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Sagen und Legenden aus dem Bergischen Land (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
160 Seiten
Regionalia Verlag
978-3-95540-754-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sagen und Legenden aus dem Bergischen Land - Tilman Röhrig
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Sagen und Legenden aus dem Bergischen Land Tilman Röhrig hat sie aufgespürt, die sagenhaften Gestalten und tapferen Menschen des bergischen Landes. Da Feen und Teufel, Zwerge und Wiedergänger, dort Ritter, Mönche, Mägde und Handwerker. Nach intensivem Quellenstudium erzählt Röhrig mit all seiner literarischen Fertigkeit die spannendsten Sagen und Legenden nach und lässt den Leser staunen ob des Ideenreichtums, den diese schöne Region zeitigt. Welche unheimlichen, absurde oder märchenhafte Ereignisse spielten sich in früheren Zeiten im Bergischen ab - in Altenberg, Düsseldorf, Ratingen, Elberfeld oder Schlehbusch, auf Schloss Burg und im Neandertal, in Refrath, Remscheid, Solingen, Bensberg, Deutz, Leverkusen und in vielen anderen Orten? 17 Sagen und Legenden erwecken die vergessenen Schätze der bergischen Welt wieder zum Leben und entführen uns auf fantasievolle Weise in vergangene Jahrhunderte.

Tilman Röhrig, 1945 im Hunsrück geboren, lebt heute in Hürth bei Köln. Seit 1973 ist er als freischaffender Schriftsteller erfolgreich und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Seine Bücher sind in vielen Sprachen übersetzt. Dieses Buch ist die zweite Veröffentlichung in unserem Verlag - nach dem Sagenbuch zu Köln.

Dort im Verborgenen wächst die Knospe unserer neuen Heimat


»Der junge König und ich geben dir, Adolf, diese Unsere Gebiete rechts des Rheins zum Lehen.«

Kraft und Treue hatte er bewiesen. Unerschütterlich hatte er dem mächtigen Kölner Erzbischof Anno zur Seite gestanden, bis Pfalzgraf Heinrich der Wütende 1060 geschlagen und dem furchtbaren Plündern, Morden und Brennen ein Ende gesetzt worden war. Verbrieft und gesiegelt erhielt der tapfere Ritter den wohlverdienten Lohn. Es waren keine reichen Lehen, kaum gerodete, keine großen, noch nicht einmal zusammengehörende Königsgüter.

Die Getreuen des bärtigen Grafen ließen die Schultern hängen, wagten sogar, hinter vorgehaltener Hand zu murren.

Von Deutz aus wies Adolf zu den nahen WäIdern und Anhöhen hinüber. »Verzagt nicht, Männer! Dort im Verborgenen wächst die Knospe unserer neuen Heimat. Sie wird aufblühen, mächtig und unübersehbar. Das schwöre ich, bei meiner Ehre.«

Verblüfft hielten die Gefolgsleute den Atem an, noch nie hatten sie solch lange und blumige Rede aus dem Mund ihres Herrn vernommen. Für ihn gab es kein Hü und Hott, kein Vielleicht und Beinah, vor allem kein unnützes Geschwätz um eine Sache, wie man es in Köln an jeder Straßenecke hören konnte. Er war ein Mann der Tat, aufrecht, streng, und die Ritterehre bedeutete ihm mehr als sein Leben.

Ohne Widerspruch folgten die Mannen dem Grafen in die Wildnis. Entlang des Ufers der Dhünn schlugen sie sich den Weg durch das Dickicht. Adolf hob den Blick und entdeckte eine schroffe Felshöhe. Kühn ragte sie über dem Tal. Hoch im Blau des Himmels zog der Adler seine Kreise. Nur ein steiler, steiniger Weg führte hinauf zum Bergsporn. Der Graf ballte die Faust. »Das ist mein Platz.« Er war leicht zu verteidigen und hoch genug, um das Gebiet weit zu übersehen. »Dort oben soll meine Burg stehen.«

Wie es seiner Art entsprach, gab er der kleinen Feste schlicht den Namen Burg Berg und nannte sich selbst von nun an Adolf, Graf von Berg.

Auch nach dem Tod Annos blieb er ein zuverlässiger Verbündeter des Kölner Erzstuhls und diente in beharrlicher Treue seinem König Heinrich.

War alles wohlgeordnet?

Erst spät kam Adolf der Gedanke, dass ein Graf für Nachkommen zu sorgen hätte. Sein Bart war längst grau geworden, als er im letzten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts die junge Adelheid, eine Großnichte der Königin, zur Frau nahm. Stolz erfüllte Adolf, denn mit seiner Braut gelangte er zu ausgedehntem Landbesitz im Wupperbogen. Welch ein Heiratsgut. Welch eine Hochzeit!

Adelheid war schön, und ihr Lächeln gewann die Herzen der Berger. Bald kündeten Fanfaren die Geburt eines Sohnes. Stark wie ein Eber sollte der Knabe werden und wurde Eberhard getauft. Zufrieden nickte der Graf.

Im Herbst brachte ein Bote den Befehl des Königs. »Sobald das Frühjahr anbricht, zieht ein Heer nach Böhmen. Wir, Heinrich, erwarten, dass Unser Freund, Graf Adolf, mit seinen Kämpfern Uns in diesem Krieg zur Seite steht.«

Keine Fragen, kein Wenn und Aber, der Herr von Berg rüstete während der kalten Monate und bestimmte für die Zeit der Abwesenheit einen seiner Gefolgsleute zum Vogt über Burg und Besitz.

Endlich lockerte der Winter die frostige Faust. Als der Schnee schmolz, das Eis brach und unten im Tal das Wasser der Dhünn über die Ufer trat, schnaubten die Pferde am Tor. Das Schwert gegürtet, auf Schild und Lanzenspitze blinkte die Morgensonne, der kleine Trupp war bereit zum Aufbruch.

Oben im Saal beugte sich Graf Adolf zum letzten Mal über die Wiege, dann drückte er kurz den Arm seiner jungen Frau und ging zur Tür. Sein Schritt dröhnte auf den Holzbohlen.

Adelheid legte die rechte Hand über den Leib und rief ihm nach: »Warte. Ich muss dir sagen …«

Ohne sich umzuwenden, schüttelte der Graf den Kopf. »Nicht jetzt. Später, wenn ich aus dem Krieg zurückkomme.«

»Wann wird das sein?« fragte sie angstvoll.

»Später.« Die Tür fiel ins Schloss.

Vom Fenster aus blickte die Alleingelassene dem Trupp nach, wie er den steilen Weg hinuntertrabte, vornweg, an der Spitze glänzte der Helm des Grafen. Mit beiden Händen schützte sie den Leib, und Tränen rannen ihr über die Wangen.

Im Sommer schenkte Adelheid zwei kräftigen Knaben das Leben, und bald schon verwandelte sich der Rittersaal in eine große Kinderstube. Liebevoll umhegte sie mit Hilfe der Amme ihre Söhne. Zwischen beiden Wiegen lag Eberhard still auf einer Decke, nur manchmal versuchte er, nach dem kleinen Holzball zu greifen, den die Mutter vor ihm hin- und herrollte. »Du bist nicht so stark wie deine Brüder.« Zärtlich hob sie das Kind auf. »Um so mehr liebe ich dich.«

Monate. Ein Jahr ging ins Land. Noch immer war Adolf nicht zurückgekehrt. Erst verstohlen, dann offen verfolgte sein Stellvertreter mit unzüchtigen Blicken die schlanke Gräfin, stellte ihr nach, und schließlich bedrängte er sie. »Ich bin jung.« Und: »Sicher ist dein Mann längst gefallen.« Und: »Zier dich nicht!«

Entrüstet stieß ihn Adelheid zurück. Der Vogt gab nicht auf. In hellem Zorn drohte sie ihm, bei der Rückkunft des Herrn alles von seiner Schamlosigkeit zu offenbaren. Fluchend stürmte der Abgewiesene hinaus.

Am nächsten Morgen war der Burgvogt verschwunden. Er sei nach Böhmen aufgebrochen, berichteten die Stallknechte.

Kaum war ein Monat vergangen, da kündeten Hornrufe unten im Tal der Dhünn die Rückkehr des Grafen an.

Mit schwerem Schritt betrat Adolf den Saal. Seine Gemahlin lachte ihm entgegen. Grob stieß er sie zur Seite und starrte auf die drei Kinder hinunter. Unbekümmert spielten sie miteinander. »Mein Eberhard. Und zwei Bastarde«, knurrte der Graf.

Adelheid schüttelte den Kopf. »Es sind deine Söhne, alle drei. Vor deiner Abreise wollte ich …«

»Du konntest nicht warten.« Damit fasste die Hand nach dem Schwert. »Mein treuer Burgvogt hatte recht.« Schon riss er die Klinge aus der Scheide.

»Er lügt. Bei der Heiligen Mutter Gottes, er lügt.«

»Du hast meine Ehre besudelt.« Er stach ihr den Stahl tief ins Herz.

Adelheid sank zu Boden. Verzweifelt warf sich die Amme über ihre leblose Herrin.

»Schafft mir diese Bastarde aus den Augen.« Mit aschfahlem Gesicht bestimmte Adolf, dass man sofort beide Kinder unten an der Dhünn, irgendwo im Dickicht des Waldes aussetzen sollte. So sehr die Amme um das Leben der Hilflosen flehte, kein Wenn und Aber, der grausame Befehl war ausgesprochen, und ein Knecht entriss ihr die verstoßenen Kinder.

Seine Ritterehre war wiederhergestellt. Doch jedes Lachen erstarb auf Burg Berg. Mit leerem Blick saß Graf Adolf da. Sein Herz wurde ihm zur steinernen Last. Alle Kämpfe, das mühsam Erreichte, sein Lebenswerk, alles das schien mit einem Mal so wertlos geworden zu sein.

Nach Tagen hielt es den Knecht nicht länger. Er hatte die schutzlosen Kinder ausgesetzt. Wenn ihm die Amme begegnete, wich er zur Seite. Ihr stiller Blick klagte nicht an, ihre gefasste Ruhe ertrug er nicht. Schuld, Zweifel und Reue wühlten ihn auf, gaben ihm schließlich den Mut, sich über den Befehl seines Herrn hinwegzusetzen und trieben ihn aus der Burg.

Entschlossen eilte er den steinigen Weg vom Berg hinunter zur Dhünn. Er warf sich ins Dickicht, drängte weiter zur Stelle, an der er die Knaben ihrem sicheren Tod überlassen hatte. Schon näherte er sich dem kleinen Wiesenplatz. Eine warme, behütende Stimme! Hastig schob er Zweige und BIätter zur Seite. Der Knecht erstarrte.

Vor ihm, auf der vom Sonnenlicht durchfluteten Lichtung, war eine Hecke wilder Rosen gewuchert. Im dornigen Geviert der blühenden Pracht beugte sich eine weißgekleidete Frau über die Kinder. Zärtlich hob sie einen der Jungen auf, streckte ihn hoch über ihren Kopf, bis er hell jubelte vor Glück. Lachend küsste sie das Kind, setzte es ab und ließ den Bruder hoch in der Luft schweben.

»Ein Wunder«, stammelte der Knecht, wandte sich um und stürmte zurück. »Ein Wunder!« Er riss die Saaltür auf und stürzte vor seinem Herrn nieder. »Ein Wunder ist geschehen!«

Atemlos berichtete er von der Dornenhecke, die schützend um die Kinder gewachsen war, vom Meer der Rosen, immer wieder von der Frau im weißen Gewand. »Herr, die Knaben leben. Die Heilige Jungfrau selbst beschützt sie.«

Die Starre fiel Adolf von den Schultern, das Herz des alten Mannes wurde weit und leicht. »Bring meine Söhne zurück.«

Sofort befahl er den Burgvogt zu sich. Die Fragen waren kurz und hart.

Kläglich zerbrach das Lügengebilde, und zitternd flehte der Vogt um Gnade.

Adolf furchte die Stirn. Zum ersten Mal überlegte er länger als gewöhnlich, auch ihn traf Schuld am Tod seiner Frau, schließlich entschied er: »Kein Blut für Blut. Aus meinen Augen. Hinweg mit dir aus meinem Bergischen Land!« Ohne Pferd und Waffen ließ er den Schändlichen davonjagen.

Von der Amme wurden die geretteten Söhne festlich gekleidet. Adolf und Bruno. Der kaum ältere Bruder Eberhard durfte ihnen Rosenblätter ins Taufwasser streuen. Graf Adolf hielt eine der weißen Blüten hoch. »Die wilde Rose soll von heut an das Wappenzeichen der Herren von Berg sein.« Er blickte hinunter ins Tal der Dhünn. »Dort, wo die Dornenhecke steht, werde ich zum Dank und zur Ehre der Muttergottes eine Kapelle...

Erscheint lt. Verlag 11.1.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Märchen / Sagen
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Bergisches Land • Rheinland • Sagen
ISBN-10 3-95540-754-3 / 3955407543
ISBN-13 978-3-95540-754-4 / 9783955407544
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