, zur Toilette zu müssen, wäre jetzt denkbar unpassend. Sie hob das schwere Fernglas an. Es war kein Nachtsichtgerät, doch die Linsen waren für schlechtes Licht optimiert. Schemenhaft erkannte sie die Fleischköder im Moos. Dort, wo sie die Abdrücke der Tatzen gefunden und Cheetah die Losung der Wolfsrüden gewittert hatte. Die Fleischbrocken wirkten allesamt noch unberührt. Sie wartete. Und wartete. Eine Ewigkeit, so kam es ihr vor. Es wurde kühl. Singer fröstelte und zog den Reißverschluss ihres Parkas höher. Cheetahs Wachsamkeit hatte merklich abgenommen. Die Hündin schien stattdessen mit dem Gedanken zu spielen, sich trotz des beengten Raumes auf der Decke zusammenzurollen.  

Das Rudel würde an diesen Platz zurückkehren, das lag in der Natur der Tiere, versicherte sich Singer fast trotzig. Gleichzeitig war sie sich bewusst, dass es mit jeder Minute  unwahrscheinlicher wurde, dass sie in dieser Nacht einen Wolf zu Gesicht bekam. Der Biorhythmus der Tiere sprach ganz einfach dagegen. Die Armbanduhr war der Meinung, dass es bereits auf dreiundzwanzig Uhr dreißig zuging. Sie seufzte enttäuscht. Warum ignorierte das Rudel die Köder? Warum mieden die Wölfe ihren alten Lagerplatz, obwohl dort eine mühelose Mahlzeit wartete? 

War sie zu nah? Oder hatten die Tiere sie doch gewittert? 

Es gab viele mögliche Gründe. Erstmals gönnte sie sich ein langgestrecktes Gähnen. Die Anspannung ließ merklich nach. Während sie ihre Augen zusammenpresste, drang ein Geräusch an ihre Ohren. Ein Knacken. Wie ein Zweig unter einem Schuh. Die Tiere des Waldes erlaubten sich solche Unachtsamkeit nicht. Auch Cheetah war aufgeschreckt. Ihr kräftiger Körper straffte sich. 

Offenbar keine Täuschung. 

Singer kramte im Rucksack nach der Taschenlampe. Ob sie damit Tiere verscheuchte, spielte jetzt keine Rolle mehr. Es waren keine in der Nähe. Zumindest nicht die, wegen denen sie sich...

Erscheint lt. Verlag 29.1.2019
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Brandenburg • Bundeskriminalamt • Ermittler • Krimi • Psychothriller • Sperrgebiet • Sünde • Thriller • Wald • Wolf • Wünsdorf • Zielfahnder
ISBN-10 3-7394-4176-3 / 3739441763
ISBN-13 978-3-7394-4176-4 / 9783739441764
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