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Sozialismus Skinhead Sumo -  Lothar Berg

Sozialismus Skinhead Sumo (eBook)

Das Leben des Alexander Czerwinski

(Autor)

eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
230 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7526-1642-2 (ISBN)
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5,99 inkl. MwSt
(CHF 5,85)
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Ein Mann wie ein Fels! Ein ewiger Kämpfer! Alexander Czerwinski alias Sumo Alex. Aufgewachsen in der DDR. Vorzeigeathlet , gedrillt gedopt im Eliteinternat des ASK (Armeesportklub) Frankfurt/Oder. Einmal quer durch das Rotlichtmilieu bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken. Einsteiger, Aussteiger. Sumo-Weltmeister mit der Nationalmannschaft und Freefighter. Alexander Czerwinski hat nichts ausgelassen, nicht auf der Matte, nicht im Ring und erst recht nicht auf der Straße. Ein Leben voller Tränen, Blut und Schweiß. Schnauze halten ist nicht sein Ding. Immer gerade heraus - Kampfansage - so wie auch hier in dieser Biografie.

Der Autor Lothar Berg wurde 1951 an der Ruhr geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine Veröffentlichungen befassen sich zumeist mit Alltagscharaktere, den menschlichen Schicksalen und den Abgründen des menschlichen Daseins. Seine Kurzgeschichten, Romane und Poesie sind ein ständiger Drahtseilakt zwischen Drama und Komödie. Die Werke zeichnet die ehrliche, authentische und brachiale Sprache aus, die keinen Zweifel an den Absichten der Protagonisten zulässt. Lothar Berg verbindet seine Lebenserfahrung, seine eigenen Erlebnisse mit Fiktion und dominiert durch Authentizität, die seinen Werken Glaubhaftigkeit verleiht.

DER ERNST DES LEBENS


Obwohl Papa Beziehungen zur Partei hatte und Omas Durchsetzungsvermögens besaß, nahm uns ein Politbonze die Kneipe in Dierhagen weg. Er tat das zwar auf eine gewisse Weise charmant, aber es hatte schon etwas von Enteignung. Das Erlebnis sollte mich jedoch nicht davon abhalten, in den kommenden Jahren zu einem überzeugten Anhänger unserer Republik zu werden.

Zum Glück behielten wir aber das Grundstück mit dem Haus, so dass Kay und ich die Blindschleichen, die Dwarslöper, das Gespensterwäldchen und all die anderen tollen Dinge im Sommer nicht vermissen mussten, obwohl die Familie erst nach einiger Zeit wieder in Gresenhorst, nahe bei Dierhagen, eine Kneipe zur Bewirtschaftung erhielt.

Ich war älter geworden, nun schon sechs oder sieben Jahre alt und das Leben wurde härter. Ich war ein kräftiges Kind und konnte mich einfach nicht an den Namen „Dicker“ gewöhnen, der mir nun des Öfteren in den Ohren hallte. Ich war viel mit dem Fahrrad unterwegs.

Aus den Rittern waren Piraten geworden. Wir bauten Flöße, die auf dem Wasser in den Kiesgruben eingesetzt wurden. Andere Stämme, Nachbarkinder, traten auf dem Plan. Wir mussten unsere Höhlen und Wasserfahrzeuge verteidigen. Da wurde auch schon mal gerungen und gelegentlich flogen ein paar Steine. Aber das war sicherlich so in Ordnung, wie mir 14täglich die Vorkommnisse in und vor unserer Gaststätte immer wieder bestätigten.

Dort konnte ich sehr gut, aus der Wohnung über der Kneipe, die Auseinandersetzungen der Erwachsenen verfolgen. Was habe ich mir die Nase platt gedrückt am Fenster, wenn nach dem Tanzabend, in der Regel ab 22.00 Uhr, draußen die Keilereien losgingen. Da gingen sie aufeinander los, die Platzhirsche, die Stiere, die Kerle.

Da ging ein Pärchen in die Dunkelheit und kam nach 20 Minuten wieder zurück, während ein anderer Kerl schon wartete. Dann haben sich die beiden Männer in die Fresse gehauen und die Frau verschwand mit dem Sieger in der Gaststätte.

Oder Freunde verließen das Lokal und begannen sich zu streiten. Schlugen und traten aufeinander ein. Als sie beide bluteten, vertrugen sie sich, stützten sich und verschwanden in der Dunkelheit.

Manchmal war auch nichts zu verstehen, da kamen zwei heraus, brüllten sich an, drumherum eine wilde Meute, schlugen sich und gingen wieder zurück.

Das ganze geschah in aller Regelmäßigkeit.

In Zilles Milljöh heeßt det wohl „bei Zickenschulze“.

Ich war voll motiviert und stürzte mich am nächsten Tag mit aller Energie in die Verteidigung unserer Spielplätze.

*

Es gab aber auch Erlebnisse, die ich damals noch gar nicht begriffen habe. Da war dieser Mann, der gelegentlich stinkbesoffen und mit heruntergelassenen Hosen in den Dünen in Dierhagen hinter den Mädels hinterher lief. Was er genau hinter den Frauen hinterrief weiß ich nicht mehr, denke mir aber heute, dass es mehr oder weniger unzweideutige Aufforderungen waren.

Viele Jahre später habe ich ihn dann wieder gesehen, im Fernsehen. Er war der Moderator des Schwarzen Kanals, Karl Eduard von Schnitzler.

Seine Auftritte damals, in den Dünen, wären bestimmt eine Meldung in seiner Sendung wert gewesen wäre.

Doch das Leben hielt noch ganz andere Sachen bereit. Es besteht nicht nur aus Vergnügen, sondern auch aus Pflicht. Diese holte

mich 1.September 1975 ein. Es war der Tag meiner Einschulung.

So richtig viel versprechend schien mir der Anfang nicht, als ich mich auf dem Dachboden der alten Dorfschule hinter das Pult quetschte, das noch fest mit der Sitzbank verbunden war.

Unsere Klassenlehrerin, Frau Krönke, war eine lange und hagere Erscheinung. Für mich zunächst eine fleischgewordene Figur, aus Kays und meinem Gespensterwäldchen. Sie hätte einmalig zwischen die Kiefern gepasst. Tag für Tag wurde sie jedoch immer menschlicher und wir bekamen eine nette und liebe Frau zu spüren.

Das Gefühl stellte sich bei der strengen Frau Rist nicht ein. Sie war eine „super rote Socke“, was ich erst viel später begriff. Sie war insgesamt ziemlich eklig und so, wie sie sich aufführte, schien sie von sich zu glauben, etwas Außergewöhnliches zu sein.

Als einmal ihr Sohn Mike das Lied „Ein Herz für Kinder“ von Andrea Jürgens sang, erhielt er sofort Wortverbot von seiner Mutter, damit nicht der Verdacht aufkam, dass bei ihnen zu Hause Westfernsehen geguckt wurde.

Frau Rist war auch dafür bekannt, dass sie die Kinder immer wieder befragte, ob die Uhren im Fernsehen als Sekundeneinteilungen Striche oder Punkte hätten.

War die Antwort Punkte, war alles in Ordnung, da das DDR-TV auf seinen Uhren Punkte hatte. Bei der Antwort Striche konnte es nur das BRD-TV sein. Damit waren eine Meldung und daraus folgende Repressalien fällig.

Doch Kinder haben ein gutes Gespür für Gefahr und so hatte Frau Rist nicht die Menge an gewünschten Spitzelerfolgen, wie sie es sich vielleicht gewünscht hätte.

*

Ich fand mich ganz gut in das System ein. Der liebe Gott hatte

mich mit einer guten Auffassungsgabe versehen, so dass ich schon beim Zuhören eine Menge von dem Stoff behielt, den der Lehrer

dort vorne vortrug. Nicht jeder kam bei der Materie so gut mit. Wie auch beim Militär, so war auch hier die Truppe nur so schnell wie

der Langsamste. Diese Weisheit habe ich im Leben noch sehr oft erleben müssen.

Aber daran verschwendete ich, als Steppke in kurzen Hosen, natürlich noch keinen Gedanken.

In manchen Stunden rauschte der Wortschwall der unterrichtenden Person, dort vorne an der Tafel, nur so an mir vorbei. Mein Blick glitt nach draußen und fing sich in den Sonnenstrahlen oder in den Wipfeln der Bäume wieder. Ab und zu knallte mir ein überlautes: „ALEX!“ ans Ohr und mir wurde wieder bewusst, wo ich war, aber das hat mich nicht wirklich beeindruckt und schon gar nicht ins Hintertreffen gebracht.

Ich ging gerne zur Schule. Nicht immer voller Begeisterung, aber doch gerne. Schließlich traf ich hier auch die anderen Recken aus unserer Gegend. Heiko, Thomas, Mike und wie sie hießen.

Mit denen bestanden Kay und ich Kämpfe gegen andere oder untereinander.

Mal nur so, aber manchmal auch um die Ehre oder um ein Mädchen. Ein Grund fand sich immer. Entweder weil wir die Zugezogenen waren oder aber weil die anderen die Doofen vom Land waren. Mal krachte es, weil jemand zur falschen Zeit, am falschen Ort die falschen Leute traf und dann gab es Zoff, weil alle zum richtigen Zeitpunkt am selben Ort waren. Der Schulhof war die Zeit des Träumens, des Lernens und der Auseinandersetzungen. Schlimmer konnte es nicht werden. Das dachte ich zumindest in diesen ersten Jahren der Schule.

*

Während dieser Jahre war meinem Bruder und mir die Dackeldame „Inka“ eine liebe und aufmerksame Begleiterin gewesen. Unser Fährten- und Spürhund bei allen Gefahren. Eines Tages kam ich auf den Hof, auf dem unser Wolga, ein Auto russischer Marke, stand. Drumherum rasten sämtliche Köter des Dorfes und veranstalteten ein Gewinsel, Geheule und Gehechel. Im Auto saß Inka und genoss die Aufmerksamkeit. Für mich sah es damals wie ein Indianerangriff auf eine Wagenburg aus.

Als sie starb, war es ein Verlust, aber ich habe es verstanden. Inka war in Ehren alt geworden und friedlich eingeschlafen. Da wir hier in Gresenhorst mit Schweinen, Hühnern, Enten und Hasen aufwuchsen, war mir das Zusammenspiel von Leben und Tod schon vertraut.

Trotzdem traf mich der Tod des Hauskaters „Murkel“ bis in den tiefsten Winkel meiner kleinen Seele. Ich war zu Hause, als er sich heranschleppte. Immer wieder brachen seine Hinterläufe ein. Mir krampfte es mein Herz zusammen und ich konnte nicht verstehen, was sein jämmerliches Miauen mir mitteilen wollte.

Vor allem konnte ich ihm nicht helfen. „Murkel“ schaffte es bis vor meine Füße, dann brach er zusammen und sah mich flehentlich an. Ich tat was ich konnte, deckte ihn mit einer Decke zu, stellte ihm etwas zum Essen und zum Trinken hin. Aber es half nichts. „Murkel“ starb, mit einem vorwurfsvollen Blick aus seinen grünen Augen. Er wurde nur zwei Jahre alt. Wäre er doch bei seiner Jagd auf Mäuse geblieben und hätte nicht alles probiert, was ihm in den Weg kam. So musste er irgendwo Rattengift gefressen haben, wie ich viel später erfuhr.

Nun hatte ich zwei Lebensgefährten verloren, die einen Teil meiner Kindheit ausgemacht hatten. Aber es gab Trost.

Ein paar Wochen nach Inkas Tod bekamen wir einen Schäferhundwelpen, den wir „Irak“ nannten. Von nun an war er der Dritte im Bunde, wenn wir uns gegen den Rest der Welt oder doch zumindest gegen die dörflichen Kinder durchsetzen mussten.

Besonders denke ich da an die Familie in der unmittelbaren Nachbarschaft, die mit ihrer ordnungslosen Lebensweise für Spannung und Angst sorgte. Für mich war das immer eine Asi-Familie. Der Vater soff, krakeelte rum und urinierte in aller Öffentlichkeit. Gelegentlich bekamen wir auch Einsicht, wie die eingerichtet waren, wenn mal ein Stück ihres Mobiliars aus dem Fenster flog. Die Frau keifte ständig irgendjemandem hinterher, stritt mit...

Erscheint lt. Verlag 11.11.2020
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-7526-1642-3 / 3752616423
ISBN-13 978-3-7526-1642-2 / 9783752616422
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