vierzig kilometer nacht
Vor jedem Gedicht, schrieb Lutz Seiler, liegt die »Geschichte, die wir erlebt haben, das Gedicht trifft ihren Ton, es erzählt sie nicht, es erzählt ihren Ton«. Bedachtsam und nah an den Substanzen arbeitet Seiler sein Material wieder und wieder durch, unaufgeregt, sicher im Ton, mit unverwechselbarer Stimme.
Lutz Seilers Gedichte, entstanden zwischen 2000 und 2003, unternehmen eine Reise durch vierzig kilometer nacht, sie führen hinaus aus der vom Uranbergbau zerstörten Herkunftslandschaft von pech & blende über »deutsche alleenstrassen« und »hinter garagen-zeilen« - hinein in die historische Schichtung mitteldeutscher und brandenburger Gegend.
Mit außerordentlicher musikalischer Sprachkraft verbindet der Autor auf diesem Weg Biographisches, Landschaftliches und Politisches zu »Nervensystemen der Erinnerung«. Dabei sind es die einfachen, konkreten Dinge, an denen Geschichte für einen Moment lesbar wird, in einer augenblicklich treffgenauen, nicht wiederholbaren Konstellation von Vergangenheit und Gegenwart.
Lutz Seiler (geboren 1963) wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranbergbau geschleift. In Gera schloss er eine Lehre als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Während seiner Armeezeit begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst zu schreiben. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1990 ging Seiler nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Längere Auslandsaufenthalte in Rom, Los Angeles und Paris. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus bei Potsdam. Seiler lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Wilhelmshorst und Stockholm. Von 1993 bis 1998 war Seiler Mitbegründer und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift moosbrand. Er schrieb zunächst vor allem Gedichte (fünf Gedichtsammlungen sind erschienen) und Essays, später auch Erzählungen und Romane. Für die Erzählung Turksib wurde Seiler 2007 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für sein Romandebüt Kruso erhielt er 2014 den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 25 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA verfilmt. Sein zweiter Roman Stern 111 wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Im August 2021 erschien der Gedichtband schrift für blinde riesen. 2023 wird Lutz Seiler mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
vor der zeitrechnung
gelobtes land
erfinder
vertigo
der cartesianische taucher
im block meint der erzähler, heisst
siehst du die welt von osten: wie
gelobtes land
vierzig kilometer nacht
hubertusweg
an der bahn
der schrifthund
die rosen
continental
im speckgürtel
jeder ort hält seinen platz verschlossen
vierzig kilometer nacht
nach dem buch
in abgeschlossenen kapiteln wohnen
delphin oder schmetterling
wir lagen vor madagaskar und hatten
dioptrien
ammoniak
hoddis
beton
schlachten, träumen
drei kasten-vögel
mittagsschlaf & heldenfilme
aqua vitae
heimfahrt
im frühling
noch einmal wächst die zeichnung
von diesem fenster könntest du
in welcher zeit
deutsche alleenstrasse
im jahre eins, das war
schnelle geschichte
ich wusste nicht
global village
in schichten von wasser
deutsche alleenstrasse
ortsauswärts atmen
oben wind noch an den blüten
auf wenig geht alles
umsolieber
nosferatu
hinter garagen-zeilen
achter mai
gegen den, der es ausspricht
altes objekt
altes objekt
dreiundachtzig
dendrochronologie
porträt
während wir schlafen
safari
schön ist die vollkommene ruhe
am ende, wenn
ende & anfang
»Seine Gedichte sprechen rhapsodisch, schwingen immer weiter aus, schaffen ein irrlichterndes Verweissystem der Bedeutungen, ja nicht nur der Bedeutungen, sondern auch der Bedeutungsträger.« Ursula Krechel DIE ZEIT 20040129
»Seine Gedichte sprechen rhapsodisch, schwingen immer weiter aus, schaffen ein irrlichterndes Verweissystem der Bedeutungen, ja nicht nur der Bedeutungen, sondern auch der Bedeutungsträger.«
»Man liest diese schönen und wichtigen Gedichte nicht so bald aus.«
| Erscheint lt. Verlag | 20.8.2003 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 124 x 202 mm |
| Gewicht | 185 g |
| Themenwelt | Literatur ► Anthologien |
| Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte | |
| Schlagworte | Anthologie • Auswahl • Berliner Literaturpreis 2023 • Bertolt-Brecht-Preis 2023 • Blütenlese • Bremer Literaturpreis • Bremer Literaturpreis 2004 • Deutscher Buchpreis 2014 • Gedichtband • Gedichte • Georg-Büchner-Preis 2023 • Ingeborg-Bachmann-Preis 2007 • Lyrik • Lyrik/Gedichte • Lyrisch • Poesie • poetisch • Preis der Leipziger Buchmesse 2020 • Sammlung • Zusammenstellung |
| ISBN-10 | 3-518-41457-7 / 3518414577 |
| ISBN-13 | 978-3-518-41457-6 / 9783518414576 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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