Wega 10: Finale auf Tramp (eBook)
64 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-5372-2 (ISBN)
1.
»Vorsicht, Gucky!«
Der Ilt, der eben noch von einer Düne aus den Horizont beobachtet hatte, drehte sich alarmiert um. Ghiafirs Ruf kam fast zu spät: Er sah einen langen, orangeroten Schatten durch den Sand auf sich zuschießen und teleportierte instinktiv weg.
Leider ließen seine angeschlagenen Kräfte keine großen Sprünge zu. Er kam nur ein paar Schritte weit und zahlte den Einsatz seiner Paragabe mit einem stechenden Schmerz, der ihm durch den Kopf schoss. Er keuchte, taumelte und war für einige Sekunden orientierungslos.
Diese Zeit reichte der seltsamen Kreatur aus, die ihn angegriffen hatte: Nachdem ihr Opfer auf so geheimnisvolle Weise vor ihrer Nase verschwunden und in einiger Entfernung wiederaufgetaucht war, zögerte sie nicht lange.
Der Hieb eines gewaltigen, schuppigen Schwanzes traf Gucky in den Kniekehlen und brachte ihn zu Fall. Mit einem Aufschrei landete er auf dem Rücken. Kleine Steine, die in der Wüste von Tramp nicht selten waren, bohrten sich in den Raumanzug des Typs SERUN – nicht spitz und scharf genug, um das widerstandsfähige Material zu beschädigen, aber ausreichend, um unangenehm und schmerzhaft zu sein.
Gucky verzog die Schnauze. »Autsch!«
Allerdings hatte der Ilt größere Probleme als blaue Flecken durch Steine. Denn nun erkannte er, was ihn angegriffen hatte: ein schlangenähnliches Wesen, gut ein Dutzend Meter lang mit zehn Beinen, die im Verhältnis zum Körper winzig wirkten. Es glitt durch den Sand auf den Mausbiber zu wie ein Eiskunstläufer auf einem zugefrorenen See. Der Kopf erinnerte an einen Leguan mit einem Haifischgebiss, das Maul war weit aufgerissen, bereit, zuzuschnappen. Gucky wollte wieder teleportieren, doch seine Psikraft versagte – stattdessen wurde ihm vor Schmerz schwarz vor Augen.
Warum unterstützte ihn die Schutzmontur nicht? Warum baute sie keinen Prallschirm auf, versteifte nicht die Außenhülle, um die Wucht des Schlags zu mindern? Nahm diese sonderbare Kreatur Einfluss auf die Anzugpositronik – oder gar auf den Ilt? Gaukelte sie ihm etwas vor, was gar nicht geschah?
Im nächsten Augenblick fühlte sich Gucky zur Seite gestoßen. Und dann hörte er Ghiafir.
»Lass sie in Ruhe!«, wollte Gucky schreien. Aus seiner Kehle kam jedoch nur ein Gurgeln.
Ächzend drängte er den Schmerz beiseite und stemmte sich auf die Ellbogen hoch. Er musste blinzeln, um den Sand aus den Augen zu bekommen, denn er hatte den Helm des SERUNS unvorsichtigerweise nicht geschlossen. Kaum dass er den Schemen erkennen konnte, schlug er telekinetisch zu.
Erneut ertönte ein Kreischen, aber es stammte definitiv nicht von einem Mausbiber. Es klang wie das Brüllen eines Höllendämons.
Gucky konzentrierte sich auf den orangeroten Schemen und versuchte, ihn telekinetisch zu packen. Während er weiterhin blinzelte, um klare Sicht zu bekommen, kämpfte er gleichzeitig an zwei Fronten: gegen den immer stärker werdenden Kopfschmerz und gegen die sich aufbäumende Leguanschlange.
Die Gegenwehr des Wesens machte ihn wütend. Hau endlich ab, du Riesenwurm! Er spürte, wie ihm die Kräfte schwanden. Er würde die Kreatur nicht mehr lange unter Kontrolle halten können.
Seine Ellbogen gaben unter ihm nach, und er landete auf dem Bauch, ließ das Wesen jedoch nicht aus den Augen. Genau in dem Moment, in dem er unkontrolliert zu zittern begann, spürte er, dass etwas in der Leguanschlange zerbrach. Das Leben wich aus ihr, sie erschlaffte. Ebenso wie Gucky.
*
Als er wieder zu sich kam, kniete Ghiafir an seiner Seite. Der SERUN hatte ihm aufputschende Mittel injiziert, er fühlte sich etwas besser. Die Kopfschmerzen indessen waren noch da, und sie fühlten sich nicht so an, als seien sie nur für einen Kurzbesuch gekommen.
»Alles in Ordnung?«, fragte Ghiafir besorgt.
»Ja, dank dir!« Gucky setzte sich auf – langsam, um das Gefühl, von einer Korvette gerammt worden zu sein, nicht zu verstärken. »Bei dir alles okay?«
»Ja, mir geht's gut.« Ghiafir zeigte ihren Nagezahn, der eine kleine Kerbe im oberen Bereich aufwies. »Die Kawengu hat mich nur ein bisschen am Arm erwischt, als ich dich weggestoßen habe.« Sie hob ihren linken Arm, über den ein etwa zehn Zentimeter langer, klaffender Riss lief, der allerdings nur leicht blutete.
Erschrocken richtete sich Gucky auf. »Das müssen wir verarzten. Lass mich dir helfen.«
Besorgt griff Ghiafir nach seinem Arm, als Gucky taumelte. »Ich glaube, dir wird eine Rast auch ganz guttun.«
Ghiafir teleportierte mit ihm zu einer nahen Oase. Gucky hatte zwar die Befürchtung, dass sie die Roboter, denen die beiden Mausbiber nun bereits seit Stunden nachschlichen, dadurch aus den Augen verlieren mochten. Er war allerdings am Ende seiner Kräfte. Deswegen sandte er, wie schon zuvor, ein paar Kleinstsonden aus dem SERUN aus.
Der Anzug funktionierte wieder so, wie Gucky es von ihm wollte. Eine rasche Systemprüfung brachte keine Erkenntnisse, die dem Ilt weiterhalfen. Warum hatte der SERUN bei der Attacke der ... der Kawengu falsch oder, besser gesagt, gar nicht reagiert?
Fasziniert beobachtete Ghiafir, wie er die medizinische Ausrüstung seines Anzugs nutzte, um ihre Wunden zu versorgen. »Ist das Zauberei?«
»Nein – nein! Das habe ich dir doch erklärt. Es ist Technik. So wie die Roboter oder ihre Gerätschaften.« Gucky seufzte. Er hatte ein paarmal versucht, Ghiafir möglichst einfach und verständlich nahezubringen, was es mit dem SERUN auf sich hatte. »Wirklich, es existiert unendlich mehr, als du dir vorstellen kannst. Dort oben zwischen den Sternen am Himmel gibt es so viel Faszinierendes zu sehen ...«
»Und du warst dort?« Ghiafir verzog kurz die Schnauze, als sie eine Injektion gegen Infektionen verabreicht bekam. »Zwischen den Sternen, meine ich? Wie bist du dort hingekommen?«
»Nun, ich ...« Gucky überlegte. Er hatte nicht vor, Ghiafir zu verraten, dass er aus der Zukunft kam. Er wollte sie nicht anlügen – schon deswegen, weil er wusste, dass Lügengeschichten irgendwann aufflogen. »Ich war eines Tages an der Oberfläche, als ein Raumschiff landete. Ich war neugierig und habe mich an Bord geschlichen. So habe ich Bully kennengelernt – ihn und andere gute Freunde.«
Ghiafirs Augen waren groß geworden. »Das muss lange her sein. Ich bin nicht besonders alt, erst um die achtzig Sonnenumläufe. Du musst Tramp viele Jahre, bevor ich geburtsgeschickt wurde, verlassen haben.«
»Tja.« Gucky vermied es, sie anzusehen. »Ich bin auf jeden Fall deutlich älter als du. Und als ich zu den Sternen aufgebrochen bin, war ich noch ein junger Hüpfer. Ich habe viele Abenteuer mit meinen Freunden erlebt, seit ich in dieses Raumschiff gestiegen bin.«
Ghiafir griff nach seiner Hand, als er ihr gerade den Verband anlegte. »Du vermisst ihn, oder?«
Seufzend ließ Gucky die Bandage sinken. »Bully ist mein bester Freund. Ich bin nicht glücklich darüber, wie wir uns getrennt haben.«
Eigentlich war es schlimmer: Er, Gucky, der Retter des Universums, hatte ein schlechtes Gewissen. Er hatte Bull angegriffen und ihn telekinetisch zu Boden geschleudert. Was ist nur in mich gefahren?
Sicher, er hatte den Terraner bereits häufiger durch die Luft fliegen lassen. Schon bei ihrer ersten Begegnung war Bull telekinetisch geschwebt. Aber Gucky hatte ihn nie willentlich verletzen wollen.
Dabei wusste Gucky genau, woran es lag, dass er eine solche Wut auf Bull entwickelte. Es waren die Worte, die ES ihnen übermittelt hatte, der Auftrag, »die Zivilisation der Mausbiber zu bewahren«. Diese Mission elektrisierte Gucky nach wie vor – gab sie ihm doch die Hoffnung, dass es tatsächlich denkbar war, sein Volk vor der Vernichtung zu schützen.
Es besteht die Möglichkeit, dass ich vielleicht bald nicht mehr der letzte überlebende Mausbiber in unserer Zeit bin – und was macht Bully? Er wirft mir Knüppel zwischen die Beine!
Sofort war die Wut wieder da, als Gucky daran dachte, wie vehement sich Bull dagegen ausgesprochen hatte – aus Angst, ein Zeitparadoxon auszulösen. Dabei war es doch eine Anweisung von ES gewesen. Warum verstand Bull das nicht?
Reflexartig ballten sich Guckys Hände zu Fäusten.
Ghiafir gab ein mitleidiges Fiepen von sich. »Ich verstehe dich, Gucky. Es ist nicht leicht, wenn man Streit mit dem besten Freund hat. Wenn Zarfre und ich nicht einer Meinung sind ...« Tränen traten in ihre großen, hellbraunen Augen.
Gucky hatte mitbekommen, wie eng die Verbindung zwischen Ghiafir und ihrer Freundin war – und dass auch Ghiafir ein schlechtes Gewissen quälte, weil Zarfre ein Stück von ihrem Schwanz verloren hatte. Dazu brauchte er seine Telepathie, die ihm momentan ohnehin nur Kopfschmerzen verursachte, nicht zu bemühen. Er tätschelte ihre Schulter.
»Hey, es ist nicht deine Schuld.«
»Doch, das ist es.« Mit einer harschen Bewegung wischte sie sich die Tränen weg. »Wenn ich sie nicht dazu verleitet hätte, nach draußen zu gehen, hätten die Roboter sie nicht erwischt.«
»Entschuldige dich niemals dafür, deiner Neugier nachgegeben zu haben. Sie ist eine Grundeigenschaft unseres Volkes und wurde bislang durch diese ekelhaften Roboter unterdrückt. Und sie sind es, die schuld an Zarfres Verletzung sind, nicht du. Ich hingegen habe mir den Streit mit Bully selbst eingebrockt, weil ich ihn nicht überzeugen konnte, wie wichtig es ist, die Roboter zu vernichten.« Gucky schluckte. »Sogar Mink hat sich von mir abgewandt.«
Die Raubkatze, der sie auf Tramp begegnet waren, war seine Vertraute gewesen, die auf besondere Weise telepathisch mit ihm in Verbindung stand....
| Erscheint lt. Verlag | 22.7.2021 |
|---|---|
| Reihe/Serie | PERRY RHODAN-Miniserie | PERRY RHODAN-Wega |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-5372-4 / 3845353724 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-5372-2 / 9783845353722 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich