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Anbeginn -  Michél Niesner

Anbeginn (eBook)

eine Epiflage in elfeinhalb Märchen
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
136 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7534-1020-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
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Manchmal tauchen wir ein in eine zauberhafte, in eine glückliche Welt des Seins... Wenn jene, die wir betrachten mehr sind als bloße Figuren, wenn sie Gefühle zeigen, sich lieben, sich vermissen, wenn sie die vermeidlich kleinen Dinge des Lebens als das größte Geschenk empfinden, erkennen wir darin mehr Traum denn Wirklichkeit. Doch stellen Sie sich vor, Sie werden von Beginn an mitgenommen, entführt in eine Welt in der die zauberhaften Wesen den Sinn erklären und in der die Wirklichkeit verständlich wird durch jene Gedanken in denen Raben noch zu Raaben werden, ein Schweineleben Wunder wirkt und Schmetterlinge auch im Winter fliegen. Die Geschichten dieses Buches begleiten, trösten, wühlen auf und schaffen es durch die Feinfühligkeit der Sprache auch dort Emotionen zu erwecken, wo sie verschlossen scheinen. Denn Märchen können uns das ganze Jahr erhellen, wenn nicht ein Leben lang!

Geboren Ende des 20. Jahrhunderts prägt Michél Niesner seine Literatur durch eine lyrische Sprache, durch die auf klangvolle Weise ähnlich der Musik die Gesamtheit eines Werkes entsteht. Den Leser mitzunehmen auf eine Reise und ihn am Ende mit neuen Gedanken und Eindrücken zurück zu lassen, die ihn vielleicht noch ein Stück weiter des Weges begleiten, ist Sinn und Ziel seines Schreibens. Mit "wi(e)der menschlich" veröffentlicht er 2008 sein erstes Buch. Die Geschichten, die sich darin befinden, sollen zu dem zurückführen, was uns alle umgibt: Leben! 2015 beendet er das im darauf folgenden Jahr erschienene Buch "Das letzte Spiel, Die Psychologie eines Mörders" durch das er in zwei Geschichten weg vom bloßen Kriminalroman hin zu einem psychologisch feinfühligen Verständnis führt. -- Fünf Jahre später schaffen es elfeinhalb Märchen in "Anbeginn" durch die Feinfühligkeit der Sprache auch dort Emotionen zu erwecken, wo sie verschlossen scheinen. Zeitgleich erscheint durch "Carlos Geist" ein klassisches Drama, das versucht, vom Hier und Jetzt weg zu führen, um es durch das Abbild der Vergangenheit vielleicht möglich zu machen, die Zukunft wieder als das zu betrachten, was sie im Universum des Lebens ist.

Das Schweinchen


Es war einmal, so beginnen oft Geschichten, Märchen, die vor Kindern vorgelesen werden, um sie in den Schlaf zu wiegen. Es war einmal, so beginnt auch dieses Märchen, denn es soll, einst aufgeschrieben, Euch hier in Euren Stuben Zauberbilder malen.

Ein Junge von geringem Wuchs und frei von allen Sorgen, die das Leben mit sich bringt ging eines Tags spazieren. Er war im neunten, vielleicht zehnten Lebensjahr und dennoch hatte er in dieser doch recht kurzen Lebenszeit schon mancherlei erreicht. Er hatte des Nachbarn Hühnern unter dem Federkleid ein Ei gestohlen, nicht aber um es seiner Mutter am Frühstückstisch zu braten, nein vielmehr um es seinem Vater des Nachts von seinem Fenster aus auf dessen Kopf zu werfen, als dieser von der Arbeit nach Hause kam. Auch hatte dieser Bub, dem man doch gleichwohl nichts zutraute als lieb und zuckersüß zu sein, ein Musterknabe, der den Eltern doch niemals den Kummer bereiten würde wie andere, gerade dieser so liebe Musterknabe, er hatte seiner Mutter das Salz in ihrer Küche durch süßen Stoff ersetzt und eben diesen Zucker durch Salz. Natürlich gab es ein jedes Mal Geschrei. Aber nicht dem Jungen gegenüber, dem wahrlich nicht, nein vielmehr schrien sich die Eltern gegenseitig an, da abends zu ganz später Stunde der Vater, von schwerer Arbeit heim gekommen, das Essen seiner Frau genießen wollte, doch dort das Fleisch recht süß vorfand und als er dann nach stundenlangem Murren die Süßspeise probierte, da schrie er wieder. Der Junge konnte freilich nichts dafür, nein dieser wahrlich nicht.

Als genau dieser Junge nun eines Tages im warmen Sommer auf einem Bauernhof spazieren ging, da sah er bald im Schlamm und in der Sonne drei Schweinchen liegen, die doch mit ihrem Leben recht glücklich schienen, und so sagte dieser kleine Junge dann auch ganz frei zu sich: „Ach ja, ein Schweinchen müsste man doch sein, so ein Leben in der Sonne, faul, liegend, das hat nicht jeder.“ Denn ihr müsst wissen, der Junge wurde nicht nur von seinen Eltern verwöhnt wo es nur immer geht, er ward über die Jahre dazu recht faul geworden und da ihm auch das Spielen mit dem Ball die Freude nicht recht bringen mochte, so konnte man nun auch auf seinen Rippen den Speck schon deutlich sehen. Als er nun aber die Worte über jene Schweinchen gesprochen hatte, die sich vor ihm im Schlamme wälzten, da fühlte er sich nun noch schwerer als zuvor und irgendwie kam es ihm vor, als würde diese Last ihn auch zu Boden drücken. Er wollte schreien, so merkwürdig erschien es ihm, doch nichts außer ein Quieken hörte man weit und breit, ein Schweinequieken.

Und wisst ihr auch warum? Ihr werdet es wohl schon erraten haben! Es ward aus diesem Jungen ein Schwein geworden. Ein kleines süßes Schweinchen von rosa Farbe, das trotz seiner recht kleinen Größe sehr gut genährt erschien, vielleicht zu gut. Und wie nun dieses Schweinchen so quiekend durch den Hofe rannte, um Hilfe zu erhalten, da kamen sie herbei gerannt, die Leute. Doch ach nun wollten sie ihm gar nicht helfen. Man wollte es nur fangen und zu den and’ren Schweinen sperren, das schrie ein jeder lauthals, so dass man’s hören konnte. Das Schweinchen aber, das man als Junge gewöhnlich Hans zu nennen pflegte, das hörte dies, erschrak sich und lief vor jedem weg, der ihm zu nahe kam. Das war ein Anblick, sag ich Euch! Wie? Glaubt ihr nicht, dass ich es gesehen habe? Ich war doch jener Rabe in des Nachbarn Baume und hab’ es ganz genau gesehen!

Nach gut zwei Stunden hatten sie’s dann endlich, das Schweinchen. Der arme Hans musste zur Strafe mit den andren in den Stall, wo alle Tiere schlafen, die auf den Bauernhöfen wohnen. Hier fand man ihn am Abend ganz eingeschüchtert in einer Ecke sitzend. Man sollt wohl besser sagen liegend. Denn als die Tiere ihn gefragt, wer er denn sei, da hatte er gesagt: „Ich bin der Hans, ein Mensch und spreche nicht mit Euereins“ und so war er jetzt ganz allein in dieser Ecke des großen dunklen Stalls. Fast wäre er schon eingeschlafen, der kleine Hans, doch plötzlich sah er in der Dunkelheit ein Licht, das immer heller wurde und in dem selben Augenblick stand eine wunderschöne Frau vor ihm im blauen Kleid von hellem Licht umgeben.

„Was willst Du schöne Frau?“, sprach Hans ganz ohne Scheu. „Dir helfen“, sprach jene Fee. „Ich brauche Deine Hilfe nicht!“ „Dann weißt Du also schon, warum ich Dich verzaubert hab’?“ „Du warst es, schöne Frau? Hast mich zu diesem Tier gemacht?“ „Weil Du es sagtest!“ „Ja aber ernst hab’ ich es doch wohl nicht gemeint.“ „Und doch gesagt?“ „Ich sag so vieles!“ „Und meinst es nicht? Du tust so vieles Hans!“ „Was willst Du damit sagen?“ „Viel Unsinn Hans, vor dessen Konsequenzen Dich die mütterliche Hand oft schützt.“ „Ich bin ein liebes Kind!“ „Gewesen Hans, vor ein paar Jahren.“ „Du wirst sehr ungerecht!“ „Ich finde nicht.“ „Doch wirst Du, sehr!“ „Und dass die Mutter sich so oft über Dich ärgern muss, ist das gerecht?“ „Sie muss sich nicht…“ „Und auch der Vater. Hat er durch seine Arbeit nicht schon Kummer genug?“ „Du bist so ungerecht zu mir! Ich will nicht mit Dir reden!“ „Weil ich Dich jetzt versteh!“ „Wie meinst Du das?“ „Ich bin die Einzige, die Dich außer den Tieren hier verstehen kann.“ „Die Einzige?“ „Ja die Einzige wohl außer jenen Kindern, denen man noch keinen Glauben schenkt.“ „Mir also!“ „Du bist dafür zu groß!“ „Den kleinen etwa?“ „Den ganz kleinen, Hans.“ „Und warum bin ich nun hier dieses Schwein?“ „Weil Du doch eines sein wolltest! Weil Du Dich über derlei Geschöpfe lustig machtest und deshalb selbst erleben sollst, wie’s ist, ein Schwein zu sein.“ „Und wann ist dieser Spaß vorbei?“ „Wenn Du begriffen hast.“ „Was soll ich denn begreifen?“ „Das wirst Du finden!“

Und damit war die Fee verschwunden. Hans konnte sie nirgendwo mehr sehen, egal wo immer er auch suchte. „Habt ihr gesehen, wo sie hin verschwunden ist?“, fragte er die Tiere, die verwundert darüber, dass er nun doch mit ihnen sprach, nur fragten: „Wen denn?“ „Na diese Fee!“, sprach Hans. Doch die Tiere hatten keine Fee gesehen. Oder wollten sie keine gesehen haben? Hans legte sich schlafen, ins Stroh, allein in seine Ecke. Und über den Gedanken, ob diese Fee nun echt gewesen wäre oder nicht, da schlief er ein.

„Aufwachen Du Faulpelz!“, hörte er plötzlich eine raue Stimme rufen. Es war kein Traum, die Mistgabel war drohend nah vor seinem Kopfe, dahinter der Vater eines Freundes aus der Schule. Er war der Bauer dieses Hofes. Hans sprang auf und lief quiekend davon. Doch wohin? Der Stall war leer! Wo waren die anderen? „Da lang!“, hörte er den Bauern sagen und rannte was das Zeug hielt zum Tor hinaus. Doch als er so aus jener Scheune gerannt kam, als wenn es um sein Leben ging, da begannen seinen Beine plötzlich nachzugeben, er rutschte und… platsch! Er war kopfüber in den Mist gefallen und hörte es nur um sich quieken.

„Toller Sprung!“ und „Wo hast Du das gelernt?“, sagten sie. Hans ekelte sich vor diesem Dreck und fühlte sich so gar nicht wohl. Ein Schweinchen, das sich im Dreck nicht suhlen wollte. Er war schon ein recht komisches Schweinchen unser Hans.

„Was lacht ihr so dumm?“, fragte er schließlich, als er sich aus dem Schlamm befreit hatte. „Verzeih es uns, doch Schweine sind nun einmal dumm, das sagte uns schon immer dieser Hans.“ „Der Hans?“ „Ja, der kleine, freche Junge, der immer über uns lachte.“ „Das stimmt nicht!“ „Das stimmt sehr wohl, Hans, Du hast stets über uns gelacht.“ „Ihr wisst, dass ich der Hans bin?“ „Natürlich!“ „Woher?“ „Wir sahen doch, wie Du Dich in ein Schwein verwandelt hast und wie sie Dich jagten, bis sie Dich dann zu uns in den Stall sperrten.“ „Und ihr habt nichts getan?“ „Was hätten wir denn tun sollen? Auf Schweine hört doch keiner!“ „Und nun?“ „Bist Du ein Schwein und führst ein Schweineleben.“ Ein allgemeines Quieken war zu hören. Nur Hans, der schien zu weinen.“ „Was hast Du?“ „Ich will kein Schwein sein!“ „Warum?“ „Ich bin ein Mensch, ein Kind. Ich will zu meiner Mutter!“ „Hört, hört! Obwohl Du sie geärgert hast?“ „Es tut mir leid, ich will es nicht mehr tun.“ „Nun schau mal nicht so traurig drein Junge! Jetzt gehen wir erst einmal essen und danach sieht das Leben gleich wieder viel besser aus.“

Es war schon Mittag, Hans hatte lange geschlafen und nun gab es für die Schweinchen des Hauses ein Freudenschmaus. Auch Hans schien sich ein wenig darauf zu freuen, denn Essen konnte ihm den Schmerz zumindest lindern. Doch ach. Hier gab es kein Gemüse oder Fleisch und auch etwas Süßes, das fand er nicht....

Erscheint lt. Verlag 19.1.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
ISBN-10 3-7534-1020-9 / 3753410209
ISBN-13 978-3-7534-1020-3 / 9783753410203
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