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Scheußlich beste Freunde -  Amigo Miguelito

Scheußlich beste Freunde (eBook)

Wie alles begann
eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
376 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7504-6619-7 (ISBN)
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Manuels Leben ändert sich schlagartig, als ein fremder Junge ihn in letzter Sekunde aus dem Schwitzkasten seines Nachbarn rettet. Mit sizilianischem Temperament und verrückten Ideen bringt Calogero ihn zum Lachen und manchmal fast bis zur Verzweiflung. Wiederbelebende Fürze sind seine Spezialität. Schnell werden die beiden beste Freunde, die sich vereint dem täglichen Wahnsinn stellen. Vom Fußballfieber bis zur Videospielsucht machen sie alles gemeinsam durch, manche Aktionen halten die Jungs vor ihren Eltern allerdings aus gutem Grund lieber geheim. Als dennoch einer ihrer Bubenstreiche ans Tageslicht zu kommen droht, steht ihre Freundschaft auf dem Spiel.

KAPITEL 1

25 Pfennig für eine 25-jährige Freundschaft

(Juli 1990)

Damals, im Juli 1990, war ich vier Jahre alt und lebte mit meinen Eltern, meinem Wellensittich Toni und meinem kleinen Bruder Kalvin, der erst zwei Monate zuvor auf die Welt gekommen war, inmitten einer verrückten, multikulturellen kleinen Großstadt des Rhein-Main-Gebiets.

Da wir in einer nicht sehr großen Dreizimmerwohnung hausten, musste ich seit der Ankunft meines Bruders mein geliebtes Zimmer teilen, denn eine größere Wohnung war zu diesem Zeitpunkt finanziell einfach nicht drin. Unsere Eltern konnte man sicherlich nicht als Bonzen bezeichnen. Sie arbeiteten sich nonstop den Arsch für uns ab und versuchten stets dafür zu sorgen, dass es uns an nichts fehlte. Bei all der Liebe und Fürsorge achteten sie aber auch genauestens darauf, dass sie uns nicht allzu sehr verwöhnten. Besonders wenn es um Videospiele ging, die aus ihrer Sicht nicht lebensnotwendig und sinnlos waren, schalteten sie ganz schnell in den Raffzahn-Modus.

Während Mirek, unser Vater, den halben Tag bei Löbro, einer damaligen Produktionsfirma für Antriebswellen, rackerte, arbeitete unsere Mutter Paola, so oft es ging, als Friseurin in einem benachbarten Friseursalon. Dabei waren unsere Großeltern Fred und Carla ihnen eine große Hilfe. Sie wohnten gleich in der Parallelstraße und kümmerten sich um meinen Bruder und mich, wann auch immer unsere Eltern beide zur selben Zeit arbeiten mussten. Ab und an passte auch unsere andere Oma, die Mutter meines Vaters, auf uns auf. Ihr Name war Eliska.

Wir wohnten ungefähr eine Viertelstunde zu Fuß von der Innenstadt entfernt. Unsere gesamte Nachbarschaft war multikulti und Ausländerhass war in unserer Gegend ein Fremdwort. Praktisch jede Nation war vertreten. Meine Eltern selbst hatten auch ausländische Wurzeln. Mein Vater war in Tschechien geboren und meine Mutter war zur Hälfte Spanierin. Bei uns zu Hause wurde aber nur Deutsch gesprochen.

In unserer Straße gab es neben zahlreichen Mehrfamilienhäusern eine Schule mit Turnhalle und einen Park mit großer Grünfläche, auf der fast jeder Hundebesitzer aus der Nachbarschaft seinen Vierbeiner hinscheißen ließ. Dies machte das Fußballspielen dort für uns Kinder besonders interessant.

Das eigelbfarbene, vierstöckige Mehrfamilienhaus mit der Hausnummer 19, in dem wir lebten, befand sich genau in der Mitte der Straße. Über eine tunnelähnliche Einfahrt gelangte man auf den Hinterhof, den wir uns mit den Hausbewohnern der benachbarten Hausnummer 17 teilten. Die eine Hälfte des Hofs war mit einer Rasenfläche bedeckt, die andere mit rechteckigen grauen Steinen asphaltiert. Dort parkten die Bewohner ihre Autos. Vor der Eingangstür zu unserem Haus war die Hauptattraktion des Hofs: ein großer Sandkasten. Vor ihm stand eine Sitzbank aus Holz und neben dieser ein kleiner Mülleimer. Hier verbrachten wir sehr viel Zeit.

Unsere Wohnung lag im Erdgeschoss des Hauses. Gegenüber von uns wohnte der seltsame Herr Hoffmann. Sein Gesicht war leichenblass und sehr eingefallen. Unter seinen blutunterlaufenen Augen konnte man unschwer dicke schwarze Tränensäcke sehen. Seine graugilben Haare waren immerzu zerzaust und seine gesamten Zähne bis aufs Äußerste verschimmelt. Ihn umgab immer so ein gewisser Kellergeruch. Wenn man Herrn Hoffmann mal im Treppenhaus begegnete, redete er nie und schaute einem ganz tief in die Augen, während er sich im Rückwärtsgang stillschweigend in seine Wohnung verzog. Manchmal konnte man dabei noch einen kleinen Blick in seine Wohnung erhaschen. Die Wände seines Flurs waren mit einer orange-braunen Tapete im Sechziger-Look tapeziert. Obwohl er immer nur kurz seine Wohnungstür öffnete, entfleuchte aus seiner Gruft sofort ein unangenehmer Friedhofsgeruch, der noch Stunden später im ganzen Treppenhaus zu riechen war. Zu fast jeder Tageszeit hatte Hoffmann an all seinen Fenstern die Rollläden heruntergelassen. Besuch hatte er auch so gut wie nie. Ein wirklich sehr seltsamer Typ. So wie ihn stellten wir uns einen typischen Psychopathen vor.

Über uns wohnte ein älteres Ehepaar namens Supplie. Sie hatten keine Kinder und oft sah es auch so aus, als würden sie alles, was mit diesem Thema zu tun hatte, hassen. Er, Bernhard, war damals ungefähr Ende 50 und hatte schon fast eine Glatze. Zum Lachen musste er wahrscheinlich auf den Mond fliegen, denn man sah nie ein Anzeichen von Freude in seinem Gesicht. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er als junger Mann bei einem Unfall seinen linken Arm verloren hatte und deshalb sehr eingeschränkt war. Seine Frau, Gisela, war wie ihr Ehemann ebenfalls ein Mensch mit wenig Lebensfreude. Sie muss damals so Anfang 50 gewesen sein. Mit hochtoupierten Haaren und billigem Make-up gestylt hing sie ständig am Küchen- oder Schlafzimmerfenster herum und beobachtete von dort aus ganz aufmerksam, wie die anderen Kinder und ich im Sandkasten spielten. Genau wie ihr Göttergatte konnte sie es nicht ertragen, dass Kinder Spaß hatten. Und das ausgerechnet noch in „ihrem" Hof! Die Hausordnung besagte, dass jeden Tag in der Zeit von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr eine Mittagsruhe eingehalten werden musste. Für die Supplies gab es kaum etwas Schlimmeres als das Missachten dieser heiligen Mittagsruhe. Wenn es aber dann doch eine Sache gab, für die die Supplies Liebe empfanden, dann war das für die Spielshow Glücksrad und ihren hochglanzpolierten silbernen Mercedes, der behindertengerecht umgebaut war und meistens auf der asphaltierten Fläche des Hofs stand.

Außer den Kokinellis, die im vierten und obersten Stockwerk lebten, wurde unser Haus von kinderlosen Rentnern, ähnlich den Supplies, bewohnt.

Die Kokinellis waren ein griechisches Paar mit einer zehnjährigen Tochter namens Sabrina. Wir verstanden uns sehr gut mit ihnen. Ab und an kamen sie zu uns zu Besuch oder wir waren bei ihnen zu Gast. Dabei spielte ich immer mit Sabrina ein griechisches Kartenspiel, das sie mir beigebracht hatte. Der Mann, Stefanos, war sehr still und zurückhaltend, was man von seiner Frau nicht behaupten konnte. Vicky war von Natur aus eine sehr laute, emotionale, aber auch eine sehr herzliche Person.

Mit den restlichen Bewohnern hatten wir kaum etwas zu tun. Man kannte sich nur so vom Sehen.

Auch mit ein paar Familien aus der benachbarten Hausnummer 17 hatten wir hin und wieder Kontakt. Anna und Rudolf Priem wohnten im obersten Stockwerk und waren damals mit meinen Eltern schon lange sehr gut befreundet. Die beiden waren einige Jahre älter als meine Eltern. Ich schätze, sie waren zu diesem Zeitpunkt so Mitte 30. Sie war ein sehr freundlicher und aufgeweckter Mensch. Er etwas grantig, aber im Wesentlichen auch sehr nett. Rudolf arbeitete bei einem Autoreifenhersteller und trainierte nebenbei eine Jugendfußballmannschaft. Mein Vater und er kannten sich schon viele Jahre lang vom Sportplatz. Die Priems besaßen zudem eine Videothek in unserer Innenstadt und versorgten uns immer mit den aktuellsten Zeichentrickfilmen oder Kino-Blockbustern.

Neben ihnen wohnte das italienische Paar Genaro und Maria Di Mauro mit ihren beiden Kindern Pepino und Isabella. Pepino war damals, 1990, neun Jahre alt und ein richtig frecher Rotzlöffel. Egal, was er auch anstellte, seine Eltern ließen es ihm durchgehen. Sie hielten nichts von einer strengen Erziehung. Pepino hatte dunkelbraunes Haar und ein Gesicht, das geradezu dafür gemacht war, um zu provozieren. Stets hatte er ein dämliches, breites Grinsen auf der Visage, bei dem man seine großen Biberzähne sehen konnte. Wie gern hätte ich sie ihm damals alle ausgeschlagen, doch er war nicht nur älter als ich, nein, er war leider auch anderthalb Köpfe größer als ich und nutzte dies schamlos aus, um mich und die anderen kleineren Kinder im Hof zu knechten und manchmal sogar zu vermöbeln. Immerzu nahm er mich grundlos in den Schwitzkasten oder gab mir Ohrfeigen. Ich hasste Pepino. Der Rest seiner Familie war sehr nett, warum konnte er nicht so wie sie sein? Umso komischer war, dass er als einziges Kind von den Supplies gemocht wurde.

In den unteren Stockwerken, unter Pepinos Eltern, wohnten zwei jugoslawische Familien mit ihren drei Babys und unsere Hausmeisterin mit ihrer Sippschaft, die in Sachen Anstand der Familie Flodder in nichts nachstand. Die Hausmeisterin hieß Else Breit, und ihr Nachname war Programm: Sie sah Jabba the Hutt zum Verwechseln ähnlich. Für jeden Schritt, den sie beim Kehren im Hof machte, musste sie mindestens eine Viertelstunde lang ausruhen. Außerdem war sie die Klatschtante unserer Nachbarschaft und war, wie ihre Namensvetterin Else Kling aus der Seifenoper Die Lindenstraße, immer über alles und jeden bestens informiert.

Als Vierjähriger verbrachte ich den Großteil meiner Zeit damit, auf unserem Hof mit den anderen Kindern zu spielen. Da ich noch zu jung war und meine Mutter die übelste Paranoia hatte, durfte ich nicht alleine oder in Begleitung anderer Kinder auf den nahe gelegenen Spielplatz gehen. Die Paranoia war ja nicht ganz unbegründet. Neben dem Spielplatz, der von allen wegen seines Teichs nur „Weiher" genannt wurde, war ein gut besuchter Kiosk, und je nach Saison hielten sich dort zahlreiche Penner, Säufer und ab und an auch mal ein paar Junkies auf....

Erscheint lt. Verlag 11.6.2020
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
ISBN-10 3-7504-6619-X / 375046619X
ISBN-13 978-3-7504-6619-7 / 9783750466197
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