Gesegnet und verflucht (eBook)
208 Seiten
Riva Verlag
978-3-96775-034-8 (ISBN)
Nino de Angelo heißt eigentlich Domenico Gerhard Gorgoglione und wurde 1963 als Sohn italienischer Gastarbeiter in Karlsruhe geboren. Seit den 1980er-Jahren gehört er zu den Superstars der deutschen Schlagerszene. 18 Studioalben und zahlreiche Gold- und Platin-Auszeichnungen markieren seine Karriere. Mit seiner Hit-Single »Gesegnet und verflucht« gelang ihm 2020 ein fulminantes Comeback.
Nino de Angelo heißt eigentlich Domenico Gerhard Gorgoglione und wurde 1963 als Sohn italienischer Gastarbeiter in Karlsruhe geboren. Seit den 1980er-Jahren gehört er zu den Superstars der deutschen Schlagerszene. 18 Studioalben und zahlreiche Gold- und Platin-Auszeichnungen markieren seine Karriere. Mit seiner Hit-Single »Gesegnet und verflucht« gelang ihm 2020 ein fulminantes Comeback.
KAPITEL 1
ZURÜCK INS LEBEN
… ODER EINMAL HÖLLE UND RETOUR!
Das Ganze dauerte keine fünf Minuten. Von meiner Entscheidung, mich umzubringen, bis zu diesem Moment, als ich mit dem Springseil meines Sohnes auf dem Glastisch im Wohnzimmer stand. Das Seil hatte ich über mir um einen Balken an der Decke gelegt, danach eine Schlinge um meinen Hals gezogen. Ich tat das wie in Trance. Es gab keinen Abschiedsbrief. Keine letzte Umarmung für meine beiden Kinder. Keine entschuldigenden Worte an meine damalige Frau, oder gar den Versuch einer Erklärung, dass sie ohne mich doch sowieso besser dran seien. Nichts. Nur diesen einen Entschluss, das Seil und den Tisch. Man sagt, dass in so einer Situation das ganze Leben an einem vorbeirausche, wie in so einem Film. Aber das ist Bullshit. Ich spürte nur diese verdammte Leere. Mir war zuvor schlagartig bewusst geworden, dass ich nicht nur meine Frau verloren hatte, sondern meine gesamte Familie. Dass ich zu einer untragbaren Belastung geworden war. Ballast wirft man am besten über Bord, heißt es. Also schloss ich die Augen, atmete ein letztes Mal tief durch und trat einen Schritt nach vorne …
Meine erste Ehe war zu diesem Zeitpunkt längst kaputt gewesen. Wir wollten es uns nur nicht eingestehen. Wir hatten unsere Kinder, das Haus. Wir hatten viel Gutes erlebt, aber auch jede Menge Mist. Zu viel Mist. Meine Ex hatte immer wieder mit dem Gedanken gespielt, sich von mir zu trennen. Sie war es einfach leid, mir beim Saufen zuzusehen oder wie ich von einem Drogentrip zum nächsten rauschte. Ich war damals ziemlich heftig unterwegs. Dass ich Mitte der Neunziger gemeinsam mit Peter Maffay auf »Tabaluga«-Tournee ging, sollte uns zumindest eine kurze Verschnaufpause verschaffen. Wir hatten uns vor meiner Abreise mit einem riesigen Streit verabschiedet, aber danach war ich erst einmal drei Monate weg und die Wogen konnten sich ein bisschen glätten. Ich hegte sogar die leise Hoffnung, dass sie mir ein letztes Mal verzeihen würde. Auch wenn ich insgeheim wusste, dass mein Verhalten nicht mehr zu verzeihen war. Als ich wieder zu Hause war, standen wir vor den gleichen Problemen wie vor meiner Abreise. Und wäre nicht meine Krebsdiagnose dazwischengekommen, hätte sie sicherlich schon die Scheidung eingereicht.
Ich war gerade 32 Jahre alt, als es hieß: »Sie haben Lymphdrüsenkrebs.« Glückwunsch! Da werden selbst die größten Eheprobleme plötzlich klein und nebensächlich. Es kam das volle Programm: Bestrahlung, Kotzen, Schmerzen. Das einzige Tröstliche war, dass meine Frau und ich durch die Krebserkrankung noch einmal zueinander gefunden haben. Sie stand mir bedingungslos bei, wie ein unerschütterlicher Fels in der Brandung. Doch auch wenn ich ein Jahr später diesen Feind in meinem Körper besiegt hatte, stand ich letztendlich als Verlierer da. Ich wusste, dass ich meine Frau gehen lassen musste. Dass meine Ehe gescheitert war. Und meine Frau wusste es auch. Sie war während der Monate der Behandlung zu meiner Krankenschwester und Seelentrösterin geworden, aber sie war eben nicht mehr meine Frau. Ich bin mir sicher, dass von ihrer Seite zwar noch Liebe da war, aber eben nicht mehr genug, um daran festzuhalten.
Sie suchte sich damals Rat bei einem Eheberater oder Psychologen, ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Sie ging dort heimlich hin. Ich erfuhr erst davon, als sie mit unserer Situation nicht mehr zurechtkam und mir sagte, dass sie mich verlassen muss. Ich mache ihr bis heute keinen Vorwurf. Sie hat sich unsere Trennung wahrlich nicht leicht gemacht. Ich weiß noch, wie ich sie angefleht hatte, bitte nicht zu gehen. Aber sie hatte keine Wahl. Ich ließ ihr keine Wahl. Wenn sie bleiben würde, dann würde sie meinen Lebenswandel tolerieren, sagte sie. Dann sei sie eine Co-Süchtige, die mir helfe, meine Sucht zu dulden und sie in der Öffentlichkeit zu verschleiern. Das wolle sie nicht. Letztlich war es der Psychologe, der ihr zur Trennung riet. »Man muss ihn einfach fallen lassen«, erklärte er. Fallen lassen.
Vielleicht hatte ich genau deswegen den Strick gewählt. Es gibt schier unzählige Möglichkeiten, sich aus dem Leben zu verpissen. Autoabgase, Schlaftabletten, eine Überdosis. Manche rasen auch mit 250 Sachen gegen einen Baum. Aber sich erhängen? Heute weiß ich, dass ich wirklich fallen wollte. Weil ich dachte, ich hätte es verdient.
Und so griff ich an jenem besagten Morgen zu dem Springseil meines Sohnes.
Dabei hatte ich ja gerade erst den Krebs besiegt und hätte vor Lebenslust nur so sprühen müssen. Doch wenn du weißt, dass dich deine Frau verlassen und dass sie deine Kinder mitnehmen wird, versaut dir das ganz schnell die gute Laune. Bereits vor diesem Tag hatte uns die Vergangenheit eingeholt. Ich war längst in alte Verhaltensmuster zurückgefallen, hatte wieder angefangen zu trinken und mir jede Nacht mit meinen Kumpels um die Ohren gehauen. Frustsaufen vom Feinsten. So wie auch an diesem Morgen, als ich erst gegen acht Uhr nach Hause gekommen bin. Ich hatte mich absichtlich noch eine Weile bei einem Freund auf der Couch herumgedrückt, um zu warten, bis die Kinder in der Schule waren. Ich wollte nicht, dass sie mich in dem Zustand sehen. Das wollte ich nie. Es war kein schöner Anblick, dem eigenen Vater besoffen, angebimmelt und zugekokst zu begegnen. Meine Ex kannte diesen Anblick dafür zur Genüge. Und sie hasste es!
Da stand ich also vor ihr, voll auf Drogen und ziemlich heftig neben der Spur. Und es passierte, was passieren musste: Sie flippte aus! Meine Ex-Frau war niemals glücklich darüber gewesen, wenn ich mit Alkohol oder gar Kokain über die Stränge schlug. Ich weiß nicht, wie oft sie mich tränenüberströmt bekniet hat, bitte davon loszukommen. Aber dass ich mich nach meiner überstandenen Krebserkrankung so verantwortungslos selbst zerstörte, dafür hatte sie null Verständnis. Sie tobte und schrie. Sie warf mir vor, dass ich für alle nur eine Belastung sei, wenn ich so weitermache. An den Streit an sich erinnere ich mich nicht genau, dafür war ich zu sehr im Nebel. Aber ihre Worte: »Du bist eine Belastung« hämmerten sich in mein Gehirn.
Nach diesem Streit ist meine Ex im Bad verschwunden und ich saß alleine im Wohnzimmer. Zuerst starrte ich nur wie versteinert ins Leere. »Ich bin eine Belastung«, schoss es mir wieder und wieder durch den Kopf. Dann sah ich den schweren Holzbalken an der Decke und wusste, was zu tun war: »Ich mache dem Ganzen ein Ende. Punkt!« Ich wollte für meine Familie, die ich über alles liebe, keine Belastung sein. Nie wieder. Ich wollte einfach vom Erdboden verschwinden. Das berühmte Loch graben, in dem man versinkt. In diesem Moment musste ich mir schmerzlich eingestehen, versagt zu haben. Ich hatte es nicht geschafft, von den Drogen loszukommen, trotz meiner Therapien. Nicht geschafft, meine Ehe zu retten. Ich war am absoluten Tiefpunkt. Orientierungslos irrte ich durch sämtliche Räume, durch die Küche, den Flur, durchs Kinderzimmer. Im Zimmer meines Sohnes lag dann dieses weiße Springseil mit den bunten Holzgriffen. Kurzerhand nahm ich es, dachte an den Balken, und stellte mich auf den Wohnzimmertisch. Es war ein Glastisch aus grünem Milchglas, ein Designertisch. So würde ich wenigstens mit Stil abtreten. Ich machte das Seil fest, legte es mir um den Hals, drehte mich um die eigene Achse … und ließ mich fallen. Dann wurde mir schwarz vor Augen.
Dass ich überhaupt noch lebe, verdanke ich meiner damaligen Frau. Ob es Zufall war oder Schicksal, dass meine Ex genau rechtzeitig aus dem Badezimmer kam, das frage ich mich noch heute. Sie war stinksauer auf mich, warum also sollte sie nach mir sehen? Noch hatte ich trotz der Kurzschlussreaktion sicherlich nicht so viel Lärm gemacht, als dass sie mich hätte hören können. Auch ist es mir im Nachhinein ein Rätsel, wie sie es schaffte, so schnell das Seil durchzuschneiden. Es sollte wohl so sein. Das Nächste, was ich gespürt habe, waren zwei dumpfe Schläge. Den ersten Schlag, als ich mit dem durchschnittenen Seil mit dem Kopf auf die Tischplatte krachte, den zweiten, als ich damit auf den Boden kam.
Und endlich kam die Luft zurück. Ich lag auf dem Boden mit weit aufgerissenen Augen und schnappte mit einem Aufschrei wieder nach Luft. Anfangs panisch hechelnd, dann wurde meine Atmung tiefer. Je mehr die Panik verschwand, desto mehr bekam ich Luft. Wie knapp ich dem Tod entgangen war, wurde mir erst später bewusst, als ich an mir runtersah und merkte, dass ich mich vollgepinkelt hatte. Ich habe später erfahren, dass das normal ist. Dass mit dem Tod sich sämtliche Körperöffnungen entleeren. Ich war wirklich schon halb im Jenseits gewesen. Wäre meine Frau wohl ein paar Sekunden später gekommen, ich wäre mit Sicherheit nicht mehr aufgewacht.
Meine Frau war, welche Überraschung, sauer. Sie war sogar sehr sauer. In ihren Augen konnte ich kein Mitleid erkennen oder gar Sorge um mich, sondern nur blinde, verständnislose Wut. Sie schickte mich unter die Dusche und erklärte mit Worten, die keine Widerrede zuließen, dass ich das Chaos beseitigen solle,...
| Erscheint lt. Verlag | 21.3.2021 |
|---|---|
| Co-Autor | Mario Weidemann |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Schlagworte | 1980er • 1980er Jahre • 80er Jahre • Achtzigerjahre • Album • Andrea Berg • Angel Lost in Paradise • Angelo Autobiografie • Angelo Biografie • Angelo Buch • Autobiografie • Bestseller • Biografie • Brennender Engel • Buch • Buchempfehlung • Buchgeschenk • CD • Chris Harms • Colonia • Comeback • COPD Buch • Das Leben ist schön • de Angelo Autobiografie • de Angelo Biografie • de Angelo Buch • Denn wir wissen nicht was wir tun • Der Panther • Deutschland • Deutschrock • Dieter Bohlen • Dieter Bohlen Buch • Doch Tränen wirst du niemals sehen • Domenico Gerhard Gorgoglione • Drafi Deutscher • Drogen • Empfehlung • Equilibrium • Es war alles am besten • Eurovision Song Contest • Fan • Fangeschenk • Flieger • Freunde • Geburtstag • Geburtstagsgeschenk • Geschenk • geschenk buch • Geschenk für Musikfans • Geschenk für Rockfans • Geschenk für Schlagerfans • Gesegnet & Verflucht • Gesegnet & Verflucht CD • Gesegnet und verflucht • Gesegnet und verflucht Buch • Gesegnet und verflucht Nino de Angelo Buch • Gesegnet und verflucht Nino de Angelo CD • Giovanni Zarrella • Helden • Helene Fischer • Hit • Ich bin dein Vampir • Ich sterbe nicht nochmal • Insolvenz • Italien • Italienisch • italienischer Sänger • Italienischer Schlager • Jenseits von Eden • Jenseits von Eden • Jenseits von Eden 2021 • Junges Blut • Jürgen Drews • Jürgen Drews Buch • Karel Gott • Krankheit • Krankheit Buch • Krankheit überwinden • Krebs Buch • Lebenshilfe • Lungenkrankheit Buch • Mariah Carey Buch • Modern Talking • Musik • Musiker • Musikerbiografie • Neuerscheinung • Neuerscheinungen • neues album • Nino Autobiografie • Nino Biografie • Nino CD neu • Nino d' Angelo • Nino de Angelo • Nino de Angelo Autobiografie • Nino de Angelo Best of • Nino de Angelo Biografie • Nino de Angelo Buch • Nino de Angelo CD • Nino de Angelo Gesegnet und verflucht • Nino de Angelo neue CD • Nino de Angelo neues Album • Nino de Angelo Vinyl • Nino de Angelo Zeit heilt keine Wunden • Nino di Angelo • Ostern • Pop • Popstar • Promi Big Brother • Ratgeber • Rock • Rockstar • Roland Kaiser Autobiografie • Roland Kaiser Buch • Romeo & Juliet • Sag es meinem Herzen bitte nicht • Samuraj • Sänger • Scarlet Dorn • Schicksal • Schicksal Schlagerstar • Schlager • Schlager der 80er • Schlagerfan • Schlagerfans • Schlagersänger • Schlagerstar • Schlagerszene Drogen • Schulden • schwindelfrei • Sonnenkind • Spielsucht • Star • Suizid Schlagerstar • Träumer • träumer edition • Unter Uns • Unter uns Buch • Verfluchte Zeiten • Weihnachten • Weihnachtsgeschenk • Weltstar • Wir sind Giganten • ZDF Hitparade • Zeit für Rebellen • Zeit heilt keine Wunden |
| ISBN-10 | 3-96775-034-5 / 3967750345 |
| ISBN-13 | 978-3-96775-034-8 / 9783967750348 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich