I met the devil - she exists (eBook)
318 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7526-5674-9 (ISBN)
Kapitel 1
Bury the body
Früher habe ich nicht einmal einen Gedanken darüber verloren, alleine auf‘s Land zu ziehen. Aber jetzt mal ehrlich, jeder Großstadtmensch, der meint das Land noch nie mit Schafen, alten Bauern und Kuhmist in Verbindung gebracht zu haben, der lügt. So dachte ich auch noch lange, als wäre es das Normalste, was es gab. Es ist aber ganz anders: Idyllische Natur, Felder und Vögel, das ist für mich Natur, das Wesentliche.
Ich wohne hier zwar erst seit etwa zwei Wochen, aber der erste Eindruck zählt bekanntlich.
Ich hole tief Luft. Anhalten. In der Hoffnung der Geruch setze sich in meiner Nasenschleimhaut ab. Ausatmen.
Nicht weit von hier ist die Hauptstraße. Also, wenn man sie denn so nennen kann. Die 'Hauptstraße' ist ein kleiner schmutziger Weg, etwa breit genug für einen halben Elefanten. Er ist -abgesehen von dem Wald- der einzige Weg aus Lilia.
Einigen Menschen mag der Wald, der wahrscheinlich beinahe die Weite des Regenwaldes hat, angsteinflößend vorkommen. Und auch wenn mir dieser Wald abends oft eiskalt den Rücken runterläuft, finde ich es doch ziemlich idyllisch und bewundernswert, wenn ich aus meinem Fenster schaue. Tagsüber zumindest.
Ich sehe das Dorf nur noch durch den kleinen hellen Schlitz zwischen der Vielzahl an Nadelbäumen hinter mir, als ich meinen Kopf umdrehe, um nicht paranoid nach hinten zu schauen.
Vielmehr schaue ich mich um, um den Weg, den ich zurücklege in Gedanken zu behalten.
Die Vögel zwitschern ein süßes Lied während ich mich ironischerweise durch das Zweiggewitter boxe.
Ich gehe einige Schritte. Die Äste unter meinen Füßen knacken so laut und schwer, dass die Vögel in meiner Nähe aufkreischen und davonfliegen. Mit der einfachen Amateurausrüstung, Kamera plus Tasche, beschließe ich etwas weiter rauszugehen. Man sagt sich nämlich etwas weiter in dieser Richtung befinde sich eine kleine Stelle, frei von Bäumen und höher auf dem Berg gelegen. Von dort aus soll man eine Aussicht auf das Dorf haben wie bei einer
Aussichtsplattform. Nein, sogar noch schöner. Als sähe man vom Himmel herab. Und was wäre ich für ein Mensch, würde ich solch einen Ausblick nicht aufzeichnen?
Also soll es mein Ziel sein, ein einfaches Foto zu knipsen. Ich weiß das widerspricht sich, aber es soll perfekt sein. Ein Foto nur für mich. Und wer weiß, vielleicht zeige ich es eines Tages meiner wunderschönen Frau. Nicht, dass ich eine hätte oder so, nur würde ich es mir schon wünschen irgendwann zu heiraten. Wieso eigentlich nicht? Vielleicht eine Frau, so schön wie dieses Dorf.
Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob die Außenwelt von unserem Plätzchen an der Sonne Bescheid weiß. Ich persönlich bin froh darüber, einen Freund gehabt zu haben, der hier wohnte. Als Kind war ich auch das ein oder andere Mal hier zu Besuch. Unsere Eltern waren befreundet, bis diese Freunde eines Tages nach Australien auswanderten.
Ich kann mich nur sehr verschwommen an all das erinnern, was hier passiert ist. Irgendwas scheint passiert zu sein. Es war das Tabuthema meine Familie auf dieses Dorf anzusprechen.
Irgendwann gab es nichts mehr, was mich aufhielt herauszufinden, was es war. Was passierte in diesem September damals? In diesem Herbst, von dem man erzählte, es habe nur rote Blätter geregnet.
Ich kann den Horizont wieder durch die Bäume erkennen, als ich luftschnappend den verdreckten Hügel mit meinen veralteten Schuhen hinaufsteige. Ich stapfe Schritt für Schritt auf den Ästen und trampele wie ein Elefant die letzten paar Schritte hinauf zur sogenannten Aussichtsplattform.
Wenn der Körper tatsächlich zu 70 % aus Wasser besteht, dann bin ich 50% auf diesem Weg losgeworden, aber das hat sich gelohnt. Ich packe meine Kamera aus und schaue durch die Linse.
Wunderschön, wie die Krähen auf der einen Seite durch die weißen Wolken tauchen und sich auf der anderen Seite des Dorfes wieder auf den Baumkronen niederlassen, so majestätisch.
Und wie so oft, ist es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass nach der Ruhe der Sturm kommt. Ich erkenne, wie sich oben eine graue aggressive Wolke über das Dorf legt, als ziehe sie in den Krieg. Ich mache mich besser auf den Weg. Es sei denn, ich möchte mit schmutzigen Klamotten nach Hause kommen. Natürlich nicht. Ohne groß nachzudenken marschiere ich zurück in Richtung Dorf, mit meinen monoton gleichbleibenden Schritten, wie ein Ninja durch meine eigenen Fußspuren.
Ein kalter Wind zieht seitlich an meinem Körper vorbei und streichelt ihn leicht. Mit ihm ein Pfeifen quer durch den Wald. Ein Eichhörnchen springt von Ast zu Ast und ein hübscher Vogel zwitschert auf der Baumkrone, als wolle er mit mir ein Liedchen trällern. Ich könnte schwören, der Vogel zwitschert eine Melodie.
Ich kenne sie zwar nicht, aber sie ist wie Musik in meinen Ohren.
Wie eine Melodie aus einer Aufziehbox eines Kindes. Im Vier-Viertel-Takt und im Staccato.
Wie eingetaucht in den Wald, als müsse ich gleich wieder an die Oberfläche, um nach Luft zu schnappen, frage ich mich, wo ich bin. Habe ich mich tatsächlich zu sehr in meinen Gedanken verloren?
Bin ich den Schritten denn nicht richtig gefolgt? Ich blicke nach rechts und links. Neben mir sind keine kahlen Nadelbäume mehr, sondern nur ein schmaler Weg - die Dorfstraße. Ich taumele auf die Straße, stolpere beinahe aufgrund des Höhenunterschieds von Straße zu Wald. Ich blicke hinauf in den schon fast grauen Himmel. Dann auf meine dreckigen Schuhe, welche schon in der gleichen Intensität der Farbe des Himmels, jedoch braun anstatt grau, aufleuchten.
<<Shit!>>, gebe ich reflexartig von mir. In welche Richtung soll ich denn jetzt gehen? Soll ich auf mein Gefühl vertrauen? Verzweifelt schaue ich in den Himmel.
<<Wenn es dich gibt, hilf mir!>>
Ich höre Donner, mit ihm kommen die ersten einzelnen Regentropfen. Immer stärker. Plötzlich schüttet es wie aus Eimern.
Innerhalb von Sekunden hat sich der Weg in einen dreckigen Sumpf verwandelt. Mit ihm auch meine positive Stimmung. Solange jemand meine Kamera samt Foto finden würde, könnte ich jetzt sterben und es wäre mir egal.
<<Es gibt dich nicht>>, spreche ich vor mich hin, ohne jegliche Form von Hintergedanken.
Von allen Seiten höre ich Platzgeräusche auf dem Boden, als sich die Regentropfen auf der matschigen Erde herablassen. Mein Kopf wird schwer, sodass ich mich am Straßenrand hinsetze und mein Knie anwinkele. Das Plätschern scheint überwiegend rechts von mir.
Ein Licht der Hoffnung erscheint, ein erlösendes Licht, welches sich eindeutig in meinen Augen spiegeln würde, würde ich diese selbst sehen. Vielleicht ein Auto oder ein Fahrrad oder ein Engel?
Ich stelle mich wieder hin und strecke meine linke Hand mit ausgestrecktem Daumen aus. Filmreif wird der rote 5-Sitzer langsamer. Der spritzende Matsch lässt nach als er hält. Die Rettung.
Ich öffne die Beifahrertür.
<<Was treiben Sie denn bei dem Wetter mitten im Wald?>>, fragt mich die scheinbar weibliche Person aus dem Auto in einem verwirrten Ton, unterstützt von der Geräuschkulisse des abartig lauten Scheibenwischers.
<<Es-Es tut mir leid, dass ich Ihre Sitze dreckig mache.>>
<<Ach, das macht doch nichts, ich wollte das Auto sowieso die nächsten Tage waschen.>>
Dabei ist das Auto eigentlich ziemlich sauber und abgesehen davon duftet es auch noch wundervoll.
<<Haben Sie die Leiche gut vergraben?>>, fragt sie und hat dabei eine ungewöhnlich rationale Stimme für eine Dame.
<<Wie bitte?!>>, frage ich empört, im Anschein nicht zu glauben, was ich verstanden habe.
<<Na die Leiche. Sie haben mir nicht auf meine Frage geantwortet. Die Leiche muss tief vergraben sein, sonst wird sie bei solch einem Unwetter wieder an die Oberfläche gespült. Wegen der nassen Erde. Können Sie mir folgen?>>
Die Frau ist mir nicht geheuer. Ich würde jetzt zu gerne aussteigen, aber der Regen stellt sich mir als Gefahr in den Weg.
Sie löst eine Hand vom Lenkrad und haut mir leicht an die Schulter, während sie ein einfaches Lachen von sich gibt. Ihr Blick fokussiert dabei die Straße. Was ist so lustig? Ich finde das alles andere als lustig.
<<Ich mache Spaß, seien Sie nicht so verspannt>>, lacht sie wiederholt vor sich hin. Ob das lustig ist? Da muss man schon einen teuflischen Humor haben. Ich drücke meine Tasche an meine Brust und gebe ein verzweifeltes Lachen von mir, und auch wenn sie die Ironie erkannt hat, bleibt sie still. Wieso bin ich hier eigentlich eingestiegen? Ich schaue durch das verregnete Fenster in den grauen Himmel und da weiß ich wieder wieso. Dabei weiß ich nicht mal wohin die Fahrt geht.
<<Sie kommen auch aus dem Dorf, habe ich Recht?>>, frage ich die junge Frau auf dem Fahrersitz neben mir, in der Unsicherheit, sie würde erneut einen unangenehmen Spruch loswerden.
<<Ja, tue ich>>, antwortet sie...
| Erscheint lt. Verlag | 18.1.2021 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Dunkel • Gewaltätig • Horror • Psychisch • Sektiererisch |
| ISBN-10 | 3-7526-5674-3 / 3752656743 |
| ISBN-13 | 978-3-7526-5674-9 / 9783752656749 |
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