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Wega 2: Die Rollende Stadt (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021
64 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-5364-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wega 2: Die Rollende Stadt - Ben Calvin Hary
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Seit mehr als dreieinhalb Jahrtausenden bereisen die Menschen den Weltraum und erforschen die Wunder des Universums. Sie sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet, haben zahlreiche Welten besiedelt und kosmische Geschichte gestaltet. Als die Raumfahrer einst zu den Sternen aufbrachen, war das Sonnensystem der Wega mit seinen vielen Planeten ihr erstes Ziel. Im Jahr 2059 Neuer Galaktischer Zeitrechnung kehrt Perry Rhodan erneut dahin zurück, wo er das Volk der Ferronen kennengelernt und den Schlüssel zur Unsterblichkeit entdeckt hat. Der Freundschaftsbesuch nimmt jedoch einen verhängnisvollen Verlauf - eine unbekannte Macht greift die Ferronen und Menschen an. Gleichzeitig erhält Rhodan eine Nachricht des mysteriösen Geisteswesens ES. Um die seltsamen Gegner abzuwehren, muss der Terraner offenbar einem neuen Galaktischen Rätsel nachspüren. Verfolgt von dem Anführer der Invasoren, fliehen Perry Rhodan und eine Raumpilotin aus ferner Vergangenheit in DIE ROLLENDE STADT ...

1.

Irgendwo. Irgendwann.

 

Über Perry Rhodan glänzte der Himmel.

Es war das Erste und das Letzte, was er sah, bevor der Rematerialisierungsschmerz ihm fast die Besinnung raubte.

Als die Tür des Transmitterkäfigs krachend vor ihm aufschwang, verlor er den Halt. Er fiel. Reflexartig streckte er die Arme aus, um den Sturz abzufangen. Seine Hände berührten glatt poliertes Metall, dann rollte er sich beiseite und blieb auf dem Rücken liegen.

Wo bin ich gelandet? Benommen blinzelte er in das Irrlichtern über sich, ein Kaleidoskop aus verschiedenen Lichtstärken. Seine Sicht blieb vernebelt. Seine sämtlichen Nerven brannten von den Folgen des Transmitterdurchgangs.

Der Raum bewegte sich.

Erst glaubte er, dass er sich das einbildete. Er fühlte sich, als läge er in einem Gleiter, der einem unsichtbaren Ziel entgegenraste. Die Welt ringsum wankte, nur der Boden stand vollkommen still.

Rhodan biss die Zähne zusammen. Einatmen. Ausatmen. Zug um Zug verebbte die Pein, sein Blick klarte auf. In der Schulter pochte der Zellaktivator. Er stützte sich auf die Ellbogen und sah sich um.

Er war allein, inmitten einer Halle, deren Ränder im Halbdunkel lagen. Was er für den Himmel gehalten hatte, entpuppte sich als Mosaik zumeist quadratischer Bleche, manche winzig, andere riesenhaft. Helligkeit aus einer unsichtbaren Quelle spiegelte sich im Metall, gedämpft von der Patina ungezählter Jahre, und tauchte den Boden in eine Vielzahl verwirrender Reflexe.

Ich bin in Sicherheit. Vorerst. Doch die Anspannung fiel nicht von ihm ab.

Perry Rhodan war auf der Flucht. Die Maccani, eine Gruppe verblüffend menschenähnlicher Wesen, hatten das Wegasystem besetzt – just als Rhodan es mit einer Diplomatendelegation besuchte. Ein Mann namens Krakatau machte Jagd auf ihn und seine Begleiter. Mittels eines Fiktivtransmitters unter dem Roten Palast auf Ferrol waren sie entkommen – gleich nachdem sie eine Botschaft des Geisteswesens ES erhalten hatten: Das ist dein zweites Spiel, alter Freund. Du wirst die Hilfe deiner Freunde brauchen. So wie damals ...

Schnell überprüfte er die Funktionstüchtigkeit seines hochmodernen Raumanzugs vom Typ SERUN. Der Antigrav sprang nicht an, das Flugaggregat ebenso wenig. Rhodan nahm es zur Kenntnis. ES trieb nun mal seine Scherze.

Die Stimme des Unsterblichen hallte in Rhodan nach. Doch zunächst gab es Wichtigeres. Hatte er die Verfolger abgeschüttelt? Wo blieben seine Begleiter, mit denen er das Gewölbe unter dem Roten Palast fast gleichzeitig verlassen hatte?

Hinter Rhodan ertönte ein anhaltendes Summen. Es drang aus dem Transmitter: ein käfigartiges Gestell aus chromblitzendem Material mit primitiv anmutenden Kontrollelementen, die aus einem Pult am Sockel ragten. Das Gerät ging erneut in Betrieb.

Gillian Wetherby materialisierte Augenblicke später. Haltlos stürzte sie aus dem Käfig, doch Rhodan stemmte sich vollends auf und bremste ihren Fall, bevor sie neben ihm auf den Boden prallte. Ein erstickter Laut entfuhr ihrer Kehle.

Gleichzeitig umhüllte ein milchiges Flimmern den Transmitter – ein Schutzschirm unbekannter Art, der den Rückweg abschnitt. Rhodan bezweifelte ohnehin, dass ES die Umkehr gestattet hätte.

Wetherby wälzte sich zitternd. »Es ... tut weh!«, rief sie auf Englisch, der längst vergessenen Verkehrssprache der Dritten Macht. Sie war blass.

Der Terraner kämpfte den eigenen Schwindel nieder, legte ihr die Hand in den Nacken und massierte sie behutsam. Fransen ihres lockigen Haars, pechschwarz und militärisch kurz geschnitten, verfingen sich zwischen seinen Fingerspitzen. Kaffeebraun schimmerte Wetherbys Haut hindurch.

»Was du spürst, nennt man Rematerialisierungsschmerz.« Er sprach leise, teils um die Pilotin zu beruhigen, hauptsächlich jedoch, um keine potenziellen Gegner anzulocken. Noch war unklar, wohin der Transmitter sie befördert hatte. »Es ist eine normale Reaktion des Nervensystems. Der menschliche Körper schätzt es nicht, entstofflicht, durch den Hyperraum befördert und am Ende ins vierdimensionale Kontinuum zurückgeschickt zu werden. Vor allem nicht, wenn sich der Verstand zuvor kaum dagegen wappnen konnte. Unsere Flucht vor Krakatau war überstürzt. Es wird gleich vorbei sein.«

Sie halfen einander auf. Selbstverständlich hatte Gillian Wetherby keine Ahnung von Materietransmittern und deren Nebenwirkungen. Sie stammte aus einer anderen Epoche, dem Jahr 1975 alter Zeitrechnung. Infolge einer Raum-Zeit-Anomalie hatte die ehemalige Raumjägerpilotin der Dritten Macht die vergangenen Jahrtausende übersprungen.

»Wohin jetzt? Wo sind Reginald Bull und ...« Ihr Blick irrte unstet durch den Saal, hielt sich an den Reflektorplatten der Decke fest, dann am Schutzschirm, der ihnen den Rückweg versperrte. »... und der Mausbiber?« Sie schwankte und krallte sich am Brustteil von Rhodans SERUN fest.

»Gucky«, half der Terraner aus. Wenigstens litt anscheinend nicht allein er unter dem Gefühl, dass sich der Raum bewegte. Befanden sie sich in einer Art Fahrzeug? Er zuckte mit den Schultern. »Ich hatte gehofft, Bully und er würden nachkommen.« Seine Freunde hatten den Transmitter unmittelbar nach ihnen benutzen sollen. Offenbar hatte ES entschieden, sie voneinander zu trennen.

Rhodan nahm es hin. Derartiges gehörte zu den üblichen Spielchen der Superintelligenz, die er seit Jahrtausenden kannte. Er hoffte nur, dass sie sich noch immer im Wegasystem aufhielten.

»Wir müssen hier weg«, sagte er. »Krakatau lässt sich bestimmt nicht so einfach abschütteln. Er wird uns durch den Transmitter folgen.«

Mit unsicheren Schritten und über schwankenden Boden zogen sie sich vom Empfangskäfig zurück. Am Ende der Halle flackerten zwei Lichter im Halbdunkel. Darauf hielten sie zu. Wetherby war noch immer bleich.

»Der SERUN verfügt über ein integriertes Medomodul.« Rhodan zeigte ihr die entsprechenden Bedienkontrollen am Handgelenk des Schutzanzugs. »Es ist mit hochwirksamen Stimulanzien bestückt. Falls die Übelkeit überhandnimmt.«

»Ich bin zäh im Nehmen.« Unwirsch fegte Wetherby seine Hand beiseite, als er nach ihrem Multifunktionsarmband fasste. Sofort machte sie ein erschrockenes Gesicht. »Entschuldigen Sie, Mister Rhodan. Sir.« Sie blieb stehen, salutierte und sah dabei auf ihre Stiefelspitzen.

»Schenken wir uns die distanzierten Formalitäten, Gillian. Das ›Sir‹ ist im Interkosmo schon vor Jahrtausenden aus der Mode gekommen. Heutzutage spricht man sich mit Vornamen und vertraulicher Anrede an.«

»Ich soll den Präsidenten der Dritten Macht ›Perry‹ nennen?« Wetherbys Finger klebten an ihrer Schläfe, als traue sie sich nicht, den militärischen Gruß zu beenden.

»Diesen Posten bekleide ich seit Ewigkeiten nicht mehr.« Rhodan winkte ab. »Betrachte uns als zwei ehemalige Piloten der Space Force. Wir lösen das Rätsel der Superintelligenz eher, wenn wir auf Augenhöhe miteinander umgehen.«

»Ja, Sir. Ich meine ... Perry.« Sie errötete. Die Situation war ihr sichtlich unangenehm. Immerhin nahm sie die Hand von der Stirn.

Rhodan unterdrückte ein Schmunzeln. Damit hätte er sie noch mehr verunsichert. In der Ära der Dritten Macht hatten weibliche Mitglieder der Raumflotte, zumal solche mit dunkler Hautfarbe, sich stets beweisen müssen. Wer zu Wetherbys Zeit nicht härter und männlicher als jeder Mann aufgetreten war, wurde von den Kameraden schlicht nicht ernst genommen.

Der Terraner aktivierte den Holoprojektor, der am Brustteil seines SERUNS angebracht war. »Diesen Raum vermessen!«, befahl er der Anzugpositronik.

Der Projektor zeichnete gelbe Rasterlinien in den Raum, immateriell und doch so realistisch, dass Rhodan glaubte, er könne sie berühren. Sie folgten den Konturen des Bodens. Bemaßungen kennzeichneten die Dimensionen.

»Dieser Raum durchmisst zweihundert Meter«, las Rhodan ab. »Quadratische Grundfläche. Die verschieden großen Reflektoren über uns befinden sich in vierzig Metern Höhe.«

Sie näherten sich dem Saalrand. Die Lichter, die Rhodan aus der Ferne gesehen hatte, entpuppten sich als riesenhafte Gasfackeln. Ihr Licht erhellte zwei steinerne Säulen, die einen Torbogen bildeten. Sie umrahmten eine mächtige, zweiflügelige Tür, deren Oberfläche mit faustgroßen, metallenen Nieten beschlagen war. Die Positronik gab eine Höhe von 18 Metern an. Das Portal war geschlossen.

Wetherby legte den Kopf in den Nacken, starrte an den Türflügeln empor. »Wer wohnt dahinter? King Kong?« Sie zog die Stirn kraus.

Zu zweit untersuchten sie die beiden Säulen. Der Brustscheinwerfer des SERUNS aktivierte sich selbsttätig und beleuchtete das Gestein. Im Lichtkegel erkannte Rhodan haarfeine Gravuren, die vor seinen Augen flimmerten und verschwammen. Der Holoprojektor zeichnete sie mit kräftigeren Linien nach.

Ratlos betrachtete Rhodan die Zeichnungen, die entfernt an Höhlenmalereien aus der Vergangenheit der Menschheit erinnerten. Eine davon zeigte riesenhafte Gestalten, die sich um eine Gruppe kleinerer Kreaturen scharten und die Arme schützend über sie hielten.

»Kängurus«, kommentierte Wetherby. Widerwillige Faszination schwang in ihrer Stimme mit. »Diese Zeichnungen erzählen ihre Geschichte.« Wetherbys Finger beschrieb einen Kreis, der die Gravuren umfasste. Aus dem Rücken der Kleinen wuchs ein Schwanz, der bis auf den Boden reichte und offenbar als zusätzliche Stütze diente.

»Intelligenzwesen«, korrigierte Rhodan sanft. »Der Schwanz könnte auch ein drittes Bein darstellen. Die Zeichnungen sind nicht detailliert genug, um eindeutige Rückschlüsse zuzulassen.«

Im nächsten...

Erscheint lt. Verlag 1.4.2021
Reihe/Serie PERRY RHODAN-Miniserie
PERRY RHODAN-Wega
Verlagsort Rastatt
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction
ISBN-10 3-8453-5364-3 / 3845353643
ISBN-13 978-3-8453-5364-7 / 9783845353647
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